Haltung von Camponotus gigas

Informationen, Haltungsberichte und Fotobeiträge

Neue Veröffentlichung zu C. gigas

Beitragvon earlant » 11. Jan 2007 19:12

Hier habe ich ein paar Informationen aus einem Beitrag referiert, der sich mit dem Sammeln einer großen Kolonie C. gigas befasst.

Camponotus gigas gehört zu den größten Ameisen der Welt. Sie lebt in den tropischen Regenwäldern von Südostasien. In der Ausgabe Dezember 2006 der online-Zeitschrift „Notes from Underground“ erschien ein Bericht über „Erste Bemühungen eine lebende Kolonie der riesigen Wald-Ameise Camponotus gigas (Hym.: Formicidae) zu sammeln und in der Penang-Schmetterlingsfarm zu halten“.

Randy C. Morgan, David Goh, B.T. Chin, Kuennie Lee and Tan Poai Ean (2006): INITIAL EFFORTS TO COLLECT AND MAINTAIN A LIVE COLONY OF GIANT FOREST ANT, CAMPONOTUS GIGAS (HYMENOPTERA: FORMICIDAE) AT THE PENANG BUTTERFLY FARM. Notes from Underground 11/2, November 2006

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Aus dem Inhalt:

Auf 0.5 Hektar (= 5.000 qm) Sekundärwald wurden 12 Satellitennester gefunden, die alle derselben Kolonie angehörten. In einer mehrtägigen Aktion wurden alle Nester ausgegraben. Major-Arbeiterinnen haben kräftige, scharfe Mandibeln, beißen schmerzhaft und durchschneiden oft die Haut des Sammlers. Etwa 800 Arbeiterinnen wurden gesammelt und in Plastikbehälter gefüllt.

Weder eine Königin noch Brut wurden gefunden. Sie befanden sich wahrscheinlich in Nestern, die nicht entdeckt wurden. Die Ameisen wurden zusammen mit bewohnten Holzstücken in vier durch Schläuche verbundene große Aquarien gebracht. Sie nahmen Zucker- und Honigwasser auf, jedoch im allgemeinen keine kleinen Insekten.

Die Arbeitersterblichkeit war anfangs extrem hoch, was anscheinend auf große Mengen von Ameisensäure zurück zu führen war, die beim Sammeln abgegeben und auf andere Ameisen übertragen wurde. Die beträchtliche Mortalität hielt für sechs Wochen an, bis sich die Zahl der Arbeiterinnen bei annähernd 50 stabilisierte.

Der Plan, eine Ausstellungs-Kolonie für die Schmetterlingsfarm von Penang aufzubauen ging also daneben. Die Arbeit in „Notes from Underground“ enthält Zitate mehrerer Veröffentlichungen zur Biologie und Ökologie dieser Ameisen. So sollen die größten Arbeiterinnen 3 cm Länge erreichen und bis 400 mg wiegen. Die noch etwas größeren Königinnen seien die größten bekannten Ameisen (A.B.: das kann nicht stimmen; Dorylus-Königinnen können viel größer werden!). Das Furagieren erfolgt überwiegend nachts. Kolonien werden offenbar claustral gegründet. Die Kolonien scheinen („appear“) monogyn zu sein.

Zur ätzenden Wirkung der Ameisensäure von C. gigas füge ich einen Abschnitt aus der Originalarbeit ein. Er ist leicht verständlich:

The caustic property of the C. gigas’ formic acid was dramatically demonstrated several days into our field work, when both R. Morgan and a field assistant, who had done most of the collecting by hand, experience serious after-effects. On both, thick layers of skin first blistered and then sloughed off the thumb, index and middle fingers that had been used to grasp ants. The end result was severe second-degree burns and, in a few spots, third-degree chemical burns that blackened the underlying tissue. These injuries were painful, greatly limited the use of the hands, and took several weeks to completely heal.

(A. Buschinger, 11.01.2007)


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Beitragvon Sebastian Bott » 21. Mai 2007 23:38

Ich würde es begrüßen, wenn unser Staat der Haltung solcher Ameisenarten, wie auch schon vorher bei vielen anderen Dingen den Riegel vorschieben und nur bei Sondergenehmigung erteilen würde. Ich finde es immer wieder erstaunlich welche Grenzen mit Geld so einfach überschritten werden können.

Allgemein bin ich für eine rein heimische Artenhaltung. Allein schon wenn ich solche haarsträubende Themen hier sehe, dass jemand mit Myrmecia oder Atta in die Ameisenhaltung einsteigen wollen...

