Der Begriff "exotische Ameise" und neue Fachbegriffe

Hier kann alles zum Thema Ameisen diskutiert und gefragt werden.

Re: Der Begriff "exotische Ameise" und neue Fachbegriffe

Beitragvon Barristan » 7. Jul 2018 15:43

Da es hier ja wieder einmal um diesen Begriff bzw. um eine abgewandelte Form "Halbexot", "Semi-Exot" ging, will ich mal etwas dazu anmerken.

Definition

Hyperlinks sind nur für registrierte Nutzer sichtbar definiert Exot wie folgt:

  1. Mensch, Tier, Pflanze aus einem fernen (besonders überseeischen, tropischen) Land


Auch die Definition des Adjektivs "exotisch" klingt ähnlich:

  1. fernen (besonders überseeischen, tropischen) Ländern, Völkern eigentümlich, ihnen zugehörend, entstammend; [der Art, dem Aussehen, Eindruck nach] fremdländisch, fremdartig und dabei einen gewissen Zauber ausstrahlend
  2. ausgefallen, ungewöhnlich


In den vielen Jahren wurde der Begriff "Exot" bzw. "exotische Ameise" auch für alle Ameisenarten aus Südeuropa angewendet. Nur wenn man sich die Definition ansieht, kann man sich fragen, ob das der korrekte Begriff.

Ist Italien wirklich ein so fernes Land, dass man dessen Ameisen als "Exoten" bezeichnen würde? Oder sind die Ameisen aus Frankreich, Spanien "Exoten"?

Aber evtl. sind die Ameisen ja so "ausgefallen und ungewöhnlich", dass es exotische Ameisen sind. Doch Messor, Pheidole und diverse Camponotus Arten aus Südeuropa sind schon seit Jahren nichts mehr Ausgefallenes oder ungewöhnliches. Da würde der Begriff "exotisch" doch eher auf Colobopsis truncatus zutreffen mit ihren ungewöhnlich aussehenden Major-Arbeiterinnen. Daher ist auch das Adjektiv "exotisch" in Verwendung für Südeuropäische Ameisen (meistens) nicht korrekt.

Neue Fachbegriffe

In einem anderer Ameisenforum wird Hyperlinks sind nur für registrierte Nutzer sichtbar, dass man neue Fachbegriffe einführen würde.

Nur frage ich mich, was daran so schlimm sein sollte. Beispielsweise hat die Hundehaltung/-Zucht jede Menge Fachbegriffe, ebenso die Rinderzucht usw. Dort verwendet man sowohl Begriffe aus der Biologie als auch eigene Fachbegriffe. Man sollte nur nicht für einen bereits gut definieren Begriff plötzlich ein neues Wort einführen, das wäre in der Tat wenig hilfreich. Aber wenn man nun für "nicht einheimische Arten aus anderen Europäischen Ländern" "Semi-Exot" oder "semi-exotisch" sagt, dann würde das sehr viel Schreibarbeit sparen, außerdem würde man aufhören den Begriff "Exot" bzw. "exotisch" falsch zu verwenden.

Auch ist der Begriff "Exot" kein biologischer Fachbegriff, jedenfalls liefert die Suche im Lexikon der Biologie auf spektrum.de weder die Suche nach Hyperlinks sind nur für registrierte Nutzer sichtbar noch nach Hyperlinks sind nur für registrierte Nutzer sichtbar ein Ergebnis.

Ameisenhaltung vs Ameisenforschung

Die Ameisenhaltung muss endlich den Mut haben auch eigene Wege zu gehen. Man klammert sich leider immer noch zu sehr an die Ameisenforschung. Nach fast zwei Jahrzehnten Ameisenhaltung im Internet wird es Zeit die Nabelschnur zu kappen.

