Harpegnathor venator, Haltungserfahrungen

Informationen, Haltungsberichte und Fotobeiträge

Re: Harpegnathor venator, Haltungserfahrungen

Beitragvon Abmeise » 8. Apr 2019 01:01

Gruß, :grin:
Nach Ankunft meiner Harpegnathos venator sollten sie direkt in ein großräumiges Terrarium einziehen, 120 cm x 100 cm x 60 cm.
IMG-20190120-WA0007.jpg

Ich wusste, ich würde sie wohl im ersten Jahr selten bzw. gar nicht sehen. In einem Erdnest würden sie für lange Zeit im verborgenen Bleiben. Alles das hätte ich in Kauf genommen, damit die Kolonie überlebt. Die vielen Haltungsberichte die ich lesen dürfte, zeigten eindeutig, das es schwer ist, diese Art ein Jahr am Leben zu erhalten. An dieser Stelle danke ich allen ,die ihre Erfahrungen mit allen Anderen teilen. Ich hoffe das die von mir zusammengetragenen Informationen helfen werden, den Venatoren gerecht zu werden. Ich hoffe diesen Vorteil nutzen zu können.
Die Ameisen werden für fortgeschrittene Ameisenhalter empfohlen, ich bin ein Laie. Erst seit November 2018 habe ich Camponotus nicobarensis in meiner Obhut. Da ich weiß, das Defizite vorhanden sind, setze ich mich mit dem Thema auseinander. Ich muss nicht ständig Eier, Larven und Puppen zählen, denn Venatoren sind sehr stressempfindlich und reagieren nicht selten mit dem Tod darauf. Ich akzeptiere, wenn sie sich vor mir verbergen, ich möchte jedoch nur wissen, das sie noch da sind. Deshalb entließ ich sie erst einmal nicht in ihre vorgesehene Behausung, sondern setze sie in eine Plastikschachtel. Ich musste davon ausgehen, das in den folgenden Stunden und Tage noch Tiere verenden werden. Die Schachtel befühlte ich mit Kokoshumus. Als Unterschlupf bot ich den sieben eine Mulde an, die ich mit einem Rindenstück abdeckte. Den Eingang haben sie schnell entdeckt und verschwanden darin. Die letzte wurde hineingetragen. Vermutlich war man der Gyne behilflich.
Nach einem Tag viel mir eine Ameise auf die permanent in der Arena wieder und wieder die Wände ablief. Sie suchte eindeutig den Ausgang. Ich sah auch, wie sie einmal aus der Mulde getragen wurde. Sie ging aber sofort wieder hinein.
Am Tag 2 schloss ich eine weitere Arena an. Hier wollte ich den Harpegnathor Venator die Futtertiere anbieten. Es dauerte keine 5 Minuten und die Abtrünnige war da, zog sofort ein und baute sich ein Nest. Sie ging nie wieder zurück. In regelmäßigen Abständen schaute eine angebliche Schwester vorbei. Ging dann aber wieder. Die einzelne kam auch in der neuen Arena nicht zur Ruh. In einigen Haltungsberichten wurde ebenfalls solches Verhalten beobachtet. Die Tiere die so auffällig aktiv sind, sterben in den nächsten 2 Tagen. Es war so wie so Zeit, die Quarantäne zu beenden. Ich öffnete beide Arenen, nun hatten alle 7, die Möglichkeit das Terrarium zu beziehen. Dies wurde jedoch, nur von der Einen genutzt. In den nächsten 14 Tagen tauchte sie immer wieder im Terra auf, Scheibe rauf Scheibe runter. Am 16.02.2019 ca. 18 Uhr wurde sie das letzte mal gesehen. Denke sie ist tot. :oops: Bei dieser Ameise hatte ich nie wirklich die Chance gehabt, ihr das zu geben, was sie gesucht hatte. Bei mir war es nur eine Einzelne, bei manchen anderen Halter war es die ganze Kolonie.
Vielleicht hat sie auch gegründet oder ist zu den Anderen zurückgekehrt, bekanntlich stirbt die Hoffnung zu Letzt . :roll:
Da waren es schließlich von 8 nur noch 6. Die Mulde haben sie als Nest angenommen und ausgebaut. Ihnen reichen wohl die 20 cmx 20cmx 5cm.
Fazit: Die Abtrünnige war nie Bestandteil dieser Kolonie gewesen. Sie wär von den Anderen adoptiert worden. Die Verbindung zu ihrer alten Kolonie war jedoch so groß, das dieses ihr Verderben war.
Wenn Arbeiterinnen von einem Außeneinsatz nicht ins Nest zurückkehren, wird man nach ihnen suchen. Da bin ich mir sicher. :lol:
Mfg. Denny
Dateianhänge
20190327_071601.jpg
Abmeise
member
member
 
