Von kommenden Montag (30.7) bis Donnerstag (2.8) läuft auf Ö1 um 9:05 ein Magazin mit dem Namen Radiokolleg, das sich in dieser Woche um das Thema Ameisen drehen wird. Falls jemand so früh keine Zeit hat, läuft auch eine Wiederholung um 22:15.
Da Ö1 ein österreichischer Sender ist, bin ich mir nicht sicher ob ihn jeder empfangen kann, falls nicht ist auf der Seite von Ö1 ein Webradio verlinkt.
Hier der Link zur Seite:
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Und hier noch einige nährere Informationen zur Sendung:
Radiokolleg - Kommunardinnen, Kriegerinnen, Königinnen
Der Mensch hält sich ja gern für die "Krone der Schöpfung", den "Herrn der Erde". Bekäme eine Ameise dies zu Ohren, würde sie nur sagen: "Welch blanker Größenwahn! Die Herrinnen der Erde sind natürlich wir."
Und einige Zahlen sprechen klar für sie: Die Biomasse aller Ameisen übertrifft die aller Menschen bei weitem. Verteilt ist sie auf etwa zehntausend Billionen Individuen: Auf jedem kontinentalen Quadratmeter der Erdoberfläche leben etwa 1.000 Ameisen. Und sie leben wirklich auf jedem Quadratmeter: Mit Ausnahme dauerhaft eisbedeckter Regionen besiedeln sie alle Klimazonen, alle Höhenzonen, alle Biotope und alle geografischen Breiten. Wo immer der Mensch sich ansiedelt, die Ameisen sind schon da. Und das seit langem: Ameisen existieren seit 130 Millionen Jahren, eine evolutionäre Lebensdauer, auf die der Homo Sapiens erst kommen muss.
Ameisen fressen 90 Prozent aller Tierkadaver. Sie verzehren mehr Fleisch als alle anderen Fleischfresser der Erde zusammen. Sie jagen Insekten, Raupen und Spinnen, Würmer und Schnecken, oft auch Schlangen, Eidechsen, Vögel und kleine Säugetiere. Eine einziger Staat der europäischen Roten Waldameise "verfuttert" so 30 Kilogramm tierische Nahrung täglich. Weit vor Löwen, Wölfen oder Haien sind Ameisen die gefräßigsten Raubtiere des Planeten.
Die Basis dieser schieren Dominanz ist der Ameisenstaat. Auch andere Insekten bilden Staaten, und auch beim Menschen ist ja soziale Kooperation die Grundlage seiner Lebens- und Überlebensfähigkeit. Doch in keinem Fall ist die Integration derartig lückenlos. Die einzelne Ameise geht so vollständig im Staat auf, dass Biologen heute den Gesamtstaat als "den Ameis" bezeichnen und ihn als biologische Einheit ansehen. In diesem "Superorganismus" hätte die einzelne Ameise gleichsam die Funktion einer Körperzelle. Kognitionsforscher bescheinigen ihm eine "Gesamtintelligenz", die die eines Schimpansen übertrifft.
Die Staatenbildung der Ameisen wurzelt, wie man heute weiß, in einer genetischen Besonderheit: Männliche Ameisen sind "haploid", sie verfügen über nur einen Chromosomensatz. Weibliche Ameisen sind daher mit ihren Nachkommen, wie alle sich sexuell vermehrenden Lebewesen, zu 50 Prozent genetisch ident, mit ihren Schwestern aber zu 75 Prozent - also näher verwandt als zu den eigenen Nachkommen. Dadurch wird das schon von Charles Darwin erkannte "evolutionäre Paradoxon" des Insektenstaates, sein scheinbarer Widerspruch zur Evolutionstheorie, gelöst.
Von der Biologie zur Informatik: Unter dem Stichwort "Ameisenalgorithmen" ("ants algorithms") befruchten Ameisen seit geraumer Zeit auch die Computerforschung und das Gebiet der Künstlichen Intelligenz. Dabei simulieren Programme die chemische Kommunikation und Signalverarbeitung innerhalb des Ameisenstaates, die durch Botenstoffe, so genannte Pheromone, erfolgt. Die Programme werden bereits erfolgreich bei komplexen Optimierungsaufgaben eingesetzt.