Ich jedenfalls werde zukünftig den Begriff "semi-exotisch" bzw. "Semi-Exot" verwenden, wenn ich beispielsweise von südeuropäischen Ameisenarten spreche. Die Kategorien auf meinem Blog werde ich auch entsprechend anpassen.
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Re: Der Begriff "exotische Ameise" und neue Fachbegriffe

Beitragvon Kuemmerz » 7. Jul 2018 17:10

Grundsätzlich entwickelt sich Sprache immer weiter. So nimmt der Duden jedes Jahr zahlreiche neue Wörter auf die teilweise, zumindest für mich, sehr fraglich sind.
Somit gibt es keinen Grund warum nicht neue Wörter/Bezeichnungen entstehen sollen, die gewisse Dinge präziser bzw. aussagekräftiger beschreiben als die zuvor verwendeten Deklarationen.

Paläarktisch und was es da auch immer gibt ist umgangssprachlich kaum tauglich.
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Re: Der Begriff "exotische Ameise" und neue Fachbegriffe

Beitragvon Barristan » 7. Jul 2018 19:29

Genau so ist es.

Die Ameisenhaltung hat ja bereits neue Fachbegriffe eingeführt, z. B. "Pushen" bzw. "Brood boosting".
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Re: Der Begriff "exotische Ameise" und neue Fachbegriffe

Beitragvon Serafine » 7. Jul 2018 21:25

Ach, lass die Leute im AP doch jammern, denen jetzt noch Aufmerksamkeit zu schenken ist mehr als die verdienen.

Ich bin mir fast sicher dass sich der Begriff auf Dauer durchsetzen wird, schlicht schon weil es an einer besseren Alternative mangelt.
"Exotisch" ist ohnehin ein zunehmend schwieriger Begriff, wenn man bedenkt das Sittiche und chinesische Schmuckenten an vielen Orten Europas mittlerweile zum normalen Stadtbild gehören (in einigen Städten sogar Papageien, z.B. die riesige Graupapageiensiedlung in Worms), der Waschbär in Deutschland als einheimisch betrachtet wird und es in deutschen Wälder Nandus und sogar Zwergkänguruhs gibt - die würde ich allesamt aber noch immer eher als Exoten ansehen als Braunbären aus Italien, Wölfe aus Polen, Geier aus Frankreich oder Ernteameisen aus Spanien.
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Re: Der Begriff "exotische Ameise" und neue Fachbegriffe

Beitragvon Erne » 7. Jul 2018 23:23

Fachbegriffe, wer definiert die eigentlich, woher werden die abgeleitet?
Müssen die immer von Wissenschaftlern kommen oder führt auch der allgemeine Sprachgebrauch dazu, dass sich neue Fachbegriffe etablieren?

Barristan spricht hier eine Thematik an, die nicht von der Hand zu weisen ist, wo nachzudenken ist, wie mit Fachbegriffen umzugehen ist, ob nicht auch weitere Definierungen, andere Definierungen, die sich aus der Thematik „Ameisenhaltung“ ableiten lassen, mit einfließen können.

Für mich bedenklich, ohne gesicherte Erkenntnisse , neue Fachbegriffe in der Öffentlichkeit zu verbreiten.
Lassen sich diese belegen, für mich allerdings auch ein Weg der sich gehen lässt.

Ach, lass die Leute im AP doch jammern, denen jetzt noch Aufmerksamkeit zu schenken ist mehr als die verdienen.

Serafine für mich ist das hier der Auftakt, zu einer überaus interessanten Diskussion, wo es sich lohnt weiter dabei zu sein.
Bleibe einfach beim Thema.

Grüße Wolfgang
Zuletzt geändert von Erne am 8. Jul 2018 06:12, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Der Begriff "exotische Ameise" und neue Fachbegriffe

Beitragvon Markus » 8. Jul 2018 00:46

Das Problem, das ich mit diesem Thema habe, ist schlichtweg, dass es aus einem anderen Thread übertragen wurde, um einen Kampf fortzufürhen.

Zugegeben, Interpretation ist nötig, aber nach dem Gesetz von Wirkung und Aktion ist es einfach nachzuvollziehen.
Und da frage ich mich; ob dieser Kinderkram nötig ist!?

Aber gut, ich habe mich oft genug akademisch gestritten und in den seltensten Fällen auch physisch: bleibe ich mal kontrovers.

Für mich ist ein Exot schlicht und ergreifend ein nicht autochtoner Organismus, der sich ausbreitet ohne wirklich historische Belege zu haben.
Ich verstehe den Jagdschutz für Waschbären ebensowenig, wie die Haltung von Nagern, die die ganze Nacht Krach machen.

