Fragen zu Camponotus ligniperda

Archivbeitrage aus den Unterforen "Einsteigerfragen" und "Diskussion und Fragen allgemein" aus den Jahren 2003 bis 2008.

Fragen zu Camponotus ligniperda

Beitragvon wonko » 8. Jan 2007 17:27

Hallo Foren Gemeinde,
ich beschäftige mich nun schon seit einiger Zeit mit den kleinen Tierchen und habe in letzter Zeit regelmäßig hier im Forum mitgelesen und mich mit einschlägiger Fachliteratur eingedeckt. Demnächst soll es so weit sein:

Camponotus ligniperda, ist die Art die ich mir ausgesucht habe und beim Antstore bestellen möchte. Damit ich auch meiner Verantwortung ausreichend Sorge trage, möchte ich noch einige letzte Unklarheiten aus dem Weg räumen, bevor es tatsächlich losgeht:

Was macht ihr eigentlich wenn Hochzeitsflug ansteht und die kleinen gerne 'ne Runde in der Luft drehen würden? Öffnet ihr eure Formicarien und lasst sie im Zimmer fliegen? Reicht der Platz im Formicarium? Ich konnte leider über die Suche keine befriedigende Antwort finden.

Als Nest gedenke ich die Ytong Variante anzubieten. Inspiriert von diesem Modell habe ich ein ähnliches Teil gebaut. Nur die Kammern selber sind noch nicht in den Stein eingearbeitet, da ich mir bei ihrer Größe noch nicht sicher bin. Sind zwei Kammern von 4-6 cm Durchmesser ausreichend wenn ich die Camponotus ligniperda Kolonie von Antstore bestelle? Ich gedenke noch weitere Kammern einzurichten, diese jedoch zunächst nicht zugänglich zu machen, damit ich bei Bedarf etwas Spielraum für Erweiterungen habe.

Das Nest soll frei auf einer Schicht Tongranulat auf einem Wasserfesten Untersatz stehen und über diese seine Feuchtigkeit beziehen. Ob dies ausreichend ist werde ich in einer Versuchsreihe noch ermitteln und bei Bedarf berichten. Gegebenenfalls richte ich zusätzlich einen Docht ein der für mehr Feuchtigkeit sorgt.
Das Nest soll mit einem Schlauch an die Arena angebunden werden.

Gibt es eine sinnvolle Methode die rote Folie bzw. abgeklebte Plexiglasscheiben vor den Kammern zu installieren, die zuverlässig hält und auch optisch erträglich ist? Meine Versuche mit Heißkleber waren eher ... naja... semi-erfolgreich.

Sollte ich das Nest mit einer Lampe wärmen, oder ist es ausreichend eine Ecke der Arena zu beheizen?

Letzte Frage (vorerst): Wie halten es Camponotus ligniperda mit der Mültrennung? Schaffen sie Abfälle aus ihrem Nest heraus? Wird alles irgendwo gesammelt? Wie reinigt ihr eure Formicarien? Ist das überhaupt für alle Bereiche notwendig? (Abgesehen von Schimmel anfälligen Stellen natürlich)

So, ich glaube das war es ersteinmal. Ich bedanke mich fürs lesen und eventuelle Antworten.

Grüße, wonko the sane
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Beitragvon Sahal » 8. Jan 2007 17:51

Hi und Hallo,


Schwarmflug/Hochzeitsflug:
der Schwarmflug steht erst in einigen Jahren an, wenn die Kolonie ihre Geschlechtsreife erreicht hat.
Es wird wohl kaum möglich sein, ausreichende Bedingungen in Deinen Räumlichkeiten für eine erfolgreiche Paarung nachzustellen... daher ist das Absameln und töten der Geschlechtstiere anzuraten.
Freilassen der Geschlechtstiere sehe ich als nicht günstig an, Stichpunkte "intraspezifische Homogenisierung" (vor allem bei Zukauf) und durch Futtertiere oder Lagerung/Haltung entstandene Infektionen mit Parasiten/Krankheiten.


