Kolonie ohne Königin

Archivbeitrage aus den Unterforen "Einsteigerfragen" und "Diskussion und Fragen allgemein" aus den Jahren 2003 bis 2008.

Kolonie ohne Königin

Beitragvon Dies Irae » 7. Apr 2006 09:20

Ich habe diese Fragestellung in einem anderen Thread als Nebenfrage gestellt. (Link: http://www.antstore.net/viewtopic.php?p ... ght=#26333 ) Dort ist nämlich eine Myrmica rubra Königin verstorben.
Ich möchte das thema aber noch einmal an exponierterer Stelle neu eröffnen, da mich die Frage wirklich interessiert:

Wenn bei einer bestehenden Kolonie, aus welchen Gründen auch immer, die Königin (ausgegangen wird von einer monogynen Spezies) verstirbt, wie geht es weiter? Die Reproduktion ist abgebrochen (logisch).
Wird die Kolonie sofort zu einem Haufen unorganisierter Einzelindividuen oder bleiben die Organisationsstrukturen bestehen? Letzteres würde bedeuten, daß die Kolonie faktisch weiter besteht, sich aber mit dem Versterben der einzelnen Arbeiter auflösen würde.
Wird die Pflege der bereits vorhandenen Brut fortgesetzt?

Danke vorab für Antworten!

Gruß!

Dies Irae
Zuletzt geändert von Dies Irae am 7. Apr 2006 12:43, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon abe » 7. Apr 2006 11:14

Auch wenn die Königin verstorben ist läuft die kolonie weiter auch die larven pflege und die futter beschaffung. Wenn sich aber die Kolonie ihrem ende nähert sprich nur noch wenige ausgewachsene Tiere vorhanden, wird die aufgaben verteilung natührlich auf eine harte probe gestellt da je nach menge der larven und Eier die vorhandene arbeitskräfte nicht mehr ausreichen. Dies kann dazu führen das bestimmte aufgaben vernachläßigt werden zb. Brut pflege. Wie genau die Tiere die bestehenden aufgaben einteilen und welche nicht oder nur zum teil erfühlt werden müßte man natürlich ausbrobieren.
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Beitragvon earlant » 7. Apr 2006 17:31

Wie meistens bei Ameisen hängt es von der Verwandtschaftsgruppe (meist der Gattung) ab.
Wohl bei (fast) allen Arten wird noch vorhandene Brut aufgezogen. Bei polygynen, im Nest kopulierenden Arten wie der Pharaoameise entstehen dabei einfach neue Geschlechtstiere, nach deren Verpaarung die Kolonie weiter besteht wie zuvor. Deswegen sind das ja so schwer zu bekämpfende pestants.

Bei vielen Gattungen haben die Arbeiterinnen keine Ovarien, können also überhaupt keine Eier legen, Beispiel Tetramorium. Da stirbt die Kolonie nach Aufzucht der letzten Brut einfach aus (es sei denn, eine Anergates-Königin übernimmt ein solches Restvolk und lässt als Sozialparasit ihre eigenen Nachkommen darin aufziehen, geht ca. 2 Jahre bis zum endgültigen Ende). Die letzten Geschlechtstiere fliegen ab; mir ist kein Fall bekannt, wo solche Kolonien eine neue Königin akzeptieren würden.

Sehr häufig haben die Arbeiterinnen Ovarien, wenn auch kleinere als die Königin (Myrmica, Leptothorax, Formica und andere). Parallel zur Aufzucht der letzten Brut der Königin legen einige Arbeiterinnen Eier, oft in großen Mengen!
Die werden dann zu Männchen aufgezogen, bis die letzten Arbeiterinnen das Zeitliche segnen. Kann u.a. bei Leptothorax zwei Jahre dauern.
Oft gibt es unter den fertilen Arbeiterinnen auch Hierarchie-Kämpfe, dann geht’s mit der Kolonie noch schneller bergab.

Nur von Heeresameisen ist mir so etwas dunkel in Erinnerung, dass sie bei Verlust der Königin direkt planlos umherirren und ganz rasch zugrunde gehen (kann aber im Moment nicht ausschließen, dass es sich dabei um eines der zahllosen Märchen handelt, die sich um diese Tiere ranken! - Müsste man nachlesen).

Grüße, Earlant
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Beitragvon zucca » 29. Apr 2006 12:58

Sehr interessant zu lesen...

nur leider befinde ich mich wohl auch in dieser lage :/
Ich habe letzte Woche (vielleicht ein wenig zuspät) meine 3 ersten Aufzuchtskolonien aus dem Vorjahr aus dem Keller geholt. Der Transport war leider einer Katastrohpe, da uns während der Fahrt, von meinen Eltern zu meiner Wohnung, ein Kind vor's Auto gelaufen ist (keine Angst, dem Kind ist nichts passiert, ABS regelt :). Nur leider sind die Reagenzgläser und die Farm im Auto herumgeflogen. Sehr blöd gelaufen...