Aber es ist wirklich spät...

Gute Nacht
und bitte lasst den ideologischen Gabenkampf

Vielleicht bin ich die Provokation und unwürdigen Diskussionen einfach leid...
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Re: Der Begriff "exotische Ameise" und neue Fachbegriffe

Beitragvon Barristan » 8. Jul 2018 08:02

@Erne

Fachbegriffe werden einfach das erste mal gebraucht und definiert und dann entscheidet eine Gemeinschaft, ob sie gut sind oder nicht. Wenn sie diese Fachbegriffe praktikabel findet, dann werden sie sich durchsetzen, ansonsten nicht. Wie hat sich denn der Begriff "Pushen" durchgesetzt? Da wurde auch keine wissenschaftliche Abhandlung darüber geschrieben. Der Begriff wurde einfach von jemanden das erste mal gebraucht und erklärt und dann haben die anderen Halter ihn weiter verwendet.

@Markus
Dein Beitrag ist hier größtenteils Off-Topic Markus, wenn ich Moderator wäre, hätte ich ihn schon längst entfernt. Aber zum Glück bin ich kein Moderator und Du bist es auch nicht mehr.... Deine Defintion von Exot ist schon etwas exotisch... Sie hat jedenfalls nichts mit dem zu tun, was der Duden darunter versteht.
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Re: Der Begriff "exotische Ameise" und neue Fachbegriffe

Beitragvon Markus » 8. Jul 2018 09:01

Mein Post basiert auf den Ereignissen der letzten Tage.

Freilich subjektiv eingefärbt, aber leider nicht unbegründet.
Und sorry, da brauchst du mir nicht mit Moderation kommen, da du damit das andeutest, was du in anderen Foren ankreidest.
Die Frage, die sich mir stellte, war eben die, ob es diesen Thread gäbe, wenn nicht jemand bestimmtes seine Definition von Exot zum Besten gegeben hätte...
Aber gut, können wir auch beim Thema bleiben:

Auch wenn ich seit den letzten Aktualisierungen über eine bestimmte Saucenart aus Tomaten den Duden nicht mehr ernst nehmen kann, scheinst du die Klammer überzuinterpretieren:
dass Exot meist als überseeisch und tropisch angewandt wird, heißt nicht, dass das ausschließlich sein muss.
Ebenso die Definition von fern, denn weit entfernt ist für manche Menschen auf der anderen Seite des Planeten, für Andere wiederum ist die Fernbedienung beim Fernseher schon eine große Entfernung.

Und ja, auch wenn der Mittelmeerraum geografisch nah ist, ist er klimatisch doch sehr unterschiedlich zu Mitteleuropa.

Gehen wir noch weiter, also auf das Wort ungewöhnlich, so sind Arten, die hier nicht vorkommen, doch schon ungewöhnlich, weil sie normalerweise eben nicht auf der Straße über den Weg laufen. Ergo sind auch Ameisen aus Frankreich insofern Exoten, so sie hier nicht vorkommen.

Ich störe mich sogar gar nicht an dem Begriff semi-exotisch, nur frage ich mich, inwiefern er die Kommunikation erleichtert!?
Wäre da nicht der Begriff "europäische Exoten" passender? Immerhin weiß man dann, welche Exoten gemeint sind.
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Re: Der Begriff "exotische Ameise" und neue Fachbegriffe

Beitragvon Barristan » 8. Jul 2018 09:19

Wenn man sich bei der Verwendung des Begriffs Exot für Südeuropäische Arten schwer tut, dann erleichtert der Begriff Semi-Exot die Benennung dieser Arten um einiges. Die Alternative wäre nämlich: "Nicht einheimische Arten aus Europa", denn z. B. kommt Camponotus vagus ja auch in Südeuropäischen Ländern vor, aber auch hier, also muss man das "nicht einheimische" extra dazu schreiben.

Von mir zur Adria ist es knapp 500 km Luftlinie, dann bin ich schon am Mittelmeer. Vom Norden Kaliforniens (Hornbrook) in den Süden (San Diego) sind es knapp 1100 km. Sind also die Ameisen, die nur im Süden Kaliforniens vorkommen dann Exoten für die Menschen im Norden Kaliforniens?

