Kalytta: Trotzdem, dass Pheidologeton zu den Treiberameisen (Army ants) gerechnet wird, ist sie zu einem großen Teil auch Ernteameise
Earlant: Gehört eigentlich hier nicht dazu, aber um die weitere Ausbreitung einer Fehlmeinung zu begrenzen: Die wissenschaftlich korrekte Aussage ist, dass sich bei Pheidologeton einige Verhaltensmuster finden lassen, die auch zum Verhaltenskomplex der Heeres- oder Treiberameisen gehören. Andere sehr wesentliche Eigenschaften aus diesem Komplex allerdings fehlen (dichthadiigyne Königinnen, Monogynie, die spezielle Form der Koloniegründung, der zyklische Wechsel des Nistplatzes, rhythmische Brutaufzucht, usw.). Pheidologeton zu den Army ants zu rechnen entspricht somit nicht dem Stand der Wissenschaft.
An diesem Zitat von Herrn Kalytta und meiner Antwort hat sich in dem thread „Pheidologeton: Koloniestruktur“eine Diskussion entzündet.
Um es vorweg mit einem Vergleich zu erläutern: Zählen Fledermäuse zum Geflügel? – Zweifellos haben Fledermäuse einige Eigenschaften von Vögeln, Flügel und Flugvermögen usw., in anderen Eigenschaften sind sie so verschieden, dass man wohl kaum auf die Idee kommt, sie in eine Gruppe zusammenzufassen.
Gut, dass Gorilla ein paar Zitate aus Hölldobler & Wilson dazu anführt.
„Trotzdem führen sie Raubzüge durch, die in vieler Hinsicht denen der afrikanischen Treiberameisen und der tropisch-amerikanischen Heeresameise Eciton burchelli erstaunlich ähnlich sind. Quelle Seite 201 Absatz eins, aus "Ameisen" Bert Hölldobler und Edward O. Wilson
Anders war diese Aussage nicht gemeint und für Kenner auch nicht so zu verstehen!!! Ist schon klar, dass Heeresameisen und Treiberameisen zwei verschiedene Schuhe
Aus den Worten von Herrn Kalytta „dass Pheidologeton zu den Treiberameisen (Army ants) gerechnet“ kann ich eine andere Meinung leider nicht herauslesen, zumal er eigens „Army ants“ ergänzt.
Sieht man in Hölldobler & Wilson 1990 genauer nach, so unterscheiden diese zwischen den „Army ants im engeren Sinne“, Tab. 16-1, und den „Army ants im weiteren Sinne: Gattungen und höhere Taxa von Ameisen, deren Arten „legionary behavior“ zeigen (Tab. 16-2). Dort findet man tatsächlich Myrmicinae, Pheidologeton.
Nun ist es eine Eigenart des Buches von Hölldobler & Wilson, dass sie in vielen wissenschaftlich kontroversen Fragen nicht konkret Stellung beziehen, keinem auf die Füße treten oder – positiv ausgedrückt – jede wissenschaftlich begründete Meinung zu Wort kommen lassen.
Das ist nicht immer gut. So findet man im Glossar unter
„queen“: Ein Mitglied der reproduktiven Kaste…Die Existenz einer Königinnenkaste impliziert, dass es in irgendeinem Stadium des Koloniezyklus auch eine Arbeiterinnenkaste gibt. Königinnen können von Arbeiterinnen gestaltlich verschieden sein, oder auch nicht.
„worker“: Ein Mitglied der nicht-reproduzierenden, arbeitenden Kaste …Ihre Existenz impliziert auch die Existenz einer königlichen (reproduktiven) Kaste. Bei Termiten ….usw.
Nun aber:
„gamergate“: Eine begattete, Eier legende Arbeiterin. (Zur Orientierung: so etwas gibt es bei Diacamma spec.)
Ich würde mir klarere Definitionen wünschen, habe diese auch in Veröffentlichungen vorgeschlagen und sie sind auch im H. & W. wiedergegeben. Es ist lehrreich, sich das Glossar daraufhin durchzusehen oder den Text über Kastenpolymorphismus zu lesen..
Nun zu W.H. Gotwald jr. 1995: Army Ants. Er ist so etwas wie der Papst der Heeresameisen. Für ihn gibt es die „true army ants“, und eben Formen aus anderen Verwandtschaftsgruppen, die eine oder die andere Eigenschaft aus dem „army ant adaptive syndrome“ aufweisen. Interessanterweise macht er sogar noch Unterschiede zwischen den „legionary ants“ (Heeresameisen), zu denen die neuweltlichen Eciton gehören, und den „driver ants“ (Treiberameisen), einer Bezeichnung für die altweltlichen Dorylinae.
Im Deutschen gibt es auch die Bezeichnung „Wanderameisen“, die sich auf den häufigen Nestwechsel bezieht, was ja nun für Pheidologeton sicher nicht zutrifft.
Um es kurz zu machen: Man kann und darf sich in der Literatur (leider!) nicht auf die Angaben nur eines Buches etc. verlassen. Und die unkommentierte Bezeichnung „Treiberameisen (Army ants)“ für Pheidologeton ist nun einmal irreführend, weil sie bei allen, die ein wenig Ahnung von Ameisen haben, die Vorstellung von „richtigen“ army ants erweckt.
Herr Kalytta hat das ja dann (27.03.06, 12:16) entsprechend kommentiert.
Mit freundlichen Grüßen,
Earlant