Ytong:
zwei Kammern hören sich gut an, jedoch würde ich einer kleinen Kolonie eher 2 kleine Kammern 3x2x2 cm anbieten, dazu eine größere Kammer etwa 6x3x3 cm. So kann sich die Kolonie die momentan bevorzugte Größe aussuchen.


Seramis/Tongranulat und Ytong:
ich bevorzuge einen Wassertank auf der Oberseite des Ytongs, leichter zu reinigen und zu dosieren.
Beim Wasserbad muss gewährleistet sein, das det Wasser tatsächlich in den Ytong ziehen kann... eine Schicht aus Tongranulat kann da hinderlich sein. Desweiteren hält schnell mal Moos und Getier Einzug in die Tongranulat-Schicht unter dem Nest, eine Reinigung bedeutet dann aber auch eine nicht unherhebliche Störung des Nestes.


Sichtscheibe:
ich befestige die Sichtscheiben grundlegen mit kleinen Holzschrauben.
Hält im normalen Betrieb gut und kann bei Bedarf (Schimmel, tote Tiere, Sonntags) leicht wieder entfernt werden. Hilfreich auch: laaaange Gewindeschrauben nutzen, komplett durch den Ytong bohren und mit Muttern sichern.
Die rote Folie kann mittels Heftzwecken, Nadeln, Tesa, Klett und ähnlichem befestigt werden... weniger Vorteilhaft empfinde ich selbstklebende Folie, diese ist für genauere, kurzfristige Beobachtungen/Kontrollen nicht so leicht zu enfernen.


Wärme:
nicht erforderlich!
Normale Zimmer-Temperaturen sind ausreichend... eine zu warme Haltung wird die Tiere nur dazu veranlassen, früher in die Winterruhe zu gehen.


Müll:
ein kleinen Teil des Abfalls wird die Kolonie im Nest lagern, den größeren Teil tragen sie raus in die Arena. Hier ist die "normale" Reinigungsarbeit angesagt: Futterreste entfernen, dann und wann schmutzigen Bodengrund tauschen und natürlich die Futternäpfe regelmässig reinigen und heiss auswaschen.
Das Nest selbst ist idR NICHT anzutatschen! Ausnahme: GRÖßERE Schimmelbildung.
Zuletzt geändert von Sahal am 8. Jan 2007 18:00, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon delirium » 8. Jan 2007 17:55

Hallo und willkommen im Forum!

Also, dann fangen wir mal an:

Der Hochzeitsflug wird erst in einigen Jahren erfolgen, da die Kolonie erst eine gewisse Größe erreicht haben muss, bis sie Geschlechtstiere aufzieht.
Irgendwann kann es jedoch sein. Dann kannst du die Königinnen entweder im Formicarium lassen oder du entnimmst sie (wenn sie aus dem Nest kommen) und lässt sie in die Freiheit fliegen. Das steht dir frei.

Ja, die beiden kammer dürften für den Anfang reichen. Camponotus ligniperda wächst ohnehin sehr langsam.

Fräse lieber einen kleinen Schacht ein, den du mit Wasser befüllst und welcher dann als Tank dient. Aber auch das steht dir frei.

Du könntest die rote Folie mit Klettklebepunkten befestigen und dann bei Bedarf auch wieder entfernen.

Ecke recht völlig, da dadurch das ganze Formicarium erhitzt wird.

Ja, sie schaffen selbst Müll auf einen von ihnen gewünschten Müllplatz. Das wirst du dann sehen. Es hält sich bei einer kleinen Kolonie ohnehin in Grenzen.

Ich hoffe, ich konnte dir helfen.
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Beitragvon wonko » 8. Jan 2007 18:32

Das mit dem Hochzeitsflug habe ich jetzt verstanden, danke für die Erläuterung. Speziell der Hint in Richtung "intraspezifische Homogenisierung" ist wichtig und interessant. Ich war diesbezüglich bisher einem Missverständnis aufgesessen.

