Muss es immer ein RG sein?

Tipps und Ideen zum Formicarienbau

Muss es immer ein RG sein?

Beitragvon Erne » 22. Mär 2013 20:17

Muss es immer ein RG sein für eine Gründung?

Ein Reagenzglas bietet eine halbwegs sterile Umgebung, einfach zu handhaben und für viele Ameisenarten durchaus brauchbar.
Durchaus brauchbar?
Wer von Euch ist in der Lage den Wattestopfen für den Wassertank richtig anzufertigen?
Ist der Stopfen zu dick, verfehlt das Reagenzglas seinen Zweck und der Haltungsstart wird nichts.
Ist er zu dünn oder nicht dicht genug, gibt es was nachzulesen im Forum.
In etwa so" Meine Ameisen sind am Ertrinken", was soll ich machen?"
Weiter kommt dazu, das nicht alle Arten von der Gründung in einem RG begeistert sind.
Königinnen, die ohne Reagenzglasverschluss dieses dauernd verlassen, oder Arten die eine andere Umgebung für die Gründung brauchen als Glas.

Für mich die Frage es anders zu versuchen.
Grundlage dafür, Gips.
Kostet wenig, lässt sich gut verarbeiten und speichert prima Wasser.
Feuchtigkeit, die sich damit gut regulieren lässt, für unsere Ameisen überlebensnotwendig.

Wie fast immer gibt es dafür einfache Lösungsansätze, die mit wenig Euros eine Basis schaffen, um Ameisen erfolgreich zu halten.
Hier die Zutaten für ein derartiges Gründerköniginnennest.

Nestbau 1.jpg

Etwas Styropor und als Formenbehälter eine leere Schraubenplastikbox, kostengünstiger geht nicht.
Aus dem Styropor die Form der Nestkammer gefertigt.

Nest 2.jpg

Mit wasserlöslichem Holzleim bestrichen
Nestbau 3.jpg

und in die Form gedrückt.

Nestbau 4.jpg

Gut 1 Stunde anziehen lassen und dann rauf mit der Gipspampe.

Nestbau 9.jpg

Die sichtbaren Luftblasen lassen sich durch leichtes Aufschlagen der Form entfernen.

Was kommt dann, das was wir Ameisenhalter mit Ausdauer beherrschen, Geduld.
Es braucht ca. 1 Stunde bis der Gips ausgehärtet ist.
Das Teil aus der Plastikform gedrückt.
Hier ein Vergleich des Nestblockes zu einem Reagenzglas.

Nestbau 6.jpg

Gut, dass ich einen kleinen Schraubendreher habe.
Schnell ist damit das Styropor herausgebröselt.

Nestbau 7.jpg

Der Nestblock braucht jetzt noch 2 Tage, um zu trocknen oder auf die Schnelle, ca 30 Minuten im Backofen bei 200°C.

Um etwas Natur in dieses kleine Nest zu bringen, tut ein Anstrich mit Lehm gut.

Nestbau 8.jpg

Mit Silikon eine kleine Glasplatte aufgeklebt (mitunter passt ein Objektträger),
eventuell das Ganze noch ein wenig mit grobem Schleifpapier (80ger Körnung) bearbeitet und los kann es gehen.

Richtig betrachtet passt das noch nicht, habt Ihr den Durchblick?
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Re: Muss es immer ein RG sein?

Beitragvon timminator93 » 25. Mär 2013 12:05

Das ist eine echt gute Idee!
Aber:
-Wie befeuchtest du den Block so das die Ameise auch etwas trinken kann?
-Ist der Eingang nicht etwas klein?
-Und wie gedenkst du die Königin hineinzubekommen du kannst sie wohl schlecht durch den Eingang pressen wahrscheinlich wird sie sich festhalten.
Das Konzept ist ansonsten aber wirklich gelungen und ich bin deiner Meinung, dass sich dadurch natürlicherer Gründungsbedingungen schaffen lassen.
Grüße Tim.
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Re: Muss es immer ein RG sein?

Beitragvon Moonman » 25. Mär 2013 20:50

Schöne Idee! Ich habe selber zwei selbst gefangene Königinnen erfolgreich in solchen Selbstbauten zu einer aufstrebenden Kolonie gebracht.
RG ist sicher praktisch im Shop, immer gleiche Form, billig... Werden ja wie Flaschen im Regal gelagert...

Für den Halter dann doch unpraktisch, wie Erne schon beschrieben hat. Wassertank und Abdunkeln sind die größten Schwachstellen für mich, das lange RG passt auch in keine kleine Anlage.

Selber baue ich gerne mini Y-tongnester. Die Befeuchtung regel ich da durch die Umgebung, also kein eingebauter Wassertank, sondern das Nest steht einfach auf feuchtem Sand/Lehm/Seramis.
R0017088.JPG

Leider hat die Minianlage schon ein Jahr auf den Buckel, Kalkablagerungen haben sich durch die Dauerfeuchte angesammelt.

kkDSC09193nest.jpg

So hat es am Anfang ausgesehen, habe verschiedene Gründungsnester angeboten. Anfangs hatten die Myrmica rubra in der Haselnuss mit Sichtfester gewohnt, die Befeuchtung war jedoch schwer und die junge Kolonie freute sich über die Y-tongangebote :mrgreen:

R0017093.JPG

Heute ist die Anlage schon etwas größer und die Nester halten sich gut.
Die Anfangsbox steht nun in einer größeren Anlage, unter der Schieferplatte in der Mitte ist das kleine Nest. Ein RG würde schon längst trocken sein, auch Schimmel scheint kein Problem zu sein.

Das zeigt mal wieder das man nicht viel Geld für eine Ameisenkolonie ausgeben muss, ein paar Steinchen, Sand, Heißkleber.... und schon kann man loslegen.
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Re: Muss es immer ein RG sein?