Beiträge: 17
Alter: 43
Registriert: 28. Mär 2019 04:42
Land: Germany (de)
Hat sich bedankt: 0 Danke
Danke bekommen: 4 mal

Re: Harpegnathor venator, Haltungserfahrungen

Beitragvon Abmeise » 15. Apr 2019 00:19

Guten Tag, :grin:
Meine Harpegnathor Venator habe ich mittlerweile 10 Wochen. Die ersten Threads dienten lediglich zur Hinführung zur aktuellen Lage. Das von ihnen gewählte Nest, lässt erst diesen Bericht zu.
Meine HV halte ich zwischen 25 und 28 Grad. Das ist die Nesttemperatur. Das Terrarium selbst hat verschiedene Temperaturzonen. Diese bewegen sich zwischen 23 - teilweise über 30 Grad. Ein Temperaturfühler im Nest steuert den äußeren Temperaturbereich. Ich denke, es ist wichtig, die eigentliche Nesttemperatur von Außen zu regulieren und zwar von Oben. Es hat deshalb selbst keine Heizung. Maßstab für mich ist die Natur. Ich finde es unnatürlich, wenn das Nest der wärmste Ort ist, in dem die Ameisen agieren. Vielleicht spielt es auch gar keine Rolle, :wink:.
Die Luftfeuchtigkeit halte ich zwischen 70 und 90 Prozent. Dafür verwende ich eine Spritze, die dauerhaft im Deckel der Arena steckt. Ich möchte jegliche unnötige Störungen vermeiden. Ich befeuchte immer den selben Bereich. Meine 6 Damen reagieren bei über 90 % Luftfeuchte spätestens am Folgetag, in dem sie das Nest zusätzlich belüften. Den neuen Eingang, der dann auch genutzt wird, wird einige Tage wieder verschlossen. Jedoch in den ersten Wochen wurde oftmals auch der für mich ersichtliche Haupteingang wieder verschlossen und der Neue blieb bestehen. Mittlerweise haben sie den besten Platz gefunden. Es ist der am weitestens gelegene Bereich von der feuchtesten Stelle, welch ein Zufall 8) . Die Ameisen lieben es feuchter. Der Eingang selbst veranlasst eine Austrocknung. Deshalb macht es Sinn, ihn in den trockensten Bereich anzulegen. Hier hat er nur einen geringen Einfluss auf die feuchteste Stelle.
Ich verwende als Substrat Kokoshumus, speichert Wasser, bietet Struktur für den Tunnelbau und feine Buchenspäne, nimmt Feuchtigkeit auf, schimmelt nicht und kann durch die HV gut transportiert werden. Ich habe es mit eigener Komposterde beimpft. Mikroorganismen sollen helfen, das Nest und die Arena sauber zu halten Zusätzlich habe ich ihnen in Kleinstmengen Vogelsand, Spielsand, Seramis und Flechten aus dem Wald zur Verfügung gestellt. In Originalnestern wurden angeblich Flechten gefunden, kann also nicht schaden. Der angebotene Sand dient der Unterstützung des Verpuppungsvorganges.
Aufgrund der verschiedenen gelesenen Haltungsberichten, gehe ich davon aus, das die Entwicklung zu einer Imago mindesten 12 Wochen beträgt, natürlich abhängig von der Nesttemperatur. Für die ersten gelegten Eier berechne ich eine Anlaufzeit von 14 Tagen. Der erste Schlupf könnte somit frühestens Mitte Mai erfolgen. Meine Venatoren zeigen mir durch ihr verändertes Verhalten bereits an, das sie die Wiedergeburt der Kolonie eingeleitet haben. Bin schon eine wenig euphorisch, muss mich deshalb selbst disziplinieren. Die meisten Haltungsberichte begannen so vielversprechend und die Halter waren positiv gestimmt. Das Ende war dann doch eher enttäuschend. Bevor die Schlupfwelle einsetzt, lol, werde ich Einsicht in das Nest nehmen. Ich muss wissen ob Nr. 7 anwesend ist.
Futter ist reichlich da. Bin auf extremes Wachstum eingestellt 8)
IMG-20190202-WA0001.jpg