Ich würde mich über mehr Ameisenanlagen in den deutschen Tierparks freuen. (Habe ja schon meine Fotos von unseren zwei Anlagen im Münchner Zoo ins Forum gestellt.) Ich behaupte, dass ein mittelgroßer bis großer Zoo schon in der Lage ist eine solche Art zu halten und bietet für Interessierte den Vorteil in den Genuss der vielfältigen Ereignissen zu kommen ohne den dabei auftretenden Stress durch die Haltung erleiden zu müssen.
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Beitragvon Ulrich_W » 23. Mai 2007 17:49

@Sebastian Bott
Sorry, aber schon ein bisschen merkwürdig und eigentlich auch konfus was du hier geschrieben hast!? Oder einfach nur Off Topic?

Warum in aller Welt sollte ein Staat es verbieten bestimmte Ameisenarten zu halten und dann einem Zoo, per Sondergenehmigung die Haltung erlauben, obwohl der Grund für die verbotene Haltung ja ganz eindeutig die verfügbare Fläche zu sein scheint!

Du bist für eine rein einheimische Artenhaltung und beklagst dass andere Leute mit schwierigen Ameisenarten beginnen! Ihr habt aber ebenfalls in eurem Zoo mit der Haltung von Atta und Myrmecia angefangen, wo sind denn da die langjährigen Erfahrungsträger und die einheimischen Ameisenarten?

Das Interessante an der Ameisenhaltung ist ja nicht ab und zu mal ein paar Ameisen zuzuschauen und dabei auch noch Eintritt zahlen zu müssen! Das kann man auch leichter haben, man muss nur vor die Tür gehen und nach unten schauen, zumindest für einheimische Arten!
Im Zoo kann man sich z.B. ein paar Affen und Nashörner anschauen, denn die kann man wirklich nicht zu Hause halten!
Sondern der Reiz daran liegt natürlich auch im Zuschauen, Beobachten und Füttern, aber auch am Einrichten, Gestalten und Pflegen des Formikariums!
Schau dir nur mal an mit wieviel Ausdauer, Geduld und Liebe hier manche Leute daran gehen ihren Lieblingen ein neues Zuhause zu schaffen!

Der weg ist das Ziel! (Bruce Lee)

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Beitragvon Sebastian Bott » 23. Mai 2007 18:17

Nicht nur Zoos erlauben solche zu halten, sondern per Sondergenehmigung wie auch bei vielen Reptilien oder Ähnlichem. Diese werden dann von Zeit zu Zeit auf die Haltungsbedingungen geprüft. Finde es einfach ziemlich schade, wenn man sich mit Geld das Recht erkaufen kann, solche Tiere dahin siechen zu lassen.
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Beitragvon Eaglesword » 23. Mai 2007 18:38

Zu Camponotus gigas habe ich mir folgende Gedanken gemacht:

Einrichtung einer verhaltensgerechten Anlage
1 großes Hauptbecken mit Anschlüssen an jeder Seite
mindestens 1 kleineres Becken pro Seite
Becken müssen Hochformat haben.

Bepflanzung
Sträucher: Coffea arabica, Abuliton, Azalaea japonica, möglichst Hochstamm
Pro Nebenbecken 1 Strauch als Futterquelle für die Ameisen. Insektengabe erfolgt in die Pflanze.

Hauptbecken bestückt mit Kunststoffwurzel (Mangrovenstil) für Nest.
Verbindungen mindestens je 1m.

Ich denke, ein Tiergarten kann eine solche Anlage mit Leichtigkeit installieren und präsentieren.
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Beitragvon Gaster » 23. Mai 2007 19:44