Beitragvon Erne » 27. Mär 2013 19:28

Der Nestblock ist deutlich größer als die Nestkammer, speichert daher lange Wasser.
Mit der Spritze ab und an Wasser an oder auf den Block gegeben, das reicht meistens schon.
Auch machbar, im hinteren Nestblockteil eine Aussparung mit einzuarbeiten,
welche dann als Zugabestelle für Wasser oder als Wassertank genutzt werden kann.
Wobei die Wassertankfunktion nur kurzzeitig vorhanden ist, Gips saugt gut Wasser.
Ich bevorzuge eine andere Variante, der Gipsblock wird plan auf die Gipsschicht eines Beckens gestellt (Gipsschicht als Beckenbodenbelag).
Der Bodenbelag wird befeuchtet und gibt die Feuchtigkeit auch an den Nestblock weiter.
Zudem kann das Becken noch teilweise abgedeckt werden, wenn es nötig ist, eine höhere Feuchtigkeit zu halten.
Auch lässt sich der Gipsboden noch mit grobem Sand oder feinem Kies weiter gestalten.

Nestblock11.jpg

Wie groß der Gang sein muss und auch die Nestkammer, gibt die Art vor die darin gründen soll.
Königinnen brauchen nicht in so ein Nest verfrachtet zu werden, sie finden selber rein.
Claustral gründende Arten verschließen den Gang, der später von den ersten geschlüpften Ameisen wieder geöffnet wird.
Semiclaustral gründende Königinnen wie z. Myrmica rubra, können das Nest verlassen um Futter zu suchen.

Hier ist eine Manica rubida Königin eingezogen.
Manica rubida Gründervolk.jpg


Moonman prima Ergänzung. =D>

Grüße Wolfgang
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Re: Muss es immer ein RG sein?

Beitragvon Gast - ehem. User » 28. Mär 2013 11:21

Sehr gute Anleitung, irgendwie bin ich recht faul was basteln angeht, aber langsam muss ich für meine Plagiolepis pygmaea auch ein kleines Nest basteln, denn das Reagenzglas ist zu groß und trocknet auch langsam aus.
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Re: Muss es immer ein RG sein?

Beitragvon Erne » 28. Mär 2013 16:20

irgendwie bin ich recht faul was basteln angeht

Oder nicht die Zeit, um immer was Passendes zu bauen.
Da ist es mehr als praktisch, auf die Schnelle mit einfachen Mitteln, kostengünstig was anzufertigen.
So was lässt sich durchaus auch größer so einfach herstellen.

Grüße Wolfgang
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Re: Muss es immer ein RG sein?

Beitragvon AntKing88 » 18. Mai 2013 10:32

hey ho
sehr feine Anleitung, auch wenn ich ein ewiger Verfechter der RG´s bin ;)

Habe grade Für meine Manica rubida Gründungen jeweils ein Rg mit Wassertank und eins mit Wassertank+sand lehm Füllung angeboten und muss sagen:

Wunderwaffe mit Sand Lehm gefülltes RG :D :D :D

scheint für mich und die Königin perfekt zu sein
- sie kann graben
- sie gräbt sich selbst ihre Gründungskammer so groß wie sie benötigt wird
- das Wasser zieht aus dem Wassertank in das Sand Lehmgemisch ( am feuchtesten am Wassertank, nahezu trocken am RG Ausgang) so kann sie auch die Feuchtigkeit bestimmen
- gute Beobachtungsmöglichgkeiten

für mich scheint es der beste Kompromiss zu sein, allerdings noch keine Langzeiterfahrungen, was meint ihr ?


MFG
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Re: Muss es immer ein RG sein?

Beitragvon MrIglo » 18. Mai 2013 10:59

Kannst du ein Foto machen =D> ??

Finde die Idee vielversprechend.

Ich denke ein Problem könnte sein, dass das RG schneller austrocknet.
Wasser wird ja durch den Sand gen Ausgang transportiert, ich nehme an mehr als durch die Luft im klassischen RG.

Außerdem meine ich, dass die Watte beim Austrocknen weiter in das RG hinein rutscht, bzw rutschen kann.
Die feuchte Watte lässt ja das Wasser raus, aber keine Luft rein. Es entsteht ein Unterdruck, die Watte wandert.

Wenn der Kontakt abbricht zum Sand, trocknet der womöglich ganz.

Ob es so kommt, oder ob es geht, das wäre interessant.

LG
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Re: Muss es immer ein RG sein?

Beitragvon AntKing88 » 18. Mai 2013 14:48

naja jetzt grade ist schlecht bin auf der Arbeit :grin:

mach ich aber mal heute Abend, muss mich nur noch reinfuchsen wie ich das hier hochladen kann, wollte schonmal ein Bild hochladen .... ohne erfolg .. bin auch nicht grade der it Experte ;)

Interresante Anmerkung Mr Iglo ( nebenbei herzlichen zum 1.000 beitrag :D )

das könnte in der Tat zum Problem werden, aber ich denke der Sogeffekt durch den eventuell entstehenden Unterdruck dürfte nicht allzu groß sein und selbst wenn, ich denke es wird immer eine Verbindung zum Sand Lehm geben,
aber das wird die Zeit zeigen.
Das es schneller austrocknet, glaube ich nicht, aber wie gesagt es ist ein Versuch, wozu macht man sowas, wenn man die Antworten schon kennt ;)

Die Ameise hat für sich auf jeden Fall (vorerst) entschieden 8)

Das Bild wird es besser zeigen, aber ich habe ja jeweils 2 RG angeschlossen, also wenn es ihnen zu trocken wird, kann sie in das "leere" Rg umziehen
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