von earlant » 30. Jul 2006 08:35
Sphagnum (viele Arten!) sind Torfmoose. Ihr natürlicher Lebensraum sind Nieder- und Hochmoore, wo sie volle Sonneneinstrahlung genießen, aber "mit den Füßen im Wasser stehen". Im Formikarium lässt sich das künstlich nicht erreichen, und natürliche Sonneneinstrahlung ist wegen der Wärme tödlich für die Ameisen.
In solchen Lebensräumen gibt es ganz wenige spezialisierte Ameisenarten, in Québec z.B. Leptothorax sphagnicolus (die „Sphagnum-bewohnende“). Da oft nur wenige Zentimeter unter der Mooroberfläche Wasser ansteht, haben sie bei Hitze die Möglichkeit, sich ganz leicht ein paar cm tiefer zu bewegen, wo eben die Hitze bereits nicht mehr hinkommt.
Wird Sphagnum zu dunkel gehalten, oder liegt es zu lange trocken, stirbt es ab. Wird es im Moor von jungen Trieben überwuchert und unter den Wasserspiegel gedrückt, stirbt es ebenfalls ab. Aus totem Sphagnum wird allmählich Torf, der ebenso gut Wasser speichert und im Formikarium für diesen Zweck Verwendung finden kann.
Alle Sphagnum-Arten sind in Deutschland „besonders geschützt“, da sie bei uns auf relativ kleine Restlebensräume zurückgedrängt sind (durch Torfabbau und Moortrockenlegung weiträumig vernichtet). Also bitte keine Selbstbedienung! Die Packungen von Antstore sind vermutlich importiert (z.B. ist halb Finnland von Torfmoosen bedeckt).
„Ergrünen“ kann feuchter Torf ebenso wie totes Torfmoos auch durch das Wachstum von Algen auf diesem Substrat. Algensporen gibt es überall in der Luft. Wegen des Huminsäure-Gehalts wachsen auf Sphagnum bzw. Torf nur selten Schimmelpilze. Das geschieht erst, wenn z.B. die Ameisen Kot und Futterreste darauf deponiert haben.
Sphagnum wächst nur bei Befeuchtung mit kalkfreiem, leicht saurem Wasser (Regenwasser).
mfG
Earlant