ich bin ein völliger Neuling in der Ameisenhaltung. Zwar habe ich schon vor etwa einem Jahr intensiv darüber nachgedacht und mich auch informiert, wohnte zu dem Zeitpunkt allerdings leider in einer WG und stieß bei einer Unterhaltung über meine Idee auf den energischen Widerstand insektenfürchtender Mitbewohnerinnen.
Naja. Jetzt wohne ich alleine und damit ist auch der feste Wunsch nach der Haltung von Ameisen gewachsen. Ich habe mittlerweile einigen Überblick über die grundlegenden Verschiedenheiten der einzelnen Gattungen, bzw. auch Arten gewonnen und fühle mich mit der Wahl überfordert. Zuerst hatte ich mich auf Messor Barbarus versteift, jetzt bin ich aber mittlerweile wieder unschlüssig.
Folgendes suche ich in der Ameisenart:
1. mittlerer Schwierigkeitsgrad in der Schaffung der optimalen Klimabedingungen (klingt schwammig, aber ich denke, es ist verständlich, was gemeint ist). Das sollte so aussehen, dass auf Feuchtigkeit & Temperatur Acht gegeben werden muss, damit die Kolonie gedeihen kann, ohne dass sie aber dabei abnippelt, wenn Fehler gemacht werden (keine Lust, das Versagen herauszufordern). Langfristig möchte ich nämlich zu den diesbezüglich schwerer zu haltenden Arten übergehen, d.h. evtl. tropische/subtropische. D.h. Lasius Niger würde ich tendenziell ausschließen, scheint ziemlich zäh und flexibel zu sein, was Klimabedingungen angeht.
2. Einigermaßen aggressiv. Ich denke, ich könnte Interesse daran haben zu beobachten wie sie ein lebendes, bedeutsam größeres Insekt "erlegen" und verschleppen.
3. Ich hatte die Idee, eine sehr offene Arena zu bauen. Das sähe so aus, dass ich zwei Untersetzer für Blumentöpfe (1x ca. 50cm + 1x ca. 40cm Durchmesser) ineinander stelle, wobei der größere, äußere mit Wasser gefüllt wird, sodass als Ausbruchsschutz ein Wassergraben entsteht. Ist das ratsam (besonders in Abhängigkeit von der Art; habe gelesen, dass Messor-Arten sich gerne mal einfach blindlings in Wasser stürzen und ersaufen).
4. Wie sieht das mit der Abfallentsorgung aus? Ich habe gelesen, dass einige Arten eine deutlich tiefer gelegene Kammer im Erdreich bauen und dorthin ihren Abfall entsorgen. Das bereitet mir Bedenken, wenn ich betrachte, dass ein Formicarium ein sehr geschlossenes System ist und sich dort dann vor allem bei absickernder Feuchtigkeit optimale Bedingungen für allerlei Erreger ergeben. Gibt es eine Möglichkeit, die Ameisen dazu zu zwingen ihre Toten und Abfälle an die Oberfläche, möglichst in diesen offenen Arenabereich zu verfrachten?
Klimafragen:
5. Wie haltet ihr das Nest feucht? Ich hatte mir vorgestellt, für das erste Jahr das Nest in einer 2L-PET-Flasche mit großer Öffnung unterzubringen und an ein Ende einen Schwamm einzulassen. Das PET durchsteche ich mit einer Spritze und gebe so Wasser in das System. Dürfte zugleich ausbruchssicher sein. Bei der Gelegenheit: Nachdem Ameisenkolonien häufig exponentiell ungefähr nach einer exponentiellen wachsen, dachte ich, dass eine PET-Flasche größenmäßig für mindestens ein Jahr, bzw. auch zwei Jahre ausreichend sein dürfte. Wenn nicht, würde ich zwei miteinander verschmelzen. Der Versuch dazu wurde schon gemacht. Gibt es hierzu schwer-wiegende Einwände? Ich meine: Eine Holz-Plexiglas-Konstruktion ist da nicht unbedingt flexibler, eher im Gegenteil - aber das sage ich selbstredend in meinem amateurhaften Leichtsinn
Alternative: Große Glasvase. Nicht unbedingt leichter zu handhaben. Ytong- oder Gipsnester will ich nicht. Ich möchte sie selbst graben (sehen). Das finde ich faszinierend.
6. PET-Flasche: Ist natürlich - bis auf den Deckel - praktisch komplett dicht. Würde es reichen zur Belüftung kleine Einstiche zu erzeugen (<1mm)? Können diese Einstiche als Angriffspunkte für Grabungen verwendet werden (Blattschneiderameisen würden das wohl können, vielleicht auch tun, aber die will ich ja nicht)? Im Zweifelsfalle würde ich zur Belüftung ein weiteres Loch für den Schlauch zur Arena bohren und bei Bedarf die Verschlusskappe abnehmen, um groß zu lüften und die fraglichen Stellen dann eben mit Paraffinöl oder einem wirkungsgleichen Mittel bestreichen.
7. Wenn ihr von der PET-Flasche abratet: Wie sorgt ihr bei einem "klassischen Formicarium" für ausreichende Belüftung, vorausgesetzt ihr verwendet keine Lüftung (Gerät)
8. Heizmatte oder Heizstein?
Habe panische Angst vor Schimmel oder davor, meine Ameisen "in Feuchtigkeit zu ertränken".
Ist leider unerwartet lang geworden. Entschuldigung.
Danke und Gruß

