Hallo Beffie
Offenbar hast Du nicht auf die Antwort gewartet, denn nun hast Du die Tiere.
OK, nun heißt es richtig handeln.
Zuerst muß ich Dich fragen, in welchem Behälter die Kolonie bei Dir angekommen ist und wie groß sie ist.
Hintergrund meiner Frage: Wenn wir wissen, wie groß die Kolonie ist, können wir Dir bessere Tips für die Formicariengröße nennen. Darüber hinaus können wir abwägen, ob der Tansportbehälter, z.B. ein Reagenzglas, anfangs noch ausreichend ist.
Ich beschäftige mich mit der Gattung
Pheidole schon lange und habe sie zu meinem "Spezialgebiet" gemacht.
Die Ratschläge, die man Dir hier gab, besonders in Bezug auf Ausbruch sind nicht ohne Grund gemacht worden.
Ich muß die Worte wiederholen, wenn ich sage: "Nimm Dich bitte in Acht, denn Pheidole pallidula ist ein Spezialist in Sachen Ausbruch."
Wenn sie Dir mal entwischt sind, können sie sich durchaus in eurer Wohnung einnisten und versteckt anfangen sich zu entwickeln. Sie sind in nicht wenigen Deutschen Häusern schon von Kammerjägern gesichtet worden und ich erinnere mich an einen Bericht, den Herr Prof. Buschinger vor einigen Jahren im Ameisenforum veröffentlichte. Dort waren auch Bilder zu sehen und es war erschreckend was passieren kann - nicht muß.
Aufgrund der Gefährlichkeit in Sachen Ausbruch u. der damit verbundenen Möglichkeit als sog. Hausameise aktiv zu werden, rate ich persönlich Anfängern immer von Pheidole ab. Sie ist und bleibt nichts für Leute, die ggf. Ameisen nur als kurzes Hobby ansehen und später zu was anderem überschwenken. Yo!
Da ich Dich aber nicht kenne und erst recht nicht verurteilen möchte/ darf, gehe ich einfach mal vom besten aus und sage mir, daß Du jemand bist, der wirklich schon länger Ameisen hält und es sich wirklich zutraut diese (für mich pers.) höchst interessante Gattung zu halten.
So und nun zum Thema Haltung:
(Alles was jetzt kommt, sind pers. Erfahrungen. Ich hielt die hier beschriebene Art ebenfalls unter anderem, mußte sie aber aufgr. meines beruflichen Werdegangs an ebenfalls erfahrene Hände weitergeben. )
Das erste, was das A und O ist, ist die
Ausbruchsicherung.
ShIeLa sprach bereits richtig Dinge wie PTFE (weißt Du was das ist?), Talkum, Öl und sonstige Sicherungen an. Ich persönlich favorisiere hier ganz klar die sonstigen Sicherungen, worunter nicht nur beispielsweise Wasser (als Insel) fällt, sondern auch ein
DECKEL.
Ich rate Dir von ganzem Herzen: Lege Dir einen Deckel zu, ODER hole Dir (ohne Werbung machen zu wollen) hier im Antstore das feinste Abdeckungsnetz, das die haben. Es muß natürlich aus Stahl sein, denn
Pheidole ist in der Lage sich mit viel Geduld und davon haben die Tiere mehr als Genug, sich duch Plastik, Aluminiumfolie, Silikon, Ytong, etc. zu beißen. Die Majors, bzw. Soldaten sind dafür wie geschaffen und arbeiten unermüdlich tagelang an solchen Vorhaben - und die schaffen das. Garantiert.
Wenn Du die Tiere in einem Becken halten möchtest, schlage ich weiterhin vor, den oberen Rand rundherum mit
Parrafinöl (gibts in der Apotheke) einzuschmieren. Vorsicht, nicht zu dick, denn sonst fließt es mit der Zeit hinunter u. reißt Ameisen in den Tod.
Warum Parrafinöl UND einen Deckel? Ganz einfach:
Die Gattung
Pheidole hat immer sehr viele Scouts draußen, die ständig nach Nahrung suchen. In Gefangenschaft durfte ich die Erfahrung machen, daß sie im häufig viel viel zu kleinen Becken, die Wände emporlaufen und Du, wenn Du Pech hast, Dutzende an Individuen oben hast. Wenn Du nun Lüften oder Füttern möchtest und den Deckel anhebst, kriechen die alle auf einmal raus. Dann ist Land unter!!
Also: Parrafinöl wird die meißten (nicht alle) blocken und zurückschrecken. Die wenigen, die, wenn überhaupt, an den Deckel kommen, hast Du dann mit einem feinen Haarpinsel schnell wieder zurück befördert.