Nymphen der Schokoschabe
Gruß Denny
Abmeise
member
member
 
Beiträge: 17
Alter: 43
Registriert: 28. Mär 2019 04:42
Land: Germany (de)
Hat sich bedankt: 0 Danke
Danke bekommen: 4 mal

Re: Harpegnathor venator, Haltungserfahrungen

Beitragvon Abmeise » 29. Apr 2019 14:49

Hallo :grin:
20190418_163709.jpg


Meine Damen waren in den ersten Wochen ziemlich zurückhaltend. In 6 Wochen erblickte ich vielleicht 10 mal eine Arbeiterin. Ich denke es war immer die selbe. Sie schien die auserwählte, das Verbindungsglied zwischen internen Nest und oberen Bereich, der Arena, jedoch innerhalb der Plastikbox, zu sein. Sie war allein für den Nestaushub verantwortlich. Ihr Gaster ist besonders gedrungen und somit gut, von den Anderen zu unterscheiden. Nahm sie mich war, stellte sie die Arbeit ein und verschwand im Nest. Fleißig war sie jedoch, aber nur dann wenn ich außer Haus war. So entwickelte sie sich zur Nachtarbeiterin. Wenn ich früh von der Arbeit kam, staunte ich manchmal nicht schlecht. Aushub wurde ausgetragen und wenige Tage wieder eingetragen, denke dient ich der Regulierung der Luftfeuchtigkeit oder es blieb draußen. Diente wohl dann der Nestvergrößerung. Eingänge verschwanden und es entstand an anderer Stelle ein Neuer. Diese Beobachtung begrenzte sich auf die ersten sechs Wochen. Ohne die baulichen wahrnehmbaren Veränderungen in der Arena hätte der Eindruck entstehen können, die Kolonie sei bereits ins Terrarium umgezogen oder tot. Die Werbeproschüre las sich doch so gut. Es ist eine interessante Ameisenart, die gut sehen, rückwärts gehen kann, springen so gar ihre Beutetiere anspringt (macht sie nicht); nicht Glas erklimmt (macht sie doch), Beutetiere als Einzelkämpferin erjagt und mit Hilfe ihres Stachels betäubt bzw. lähmt. Da befruchtete Arbeiterinnen bei Verlust der Gyne deren Aufgabe der Reproduktion übernehmen kann, wird der Eindruck erweckt, der Halter bekommt eine unsterbliche Kolonie. Leider sieht die Realität anders aus. Die Kolonie verschanzt sich im Nest und in regelmäßigen Abständen sterben die Arbeiterinnen und die Brut lässt auf sich warten. Alles nicht so schlimm, wenn man darauf vorbereitet ist.
Fazit: Menschlich formuliert, hatten meine Venatoren Angst. In den ersten Wochen geschieht nichts und ich als Halter würde zu gerne einen Einblick ins Nest machen, um die Neugier zu befriedigen. Die Haltungsberichte der Anderen warnen mich jedoch davor. Schwer es nicht zu tun.
In der 7 Haltungswoche nahm die Aktivität zu. Eine weitere Arbeiterin betrat die Arena und unterstützte die Eine. Aushub wurde ausgetragen und wieder eingetragen. Auch die Dauer der Außenaktivitäten verlängerte sich. Meine Anwesenheit wurde nicht mehr, als so störend empfunden. Das Nestmaterial wurde nicht mehr 2 cm vom Nesteingang abgelegt, war nur möglich da die Eine vorwärts raus und sofort rückwärts wieder hinein ging. Während den ersten Wochen hätte die Arena auch die Maße 2cmx2cm haben können. Jetzt wäre eher die Größe 5cm x 5cm ihrem Bewegungsdrang angemessen gewesen. :lol: Geschuldet dem, die Damen gehen auch mal vorwärts wieder ins Nest, d.h. sie müssen sich in der Arena drehen. :grin: Zeigt mir jedoch, sie werden selbstbewusster und mutiger. Auslöser für das veränderte Verhalten kann meiner Meinung nur sein, die ersten Larven sind geschlüpft. Die Daseinsberechtigung der Kolonie scheint wieder da zu sein . Das Kollektivbewusstsein gestärkt bzw. ist wieder zurückgekehrt. Von nun an wird auch eine Wächterin im Nesteingang abgestellt. Ihre Fühler und Mandibeln verraten mir ihre Anwesenheit. Viele Halter schilderten, das der Nesteingang oftmals verschlossen wurde. Diese Beobachtung konnte ich nicht machen. Noch nie haben sie sich eingemauert.