Europa ist recht klein. Mittelmeer hört sich so wahnsinnig weit an, dabei ist man da recht schnell dort.

Natürlich kann jeder sein fern selbst definieren, aber ich halte Länder innerhalb von Europa jetzt nicht unbedingt für so entfernt, dass man ihre Tiere als Exoten bezeichnen kann.
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Re: Der Begriff "exotische Ameise" und neue Fachbegriffe

Beitragvon Erne » 8. Jul 2018 09:51

Fachbegriffe und andere Begriff gibt es reichlich in den Ameisenforen.
Exotische Arten, Exotische Ameisen sind das nicht auch Begriffe die von Ameisenhaltern ins Leben gerufen wurden?

Einsteiger, Anfänger kommen in die Foren, auf der Suche nach Informationen bezüglich Unterbringung, Klima, Futter,
Entwicklungszeiten, mögliche Arbeiterinnenanzahl, Ruhepausen und so weiter.
Konfrontiert werden sie mit claustrale Gründung, monogyn, Habitat, thermophil, Diapause, um nur ein paar zu nennen.
Begriffe die sie erst nachsuchen müssen bevor sie damit was anfangen können, was zudem auch nicht ihr Anliegen ist.

Exotische Arten, Exotische Ameisen, Begriffe die sich über Jahre in den Foren etabliert haben, deren Bedeutung, ohne viel Mühe, heraus zu finden ist.
Ob es mehr Transparenz bringt, diese Begriffe weiter zu unterteilen, kann jeder für sich selbst überlegen.

Es geht viel einfacher, einheimischen Arten, ausländische Arten.
Kommt zu den ausländischen Arten noch das Land, ist das eine für jeden verständliche Angabe.

Grüße Wolfgang
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Re: Der Begriff "exotische Ameise" und neue Fachbegriffe

Beitragvon Barristan » 8. Jul 2018 09:59

Erne hat geschrieben:Fachbegriffe und andere Begriff gibt es reichlich in den Ameisenforen.
Exotische Arten, Exotische Ameisen sind das nicht auch Begriffe die von Ameisenhaltern ins Leben gerufen wurden?


Ich denke die Begriffe wurden eher von einer gewissen Gruppe von Gegner der Haltung eingeführt und weiterverbreitet. Ich meine, dass man im Eusozial auch mal eine Diskussion dazu hatte, kann den Thread aber nicht mehr finden.

Einsteiger, Anfänger kommen in die Foren, auf der Suche nach Informationen bezüglich Unterbringung, Klima, Futter,
Entwicklungszeiten, mögliche Arbeiterinnenanzahl, Ruhepausen und so weiter.
Konfrontiert werden sie mit claustrale Gründung, monogyn, Habitat, thermophil, Diapause, um nur ein paar zu nennen.
Begriffe die sie erst nachsuchen müssen bevor sie damit was anfangen können, was zudem auch nicht ihr Anliegen ist.

Erne hat geschrieben:Exotische Arten, Exotische Ameisen, Begriffe die sich über Jahre in den Foren etabliert haben, deren Bedeutung, ohne viel Mühe, heraus zu finden ist.
Ob es mehr Transparenz bringt, diese Begriffe weiter zu unterteilen, kann jeder für sich selbst überlegen.


Also ich habe schon oft die Frage gestellt bekommen, warum man gewissen Südeuropäische Arten als Exoten bezeichnet, so exotisch seien die ja schließlich nicht und das ist ein berechtigter Einwand. Was ist bitte an Messor barbarus, Pheidole pallidula usw. exotisch? Die werden mittlerweile so oft hier gehalten, dass sie nichts außergewöhnliches mehr sind. Und aus fernen Ländern kommen sie in der Regel auch nicht.
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Re: Der Begriff "exotische Ameise" und neue Fachbegriffe

Beitragvon Serafine » 8. Jul 2018 11:10

Markus hat geschrieben:Und ja, auch wenn der Mittelmeerraum geografisch nah ist, ist er klimatisch doch sehr unterschiedlich zu Mitteleuropa.

