Hallo Holgi,
hi, habe seit 2 wochen ein Myrmica rubra-volk mit ca. 100 workern und queen,
Daraus schloss ich, dass Sie von
einer queen (deutsch = Königin) sprachen. Nachdem viele user hier Schwierigkeiten mit der Unterscheidung Königin-Arbeiterin bei Myrmica haben, hielt ich es für angebracht, darauf hinzuweisen, dass auf dem Bild zwei Königinnen zu sehen sind. Entschuldigung!
„2 graue Puppen“: Wenn diese wirklich „grau“ sind, dürften daraus Männchen (schwarz) schlüpfen, denn in der Ausfärbungsphase von Arbeiterinnen und Jungweibchen kommt kein graues Stadium vor. Bitte berichten, wenn die Tiere geschlüpft sind.
Weder im ersten, noch im zweiten post haben Sie etwas von Larven gesagt. Was ich als „graue Larven“ interpretiert hatte, sind dann vielleicht die Puppen. Genau zu sehen ist es nicht, dazu ist die Auflösung zu gering. Die Kolonie muss aber jetzt, Mitte August, eine Menge Larven verschiedener Größe haben. Zumindest ist das in Nestern im Freiland so. Wie steht’s damit?
Ich gehe (wieder einmal) so ausführlich auf diese Angelegenheit ein, weil bei den Haltern eine Kenntnislücke zu schließen ist: Bei vielen einheimischen Ameisenarten (nicht bei allen; da gibt es noch Forschungsbedarf) weiß man recht gut über den Jahreszyklus Bescheid, wann im Jahresablauf also die verschiedenen Brutstadien, Puppen, Geschlechtstiere etc. in den Freiland-Nestern vorhanden sind und entsprechend in der Haltung auch präsent sein müssten.
Bei längerer Haltung verschiebt sich das oft, die Kolonie kommt jahreszyklisch „außer Tritt“. Ursache ist sehr wahrscheinlich, dass die Kolonien meist in durchschnittlich zu hohen Temperaturen gehalten werden (es fehlen die häufig mehrwöchigen Perioden mit Regen und niedrigen Temperaturen, die wir ja oft auch mitten im Sommer haben!). Die Brutentwicklung usw. läuft dann zu schnell; ich vermute stark (für die ganze Tribus Formicoxenini weiß ich es sogar sicher, aus eigenen Forschungen!), dass solche Kolonien dann bereits Ende Juli-Anfang August ihr sommerliches Pensum erfüllt haben und reif für die nächste Überwinterung sind. Hält man sie weiter warm, kommt es noch zu einigen Verpuppungen, Eiablage usw., aber die Kolonien entwickeln sich nicht normal weiter, mit evtl. fatalen Konsequenzen.
Diesen thread nehme ich nur mal wieder zum Anlass, darauf hinzuweisen, und zwar nicht nur den Themenstarter! Andere user sollten ruhig auch ihre Konsequenzen daraus ziehen, nämlich beim Kauf und bei der späteren Haltung darauf zu achten, dass die Kolonien im Jahreszyklus sind und bleiben. Oder aber den Jahreszyklus bewusst und absichtlich verkürzen. Dazu gehört allerdings einige Erfahrung. Im Ameisenwiki wird das Thema abgehandelt und auch immer mal wieder aktualisieren. Es ist als Informationsquelle zum Nutzen für die Ameisenhalter gedacht!
Bei dieser Gelegenheit sollten auch diejenigen, die mir immer wieder unterstellen, ich sei gegen jede Ameisenhaltung, zur Kenntnis nehmen, dass ich seit Beginn des Ameisenhandels (2000) kontinuierlich bis heute hilfreiche Tipps zur Haltung einheimischer Ameisen gegeben habe und weiterhin gebe. Die sind nicht immer im Sinne und zum Vorteil der Ameisenverkäufer. Aber die Halter sollten ja vorrangig ihre eigenen Interessen sehen. Im Gegenzug dürfen auch Verkäufer ihre Konsequenzen ziehen, mit entsprechend behandelten Kolonien ihre Kunden zufrieden stellen, so dass diese nicht, durch vermeidbare Verluste enttäuscht, den Ameisen gleich wieder den Rücken kehren.
MfG, Earlant