Der Eingang ist immer offen und wird auch nicht mehr verlegt.
Fazit: Die Kolonie wird selbstbewusster. Grund müssen mögliche Larven sein.
Meine Harpegnathor Venator habe ich mittlerweile 13 Wochen. Nesteinsicht habe ich noch nicht genommen. Da ich aber wissen möchte ob Ameise Nr. 7 im Nest ist, bleibt nicht mehr viel Zeit. Falls meine Kalkulation aufgeht, sollten Puppen vorhanden sein. Die in den nächsten 14 Tagen schlüpfen sollten. Bin mir sicher sie ist tot. Eine Beobachtung lässt mich jedoch noch hoffen. Nachdem ich 3Wochen Nr. 7 nicht mehr sichten konnte, überraschte ich eine Arbeiterin, wie sie vorsichtig (Akt ins Outback zu gehen, ganze 5 min) die Plastikbox verlies und ins Terrarium ging. Meine Vermutung war die Kolonie erobert neues Terrain. Im Formicarium verweilte sie 2 min. Sie bewegte sich, als sei es ihr erster Ausgang, so unsicher bewegte sie sich. Der Rückweg ins Nest war in 30 Sekunden vollzogen. Sie lief zielgerichtet über Wurzeln, Stöckchen, Loch im Deckel direkt ins Nest. Da kannte sich jemand gut aus. Natürlich hätte es auch eine andere HV gewesen sein können. Meiner Meinung hätte sich dann dieser Vorgang wiederholen müssen. Er blieb einmalig, mittlerweile sind 8 Wochen vergangen. Die Kolonie selbst zeigt kein Interesse die Box verlassen zu wollen. Sie erklimmen nicht einmal die Außenwand der Arena.
Meine Venatoren zeigen mir an, das sich wieder etwas geändert haben muss. Ich glaube es sind die ersten Puppen im Nest. Aus zwei schuftenden Damen, sind es Mittlerweise 3. An mehreren Tagen wurde Nestsubstrat ausgetragen. Dieser Vorgang dient eindeutig der Nestvergrößerung, zu viel Volumen wird bewegt, non stopp. Gleichzeitig viel mir auf das der Bestand an Heimchen sichtbar sinkt.
Anfänglich hatte ich mir eine Schachtel Heimchen klein gekauft, habe sie Adult werden lassen und Eier in einer Dose ablegen lassen. Diese überführte ich direkt ins Terra. Es waren bestimmt mehr als 200 Stück, klein bis mittel Große. Gedanke war, die Venatoren können sich im Formicarium selbst bedienen. Da der Weg ins Outback keine Einbahnstraße ist, waren es schließlich die Beutetiere selbst die die Predatoren immer wieder aufsuchten. Der Nachteil für mich war, von Anfang an hatte ich nie den Überblick darüber wie viel bzw. ob überhaupt gefressen wird. Die Futtertiere zeigten mir jedoch an, das organische Restabfälle vorhanden sein müssen. Sie labten sich schließlich an die Gebeine ihrer Brüder und Schwestern. Wenn die Arbeiterinnen hungrig sind, bediente man sich. Töten um zu Fressen. Seit der 11 Haltungswoche hat sich diese Vorgehensweise gewandelt.
20190410_213544.jpg

Die Arena wird vereinnahmt. Das Territorium oberhalb des Nestes wird von nun an regelmäßig gesäubert, der ständige Aufenthalt der Futtertiere nicht mehr geduldet.