So unterschiedlich aber auch wieder nicht. Selbst an der spanischen Südküste wirds mal ordentlich kühl (5°C sind da gelegentlich durchaus drin) und die Luftfeuchtigkeit rangiert auch bei eher "normalen" Werten (nicht permanente 95-100% wie auf den Phillippinen oder den Wäldern Südamerikas). Wäre nicht der Winter mit Temperaturen von bis zu -35°C kämen die meisten mediterranen Ameisen hier ziemlich gut zurecht.

Markus hat geschrieben:Gehen wir noch weiter, also auf das Wort ungewöhnlich, so sind Arten, die hier nicht vorkommen, doch schon ungewöhnlich, weil sie normalerweise eben nicht auf der Straße über den Weg laufen. Ergo sind auch Ameisen aus Frankreich insofern Exoten, so sie hier nicht vorkommen.

Wenn "ungewöhnliche" Ameisen exotisch sind, dann wären aber auch einheimische Arten wie Colobopsis truncatus, Messor ibericus, Polyergus rufesecens und Ponera coartica exotisch. Die sehen weitaus fremdartiger aus als mediterrane Camponotus (die unseren einheimischen Arten sogar von der Färbung her sehr ähneln und sich eigentlich nur die schmaleren Köpfe der Minors unterscheiden), auch gibt es bei uns einige "pseudo-einheimische" Arten, die mittlerweile zum Normalbild gehören, aber definitiv aus anderen Teilen der Welt stammen (Tetramorium stammt aus Indien, Solenopsis fugax wahrscheinlich aus Südeuropa).

Markus hat geschrieben:Ich störe mich sogar gar nicht an dem Begriff semi-exotisch, nur frage ich mich, inwiefern er die Kommunikation erleichtert!?
Wäre da nicht der Begriff "europäische Exoten" passender? Immerhin weiß man dann, welche Exoten gemeint sind.

Hier ist das Problem wiederum, dass die Arten nicht mehr im Sinne des Wortes exotisch, also ungewöhnlich sind. Nicht nur gehören Camponotus oder Lasius bei uns zum gewöhnlichen Bild und sind nicht so einfach optisch von den Südländern zu unterscheiden, auch gehört beispielsweise Messor barabarus mittlerweile zu den am häufigst gehaltenen Ameisen in Zentraleuropa, das macht sie alles andere als exotisch - genauso wie Rotwangenschmuckschildkröten bei uns von den meisten Menschen nicht mehr als exotisch betrachtet werden (zweithäufigstes freilebendes Reptil im Ruhrgebiet und so).

Erne hat geschrieben:Fachbegriffe und andere Begriff gibt es reichlich in den Ameisenforen.
Exotische Arten, Exotische Ameisen sind das nicht auch Begriffe die von Ameisenhaltern ins Leben gerufen wurden?

Zumindest an der Pseudodefinition nach der alle nicht-einheimischen Arten Exoten seien sind mit Sicherheit gewisse Leute nicht ganz unschuldig.

Erne hat geschrieben:Exotische Arten, Exotische Ameisen, Begriffe die sich über Jahre in den Foren etabliert haben, deren Bedeutung, ohne viel Mühe, heraus zu finden ist.
Ob es mehr Transparenz bringt, diese Begriffe weiter zu unterteilen, kann jeder für sich selbst überlegen.

So "ohne viel Mühe" ist das nun auch wieder nicht, wäre das so eindeutig würde hier ja nicht diskutiert werden.

Erne hat geschrieben:Es geht viel einfacher, einheimischen Arten, ausländische Arten.
Kommt zu den ausländischen Arten noch das Land, ist das eine für jeden verständliche Angabe.

