Fehlbildung der Fühler bei Messor Orientalis

Hier kann diskutiert und gefragt werden.

Re: Fehlbildung der Fühler bei Messor Orientalis

Beitragvon t1g3r5g3r » 19. Okt 2019 21:33

Guten Abend,

Ich beobachte seit ca. 3 bis 4 Woche eine meine Arbeiterinnen die immer wieder anscheinend ziellos und torkelnd durch die Arena läuft.

Zuerst dachte ich, dass sich etwas zwischen ihren kiefern verklemmt hatte doch bei genauerem hinsehen viel mir auf, dass sie nur sehr kleine verkümmerte Fühler hat die wie zusammengeschrumpft oder nicht richtig entwickelt aussehen (siehe Bild).
Hab mir erstmal gedacht kann ja vorkommen Gen Defekte gibt es ja nicht nur beim Menschen.

Jetzt habe ich allerdings die zweite entdeckt bei der die Fühler auch sehr verkümmert sind und jetzt stellt sich mir die Frage ob das eine Art Mangelerscheinung/ Krankheit ist oder ob ich das einfach als normal abstempeln soll...

Gefüttert werden sie regelmäßig mit tiefgefroren Pinkis und einer Körnermischung beides wird auch recht schnell eingesammelt und in das Nest gebracht.

Jedoch gibt es bei mir kein Wasser, sondern nur Wasser Gel für Reptilien aber ich denke nicht das das ein großer unterschied machen sollte.

Ich weiß dass das Bild nicht das beste ist aber besser bekomme ich es im Moment nicht hin ich hoffe es hat dennoch jemand ein Tipp oder eine Idee an was es liegen kann.



Freundliche Grüße
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Re: Fehlbildung der Fühler bei Messor Orientalis

Beitragvon Abmeise » 20. Okt 2019 22:33

Hallo, könnten es vielleicht Frostschäden von den gefrorenen Pinkis sein ? Hast vielleicht einmal nicht richtig aufgetaut gehabt? Denke deine Außendienstmitarbeiter, die verkümmerten Arbeiterinnen, sind immer die Gleichen in der Arena, deshalb sollte es außerhalb des Nestes passiert sein. Bei Nesteinsicht müsstest weitere Fehlbildungen festgestellt haben, erst dann wäre die genetische Variante der Begründung möglich. Was ich nicht glaube. Verbrennungen durch eine Heizlampe kann hoffentlich ausgeschlossen werden .
Gruß 8)
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Re: Fehlbildung der Fühler bei Messor Orientalis

Beitragvon Serafine » 21. Okt 2019 05:39

Nein, ich biete meinen Camponotus immer wieder mal gefrorenes Futter an und hatte noch nie solche Schäden (oder überhaupt irgendwelche Probleme).
Abgesehen davon tauen sehr kleine Objekte wie Futterinsekten innerhalb weniger Minuten auf, da sie als kleine Objekte eine sehr große Oberfläche (über die sie Wärme aufnehmen können) im Vergleich zu recht geringem Volumen (das Kälte "speichern" kann) besitzen.
Würde eher auf eine Fehlentwicklung während der Verpuppung tippen. Ist das Setup feucht genug? Zu trockenes Nestklima kann zu allen Arten von Fehlentwicklungen führen.
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Re: Fehlbildung der Fühler bei Messor Orientalis

Beitragvon derameisige » 21. Okt 2019 08:01

Die wahrscheinliche Ursache für die Beobachtung dürfte dieselbe sein wie hier beschrieben:
seltsame-beobachtung-camponotus-t3880.html

Manica rubida Kältekr. web.jpg
"Kältekrüppel" bei Manica rubida
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Re: Fehlbildung der Fühler bei Messor Orientalis

Beitragvon t1g3r5g3r » 21. Okt 2019 21:13

Vielen Dank für die Kompetenten Antworten!

Das mit den Erfrierungen hätte ein sinnvolles Argument sein können jedoch muss ich hier Serafine zustimmen, bis ich die Pinkis aus der Gefriertruhe nach oben geholt hab sind sie oftmals schon fast aufgetaut.
Der Punkt mit der Luftfeuchtigkeit ist wohl der wahrscheinlichste, da ich vor allem in der Anfangszeit (ersten 6 Monate) nicht genau gewusst hab wie viel ich die Kleinen befeuchten sollte.
Inzwischen ist es so, dass ich jeden Abend ein teil der Arena in der sie auch unterhalb wohnen mit einem Handsprühgerät ordentlich befeuchte.
Genug Ausweichmöglichkeiten in zwei mit angeschlossene Farmen ist vorhanden jedoch fühlen sie sich so meiner Meinung nach Pudel Wohl.
Seid dem ist auch die Population rasant gewachsen.