Theorie und Praxis nicht immer konform. Habe vieles aus dem Verhalten meiner Harpegnathor Venator Ableiten müssen, um sie selbst nicht zu stressen. Tatsachen müssen jedoch folgen, sonst macht dieser Bericht keinen Sinn.
Das Resultat nach 13 Wochen Haltung. Gestern Einsicht ins Nest genommen. Habe eine Kammer gesichtet 3x4 Zentimeter direkt an der Außenwand. Gesehen habe ich 5 Damen und 2 Puppen, eine große und eine kleine. Der Plastikboden war nicht, wie gehofft, freigelegt worden. Direkt unter den Rindenstücken, wo ich die Hauptkammer vermute, hatte ich keinen Einblick. Dort werden die Eier und Larven sich befinden. Die Puppenkammer wurde neu errichtet. Sie ist das Resultat der drei Arbeiterinnen und es ist der Wärmste und vermutlich auch der trockenste Bereich im Nest.
Fazit: Die Gyne ist begattet. :grin:
Abmeise
member
member
 
Beiträge: 17
Alter: 43
Registriert: 28. Mär 2019 04:42
Land: Germany (de)
Hat sich bedankt: 0 Danke
Danke bekommen: 4 mal

Re: Harpegnathor venator, Haltungserfahrungen

Beitragvon Abmeise » 8. Mai 2019 22:33

Hallo :sign_welcome:
Da ich nun 1x die Woche den Deckel der Arena (Plastikbox) öffnen muss, um die Toten Beutetiere zu entsorgen, ist mir beim Schließen des Deckels ein Missgeschick passiert. Der Temperaturfühler der durch den Deckel geschoben ist und somit Druck auf der Nestoberfläche ausübt, habe ich beim Schließen so ungünstig abgelegt, das nach einigen Stunden ein Teil des Nestes einstürzte. Zwei flache Korkrindenstücke sollten dieses eigentlich verhindern (Funktion eines Daches). Es war genau die Verbindungsnaht beider Stücke, die nicht mehr sichtbar waren, da die Arbeiterinnen Nestsubstrat ablegten und inzwischen dürften sie bis zum Boden der Plastikbox durchgereicht worden sein. Ich nahm ein weiteres Rindenstück und legte es über das entstandene Loch , in der Hoffnung daraus könnte eine weitere Kammer werden mit eigenem Mikrokosmus, denn die Wärme kommt schließlich von Oben. Die Einsturzstelle selbst war zum Glück nur eine Art Flur des Nestes und berührte die Kammern nicht. Die daraus gewonnene Erkenntnis für mich, die Ei/ Larvenkammer ist räumlich von der Puppenkammer getrennt und zwar nicht nur durch eine Tür sondern durch einen Flur. Ich gehe davon aus das die Puppenkammer wärmer und trockener ist, da der Wärmestrahler von Oben von der Seite Einfluss auf die Kammer hat. Schließlich haben die Ameisen die Außenwand freigelegt, kein Nestsubstrat isoliert. Die Larvenkammer wird wiederum durch das Rindenstück und dem Nestsubstrat von der Wärme abgeschirmt. Hier ist nicht die Temperatur das Ziel der Einstellung, sondern die höhere Luftfeuchtigkeit. Meine Parameter der relativen Luftfeuchte schwanken 14- tägig 60 - 70% und 70 - 90 %. Nach meiner Erfahrung sind 90% zu viel. Meine HV öffnen jedes mal zusätzlich das Nest und tragen feuchtes Material zum Trocknen hinaus, der später wieder eingetragen wird. Das werde ich in Zukunft ändern, 80% reicht. 14- tägig ändere ich diesen Parameter, ich glaube die Entwicklung von Ei zur Larve Bedarf einen höheren Feuchtigkeitsgrad, eine zu hohe ist schädlich für das Entwicklungsstadium Puppe/ Imago. Sie fängt an, innerlich zu schimmeln und stirbt ab. Mein Ziel ist es nicht alle Eier, Larven und Puppen zu retten, sondern erst einmal das Überleben der Kolonie zu sichern. Ich muss Lernen und werde dann die Parameter entsprechend anpassen.
