Hallo Sahal, (zum Post vom 22.7., 5:49)
Aus ihrem Post entnehme ich jedoch, dass nur eine „exotische“ (nicht einheimische) Kolonie potentieller Überträger von Parasiten/Krankheiten ist.
Vielleicht habe ich mich missverständlich ausgedrückt. Ich denke, dass man eine in der Nähe des Halters gesammelte Kolonie auch nach längerer Haltung wieder am Sammelort aussetzen kann, ohne ein hohes Risiko einzugehen. An eventuell in der Kolonie vorhandene Parasiten/ Krankheitserreger sollten die einheimischen Arten angepasst sein. (Natürlich wäre es unverantwortlich, eine Kolonie auszusetzen, weil sie von Milben wimmelt!).
Wichtigstes Ziel der Vorsichtsmaßnahmen muss sein,
zu verhindern, dass fremdländische, exotische, am Ort des Halters bisher nicht vorhandene Krankheitserreger (Milben, Pilze, Bakterien, …) in die einheimische Fauna gelangen. Deshalb darf ein Ameisenhalter NIEMALS ortsfremde Ameisen freisetzen oder freikommen lassen. (Das Risiko der Faunenverfälschung lasse ich jetzt hier mal beiseite).
Ich wollte mit meinem Post auf eine
zusätzliche Gefahr hinweisen, wenn einheimische neben ausländischen Ameisen in einem Raum gehalten werden (oder gar in „Gemeinschaftsbecken“): Manche Erreger könnten bereits in der Haltung auf die einheimischen Arten überspringen und mit diesen zusammen dann in die Natur entlassen werden! Zumindest Milben habe ich schon außerhalb unserer Formikarien im Brutschrank herumkrabbeln sehen, und zweifellos haben sie dann auch andere Formikarien in demselben Brutschrank infiziert. Auch ausgebüchste Ameisen geraten manchmal in ein benachbartes Formikarium, usw..
Das Risiko besteht logischerweise auch im „Lager“ von Ameisenhändlern, ebenso wie die Futtertiere von vielen Anbietern deswegen schon stark z.B. mit Milben verseucht sein können.
Gibt es auch keine (bekannten/wahrscheinlichen) Risiken bezüglich Verschleppung von Krankheiten/Parasiten innerhalb der Republik direkt durch die Ameisenkolonien?
Mir ist kein
nachgewiesenes Beispiel bekannt, wo innerhalb Deutschlands mit Ameisen Parasiten verschleppt worden wären und sich dann dauerhaft angesiedelt hätten. Ein solcher Nachweis ist allerdings fast unmöglich: Wer untersucht schon Ameisen auf Bakterien, Viren, Pilzbefall? – NIEMAND! Und für den Gesundheitszustand einer Population vor 10 - 20 - 50 Jahren gibt es nur ganz selten noch Informationen.
Vor 40-50 Jahren wurden noch Waldameisen in großem Stil innerhalb Deutschlands, aber auch z.B. von und nach Italien, verfrachtet. Man erhoffte sich eine „Auffrischung“ der schwindenden Bestände in Deutschland. An die mit den Ameisenvölkern verfrachteten Parasiten hat damals einfach noch niemand gedacht! Man wusste auch viel weniger darüber als heute.
Heute finden sich z.B. Pilze der Gattung Aegeritella auf Waldameisen an vielen Stellen in Deutschland: Niemand kann mehr herausfinden, ob dieser Pilzbefall „schon immer“ so verbreitet war, oder ob er durch die Ameisenverfrachtungen weiter ausgebreitet wurde. Aegeritella-Befall ist mit bloßem Auge zu erkennen; befallene Waldameisenvölker können anscheinend daran zugrunde gehen.
Wie aber sieht es mit Endoparasiten aus? Mit Bakterien, Viren, Fadenwürmern????
Nach meiner Auffassung sollte auch eine solitär gehaltene Art aus dem Schwarmflug vor der Haustür nicht wieder in die Natur entlassen werden... und schon gar nicht deren evtl. gebildeten Geschlechtstiere, können diese doch so gleich prima eine komplett infizierte Kolonie hochziehen (sollten sie tatsächlich Geschlechtspartner finden).
Ich sehe das nicht ganz so eng. Ausnahme natürlich (s. o.) eine sichtbar und erkennbar stark infizierte Kolonie. Wenn sie von sehr schädlichen Bakterien etc. befallen ist, wird sie vielleicht (hoffentlich) auch keine Geschlechtstiere aufziehen. Man sollte das Verantwortungsbewusstsein der Halter nicht überstrapazieren. Ein aus der selbst gefangenen Königin aufgezogenes Volk von Lasius niger kann man m.E. bedenkenlos nach 1 oder 2 Jahren wieder freilassen. Das ist jedenfalls weitaus besser, als sie über hunderte von Kilometern hinweg zu verkaufen.
Gefahren bestehen hier eher für die Kolonie: Wenn sie in der Haltung nicht mehr im normalen Jahresrhythmus ist, wird sie Schwierigkeiten haben, sich wieder einzupassen. Hinzu kommt das Risiko, dass sie im Freien auf konkurrierende Völker treffen wird. Da ist es meistens humaner, die Kolonie gleich mit heißem Wasser zu behandeln. So empfehle ich das ja auch, wenn jemand lästige Lasius niger aus dem Rasen „umsiedeln“ oder „vertreiben“ möchte: Die schickt er fast unweigerlich in den Krieg…Wobei dann entweder die freigelassene Kolonie ihr Leben lassen muss, oder eine der ortsansässigen. Es dauert nur etwas länger als die Heißwasser-Behandlung....
MfG Earlant