@Eaglesword: Die Länge der Schläuche + der Außenkanten der Becken würde eine einzige Arbeiterin von Camponotus gigas schon fast zurücklegen, wenn sie von einem Nest zu einem anderen läuft. Wenn man sie halten will, wie sie in der Natur leben, bräuchte man ein vielfaches. Die Frage ist bloß, ob das nötig ist.
Zu dem Thema Camponotus gigas sollten sich interessierte unbedingt das Buch 'Verhaltensökologie von Camponotus gigas' von Martin Pfeiffer durchlesen. Es ist sehr, sehr interessant, nichtnur für Leute, die sich seziell für die Art interessieren. Es sind zwar ausschließlich Informationen über Camponotus gigas vorhanden, doch die sollten auch für andere interessant sein.
Welche Bepflanzung man verwändet ist wohl nebensächlich. Auch muss man das Futter nicht in den Bäumen reichen. Warum soll man Camponotus gigas anders halten als andere Arten? Es wird darum immer so ein riesen Wind gemacht, dabei sind es einfach relativ große Ameisen!
Viel wichtiger wäre es wohl, ihnen viele unterschiedliche Nestmöglichkeiten anzubieten, wobei sich auch hier die Frage stellt, ob das in der Haltung nötig ist. Bei Ausgrabungsaktionen fand man Brut oft ausschließlich in dem zentralen Nest. Die anderen waren oft nur Vorposten zuf besseren Ausbeutung von Futterquellen oder zur Verteidigung des Reviers.
Also nochmal, wer sich dafür interessiert, sollte sollte wirklich das Buch lesen (es ist eine Doktorarbeit, also auch viel trockener Text).


LG Jan
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Beitragvon Eaglesword » 23. Mai 2007 20:52

Klar handelt es sich bei den Außenposten um Garnisonen, das wissen wir ja von dem ausführlichen Artikel.
Ist nu ein Modell, wie von mir skizziert, übertrieben und wirklich unnötig? Unsere Frage gilt schließlich der verhaltensgerechten Gestaltung einer Anlage für die Art. Könntest du die Doktorarbeit für uns verlinken? Das wäre klasse.
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Beitragvon Gaster » 23. Mai 2007 21:11

Habe die Arbeit als Buch zuhause, verlinken wird also schwer. :grin:
Manche werden mir jetzt etwas vorwerfen, aber ich muss zugeben, dass ich nicht den gesamten Thread verfolgt habe. Ich habe angefangen zu lesen, fand es dann aber nichtmehr so toll und informativ und zu der Art erfahre ich hier sowieso nichts neues. Wollte nur kurz posten, weil ich die neusten Posts malwieder gelesen habe.
Eine Anlage - für fast jede Art - kann eigentlich nicht übertrieben sein. Gut wäre es vielleicht, wenn du die Schläuche (rein theorätisch) nicht direkt zu den anderen Becken legst, sondern erst ein wenig durch die Wohnung. So haben sie längere Strecken zurückzulegen. Das Futter sollte meist an den selben Stellen angeboten werden, sie haben auch in der Natur gleichbleibende Futterstellen. Insekten fressen sie eher weniger, dafür verhältnismäßig viel Vogelkot etc. Darüber gibt es sehr viel in der Doktprarbeit zu lesen. Vielleicht gibt es die ja auch online... Ich kann Dr. Pfeiffer mal fragen, wenn er wieder da ist.


MfG Jan
Gaster
 

Beitragvon Eaglesword » 23. Mai 2007 21:32

Das wäre formidabel!

Also, die angedachte Anlage ist eher was für Zoos. Unser Sebastian Bott hat ja mit Fotos gezeigt, wie sich Becken verbinden lassen und Ameisen gute Laufwege bieten.

Privathalter dürften damit Schwierigkeiten haben, es zu verwirklichen. Für sie könnte ein Beckentrio- also Nest plus zwei Garnisonen- eventuell machbar sein.
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Re: Haltung von Camponotus gigas

Beitragvon gunni42 » 26. Feb 2014 00:17

Hallo,Für einige "Ameisengurus" hier wäre es besser wenn Sie sich ne Kakteenzucht zulegen würden und etwaige Tiere lieber aussen vor lassen :wink:Sorry mehr fällt mir bei gewissen Forenmitgliedern ned wirklich ein :roll: mfg.Günther
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Re: Haltung von Camponotus gigas

Beitragvon derameisige » 26. Feb 2014 18:51

Hallo gunni42:

Der Thread ist fast sieben Jahre alt! Die Anzucht und Haltung von C. gigas ist bisher anscheinend keinem gelungen.
Nun aber gibt es einen ersten Bericht, in dem C. gigas (bisher mit Erfolg) ihre Koloniegründung betreibt!
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Da wurden schon viel Geld, Aufwand und enttäuschte Hoffnungen investiert! - Eine ähnliche "unendliche Geschichte" läuft mit Paraponera clavata,
wo es jetzt, nach dem Verkauf von über 200 sehr teuren Königinnen über Jahre hinweg, erstmals einem oder zwei Haltern gelungen ist, ersten Nachwuchs zu erzielen. Näheres in jenem Forum. :wink:

lg, derameisige
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