nun werde ich mal aus meinen jahrelangen Erfahrungsschatz posten
Ganz allgemein hab ich schon gelesen, dass Atta angeblich eine Art sei, die für Anfänger nicht geeignet ist. Dies kann ich absolut nicht bestätigen. Wenn man ein paar Grundregeln beachtet, kann sie wirklich jeder halten, der wirklich Willens ist, sie zu halten. Denn das ist mit das Wichtigste überhaupt.
Mit diesen Grundregeln fang ich erstmal an, bevor ich ins Detail gehe.
1.) Atta braucht sehr viel Platz, das heißt mindestens ein mittelgroßes (besser ein wirklich großes) Aquarium wählen, wenn man diese Art artgerecht halten will. Man ahnt am Anfang nicht, wie schnell Atta ab einem gewissen Zeitpunkt wachsen kann. Zylinderhaltung, wie ich auch schon gesehen habe, halte ich für nicht artgerecht, denn dadurch wird der Platz ziemlich eingeschränkt. Auch sollte man nicht geschockt sein, wenn man vor Ameisen irgendwann nichts mehr sieht. Das meine ich nämlich mit 'wirklich Willens sein', man muß damit rechnen, das es irgendwann vor Ameisen nur so wimmelt und das wirklich im wahrsten Sinne des Wortes! Immer dran denken, Atta erreicht eine Volksstärke von ein paar Millionen, daher kommt man wohl nicht um Aquarienanbau herum. Was ist mit mehreren Becken? Im Prinzip gute Idee, aber muß nicht sein, Atta baut automatisch ihre Entsorgungskammern wenn man sie in der Erde hält. Das spart viel Aufwand, Geld und Platz. Eine Kammer ist also im Prinzip völlig ausreichend. Zusätzlich oder artgerechter ist es meiner Meinung nach, Atta ordentlich "Auslauf" zu geben in Form möglichst langer Röhren oder Schläuchen. Das kommt auch der Natur recht nahe.
2.) Atta braucht viel Luftfeuchtigkeit, aber keine Staunässe. Diese muß man unbedingt vermeiden, daher immer drauf achten das das Aquarium unten Löcher hat. Damit die Luftfeuchtigkeit erhalten bleibt, einen Glasdeckel kaufen oder anfertigen lassen, der das Aquarium maximal 75 % bedeckt.
3.) Atta braucht eine konstante Temperatur. Dazu muß ich sagen, dass jede Form von zusätzlicher Heizung sich erübrigt, Zimmertemperatur ist ausreichend. Der Standort ist aber wichtig. Atta mag keine Zugluft und sollte weit genug weg von Heizungen stehen. Optimal für den Pilz sind Temperaturen von 24-27 Grad. Ist die Temperatur zu hoch, erkennt man das an den Puppen auf dem Pilz.
4.) Atta braucht, je größer sie werden, viel Pflege. Wenn sie keine Nahrung mehr haben, sind sie wahre Ausbruchskünstler und machen vor nichts Halt. Das Wichtigste ist also für genug Nahrung zu sorgen. Am Liebsten mag Atta Rosengewächse, das heißt Himbeerblätter, Brombeerblätter und Rosenblätter, aber auch Liguster wird genommen. Man kann variieren, muß aber nicht, ich fütter meine Attas mit Brombeerblätter, die sie sehr gerne und gierig nehmen. Wichtig ist nur, nichts Gespritztes zu nehmen. (Vor allem bei Rosen wichtig) Im Winter eignen sich als Geheimtipp sehr gut Grassamen, die man überall kaufen kann. Atta und auch Acromyrmex stürzen sich geradezu darauf. Haferflocken schimmeln leicht bei Feuchtigkeit, deswegen sind sie nur für den absoluten Notfall zu empfehlen. Um die Arbeiterinnen etwas zu entlasten, kann man gerne Früchte, wie Apfelhälften oder Bananen zum Beispiel mit in das Aquarium geben.
5.) Erde oder nicht Erde? Ich denke das kann man machen wie man will. Artgerechter finde ich jedenfalls mit Erde. Das Eingraben hält die Feuchtigkeit besser, der Pilz ist besser geschützt vor mechanischen Einflüssen und die Attas sind, da sie Licht nicht besonders mögen auf dem Pilz auch fleißiger. Nachteil ist, das man oft Erde entfernen muß, Attas sind wahre Baukünstler, die Gänge und Kammern in Rekordzeit graben. Erde wird dann rausgeschafft oder auf einen Haufen abgelegt. Nimmt man Erde, empfehle ich Weißtorf. Sand ist völlig ungeeignet, Lehm nur bedingt, wichtig ist, dass Atta sich gut eingraben kann. Weißtorf (kriegt man in Baumschulen und Gartencentern) ist ungedüngt, unbehandelt und kommt der Erde der Regenwälder am Nächsten. Man kann natürlich auch Anzuchterde nehmen, aber diese ist sehr teuer. Auf jeden Fall immer nachprüfen das die Erde unbehandelt ist!
6.) Unbedingt für Ausbruchsschutz sorgen! Ich hatte schon sehr erstaunliche Erlebnisse mit Atta, als sie nach Nahrung suchten. Scouts werden losgeschickt, der dann eine wahre Kolonne folgt. Dabei bilden sich Straßen ungeahnten Ausmaßes und Atta wird, wenn sich nichts besseres finden läßt, nicht wählerisch und nimmt alles mit, was irgendwie verwertet werden kann. Damals hatte ich nicht für Ausbruchsschutz gesorgt, was sich wie gesagt als fatal erwies. Zimmerpflanzen und Bananen wurden am anderen Zimmerende in Kolonnen abgenagt. Sogar zum Nachbarzimmer gingen die Kolonnen meiner Attas und entsorgten den vertrockneten Blumenstrauß meiner sehr geschockten Nachbarin
Ich probiere es im Moment mit Wassergraben, scheint auch zu funktionieren, Talkum und PTFE ist unwirksam, da Atta sehr lange Beine hat.
Last, but not least immer dran denken, der Pilz ist das Entscheidende, Atta selbst ist sehr robust und verträgt sogar Insektizide in kleineren Dosen. (was wohl der Grund ist, warum sie in ihren Heimatländern nicht sehr beliebt sind)
Das war erstmal das Wichtigste zur Haltung, nächster Beitrag in diesem Thread handelt dann, eine gekaufte Kolonie erfolgreich bis zum Riesenpilz zu bringen.
Hoffe das war erstmal hilfreich für euch.
Grüßle
Freddy





