Vitamine, Mineralien und Proteine

Archivbeitrage aus den Unterforen "Einsteigerfragen" und "Diskussion und Fragen allgemein" aus den Jahren 2003 bis 2008.

Vitamine, Mineralien und Proteine

Beitragvon Dr.House » 29. Jun 2007 18:18

Sagt mal, gibt es eigentlich wissenschaftlich bereits Berichte darüber ob und welche Vitamine Ameisen benötigen? Welche Aminosäuren sie evtl. nicht selbst herstellen können und essentiell sind oder ob sie wie viele Tiere und Bakterien einfach aus dem was da ist das herstellen was sie benötigen? und gibt es Mineralien die sie tatsächlich benötigen?

ist es sinnvoll ihnen Mineralien unterzumischen oder Vitamine oder Aminosäure Präparate.

irgendwie gehen halt viele davon aus, was der Mensch als "Vitamin" benötigt, benötigen die Ameisen auch ... ebenso bei anderen Dingen. Deshalb wollte ich wissen ob dazu bereits geforscht wurde.

Auch interessiert mich ob eine Art Gelatine/Honigwasser Verfütterung ausreichend ist oder ob die Ameisen tatsächlich auf insekten und Früchte angewiesen sind. Vielleicht wurde da ja auch schon etwas getestet.

greetings

P.S: Vielleicht kann sich diesbezüglich auch Herr Buschinger zu Wort melden. Sie haben sicherlich in ihrer Laufbahn ne Menge wissenschaftlicher Literatur in den Händen gehalten auf die sie nun zurückblicken können.
Zuletzt geändert von Dr.House am 29. Jun 2007 18:33, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Necturus » 29. Jun 2007 18:22

Ich glaube die Suchfunktion hat dazu einige Treffer aufzuweisen :)
Gruß,
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Beitragvon Dr.House » 29. Jun 2007 18:34

die habe ich schon benutzt, keine Sorge ... ebenso war ich auf Ameisenwiki und hab mir in den news das neue synthetische Rezept sowie diese Bhatkar-Diät angesehen.

ich will aber mehr wissen ^^

haste evtl. nen Link aus dem Forum hier den ich nciht gefunden habe? Der sich tatsächlich mit wissenschafltichen Versuchen beschäftigt?!
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Beitragvon earlant » 29. Jun 2007 20:07

Hallo Herr Doktor House,

Mit 24 schon Doktor? Gratuliere!

Aber wenn Sie schon im Ameisenwiki waren, was wollen Sie denn noch mehr wissen?
Da steht doch:

"Vitamine und Vitaminzusätze für Ameisen sind überflüssig",

und niemand, auch kein anderer Fachwissenschaftler, hat bisher protestiert.
Die Begründung steht auch dabei:
Ameisen haben, wie alle Tiere, in Jahrmillionen ihre Ernährung u.a. auf ein ihrem Bedarf angepasstes Angebot an Vitaminen eingestellt. Bei einigermaßen naturnaher Fütterung (die ja doch eine der Bedingungen für „artgerechte Haltung“ ist!), benötigen die Ameisen keine zusätzlichen Vitamine.

Hinzu kommt, dass es absolut keinerlei Erkenntnisse über die erforderlichen/ wünschenswerten/ tolerierten Mengen der zahlreichen Vitamine gibt. Schädliche Hypervitaminosen (Stoffwechselstörungen durch zu hohe Dosierung einzelner Vitamine) sind beim Menschen bekannt und untersucht, ebenso bei einigen Haustierarten. Ob es so etwas auch bei Ameisen gibt? Wer eine wissenschaftliche Untersuchung über den Vitaminbedarf von Ameisen kennt, möge das Zitat oder/und eine Kurzfassung in der „Diskussion“ mitteilen.

Suchen Sie nach "Bhatkar", erfahren Sie:
Die „Bhatkar-Whitcomb-Diät“ enthält eine Vitaminpille, ein seinerzeit für den menschlichen Gebrauch angebotenes Produkt. Die Ameisen haben es ausgehalten, aber es wurden keine Versuche mit anderen Präparaten, Dosierungen und Mischungsverhältnissen der Vitamine durchgeführt. Auch wurde nicht ermittelt, ob die einzelnen Ameisenarten unterschiedliche Bedürfnisse haben. Über Vergleichsversuche zur Eignung der Diät OHNE die Vitaminpille enthält die Veröffentlichung keine Angaben.

Weiterhin:
Sehr zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen über Ameisen zeigen, dass es bei naturnaher Fütterung gelingt, viele Arten über sehr lange Zeit ohne Vitaminzugaben zu halten und sogar über Generationen zu züchten.


- ameisenwiki.de > Nahrungsgel
Hier das Rezept der Bhatkar-Whitcomb-Diät (ist übrigens uralt, von 1970, und gehört zu den leider zahlreichen Irrlehren, die nie wieder auszurotten sind!)

