von earlant » 20. Jul 2006 19:35
Hallo K. Kris,
Was Sie meinen, sind „Bruten“, aufeinander folgende Gruppen von Larven, die sich verpuppen und zu Adulten werden, die aber alle von ein- und derselben Königin abstammen. Sie gehören alle derselben Generation an, also der von der Mutter- (Eltern-)generation abstammenden Tiere.
„Generation“ ist durch eine Abfolge von Großmutter- Mutter- Tochter- Enkelin usw. gekennzeichnet.
Leider wird bei der zunehmenden Verwahrlosung unserer Sprache der Begriff „Generation“ auch immer häufiger falsch verwendet. Man findet die Verwechslung sogar im Englischen, obwohl da der Begriff „brood batch“ das Richtige bezeichnet. Was aber setzt man dann an seine Stelle, wenn man wirklich die Abfolge von Generationen meint?
Bei den langlebigen Ameisenköniginnen führt das ja zu eigenartigen Konsequenzen:
Eine Lasius niger-Königin setzt ab ihrem 5. Lebensjahr z.B. 20 Jahre lang jedes Jahr eine neue Brut von Geschlechtstier-Nachkommen in die Welt. Sie alle gehören derselben Generation an, eben der Tochtergeneration dieser Königin.
Jungköniginnen der Tochtergeneration können ab ihrem 5. Lebensjahr Geschlechtstiere der Enkelgeneration erzeugen, und Jungköniginnen aus deren erster Geschlechtstierbrut sind Urenkel der anfänglichen Königin. Die aber erzeugt noch immer (jetzt in ihrem 15. Lebensjahre) weitere Geschlechtstiere der Tochtergeneration.
Theoretisch kann ein Männchen, also ein Sohn der ersten Königin, sich mit einem Weibchen verpaaren, das deren Urenkelin ist!
Man kann das weiterspinnen, auf Onkel und Tanten und Nichten und Neffen, man kommt zu kuriosen Verwandtschafts-Ehen!
Zu den Bruten (z.B. ein Vogelpaar kann zweimal im Jahr brüten: Keine 2 Generationen, sondern dieselbe Generation, aber in zwei Bruten nacheinander aufgezogen): Bei Ameisen ist selten eine scharfe Trennung zwischen einzelnen Bruten zu erkennen (ist jedoch sehr markant im Brut- und Wanderzyklus der Heeresameisen!); meistens legen die Königinnen andauernd Eier, mal mehr, mal weniger. Entsprechend kommt bei Arten mit Jahreszyklus im Frühjahr oft eine Brut, die aus überwinterten Larven entsteht. Aber noch bevor die alle geschlüpft sind, werden neue Eier gelegt und Larven herangezogen. Die können sich bis zum Sommer fertig entwickeln, vielleicht noch gefolgt (überlappend) mit einer dritten Brut, oder aber ein Teil (die jüngeren) der sommerlichen Brut geht in die Winterruhe und wächst dann als Frühjahrs-Brut heran.
Ich kann es nicht genau sagen, wie das bei Camponotus läuft. Je nach Temperaturverlauf und Nahrungsangebot ist das System sicher auch flexibel. Brian hat ja deshalb auch die Begriffe „slow brood“ und „rapid brood“ geformt, slow brood für die Larven, die wegen der Überwinterung halt 6-7 Monate länger vom Ei bis zur Imago benötigen, und rapid brood für solche, die ihre Entwicklung vom Ei bis zur Imago zwischen Frühjahr und Herbst, also in 2-3-4 Monaten durchlaufen. Bei zu frühem Winter-Einbruch werden die letzten Larven aus der rapid brood halt einfach zu slow brood.
Auf jeden Fall aber sollte in einem solchen jungen Volk nach Aufzucht der überwinterten Larven mindestens eine "rapid brood" zur Entwicklung kommen, d.h., es sollten noch in diesem Jahr weitere Arbeiterinnen aus den im Frühjahr gelegten Eiern entstehen.
MfG, Earlant