Pheidole pallidula ist sehr feuchtigkeitsliebend-/ und bedürftig. Ohne diese gehen sie Dir ein. Ich schlage daher folgende Nestvarianten vor:
- Ytongnest (mit Wassertank und INTERN des Beckens, da sie sich durch den Ytong beißen können)
- oder Erdnest (auch gut zu befeuchten, jedoch lässt sich nicht beobachten, was unter der Erde los ist) Das Erdnest ist aber die natürlichste u. beste Variante, zumindest für diese Art.
Nebenbei: Ameiseninseln werden auch gern als Ausbruchschutz genommen. *Hust* Wer nicht aufpasst u. das Wasser stets frisch hält, dem kippt es, sprich: Auf der Oberfläche bildet sich ein Bakterienfilm, der es den Pheidole zusätzlich erleichtert die Oberflächenspannung auszunutzen und sprichwörtlich über's Wasser laufen zu lassen.
Man kann mit ein bisschen Spülmittel die Oberflächenspannung nehmen, aber dennoch kann das Wasser kippen. Ich rate deshalb bei sehr kleinen Arten (und das ist
Pheidole pallidula) davon dringend ab.
Soviel zu der Ausbruchsperre...
Nahrung:
In Sachen Nahrung sind
Pheidole pallidula nicht wählerisch... heißt es! Ich habe sie noch niemals Körner (gern werden die der "Nachtkerze" angeboten) fressen gesehen, wie manchmal behauptet wird.
Pheidole pallidula ist (fast) rein zoophag, sprich: Sie gehen fast nur auf fleischliche Kost.
- Fliegen
- Maden
- Mehlwürmer
- etc.
sind ein gefundenes Fressen. Vorsicht aber, denn wenn Du keine Soldaten haben solltest, sind die Minorarbeiter lange damit beschäftigt die Chitinpanzer von Mehlwürmern oder Käfern zu knacken. Ich rate daher Anfängern, die keine Soldaten haben immer zu:
- kleine Fliegen, wie z.B. Fruchtfliegen
- oder Mücken
Diese Insekten sind schwach gepanzert und das optimale Anfangsfutter.
Sobald Soldaten da sind, kannst Du schier alles verfüttern.
Als Zusatznahrung gehen sie (darum schrieb ich oben "fast") auch an ein Gemisch aus Honig und Wasser. 50:50
Wenn Du das verfütterst, bitte nicht in einem Behälter, wie z.B. ein Kronkorken, denn die Tiere könnten dort leicht wegen ihrer Größe reinfallen und verenden. Entweder Du tropfst etwas davon auf ein Stück Aluminiumfolie (so füttere ich momentan meine hiesige Texanische Pheidole sp. erfolgreich), wo sie dann direkt dran gehen können, ohne herunter zu fallen, ODER Du nimmst den Kronkorken und tust ein wenig Watte hinzu, so daß sie sich vollsaugen kann. Die Ameisen können dann von der Watte die Nahrung auflecken, ohne in Gefahr zu sein.
Weiteres Wissenswertes:
Ich rate Dir sie im Winter in die Winterruhe zu schicken. Dies tat ich immer, stellte sie nicht in den Kühlschrank, hielt sie aber in einem Raum, wo unter 10 Grad herrschten. Dies reichte ebenfalls aus.
Winterruhe ist bei der Art überhaupt ein strittiges Thema, ebenso die Frage ob sie polygyn oder monogyn sind. Ich sage letzteres, da meine Tests in Kroatien, wo die Art haufenweise schwärmte, alle negativ ausgegangen waren.
Pheidole pallidula ist bei den richtigen klimatischen Verhältnissen (also zwischen 25-28 Grad gehalten) dazu in der Lage sich stark zu vermehren und aus der Brut werden flott Imagos. Dies kann dazu führen, daß einem die Art über den Kopf hinaus wächst.
Wenn die Kolonie groß genug ist, werden Geschlechtstiere produziert (Jungköniginnen und Männchen (nicht Drohnen = falsche Bezeichnung)) Wenn diese das Nest verlassen und "flügge" werden, fliegen die durch Deine Wohnung und können, wenn sie entkommen, ebenso das Ökosystem belasten. Daher immer an den Deckel denken.
Wenn noch weitere Fragen sind, stelle sie ruhig. Ich werde gern versuchen Dir diese befriedigend zu beantworten.
Abschließend nochmals, auch wenn es nerven möge: Bitte äußerste Vorsicht mit der Art !! Lass nicht zu, daß sie ausbrechen und wenn Du ihrer mal überdrüssig bist, nicht in die Natur entlassen!!
Scooby