von earlant » 28. Jul 2006 19:26
Hallo Dominik,
Nun hatte ich ja Herrn Kalytta, an den die Frage gerichtet war, den Vortritt lassen wollen. Man sollte aber noch etwas mehr über die Treiberameisen wissen (was man übrigens z.B. auch durch Googlen erfahren kann):
Es gibt von keiner echten Heeres- oder Treiberameisenart einzelne Königinnen oder „kleine Völker“! Das ist ähnlich wie bei der Honigbiene: Auch eine begattete Honigbienenkönigin kann niemals alleine ein Volk aufbauen.
Wie bei Honigbienen geht auch bei Heeresameisen die Kolonievermehrung NUR in Form der Aufspaltung einer sehr großen Kolonie in zwei kleinere, die aber bei mehreren Hunderttausend Arbeiterinnen (bei Dorylus bis 20 Millionen!) ebenfalls bereits sehr groß sind.
Jeweils vor einer Spaltung werden ein paar wenige Jungköniginnen (bei echten Heeresameisen immer flügellos!) aufgezogen. Eine Teilkolonie mit einem unbegatteten Jungweibchen zieht ab, der Rest bleibt mit der alten Königin. Arbeiterinnen schleppen herbei geflogene Männchen in das Biwak, wo die Begattung stattfindet. Dann geht der „endlose“ Zyklus weiter: Eiablage in einer stationären Phase – Wanderung mit den hungrigen Larven in immer neue Nahrungsgebiete – Verpuppung, Schlüpfen junger Arbeiterinnen und Eiablage in einer stationären Phase usw..
Das lässt sich auch in einem noch so großen Formikarium nicht nachstellen.
Mehrere Versuche von amerikanischen Zoos und Museen, Heeresameisen auszustellen, schlugen fehl. Obwohl die Tiere in riesigen Glasgehäusen über mehrere Räume hinweg wandern konnten, starben sie immer nach wenigen Tagen bis Wochen.
Mit von Natur aus großen Ameisenvölkern ist es wie mit großen Vögeln: In einer noch so großen Voliere kann man niemals das Kreisen auch nur eines Bussards beobachten, geschweige denn den Flug eines Kondors oder Albatros!
MfG
Earlant