@ Ulrich_W
Da wir ja hier von einer ganz bestimmten Ameisenart P. pallidula reden, hätte ich angenommen, dass die Anpassungsfähigkeit an wärmere und kältere Regionen bei dieser Art generell vorhanden ist? …. Vielleicht gibt es ja hierzu wissenschaftliche Erkenntnisse, die mir bisher verborgen geblieben sind?
- Es ist es wissenschaftlich bewiesen, dass JEDE weiter verbreitete Art (Ausnahmen: Endemiten, die z.B. nur auf einer kleinen Insel vorkommen) in Populationen unterteilt ist, die oft auch Unterarten darstellen, so weit sie äußerlich unterscheidbar sind. Diese Populationen sind jede für sich an ihre lokalen Umweltbedingungen angepasst. Die Anpassungen sind genetisch verankert, lassen sich also nicht mal so eben durch Gewöhnung verändern.
Ein auffälliges, gerade auch für den Artenschutz bedeutsames Beispiel ist die Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis). Sie kommt auch in Nordafrika vor. An das dortige Mittelmeerklima angepasste Tiere wurden massenhaft in Deutschland verkauft und z.T. ausgesetzt, auch in Gewässer, in denen noch kleine Rest-Populationen der ursprünglich heimischen Tiere vorhanden waren. Die Marokkaner starben im nächsten harten Winter. Vorher hatten sie sich aber noch mit Einheimischen verpaart, deren Jungtiere dann teilweise ebenfalls eingingen, weil die Mischlinge unser Klima nicht vertragen haben. Damit war aber der Nachwuchs der einheimischen Tiere vernichtet oder reduziert, und sie kamen dem endgültigen Aussterben noch ein Stück näher.
Das ist wissenschaftlich bewiesen. Im „Reinheimer Teich“ hier bei Darmstadt wurden die Tiere genetisch untersucht (viel Aufwand und sehr teuer!). Die „reinerbigen“ hessischen Tiere kamen zurück in den Teich, die Mischlinge wurden an Zoos gegeben um die einheimische Population wieder sauber zu bekommen! – Für Ameisen gilt dasselbe, nur dass es unmöglich wäre, alle Völker einer Population zu analysieren und auszusortieren. – Aber hier geht es ja um die Frage, ob
Unterarten die sich an das jeweilige Klima angepasst haben oder die Art kann sich generell an das jeweilige Klima anpassen
- Die klare Antwort der Forschung: Es gibt Unterarten und Populationen, die an das jeweilige Klima angepasst sind! Natürlich hat sich die Art „generell“ an verschiedene Klimate angepasst, über Zehn- oder Hunderttausende von Jahren während ihrer ganz allmähliche Ausbreitung in die unterschiedlichen Klimabereiche. Dabei sind die verschiedenen unterschiedlich angepassten Populationen und Unterarten entstanden.
Mein Lieblings-Vergleich: Wir alle sind Homo sapiens, also Angehörige EINER Art. Trotzdem würde sich ein Farbiger aus dem Kongo bei den Eskimos höchst unwohl fühlen, sogar sterben, weil seine dunkle Haut nicht genug UV-Strahlung für die Vitamin D-Synthese durchlässt, und ein Eskimo würde in Zentralafrika die Platze kriegen. „Anpassen“ können sich Menschen natürlich besser als Ameisen: Mit Heizung bzw. Air Condition, und die europäischen Kolonialherren in Afrika haben sich in früheren Zeiten eben Sklaven gehalten, die ihnen bei Bedarf Kühlung zufächeln mussten.....
MfG
Earlant