Auch für die Tips bzgl. des Ytong-Nestes danke ich euch, auch wenn ich mich im Kopf mit der Granulat Idee schon sehr angefreundet hatte :?
Mal sehen was ich da mache. Ich experimentiere mal ein wenig und lasse euch dann wissen, was dabei heraus gekommen ist. Wie stehts denn überhaupt mit der Feuchtigkeit? Dass das Nest nicht richtig nass sein darf ist klar und ich habe mal gelesen, dass Camponotus ligniperda es sogar eher trocken mögen, richtig? Im Moment habe ich einen Stein einfach mal versuchshalber direkt ins Wasser gestellt und von triefend nass (unten) über feucht (mitte) bis relativ trocken (ganz oben) ist alles drin. Der Kappillar Effekt scheint nicht ausreichend zu sein um höher gelegene Stellen feucht zu halten. Ich denke daher nun über eine Kombination aus verschiedenen Möglichkeiten nach.

Gruß, wonko the sane
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Beitragvon GroßesKrabbeln » 19. Apr 2007 19:15

Soooooooodele ... als neuer User heute möchte ich auch mal hierzu was fragen. Mit dem Suchwort "reinigen" bin ich nämlich nicht weit gekommen.
Irgendwann müssen die Scheiben ja mal gereinigt werden, der Deckel muss geöffnet werden um Futter zu geben und es muss bewässert werden.
Ist es denn nicht so, dass dann - besonders bei einem großen Bestand - viele Tierchen entweichen? Ich habe vor 2 Tagen meine C.L. bekommen und muss schon sehr aufpassen das mir die beim Füttern nicht ausbüchsen (hab nen Tropfen Honig rein, und die sind schon ziemlich flink unterwegs!), da ja auch nur 2 Arbeiterinnen bei der Queen dabei waren und ein Männchen.
Ich muss auch ehrlich gestehen das ich mir nicht mehr sicher bin ob ich mich verzählt habe, da ich nämlich heute in der Wohnung eine recht große Ameise (ca. wie das Männchen) gefunden habe. Ich könnte schwören das nur die oben genannte Menge im RGl war, und sich jetzt auch noch im Terrarium befindet! Vielleicht eine von draussen die ihr Revier gecheckt hat? "Riechen" andere Ameisen die meinen?
Auf jeden Fall ist meine Frage wie man verhindert das die Tiere ausbüchsen wenn man den Deckel aufmacht. WIe lange überleben die ausserhalb des Terrariums (Oder Formadingsda ..)?
Bei momentan nur 4 Ameisen habe ich mir das zusammenstöpseln des anderen Terrariums erst einmal gespart, da sie es wahrscheinlich erst nutzen wenn der Staat etwas größer ist (richtig?). Eier waren schon in dem RGl vorhanden - wie lange wird es jetzt dauern bis mehr als 2 Ameisen auf Wanderschaft gehen? Das Männchen scheint etwas träge und Arbeitsfaul zu sein ...

Vielleicht Saudumme Anfängerfragen ... aber gerade deswegen gibt es ja auch so ein Forum, oder? <g>

LG: S.Baldes
Zuletzt geändert von GroßesKrabbeln am 20. Apr 2007 09:18, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon NuEM » 19. Apr 2007 23:44

Aus diesem Grund sollte das Becken (und alle anderen Bereiche, die geöffnet werden müssen) neben dem Deckel eine Ausbruchsperre aus Talkum, Öl, oder PTFE haben. Diese wird einige Zentimeter unter dem Rand in Form eines Streifens aufgetragen. Der Streifen sollte ca. 2-3 mal so breit sein, wie die längste Ameise lang ist.

Welches Mittel konkret gewählt werden soll, hängt von der Ameisenart, und den Bedingungen im Becken ab. So ist z.B. Talkum für Becken mit hoher Luftfeuchtigkeit ungeeignet.

Weitere Erklärungen und Beispiele finden sich hier im Forum.
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