... 2 tage nach dem Umzug, hab ich die Königin in der Farm auf den Rücken liegen sehen (die Gliedmassen zusammengekrümmt), daraus schliesse ich, sie ist vermutlich verstorben. Am nächsten Tag befand sie sich zwar an einem andern Ort, aber ich glaube die Arbeiterinnen haben sie hin und her gezerrt. Seit dem keine Reaktion, geschweige denn ein Lebenszeichen. Hinzu kommt, die letzten drei Tage konnte ich nur noch den Gaster erkennen. Es sieht so aus, als ob die Arbeiterinnen die Queen auseinander genommen haben. (Die Einsicht ist leider sehr bescheiden, die Arbeiterinnen haben gute Maurerarbeit geleistet).

Die Kolonie an sich (ca. 9-11 Arbeiterinnen) leben nach wie vor munter und es herrscht noch wildes Treiben. Heute hab ich sogar zwei Puppen und massig Larven / Eier entdecken können. Also scheint es "vorerst" weiter zu gehen. Aber wie ja earlant schön und ausführlich erklärt hat, ist das wohl nur von kurzer dauer.

Jetzt stellt sich die Frage, soll man dem "Dahinvegitieren" gleich ein Ende bereiten und vielleicht die Larven und Puppen versuchen den zwei anderen Kolonien anzubieten. Das kann ja unter umständen funktionieren? Oder dem Leben seinen Lauf lassen...

Wieso nun die Queen überhaupt gestorben ist,... kann ich nicht genau sagen. Futter und Feuchtigkeit wurde definitiv regelmässig überprüft und gewechselt. Ob der stress vom Transport wirklich dafür verantwortlich ist ? Wer weis, man steckt nicht in den Tieren drin.

Doofe Situation,...
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Beitragvon Darkness » 29. Apr 2006 16:32

@ zucca

Ich würde diese Situation nicht gerade mit "Dahinvegitieren" bezeichnen. In der Art ist er sicher richtig, allerdings ein etwas harter Ausdruck. Du könntest dich natürlich so lange um sie kümmern bis die letzte Arbeiterin verstorben ist, allerdings wie du umschrieben hast auch einfach mithilfe von heissem Wasser das Leben nehmen. :?
Du kannst die Puppen, Larven, Eier auch anderen rubra Kolonien anbieten, diese werden ihnen lediglich als Mahlzeit einen Dienst erweisen.
Es muss nicht immer unbedingt an den Haltungsbedingungen liegen welche für den Tod einer Königin verantwortlich wären, auch Transpaort und Stress sind zwar durchaus relevante Faktoren, allerdings nicht immer berrechtigt. Ein Tod kann ja wie bei uns Menschen auch unerwartet auftreten. Musste ich bei Ameisen leider auch schon feststellen. :(

Mfg Darkness
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Beitragvon Markus » 29. Apr 2006 16:59

Ob du sie nun weiterbeobachtest oder nicht, das musst du dir selbst beantworten, die anderen Kolonien leben ja noch natürlich und so hast nur du die Qual der Wahl...
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Beitragvon zucca » 30. Apr 2006 11:11

@Darkness: übrigens, es handelt sich nicht um eine rubra Kolonie, sondern um eine Lasius Niger.

Ich hatte mich gestern Abend entschieden ...

Die Farm habe ich langsam cm für cm abgetragen (eine verdammt zeitaufwändiges Unterfangen). Und tatsächelich, die Queen war ein wenig anders, als man sie sonst kennt. Die Arbeiterinnen haben sie wohl nach ihrem Tod komplett auseinander genommen, nur der Hinterleib war noch als ganzes.

Nach dem ich die Brut sicherstellen konnte und die zwei Puppen auch vorsichtig entnommen habe, habe ich die 7 Arbeiterinnen in ein Gefäß verfrachtet und dann mit kochenden Wasser schnell erlöst. Die Brut hat zum größten Teil eine andere Kolonie angenommen.

Hmm,... naja, trotzdem doof das ganze...
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Beitragvon Darkness » 30. Apr 2006 13:16

@ zucca

Sry, aber hast du das irgendwo vermerkt, wo habe ich das übersehen ?
Ich dachte deine Frage beziehe sich auf die erste Aussage von DiesIrae: "......nämlich eine Myrmica rubra Königin verstorben."
Du hast ja oben geschrieben: "....meine 3 ersten Aufzuchtskolonien "
Da ich in deinem Bericht keine Angaben auf Lasius Niger gefunden hatte, ging ich davon aus du hättest Myrmica rubra gemeint.

Mfg Darkness
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Beitragvon zucca » 30. Apr 2006 14:24

is ja nicht schlimm,... und relevant ist es wohl auch nicht. Mir ging es eher um die Situation an sich,... aber trozdem danke für die Ratschläge :P
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