von NuEM » 7. Sep 2006 18:08
Nun, zuerst sollte nichts rein, sonder etwas raus. Und zwar das Gel. Entgegen allen Behauptungen der Werbung, ist das Zeug nämlich überhaubt nicht zur Ameisenhaltung geeignet. Die Tiere werden innerhalb von 1-3 Monaten (vermutlich qualvoll) eingehen.
Also Raus mit dem Glibber, und stattdessen kommt z.B. ein Sand-Lehm Gemisch über einer Tongranulat-Schicht (Seramis) rein. Denk auch an die Bewässerung. Es reicht im Prinzip vorsichtiges Beregnen/Besprühen von oben, aber man kann auch zwischen Seramis und Sand/Lehm einen Drainageschlauch legen, und von unten Bewässern. Im Forum finden sich sicher Anleitungen dazu.
Um den Ameisen in der Erde ein höheres Gefühl der Sicherheit zu vermitteln, empfehlt es sich, die Scheiben zu verdunkeln. Da sich bis jetzt darauf getesteten Ameisenarten als rotblind herausstellten, bietet rote Folie einen guten Kompromiss aus Sichtschutz und Beobachtungsmöglichkeit. Klebe diese aber nicht fest auf, um die Möglichkeit zu erhalten, unter die Folie zu schauen.
Als nächstes brauchst du eine "Arena". Das kann im Grunde jedes Gefäß von der Tupperdose bis hin zum Aquarium sein, und dient den Ameisen als "Außenwelt". Die Arena wird über einen Schlauch mit dem Nest - also bei dir dem Antwork - verbunden, oder aber das Nest wird direkt in die Arena gestellt. Wichtig für die Arena ist eine Ausbruchsperre, welche die Ameisen (mehr oder minder erfolgreich) am Entweichen hindert. Dafür kommt Talkum in Frage, oder auch PTFE, oder Paraffin-/Planzenöl. Oder auch einfach ein dicht schließender Deckel, wobei da die Belüftung nicht vergessen werden darf. Jede Ausbruchsperre hat ihre Vor- und Nachteile, und nicht jede ist für jede Ameisenart gleich wirksam. Auch zu diesem Thema lässt sich hier im Forum einiges finden.
Als Ameisenart würde ich Lasius niger oder Myrmica rubra empfehlen. Dies sind lebhafte und aktive Arten mit interessanem Verhalten, die gleichzeitig auch den einen oder anderen Anfängerfehler verzeihen. Außerdem sind sie leicht zu bekommen, sowohl im Handel als auch durch Selbstfang, sind keine geschützten Arten und da sie hier heimisch sind, sind sie auch keine Bedrohung für unser Ökosystem, sollten die trotz aller Vorsicht einmal entkommen. Allerdings beginnt für sie, wie für alle heimischen Ameisen, bald die 5-6 monatige Winterruhe. Auch hierzu wieder der Hinweis auf dieses und andere Foren.
Nicht zuletzt brauchen Ameisen Nahrung und Wasser. Wasser bekommen sie zum einen durch die Befeuchtung des Nestes, zum anderen sollte es als frisches Trinkwasser auch immer seperat Angeboten werden.
Als Kohlenhydratquelle ist Honig das ideale Ameisenfutter. Er ähnelt sehr dem Honigtau, den Ameisen in der Natur von Blattläusen sammeln, und enthält neben diversen Zuckerarten auch Aminosäuren, Enzyme, Mineralstoffe und Vitamine.
Dann brauchen Ameisen noch Proteine, wobei die beste und natürlichste Nahrung aus Insekten besteht. Diese können selbst gefangen werden, (achtung Artenschutz beachten!) oder im Zoofachhandel gekauft werden. Mehlwürmer z.B. haben sich bewährt und werden von viele Ameisen gerne genommen. Insekten, vor allem aus dem Handel, sollten aber vorher mit heißem Wasser kurz überbrüht werden, um mögliche Parasiten, vor allem Milben, abzutöten.
Im groben war es das, glaube ich. Ich empfehle die aber, dich in diesem und in anderen Foren noch weiter in die Materie einzulesen. Wenn du noch Fragen hast, wird dir hier auch gerne weitergeholfen.