Diese Unterscheidung bringt dem Anfänger aber noch viel weniger. Atta und Oecephylla sind genauso ausländische Ameisen wie Crematogaster scutellaris und Messor barbarus, haben aber völlig andere Haltungsanforderungen. Klar gibt es auch Ameisen aus wirklich fernen Ländern, die sehr anspruchslos sind und mit den klimatischen Grundbedingungen hier gut zurecht kommen (die sind dann aber meist auch optisch nicht sooo ungewöhnlich, z.B. Camponotus nicobarensis), in der großen Mehrheit der Fälle benötigen Ameisen aus anderen Teilen der Welt aber schon eher spezielle Haltungsbedingungen (gerade was die Luftfeuchtigkeit angeht), die mit einem gewissen Aufwand verbunden und für Anfänger schwer herzustellen sind.
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Re: Der Begriff "exotische Ameise" und neue Fachbegriffe

Beitragvon derameisige » 10. Jul 2018 17:23

Ich werde mich hier nicht im Einzelnen in die Diskussion einmischen, habe sie auch nicht genau gelesen.
Die Problematik ist uralt, ob es um Fachbegriffe oder Trivialnamen für Organismen geht. Vor 15 Jahren habe ich mich damit in der Zeitschrift der DASW auseinandergesetzt:
Buschinger, A. (2003): Wider den Unsinn “deutscher” Artnamen. - Ameisenschutz aktuell 17, 84-86.
Die Zeitschrift ist wenig verbreitet, ich bin der Autor, Mitglied der DASW, und so habe ich das Recht, den Beitrag hier einzukopieren.

ArtnamenS.1-019a.jpg
Beitrag ASa 2003 - 1. Seite
ArtnamenS2-019.jpg
Beitrag ASa 2003 - 2. Seite
ArtnamenS3-020.jpg
Beitrag ASa 2003 - 3. Seite

Es gab eine einzige Zuschrift, von einem Mitglied, mit dem Vorschlag (sinngemäß), es mögen sich doch einfach 4-5 Fachleute zusammensetzen und für die Ameisen verbindliche deutsche Namen schaffen.
In meiner Antwort habe ich (ebenfalls sinngemäß) darauf hingewiesen, dass ein solches Vorgehen bedeuten würde, dass diese Fachleute ihre knappe Zeit einsetzen müssten, dass Fahrt- und Unterbringungskosten entstehen (wer soll die tragen?), dass es im deutschsprachigen Raum schwer sein dürfte, genügend Fachleute zu rekrutieren, die auch willens wären, sich zu beteiligen, usw..

Zudem sind deutsche oder anderssprachige Trivialnamen in keiner Weise „geschützt“, anders als die wissenschaftlichen Gattungs- und Artnamen, die einem gewissen Schutz unterliegen durch die Int. Regeln für die Zool. Nomenklatur, und das weltweit! Kein einziger, ob Wissenschaftler oder Laie, wäre verpflichtet, die so geschaffenen Trivialnamen zu verwenden. (Beispiele und weitere Argumente sind dem gedruckten Text zu entnehmen).
Der ganze Aufwand wäre schlicht vergeblich!

Ganz ähnlich sieht es mit Fachbegriffen aus, nur dass für diese noch nicht einmal ein verbindliches Regelwerk existiert wie die Internationalen Nomenklaturregeln. Auch im Bereich der Fachterminologie stößt man auf Versuche, die oft auf der lateinischen oder griechischen Sprache basierenden Begriffe in die jeweilige Muttersprache zu „übersetzen“. Oder auch, einen Fachbegriff zu ersetzen, an dem man irgend etwas auszusetzen hat.

Ein Beispiel dazu sei kurz dargelegt:
Die amerikanische Myrmekologin Joan Herbers (zeitweilig Präsidentin der IUSSI; Int. Union for the Study of Social Insects) nahm Anstoß an den englischen Begriffen „Slavemaker Ants“, „Slave“ etc., sowie an dem altsprachlichen Terminus „Dulosis“, und auch an dem Trivialnamen „Black Ants“ dort für Serviformica fusca. Die sollen dort sogar als „Negro Ants“ bezeichnet werden.

