Pilzzucht durch Messor barbarus?

Hier kann diskutiert und gefragt werden.

Re: Pilzzucht durch Messor barbarus?

Beitragvon derameisige » 30. Dez 2020 19:50

Sehr geehrter Herr Sebesta,

Aufgrund einer langen Diskussion heute im AAM-Server habe ich mir Ihr als Quelle genanntes Video angesehen.

Sebesta-Messor-Pilz1.jpg
Mir als professionellem Myrmekologen ist dies nicht bekannt. Bitte nennen Sie mir eine wiss. Quelle dafür, dass es sich bei den Schmierspuren in Formikarien vom Messor spp. um Pilze handelt.
Die Mehrzahl der User versteht das so, dass Messor-Arten Pilze züchten.
Die mir bekannte Deutung ist, dass es Kotspuren sind. Die helle Färbung kommt daher, dass die Malpighi-Gefäße ("Nieren") der Insekten als Exkret Harnsäure liefern, die über den Enddarm und After abgegeben wird.

MfG,
A. Buschinger
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Re: Pilzzucht durch Messor barbarus?

Beitragvon Sojave » 3. Jan 2021 19:11

Ich hab bis jetzt noch nie etwas gelesen/gesehen, was eine Verbindung zwischen Pilz und Messor herstellt. Natürlich in Hinsicht der Verwertung/Nahrung.

Wo ich jetzt darüber nachdenke, sind mir die Hinterlassenschaften bis jetzt nur bei Messor aufgefallen. In keinen anderen Anlagen sind diese Spuren zu sehen. Dies hängt vermutlich mit der Nahrungsaufnahme und Vorliebe von Körnern zusammen. Als ich das vor zig Jahren gesehen habe, war mir direkt klar, um was es sich da wohl handelt. Hier auf eine Pilzzucht zu kommen, scheint allein optisch extrem unwahrsscheinlich.

Die Diskussion ist scheinbar durch eine komplette Fehlinterpretation des Beitrages entstanden bzw aus dem Kontext gerissen. Dies ist im Internet ja ein häufiges Problem.

Meine Messor barbarus oder jetzt structor, haben jedes Jahr ein frisches Nest angestöpselt bekommen, damit das alte komplett gewaschen werden kann. Auch wenn Ameisen mit vielem klarkommen, aber die sollen nicht in ihren Hinterlassenschaften leben sollen. Zusammen mit Feuchtigkeit wächst da sicherlich sehr gut alles mögliche drauf^^

PS: Was ich bestätigen kann, ist zudem, dass sie es mit Vorliebe an die Scheiben auftragen. Ob auch diese Spuren auf dem Sandlehmgemisch sind, ist optisch nicht festzustellen.
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Re: Pilzzucht durch Messor barbarus?

Beitragvon derameisige » 4. Jan 2021 17:42

@ Sojave:
Die Diskussion ist scheinbar durch eine komplette Fehlinterpretation des Beitrages entstanden bzw aus dem Kontext gerissen.
Man kann ja das Video ansehen und den Text genau verfolgen. Was da "fehlinterpretiert" werden kann, ist mir nicht ersichtlich. Das Video sollte wenigstens mit einer korrigierenden Bemerkung versehen werden!
Laut AAM-Discord Server hat Herr Sebesta auf Anfrage eine Bemerkung von B. Hölldobler erwähnt, wonach auf dem" Ameisenbrot" ein Schwarzer Gießkannenschimmel (Aspergillus niger) wachse, der die Stärke spalte. Genauere Quellangabe: Fehlanzeige. Solcher Schimmel gedeiht oft auf feuchtem (echtem) Brot und anderen Lebensmitteln (googlen!). Das dürfte von den Ameisen nicht beabsichtigt sein; ist auch keinesfalls immer zu finden.

Ähnliche Kotspuren kenne ich übrigens von Leptothorax- und Temnothorax-Arten.

Was Messor sp. mit den Körnern anstellt, ist seit über 50 Jahren bekannt. Im AP habe ich dazu folgendes geschrieben:

Beitrag von Merkur » Donnerstag 31. Dezember 2020, 21:14
Eine Originalarbeit über die Ernährung einer Messor-Art:

Delage, B. Recherches sur l'alimentation des fourmis granivores Messor capitatus Latr.. Ins. Soc 9, 137–143 (1962). Hyperlinks sind nur für registrierte Nutzer sichtbar
(Untersuchungen über die Ernährung der körnerfressenden Ameise Messor capitatus Latr.) Hyperlinks sind nur für registrierte Nutzer sichtbar

Summary
This paper is concerned with the method of alimentation of the Granivorous Ant Messor capitatus Latr..
Before ingestion, seeds are first masticated, then licked for a long time until they are impregnated with saliva.
We have demonstrated that the saliva has a hydrolysing action which transforms the starch into sugars.
Moreover, two very active enzymes — an amylase and a maltase — have been isolated in the labial salivary glands.
Although an amylase also seems to be produced by the stomach the two enzymes are not secreted by the pharyngial or maxillary glands.

Diese Arbeit befasst sich mit der Ernährungsweise der granivoren Ameise Messor capitatus Latr..
Vor der Aufnahme [in den Verdauungstrakt] werden die Samen zuerst klein gekaut, dann für lange Zeit beleckt, bis sie mit Speichel getränkt sind.
Wir zeigen, dass der Speichel eine hydrolysierende Wirkung hat, durch die Stärke in Zucker umgewandelt wird.
Weiterhin wurden zwei sehr aktive Enzyme – eine Amylase und eine Maltase – aus den labialen Speicheldrüsen isoliert. [Amylase spaltet Stärke, Maltase spaltet Maltose, ein Abbauprodukt von Stärke. Die Speicheldrüsen liegen im Thorax, ihr Ausführgang mündet auf dem Labium, deshalb „labiale“].
Obwohl eine Amylase anscheinend auch im Magen [= Mitteldarm, der eigentlich verdauende Teil des Darmtrakts] produziert wird, werden die beiden Enzyme nicht von den Pharynx- oder Maxillardrüsen abgesondert.

Das wurde bereits 1962 publiziert. Neuere Arbeiten, die dem entgegenstehen würden, kenne ich nicht. (Wäre, wie immer, dankbar für Hinweise auf abweichende wiss. Ergebnisse!)
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Re: Pilzzucht durch Messor barbarus?

Beitragvon Barristan » 7. Jan 2021 18:58

Wenn man google bemüht, findet man diverse Zitate dazu.

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Diese werden oft stundenlang von vielen Tieren gemeinsam zerkaut und mit dem Speichel zu einer Paste vermischt, die gefressen oder den Larven verfüttert wird. Der restliche Teil wird wieder getrocknet. In dem Teig befindet sich stets der Schimmelpilz Aspergillus niger, der Stärke in Zucker verwandelt.


Oder in Biologie der Hymenopteren: Eine Naturgeschichte der Hautflügler:

pilz_messor.JPG


Die in den zwei Arbeiten erwähnten Quellen kann ich nicht ansehen, da sie nicht online verfügbar sind.

Man scheint wohl nicht belegt zu haben, dass die Ameisen wirklich den Pilz züchten, aber er scheint auch immer in dem Ameisenbrot vorhanden zu sein. Könnte auch durchaus sein, dass Hölldobler in einem Buch das auch so erwähnt...
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