Was ich allerdings auch für die Tetramorium Bicarinatum empfehlen kann. Lieber ein bisschen zu feucht wie zu trocken.
Entspricht zwar nicht den Angaben des Verkäufers jedoch steigt seid dem ich sie ordentlich befeuchte auch hier die Population rasant.


Ich hätte noch abschließend eine Frage bezüglich einer Automatischen Befeuchtung der Anlagen.
Ich hab leider nicht die Möglichkeit die von Antstore vertriebenen Produkte zu benutzen da ich keine Möglichkeit zum Anschluss des Schlauches hab.
Hat jemand diesbezüglich Tips oder Erfahrungswerte von Automatischen Befeuchtern?



Freundliche Grüße
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Re: Fehlbildung der Fühler bei Messor Orientalis

Beitragvon ariane » 22. Okt 2019 12:20

Hallo t1g3r5g3r,

dieses Problem ist bei uns bisher noch nicht vorgekommen.
Bei der angegebenen Haltung hört sich alles vollkommen in Ordnung an.
Wir können auch nur vermuten das es ein Gendefekt ist. Es kann auch vorkommen, dass beim Transport in ihr neues Zuhause etwas schief gelaufen ist und die Ameisen verletzt wurden. Diese Möglichkeit kommt aber eher selten vor.
Wir wünschen dir für die weitere Ameisenhaltung viel Erfolg.

Antstore Team
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Re: Fehlbildung der Fühler bei Messor Orientalis

Beitragvon derameisige » 23. Okt 2019 10:44

Zum Stichwort „genetisch bedingte Missbildungen“ bei Ameisen

Wie bereits erwähnt, halte ich die Fühlerdeformationen bei der im Startpost gezeigten Messor ebenso wie die im 3. Post wiedergegebene bei Manica für Folgen äußerer
Einwirkungen (Temperatur; andere Missbildungen, z. T. bis hin zum Fehlen von Körperteilen, gehen oft auf mechanische Beschädigungen von Larvenstadien zurück).
Bild 1 zeigt „Kältekrüppel“, aus: Kutter, H. (1986): Über Anomalien einheimischer Formiciden. - Mitteilungen der Schweizerischen Entomologischen Gesellschaft 59, 229-238.
Link: Hyperlinks sind nur für registrierte Nutzer sichtbar

aus-Kutter-1986_0235.jpg
aus Kutter (1986)

Die Veröffentlichung Buschinger (1997) Hyperlinks sind nur für registrierte Nutzer sichtbar zeigt einen dokumentierten Fall von genetisch bedingten Missbildungen bei einer Ameisenart.
Fühler und Beine sind betroffen, bei ziemlich genau der Hälfte der Männchen. Ein für die Missbildungen verantwortliches Allel cl (für "crippled legs") ist recessiv. Die Mutter dürfte für dieses Allel heterozygot gewesen sein cl/cl+.
Das dominante cl+ bewirkt, dass Jungweibchen und Arbeiterinnen äußerlich gesund sind. Männchen entstehen aus unbefruchteten Eiern, wobei ca. die Hälfte der Eier cl+ enthält
(> normale Männchen), während die aus Eiern mit dem Allel cl die Missbildungen aufweisen.
(Das "Gen" cl+ bzw. cl ist nicht offiziell so benannt, habe es hier nur zur Verdeutlichung so bezeichnet. Weitere Zucht der Jungtiere war damals aus zeitlichen Gründen nicht möglich.
Die Jungweibchen dürften je zur Hälfte cl+/cl+ bzw. cl+/cl gewesen sein. Die cl-Männchen wären vermutlich nicht zur Kopula fähig gewesen. Aber cl+/cl-Weibchen x cl+-Männchen hätte wieder
dieselbe genetische Disposition wie bei dem ursprünglichen Muttertier ergeben, d. h. ein äußerlich normales Volk, bei dem ca. 50% der männlichen Nachkommen missgebildet gewesen wären,
während Völker mit cl+/cl+-Weibchen nur normale Männchen produziert hätten.

Genet.-Missbild.L.can.t.jpg
Artikel Buschinger (1997) S. 34/35
Genet.Missb.L.can.2b.jpg
Artikel Buschinger (1997) S. 36
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