Ich will niemandem hier einen Vorwurf machen. Aber vielleicht doch ein paar Denkanstöße geben, die so manches „Weltbild“ zurechtrücken könnten?
Es ist ja vielfach richtig gesagt worden, dass
beim Ameisenhandel der Kommerz vorrangig ist – die Händler wollen leben.
Preisverfall: Wenn ein Händler eine billigere Quelle für seine Ware Ameisen auftut und die günstigeren Preise an die Kundschaft weitergibt, so ist das doch absolut normal. Wenn er damit zur übermächtigen Konkurrenz für andere Händler wird: Auch normal. – Weshalb kaufen wohl selbst die renommiertesten Autohersteller Teile ihrer Produkte in Billiglohnländern?
Ein weiterer Gesichtspunkt:
Der Anschaffungspreis für Atta ist ja das geringste Problem, ob zum „alten“ oder zum neuen Preis. Die Endgröße einer Atta-Kolonie ist im Antforum gerade zu bewundern; und es ist ein Atta-Nest, ich habe selbst schon ähnlich große gesehen!
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Das bedeutet aber doch für den verantwortungsbewussten Halter, der die Tiere „artgemäß“ halten und nicht als Bonsaikultur dahin mickern und bald krepieren lassen möchte, dass er bald nach der Anschaffung und für lange Zeit immer wieder ziemlich viel „Zubehör“ anschaffen muss, Behälter, Schläuche usw..
Was kann ein Händler, der
Ameisen und das Zubehör dazu führt, besseres tun, als möglichst viele Kolonien billig auf den Markt zu werfen?
Das erinnert doch an die billigen Drucker, weit unter Wert verkauft, aaaaber die Tintenpatronen …..
Wertentwicklung lebender Tiere:
Die ist recht unterschiedlich. Ein Gebrauchshund (Blindenführ-, Polizeihund etc.) wird mit seiner Ausbildung und Leistungsfähigkeit teurer; ebenso ein Sportpferd, das von einem Sieg zum nächsten läuft. Bis das Alter eine Grenze setzt.
Das ist übrigens bei Sportlern und auch bei arbeitenden Menschen so ähnlich: Der Wert (das Gehalt, bei Sportlern auch der „Verkaufswert“) steigt mit der Qualifikation und Leistungsfähigkeit, dann sinkt er wieder, wenn der altersbedingte Leistungsabfall eintritt (der kluge Mensch baut vor mit Rentenversicherung, Vermögensaufbau, …).
Ein 08/15- Hund wird als Gebrauchthund keine Wertsteigerung erfahren, und auch das in diesen gesteckte Futter, Tierarztkosten usw. ändern nichts daran.
Junge Tiere sehen oft attraktiver aus (Kindchenschema bei Hund, Katze, Fohlen, Goldhamster etc.), nicht zu vergleichen mit einem alten, über kurz oder lang sabbelnden und riechenden Haustier.
Wie sieht das mit Gebrauchtameisen aus? – Ähnlich. Auch hier sind die Jungtiere, aus denen man eine Kolonie selbst aufziehen kann, eigentlich am wertvollsten: Die Lebensdauer der Königin ist begrenzt. Je jünger gekauft, desto länger hat man etwas davon.
Andererseits gibt es Leute, die möglichst sofort eine große Kolonie (mit „Wuselfaktor“

) haben wollen. Der Kreis solcher „Kunden“ dürfte begrenzt sein, vielleicht Zoos etc., und so ein paar ganz ungeduldige „Halter“, die nicht sehr weit voraus denken können.
Das Problem ist, dass große Kolonien nur schwer zu sammeln oder zu importieren sind. Und nur rasch wachsende Kolonien (z.B. Atta) erreichen in befristeter Zeit eine entsprechende Größe. Für den Privathalter sind sie dann oft schon ZU groß. Es lohnt also kaum, billige Königinnen als Spekulationsobjekte zu kaufen, in der Hoffnung, die großen Völker dann teurer verkaufen zu können: Dafür ist der Markt zu eng.
Bleiben noch
Kolonien zu Nachzuchtzwecken, aus denen man dann Jungköniginnen oder, bei polygynen Arten, Teile mit Jungköniginnen (?) weiter verkaufen kann.
Auch die aber wachsen einem schnell über den Kopf, wenn alles gut geht. Und wenn sie nicht schnell wachsen, ist die Sache wieder unrentabel. Meist scheint es nicht gut zu gehen. Siehe die diversen threads zu Myrmecia pavida.
So, das sind ein paar Gesichtspunkte zum Thema. Wie gesagt: Ich will niemanden angreifen, nur zum Nachdenken anregen!
MfG
Earlant