Der Einsturz brachte mir wichtige Erkenntnisse doch für stressanfällige Venatoren konnte es natürlich nicht spurlos vorübergehen. Meine Wächterin lief Amok.
Drei Arbeiterinnen waren im Dauereinsatz, das Problem zu beheben. Durch die neue Rindenabdeckung wählte man vorübergehend einen neuen Eingang. Doch beim genauerem Beobachten arbeiteten eigentlich nur zwei. Meine Wächterin patrouillierte vor dem Eingang wie ein bissiger Hund, stundenlang. Anfänglich freute ich mich, selbstbewusste Kolonie und so. Doch aktive Ameisen mit abnormalem Verhalten sterben. Sie jagte hinter Mikroheimchen her und ein mittleres Heimchen wurde permanent attackiert. Zugegeben das Erlegen wäre schon eine Herausforderung gewesen. Sie war gewichtstechnisch klar unterlegen. 10 Anläufe waren vergebene Müh. Sie war nicht in der Lage sie festzuhalten und zu stechen. Das Heimchen erkannte die aussichtslose Situation und wählte den Freitod. Es ertränkte sich im Wassernapf im Kronenkorken, die einzige Stelle wo sie nicht angegriffen wurde. Die Imago war vollkommen von der Rolle. Sie scharrte wie ein Hund, um den provisorischen Eingang zu vergrößern. Unterbrach es, um wieder jagen zu gehen. Es war keine Struktur in dem zu erkennen, was sie tat. :!: Tapsige Wächterinnen sterben, hatte ich gelesen, natürlich musste ich genau das sehen. Man sieht schließlich das, was man sehen will " fater mogana " eben. Am Folgetag war sie natürlich nicht in Sicht. Eine andere Arbeiterin war mit der noch nicht beendeten Reparatur beauftragt worden. Ich suchte die Arena nach einer toten Ameise ab, nichts. Der späte Abend erlöste mich vom Bangen.
20190505_211802.jpg
Brauchte mal eine Pause


Mit der Kolonie habe ich echt Glück gehabt. Sie zeigen mir an, das sie Leben wollen. Ein scheitern ist dann schließlich, auf den Halter zurückzuführen. Alle 14 Tage werde ich nun Nesteinsicht nehmen. Ihr Verhalten mir gegenüber zeigt, das es nun möglich scheint. Nächste Woche ist es nun wieder so weit. Dennoch könnte meine Neugier zu einer Gefahr werden, habe mich deshalb entschlossen eine weitere sehr interessante Ameisenart zu holen. Die 4 sind bereits unterwegs. :lol: Das Terra wird ein Gemeinschaftsbecken. Sie lassen sich besser beobachten, ohne gleich Sterben zu wollen. In der Haltung selbst eine Herausforderung. Natürlich darf diese Art meinen Venatoren nicht gefährlich werden. Habe mein gewünschtes Erdnest entsprechend präpariert, wenn sie dort einziehen, habe ich dauerhafte begrenzte Nesteinsicht. Es befindet sich im Terrarium- Frontbereich.
[attachment=1]20190505_211802.jpg[/attachment
Freu mich auf paraponera clavata -Bullet Ant
Dateianhänge
20190508_182107.jpg
Der senkrechte Stock markiert ca. den Eingang.
Abmeise
member
member
 
Beiträge: 17
Alter: 43
Registriert: 28. Mär 2019 04:42
Land: Germany (de)
Hat sich bedankt: 0 Danke
Danke bekommen: 4 mal