Ihre Begründung war, dass sie unter ihren Studierenden (die u. a. mit Temnothorax duloticus und Protomognathus americanus arbeiteten, also Sklavenhalterameisen) Afroamerikaner vermisse. Sie führte das darauf zurück, dass solche Studierende sich durch diese „Racially Loaded Mataphors“, also etwa „rassistisch belastete Metaphern“ abgestoßen fühlen könnten.
Das Ergebnis war die (in wissenschaftlichen Zeitschriften, auf Vorträgen etc.) vorgebrachte Alternative „Piracy“, „Pirate Ants“, und eine griechische Version „Leistic Ants“ etc..
Es gab einige Diskussion in der Fachwelt; etwa ein halbes Dutzend Veröffentlichungen (aus ihrem Haus, aber auch aus Japan) verwendeten die neuen Termini, und das war‘s dann! (Wer sich also über Sklavenhalter-Ameisen im Internet vollständig informieren will, muss zusätzlich nach diesen Begriffen suchen).
Joan M. Herbers 2007: Watch Your Language! Racially Loaded Metaphors in Scientific Research. - BioScience, Vol. 57, Issue 2, 1 February 2007, Pages 104–105, > Hyperlinks sind nur für registrierte Nutzer sichtbar oder Hyperlinks sind nur für registrierte Nutzer sichtbar

Ein weiterer Beitrag ist nicht mehr auffindbar, da das einst recht beliebte online-Journal „Notes from Underground“ inzwischen eingestellt wurde und die Beiträge nicht mehr gespeichert sind:
HERBERS, J.M. 2007: The loaded language of science. – Notes from Underground 12-1, <http://www.notesfromunderground. org/archive/april%202007/opinion/hebers/piracy.htm

Im Blog von Alex Wild kann man über diese Geschichte nachlesen:
Hyperlinks sind nur für registrierte Nutzer sichtbar „How should we talk about slave-raiding ants?“
Wer möchte, kann auch die 41 Kommentare dazu durchlesen.

Was will ich damit sagen?
Es ist für jeden, ob Laie oder Wissenschaftler, müßig, sich über Fachtermini den Kopf zu zerbrechen, oder sich gar zu zerstreiten; es bringt absolut nichts!
Wichtig sind jeweils die Zusammenhänge, und die jeweils darin gebräuchlichen Definitionen (die leider oft auch nicht sehr klar sind).
Man vergleiche das Sitzmöbel „Stuhl“ mit dem, was die Kanalisation zu schlucken hat. Wer die Definitionen vertauscht, sitzt am Ende in der Sch… :lol:

Danke.
A. Buschinger
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Re: Der Begriff "exotische Ameise" und neue Fachbegriffe

Beitragvon Barristan » 10. Jul 2018 18:17

Die ganze Diskussion hat doch wenig mit Deutschen Artnamen zu tun. Für jede Ameisenart gibt es einen eindeutigen Namen, aber für nicht einheimische Arten aus Europa gibt es keinen speziellen Begriff. Auch ist der Begriff Exot kein Fachbegriff, sondern stammt aus dem allgemeinen Sprachgebrauch. Und die Sprachexperten haben den Begriff klar definiert, sollte der von uns Laien der Linguistik also umgedeutet werden? Da wäre es besser, man führt einen neuen Begriff ein, den man klar definiert und abgrenzt.

Der Vollständigkeit halber will ich aber auch noch einen anderen Fall hier ansprechen. Als einige Gattungen (z. B. Teleutomyrmex) der Gattung Tetramorium (was nach gängigen wissenschaftlichen Standards völlig legitim war) zugeordnet wurden, hat sich eine kleine Gruppe Europäischer Myrmekologen dem dagegen gestellt und will, dass die alten Gattungsnamen weiterhin gültig sind. Das hat auch Alex Wild in seinem Blog behandelt: Hyperlinks sind nur für registrierte Nutzer sichtbar (Auch sehr lesenswert vor allem die Kommentare :D ). Über "Camponotus ligniperdus" vs "Camponotus ligniperda" müssen wir ja glaube ich nicht mehr reden, oder?
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Re: Der Begriff "exotische Ameise" und neue Fachbegriffe

Beitragvon Kuemmerz » 10. Jul 2018 20:45

Ich war überrascht im Buch "Die Ameisen Mitte- und Nordeuropas" von Seifert den Artnamen mit ligniperda zu lesen, da ich soweit ich das richtig gelesen habe, er sich speziell der Taxonomie widmet.
Ich bin mir jedoch nicht sicher von wann die Auflage konkret war und ob sich das evtl. überschnitten hat.
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