Das Bhatkar-Rezept
1 Ei
62 ml Honig
1g Vitamine
1g Mineralien/Salz
5g Agar
500 ml Wasser
Agar in 250ml kochendem Wasser auflösen und abkühlen lassen. Die anderen 250ml Wasser mit dem Ei, Honig, Vitaminen, Mineralien verquirlen. Unter konstantem Rühren die Agar-Lösung untermischen. In eine Schale umfüllen und im Kühlschrank lagern. Die Konsistenz ist gelartig.

Achtung: Diese Diät ist problematisch und darf auf keinen Fall als alleiniges Futter gereicht werden! Eine Fütterung von Eiweiß in Form von tierischem Fleisch sowie die Fütterung von Kohlenhydraten in flüssiger Form (z.B. Honigwasser) ist wichtig und für die Entwicklung der Ameisenlarven unbedingt nötig. Bei einigen Arten blieben bei ausschließlicher Ernährung durch die Bhatkar-Diät Major-Formen der Arbeiterinnen aus, oder es wurde ein langsames Larvenwachstum bzw. verringertes Brutgeschäft beobachtet. Siehe hierzu auch den folgenden Absatz.


Auch die „neue Diät“ aus „Aktuelles“ ist für einen ganz spezifischen Forschungszweck entwickelt worden, NICHT nach den Bedürfnissen irgend einer Ameisenart!

Dieses sagt Ihnen ein professioneller Ameisenforscher, der über 40 Jahre lang an Ameisen geforscht, sehr viele Arten gehalten und eine ganze Anzahl sogar über beliebig viele Generationen gezüchtet hat.

mfG,
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Beitragvon Dr.House » 29. Jun 2007 21:00

Ah okay, vielen Dank "Earlant" ^^

Mich hat eben interessiert ob man sich tatsächlich mitlerweile direkt mit dem Stoffwechsel der Ameise beschäftigt hat. Also wirklich versucht hat herauszufinden ob es bei Ameisen Vitamine oder essentielle Aminosäuren gibt.

Auch habe ich eben über Ameisen Wiki gelesen, dass meistens bei den Versuchen eben zugefüttert wurde mit "lebendfutter" ... insofern ist so ein Versuch nicht geeignet für meine Fragestellung. Mich interessiert ob eine "Naturferne Monoernährung" zumutbar ist und wenn ja wie lange.
Bzw. ob man bisher eine solche Nahrung überhaupt gefunden hat. Einerseits wäre es ja interessant für die Haltung, aber auch für die Wissenschaft wenn man Nahrung definierter Zusammensetzung hätte, damit könnte man viel besser Tests anstellen als mit einer eingebrachten Variable X.

Aber ich gebe ihnen natürlich recht, wenn eine Art sich Evolutionstechnisch auf etwas eingestellt hat, dann macht man sicher nichts falsch wenn man sich auch möglichst nah daran hält. Einen Panda macht man mit Salat auch nicht glücklich und mit Sportler-Proteinshakes sowie Vitamin Brausetabletten kommt man bei ihm auch nicht weit:-)

naja, mal ganz davon abgesehen wie die Ameise eine solche Ernährung finden würde. Es gibt ja einige ScienceFiction Ansätze bei denen der Mensch die optimale Nahrung in Form von Proteinwürfeln bekommt. Zu wenig zum leben und zu viel zu sterben ... von der geringen Abwechslung mal ganz zu schweigen. Und welcher Halter sieht nicht gerne zu wenn seine Kolonie einen Mehlwurm oder ähnliches zerlegt ... da kann dann ein Agar Block oder was auch immer nciht mithalten ^^

Nochmal zu den angestellten Versuchen. Da kam man ja unteranderem zum Ergebnis, dass die Nahrung durchaus auch eine Rolle auf das Verhalten einer Kolonie haben kann. Dies finde ich natürlich sehr interessant. Es ging dabei ja um Sklavenhaltende Ameisen die dann lieber die Puppen aufgefressen haben als sie zu versklaven. Sehr interessant.
Auf den ersten Blick könnte man meinen sie tun dies, da ihnen die benötigten Nährstoffe einfach fehlten und sie so daran kamen. Genauso möglich wäre es, dass der Trieb ein Insekt zu zerlegen nicht mehr, bzw. zu selten stattgefunden hat und sie dies auf diese Art nachgeholt haben. Ja, Forschung hat schon was reizvolles :-)


Zum Doktor brauchen sie mir (noch?) nicht gratulieren. Dies dauert noch mindestens 4-5 Jahre und ob ich ihn tatsächlich anstreben werde ... naja, dies entscheidet sich in wenigen Monaten ... hoffe ich :-)
Ansonsten ist mein Name in Anlehnung an eine Fernsehserie entstanden die durchaus sehr lehrreich ist wenn man sich für selten auftretende Krankheiten interessiert.

greetings
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