Re: Harpegnathor venator, Haltungserfahrungen

Beitragvon Abmeise » 10. Mai 2019 07:44

cry: agile Venatoren sterben eben und Fehler verzeiht man nicht. Das ist Harpegnathor Venator.
20190510_071514.jpg
Da waren es nur noch fünf.
:
Abmeise
member
member
 
Beiträge: 17
Alter: 43
Registriert: 28. Mär 2019 04:42
Land: Germany (de)
Hat sich bedankt: 0 Danke
Danke bekommen: 4 mal

Re: Harpegnathor venator, Haltungserfahrungen

Beitragvon Abmeise » 11. Mai 2019 23:51

Hallo, meine Wächterin ist tot. Sie war das Bindeglied zur gesamten Kolonie. Die Verbindung ist derzeit unterbrochen. Momentan kann ich die Verfassung meiner Ameisen nicht einschätzen. :?: Die sichtliche Aktivität in der Arena ist gleich Null. Es zeigt sich keine mehr. Man gewinnt den Eindruck die Kolonie hätte sich Resettet, alles zurück zum Anfang. Futter wird minimal nur noch eingetragen. Dummerweise habe ich eine Woche vorher Parameter Futter geändert. Nachdem alle Heimchen bis mittlerer Größe in der Nestbox getötet werden, habe ich mit der regelmäßigen Fütterung begonnen. Ich verfüttere alle Insekten frisch getötet. Sie könnten sonst aus der Arena entfliehen. Alle 2- 3 Tage 2 Schokoscharben, frisch gehäutete, oder Fliegen. Das Angebot wurde immer gleich zeitnah angenommen. Ich stellte mir die Frage, wann sind sie satt. Fütterte deshalb 3 Tage in Folge. Am ersten Tag 3 dicke Fliegen, echte Brummer. Sie wurden gleich eingetragen. Dann gab es 2 Schokoschaben und eine Spinne, ebenfalls gleich weg, drei mal Fliege schließlich danach. Sie blieben über Nacht liegen und verschwanden erst dann. Sie waren satt.
20190505_123738.jpg

Das Fressverhalten meiner Venatoren hat sich verändert, vielleicht wurde aber auch nur noch nicht der Rhythmus wieder hergestellt und sie haben noch Reserven im Nest. Als Halter gehe ich erst einmal vom schlimmsten Fall. Die Brut wurde gefressen der Zustand ist fragil. Der erste Kokonschlupf stände an, doch Nesteinsicht ist tabu.

Strohhalme die immer noch Hoffen lassen. Puppenreste gibt es keine, wurden dann auch nicht geöffnet. Letzte Nacht wollte ein Heimchen in der Arena nächtigen, heute früh war es tot. Eine kleine Schokoschabe wurde eingetragen und ich entdeckte ein Belüftungsloch in der Puppenkammer.

Eine neue Wächterin muss rekrutiert werden, ich brauche sie, sonst bleibe ich blind. :?

Gruß
Abmeise
member
member
 
Beiträge: 17
Alter: 43
Registriert: 28. Mär 2019 04:42
Land: Germany (de)
Hat sich bedankt: 0 Danke
Danke bekommen: 4 mal

Re: Harpegnathor venator, Haltungserfahrungen

Beitragvon Abmeise » 16. Mai 2019 21:56

lol: Leben ist wieder in die Kolonie eingekehrt. Gestern wurde massiv Nestsubstrat nach Außen geschafft. Futter wird wieder eingetragen. Ich habe eine neue Wächterin. Viele gute Nachrichten und das alles weil etwas geschlüpft sein muss.
20190514_045622.jpg
:
Diese Puppenreste habe ich am 13.05. gefunden. Das Zeitfenster passt. Ich gehe vom ersten Schlupf aus. :mrgreen:
Mfg. Denny
Abmeise
member
member
 
Beiträge: 17
Alter: 43
Registriert: 28. Mär 2019 04:42
Land: Germany (de)
Hat sich bedankt: 0 Danke
Danke bekommen: 4 mal


  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag

Zurück zu Harpegnathos - Informationen

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste