Cataglyphis viaticus Haltungserfahrungen

Informationen, Haltungsberichte und Fotobeiträge - Diskussion und Fragen

Cataglyphis viaticus Haltungserfahrungen

Beitragvon Nazghoul » 26. Apr 2004 19:13

Hi Leute!

Für alle die es intressiert poste ich hier meine Erfahrungen mit Cataglyphis viaticus. Ich habe die Tiere am 26.04.2004 bekommen und bereits einige intressante Beobachtungen gemacht.

Sowie ich etwas Zeit habe schreibe ich einen umfangreichen Bericht über Formicarium und Tiere. Also, wer Intresse hat......schaut mal rein.


Bis denne :-)
Nazghoul
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Jetzt geht`s los.......

Beitragvon Nazghoul » 27. Apr 2004 13:46

Wie ich schon erwähnt habe sind die Tiere am 26.04.2004 mit der Post angekommen ( Dank an Antstore für die rasche Lieferung ). Die schätzungsweise 10 bis 15 Tiere hatten die Lieferung in einem mit Moos und einer gefalteten Papprolle gefüllten Honigglas gut und ohne Verluste überstanden.

Die Größe der Arbeiterinnen variiert zwischen ca. 6 und 15 mm. Die Abdome der Arbeiterinnen sind spiegelnd und schwarz. Brust- und Kopfteil spielen ins rotbraun. Diese Ameisen zeichnen sich durch recht lange Beine aus, die den Körper möglichst hoch über dem heißen Wüstensand halten können und ihr große ( !! )Geschwindigkeit verleiht. Zusätzlich halten die Arbeiterinnen ihr Abdom beim Laufen stehts schräg nach oben, je nach dem wie heiß der Sand ist sogar fast senkrecht. So bieten sie sowohl der Sonne wie auch dem heißen Sand weniger Angriffsfläche.
Die Königin ( zumindest meine ) unterscheidet sich weder in Farbe noch in Größe von ihren Arbeiterinnen. Wenn man nicht genau hinschaut könnte man sie sehr leicht für eine normale Arbeiterin halten. Beobachtet man jedoch genauer, bemerkt man das die Königin einen Buckel hat. Dort verbirgt sich wohl die ehemalige Flugmuskulatur.
Cataglyphis verfügt über keinen Stachel, kann aber mit ihren kräftigen Mandibeln auch empfindlich zubeißen. Ihre Nahrung besteht zu einem großen Teil aus erjagten Insekten. Das so gewonnenen Eiweiß, Fett und die Proteine werden fast ausschließlich zur Aufzucht der Larven verwendet, die diese Stoffe zum Aufbau brauchen. Die Arbeiterinnen, die eher Energie zum schufften brauchen, beziehen diese mehr aus zuckerhaltiger Nahrung.

Das Formicarium das ich für diese Art eingerichtet habe ist ein umfunktioniertes Aquarium von recht beträchtlicher Größe. Es ist 1,20 m lang, 50 cm hoch und 40 cm tief. Direkt daneben steht ein 80 cm Becken mit meiner Pheidole pallidula Kolonie. Das Cataglyphis-Becken ist zu etwa einem drittel mit einem Bodengemisch gefüllt. Ich habe feinen Kies, Aquariumssand und einen speziellen aushärtenden gelben Wüstensand ( für Terarien ) gut vermengt und eine kleine Hügellandschaft geformt. Dann kamen noch ein paar Zierutensilien wie Wurzelhölzer, Lochgestein und dicke Baumrinde um die Lauffläche noch zu vergrößern. Ich werde auch noch etwas ( allerdings künstliches ) Grün mit hineinbringen. Da bin ich noch auf der Suche.
Eine Aquariumslampe sorgt für die Beleuchtung und ein Wärmestrahler kümmert sich um das Steppenklima. Cataglyphis ist Temperaturen von 30 - 40 Grad gewöhnt. Eine Zeitschaltuhr übernimmt das ein- und ausschalten.
In einer Ecke des Beckens habe ich einen Plastikschlauch ( Durchmesser 2 cm ) bis tief in den Boden geführt. Hier kann ich das Becken "betanken" indem ich einen Trichter einsetze und Wasser einfülle. Natürlich muß dieser Schlauch ansonsten mit Watte abgedichtet werden damit keine Tiere hineinfallen. Cataglyphis hat es in größerer Tiefe gerne Kühl und feucht und weiter oben warm und trocken. So können die Tiere sich die Bedingungen die sie gerade brauchen selber suchen.
Ich habe ein kleines Glasschälchen bis zum Rand in den Boden gedrückt und es mit gründlich gewaschenen Steinen gefüllt. Dann kam Wasser bis zum Rand hinein. So haben die Ameisen eine Wasserquelle in der sie nicht ertrinken können. Ich fülle einfach immer Wasser nach wenn zuviel verdunstet ist und einmal in der Woche werden die Steine im Schälchen gründlich gewaschen und frisches Wasser eingefüllt.
In ein winziges Futterschälchen von Antstore habe ich einen Tropfen Honiglösung mit einem Tropfen Wasser gegeben und auch in das Formicarium gestellt. Ein weiteres Schälchen wurde mit einem größeren Tropfen Zuckerwasser befüllt und eingesetzt.
Als letztes habe ich lebende Heimchen ( 3 Stück für`s erste ) eingesetzt. Cataglyphis ist eine ( sehr mutige ) aktive Jägerin. Tote Insekten werden zumeist verweigert, höchstens sehr frisch tote Insekten werden gelegentlich genommen.
Allerdings sind auch Heimchen sehr flinke Tiere die sich nicht unbedingt leicht erjagen lassen. Daher wende ich eine ( zugegebener Maßen recht makabere ) Maßnahme an, um es den Ameisen zumindest am Anfang etwas zu erleichtern. Dazu entferne ich mit der Schere die beiden Sprungbeine der Heimchen. So kommt zumindest eine Flucht durch die Luft nicht mehr in Frage. Natürlich kann man zur Not die Mobilität der Heimchen auf diese Weise noch weiter einschränken.
So, nun noch ein paar große Kieselsteine verteilt und fertig ist das Steppenformicarium. Fehlen nur noch die Tiere.

Ich habe das Honigglas auf die Seite gelegt und aufgeschraubt. Schon herrschte helle Aufregung aber auch Neugier. Die Arbeiterinnen reckten ihre Köpfe und hielten ihre Antennen in die "große, weite Welt". Ich hatte das Glas in nächster Nähe zum Wärmestrahler gelegt damit die Tiere sich nach ihrer weiten Reise erst mal aufwärmen konnten. Sogleich trugen die Arbeiterinnen die zahlreiche Brut in den oberen, bestrahlten Teil des Glases und legten sie auf dem Moos ab. Es war zu erkennen das sehr viele Puppen darunter waren. Die meisten schon sehr reif. Diese Puppen werden sicher in den nächsten Tagen schlüpfen. Zwei der Arbeiterinnen waren wohl gerade erst geschlüpft. Sie waren noch weiß und beteiligten sich noch nicht am allgemeinen Geschehen. Ein oder zwei Zwergarbeiterinnen sah ich auch. Zwei der Arbeiterinnen stachen besonders ins Auge, denn Sie waren besonders groß. Eine der beiden, die wiederum leicht größer war, schien in der Kolonie allerdings das Zepter zu schwingen. Sie war es, die im Folgenden alle Vorstöße unternahm und alle "Entscheidungen" traf. Sie war auch die erste die das Glas verließ und die ersten Centimeter um das Glas herum erkundete. In der folgenden Viertelstunde unternahm diese Arbeiterin noch eine Anzahl weiterer Ausflüge die sie immer weiter vom Glas führten, nun meist von der zweiten großen Schwester unterstützt. Bald hatten sich die beiden ein Bild von der Umgebung gemacht und blieben zunächst im Glas und beteiligten sich an den allgemeinen Arbeiten wie dem ständigen Umschichten der Brut. Die Königin die ab und an auftauchte hatte gerade 5 weitere Eier gelegt die noch an ihrem Hinterleib hafteten. Doch schon bald nahm sich eine der kleineren Arbeiterinnen der neuen Eier an und verbrachte sie in die Tiefen des Mooses.
Nach etwa einer 3/4-Stunde starteten die beiden Großen wieder Erkundungsgänge. Allerdings schien diesmal das Augenmerk deutlich auf dem finden einer geeigneten Stelle für das Nest zu liegen. Immerwieder untersuchten die beiden Arbeiterinnen Stellen auf ihre Tauglichkeit und führten Probegrabungen durch. Mal mehr, mal weniger intensiv. Ich hatte mit dem Finger eine Gang unter einem Lochgestein gebohrt das von dem Wärmestrahler teilweise gewärmt wurde. Dieser Gang erregte dann nach seiner Entdeckung auch erstmal größeres Interesse als alle anderen untersuchten Stellen. Die Große von den beiden begutachtete den Gang sehr genau, erkundete die Umgebung und stellte Grabungen tief unten im Gang an. Nach etwas graben stürmte sie plötzlich zurück in das Glas, schnappte sich eine offensichtlich sorgfältig ausgewählte Puppe und verstaute diese tief unten in dem bearbeiteten Teil des Ganges. Dann fuhr sie fort das Areal nach anderen Nistmöglichkeiten zu untersuchen. Sie untersuchte dabei zumeist nur Stellen die im direkten Heizbereich des Wärmestrahlers lagen. Auch das aufgeheizte Lochgestein selber wurde gründlichst untersucht. Nach etwa 5 Minuten kehrte die Arbeiterin in den Gang zurück und schien die Puppe zu untersuchen. Nach etwas zögern brachte sie die Puppe wieder in das Glas zurück und fuhr fort wie die andere große Arbeiterin die Umgebung zu sondieren.

Nachdem ich den Lochstein etwas vorteilhafter hingelegt hatte erregte die Stelle nun sehr großes Interesse. Der Stein ist grob wie ein dicker, eckiger Ring geformt und ich hatte ihn so hingelegt das die Öffnung nun zum Boden führte. Er bot so gute Deckung für einen potenziellen Nesteingang. Das sah die Große offensichtlich auch so. Nach kurzer Untersuchung begannen die ersten ernsthaften Grabungen im Inneren des Ringes. Nach kurzer Zeit wurde wieder eine Puppe aus dem Glas geholt und im neuen Gang verstaut. Es folgte wieder eine Untersuchung der Umgebung, ein kleines Sonnenbad unter dem Strahler, und natürlich die Untersuchung der Puppe. Diesmal aber legte sie die Puppe zurück in den Gang. Die Grabung, an der sie mitlerweile auch die zweite Große beteiligte, wurden nun entschlossener und rascher. Überflüssiges Material wurde nun abtransportiert und in der Umgebung verteilt. Immer mehr Arbeiterinnen beteiligten sich an den Arbeiten und legten einen Nebeneingang am äusseren Rand des Steines an. Eine Arbeiterin fing nach etwa einer halben Stunde graben an die Brut aus dem Glas in das nun entstehende Nest zu verbringen. Auch junge und kleine Arbeiterinnen wurden in das Nest getragen.
Dazu packt die Trägerin ihre Schwester am Kopf. Nach etwas zerren zieht sich diese dann zur "Larvenstellung" zusammen und lässt sich tragen. Dieses Verhalten ist unter vielen Ameisen allgemein üblich, wenn auch nicht immer freiwillig. Alleine die Art und Weise wie die Arbeiterinnen ( aber auch Soldaten ) transportiert werden variiert von Gattung zu Gattung.
Die Königin selber wanderte von der Arbeiterin etwas unsanft an den Mandibeln und Fühlern gezogen auf ihren eigenen Beinen in ihr neues Domizil. Nach etwa 3 Stunden war der Umzug komplett und die Kolonie untergebracht.

Bei den zahlreichen Erkundungsgängen konnte ich beobachten, das die Arbeiterinnen wenn sie auf Glas treffen absolut machtlos sind. Bei ihren Versuchen die Glaswände zu erklimmen scheitern die Tiere schon nach wenigen Millimetern. Ihre langen Beine, die ihnen in den Steppen und Wüsten dieser Welt so viele Vorteile bringen sind absolut unfähig an so glatten Oberflächen herauf zu klettern.

27.04.2004:

Mittlerweile werden die Puppen auf einem kleinen Vorsprung im inneren des Steinringes gepflegt. Dort werden sie wohl von dem aufgeheizten Stein gut gewärmt. Die Arbeiterinnen sind natürlich noch immer mit dem Ausheben der Gänge und Kammern beschäftigt. Am äußeren Rand des Steines werden nun auch unerwünschte Lücken, Löcher und Durchgänge mit Sand abgedichtet. Ich denke die nächsten Tage wird viel Nahrung eingetragen und die Brut gepflegt.


So Leute. Das war`s erst mal. Schon 'ne Menge Stoff zu lesen. Ich hoffe das ich noch viele spannende Ereignisse beobachten kann und noch einige wichtige Informationen über Cataglyphis viaticus bekomme. Ich werde jedenfalls alles posten was interessant sein könnte. Wenn ihr Spaß hattet schaut mal wieder rein.

Bis denne :-)
Zuletzt geändert von Nazghoul am 1. Jun 2004 06:01, insgesamt 1-mal geändert.
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30.04.2004

Beitragvon Nazghoul » 30. Apr 2004 10:43

Nun, nachdem einige Tage vergangen sind, haben die Arbeiterinnen schon eine Menge Sand ausgehoben. Die Öffnung des Steines wurde zu 3/4 zugeschüttet und der Seiteneingang, der zwischenzeitlich ganz verschlossen wurde ist nun noch vergrößert worden. Er scheint nun eher als Haupteingang zu dienen. Die Tiere sind aber noch immer mit Baumaßnahmen beschäftigt.

In den letzten Tagen hat es nur sehr wenig Außenaktivitäten gegeben. Die Kolonie war sicher sehr beschäftigt damit das Nest auszubauen und die Brut zu pflegen. Es tauchten nur ab und an Arbeiterinnen aus dem Nestinneren auf und legten "Bauschutt" ab. Eine Arbeiterin war oft damit beschäftigt Sandklumpen aus der weiteren Umgebung zu suchen und am Nesteingang zu sammeln. Mit diesen Klumpen wurde dann der Nebeneingang auch einen Tag lang verschlossen.
Ich habe in den letzten 3 Tagen immer wieder mal ein bewegungsunfähiges aber lebendes Heimchen direkt am Nesteingang abgelegt. Sowie eine Arbeiterin das Tier bemerkte griff sie todesmutig und wild an. Das Heimchen wurde buchstäblich erdolcht. Dann zog die Arbeiterin das Heimchen näher zum Eingang wo dann zwei bis drei weitere Arbeiterinnen ebenfalls über das Futtertier herfielen. Dann verschwanden die Ameisen mit ihrer Beute in der Dunkelheit des Nestes.

Überhaupt erstaunt mich der Mut und Kampfgeist dieser Gattung ( auch wenn ich weiß das es sich hier zumeist nur um programmierten Instinkt handelt ). Die Tiere stehen ständig in Alarmbereitschaft. So wie eine noch so geringe Vibration durch das Formicarium geht, stürzt die halbe Kolonie mit einer unglaublichen Geschwindigkeit aus dem Nest und erkundet sofort das gesamte nähere Umfeld des Eingangs. In den kurzen Momenten in denen sie mal stehenbleiben strecken sie ihre Beine so weit wie möglich um viel größer zu erscheinen als sie ohnehin schon sind. Die Abdomen steil nach oben gerichtet, die Mandibeln weit offen, der Kopf in die Höhe gereckt und die Antennen weit in der Luft. Als wollten sie mir sagen:" Komm nur her, wirst schon sehen!!!". Diese Tiere arbeiten auch viel mehr mit Körpersprache als alle anderen Ameisen die ich bis jetzt beobachtet habe.
Ebenso erstaunlich finde ich es mit welch unglaublicher Präzision diese Ameisen zum Nest zurück finden. Egal mit wievielen Kurven und Haken und wie weit weg sie zu einem Punkt gelaufen sind, wenn sie gefunden haben was sie suchten laufen sie auf einem völlig anderen Weg absolut direkt zum Nesteingang. Allerdings ist Cataglyphis für diese Fähigkeit bekannt. Wie sie das macht wird schon seit geraumer Zeit an der Universität von Zürich erforscht. Mich fasziniert es aber, denn schließlich habe ich sowas noch nie live gesehen.

Jetzt bleibt nur noch zu berichten, das bereits Teile von Puppenhüllen in die Umgebung entsorgt wurden. Wie ich angenommen hatte sind also einige der älteren Puppen geschlüpft. Die frischen Neuankömmlinge werden nun im Nest etwas aufgepäppelt und gepflegt bis sie trocken und stark genug sind um für die Kolonie zu arbeiten.

So, das war's erst mal wieder.

Bis denne :-)
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Kleiner Bericht.......02.05.2004

Beitragvon Nazghoul » 2. Mai 2004 22:21

Mittlerweile haben die Tiere die große Öffnung des Steines vollständig mit Sand aufgefüllt. Nur einen entsprechend großen Eingang haben die Arbeiterinnen geformt. Schaut man von oben in dieses doch recht beachtliche Loch, so sieht man einen großen, langen, senkrecht noch unten verlaufenden Schlund der in der Dunkelheit verschwindet.
Wenn nach dem automatischen abschalten des Wärmestrahlers die Temperatur im Formicarium nachlässt, werden alle Eingänge vollständig verschlossen. Der bereits mehrfach erwähnte Nebeneingang am äußeren Rand des Steines wird nur noch selten offen gehalten. So ganz wissen die Ameisen wohl nicht wie sie es mit den Eingängen nun halten wollen.
Inzwischen haben die Arbeiterinnen sehr viele leere Puppenhüllen aus dem Nest entsorgt. Die Kolonie dürfte jetzt wohl um ein Drittel gewachsen sein. Bedenklich ist nur das mir bereits eine Zwergarbeiterin aufgefallen ist die einen leicht verkrüppelten Fühler hatte. Das Auftreten von Verkrüppelungen bei frisch geschlüpften Arbeiterinnen ist bei Cataglyphis ein sehr wohl bekanntes Problem. Aber ich mache mir für's erste keine Sorgen. Eine der alten Zwergarbeiterinnen ist mittlerweile gestorben. Nachdem das Tier außerhalb des Nestes verendet war hatte ich es nicht gleich entsorgt. Erst am nächsten Morgen wollte ich den Leichnahm herausnehmen. Aber ich fand nur noch einen Kopf vor.

Ansonsten werden die Bauarbeiten am Nest mit unverminderter Stärke fortgeführt aber die Außenaktivitäten haben doch recht merklich abgenommen. Heute haben allerdings zwei Arbeiterinnen das ganze Formicarium gründlich und ohne Hast erkundet. Nahrung war dabei aber offensichtlich uninteressant. Zucker- und Honigwasser sowie ein Heimchen wurden zwar untersucht aber dann ignoriert.

So, ich hoffe nun das sich die Sache mit den Verkrüppelungen nicht auswächst. Ich halte euch jedenfalls auf dem laufenden.........

Bis denne :-)
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Neues am 08.05.2004

Beitragvon Nazghoul » 8. Mai 2004 12:10

Heute morgen habe ich etwas sehr seltsames beobachtet.
Eine offenbar frisch geschlüpfte Zwergarbeiterin ( sie war fast noch komplett Weiß ) saß außerhalb des Nestes in der Nähe des Wärmestrahlers. Sie bewegte sich nicht und schien einfach nur die Wärme zu genießen. So junge Tiere außerhalb des Nestes zu sehen ist ohnehin schon seltsam genug. Aber es kam noch besser.
Eine große Arbeiterin war schon seit geraumer Zeit damit beschäftigt Sandklumpen und möglichst große Steine zum Nest zu tragen. Etwa 10 Minuten nachdem ich die Jungarbeiterin entdeckt hatte, stieß auch die große Arbeiterin auf den Ausreißer. Augenblicklich packte die Arbeiterin das Jungtier das sich nach Leibeskräften zu wehren schien am Hals. Ich dachte erst sie würde dem Jungtier den Kopf abbeißen wollen, denn Nestgenossinnen werden gewöhnlich anders behandelt. Aber die Arbeiterin trug ihre kleine Schwester tatsächlich so zum Nesteingang. Dort übergab sie die Kleine einer Amme die zusammen mit einigen Schwestern über einen Haufen Puppen wachte die unterhalb des Eingangs in einer Steinnische betreut wurden. Dann geschah etwas, womit ich nun absolut nicht klar kam. Die Junge Ameise rannte wie ein fliehendes Beutetier wieder aus dem Nest.!?
Die Ammen und die Arbeiterin die die Kleine gerade abgegeben hatte bekamen das nun mit und stürmten hinterher. Aber die Kleine entwischte ihren Verfolgern. Sie spazierte wieder seelenruhig durch die Gegend und kümmerte sich nicht um ihre Großen Schwestern die inzwischen zu viert wie von der Tarantel gebissen in der Umgebung des Nestes nach dem Ausreißer suchten.
Nur die große Arbeiterin die die Kleine erwischt hatte lief durch das ganze Formicarium. Es war deutlich zu sehen das sie nun nicht mehr nach Klumpen und Steinen suchte. Der Zufall wollte es nun, das die Große und die Kleine sich wieder trafen. Noch schneller als beim ersten mal wurde die Kleine gepackt. Diesmal aber am Bein. Wie es sich gehörte zog sich die Kleine nun zur Larvenstellung zusammen und ließ sich ohne Gegenwehr wieder zum Nest tragen. Dort angekommen wurde sie wieder abgesetzt. Und was soll ich sagen, sie rannte sofort wieder weg. Und die Große natürlich wieder hinterher. Und wieder entkam die Kleine.
Zwei Arbeiterinnen starteten wieder eine Suchaktion. In den nächsten 15 Minuten fanden sie die Kleine jedoch nicht, die sich inzwischen ca. 50 cm vom Nest entfernt auf einer Wurzel niedergelassen hatte und nichts tat.
Schließlich griff ich mir die Kleine selber und betrachtete sie genau. Ich suchte eine Erklärung für dieses, meiner Meinung nach seltsame Verhalten, in eventuellen Abnormitäten an dem Tier. Aber soweit man es zumindest sehen konnte war das Tier absolut gesund. Und das Tempo und die Geschicklichkeit mit der sie sich bewegte, deutete eigentlich auch auf recht gute Gesundheit hin. Ich ließ die Kleine also mitten in den Eingang plumpsen. Dort wurde sie sofort von einer der Ammen gepackt, die mit ihr sofort tiefer in das Nest verschwand.
Ich muß gestehen das ich absolut ahnungslos bin was das ganze nun zu bedeuten hatte. Jedefalls kam die Kleine in den folgenden 15 Minuten nicht mehr aus dem Nest. Das ganze machte nach menschlichen Maßstäben stark den Eindruck nach "Flöhe hüten". So müssen Eltern auf unartige, trotzige Kinder aufpassen. Aber wie gesagt, das sind menschliche Maßstäbe. :-)

Im Bereich der Bauarbeiten am Nest geht der Kampf weiter. Die Aufbauten mit feuchtem Sand im Nesteingangsbereich führten immer wieder zu kleinen Lawienen wenn der Wärmestrahler den Sand dann am Morgen trocknete. Ich habe daher die große Öffnung im Stein mit dicker Rinde verschlossen um diese kleinen Erdrutsche zu verhindern. Die Tiere haben das offensichtlich gerne hingenommen. Nach dem verstopfen der letzten Ritzen haben die Bauaktivitäten im Eingangsbereich deutlich nachgelassen.
Mittlerweile werden möglichst große Steine auf der Nestoberfläche verteilt. Diese Steine werden als kleine Heitzungen verwendet. Die Steinchen heitzen sich gut auf und speichern die Wärme, die sie nach Abschaltung des Wärmestrahlers langsam wieder abgeben. So beheizen die Tiere ihr Nest sehr effektiv bis tief in die Nacht.

Viel Nahrung nehmen die Tiere noch nicht auf. Alle 2 Tage etwa nehmen sie ein junges Heimchen. Zuckerwasser wird nur gelegentlich genommen. Meist nur wenn viele Arbeiterinnen schwer Arbeiten müssen, wie zum Beispiel bei umfangreichen Ausschachtungsarbeiten im Nestinneren. Dieser geringe Nahrungsbedarf besorgt mich aber nicht. Die Kolonie ist noch recht klein ( es dürften jetzt vielleicht 20 - 25 Tiere sein ). Cataglyphis-Kolonien können bis zur Reife mehrer tausend Tiere zählen. Mit der Größe der Kolonie ( und mit der Menge der zu versorgenden Larven ) steigt der Nahrungsbedarf rapide an. Dann werde ich noch genug damit zu tun haben Futter herbei zu schaffen. Natürlich nur wenn ich je soweit komme.

Bis denne :-)
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Beitragvon Frank » 8. Mai 2004 19:17

Schöner Bericht, Nazghoul, und man spürt, wie sehr Dich die Cataglyphis begeistern. Ich kann das gut nachempfinden, ich beschäftige mich auch schon ein Weilchen mit diesen famosen Ameisen. Nur eine kleine Bemerkung, keine Belehrung, die lieben Catas können als Formiciinen nicht stechen, haben ihren Stachel wie ihre Verwandten zugunsten chemischer Waffen (Ameisensäure) zurückgebildet.
Das Problem mit missgestalteten Jungtieren ist auch bei meinen Tieren früher von Zeit zu Zeit aufgetreten, auch andere Halter berichteten darüber (im Ameisenforum). Erst spät hatte ich gemerkt, dass auch diese Bewohner nordafr. Wüsten und Steppen eine gewisse Feuchtigkeit im Nest für eine normale Brutentwicklung brauchen. Der Fehler muss nun aber nicht an Deiner vieleicht zu trockenen Haltung liegen, immerhin brauchen auch die Catas, obwohl "Schnellentwickler", einige Zeit für ihre Enwicklung vom Ei zum Imago und so kann es schon früher zwischenzeitlich zu ungünstigen Bedingungen bei der Larvenentwicklung gekommen sein, evtl. auf der Reise zu Dir.
Wenn Jungtier solch ungewöhnliches Verhalten zeigen, liegt es möglicherweise daran, dass sie draussen "angenehmere" Bedingungen vorfinden als im Nest, wahrscheinlich fand diese Ameise einen wärmeren Platz. Die Cataglyphis lieben es sehr warm. Jene Kammern, in denen sie ihre Puppen lagern, dürfen schon an die 30 Grad Wärme haben. Hier werden sich dann auch junge Tiere gerne aufhalten. Für die Königin und andere Brutstadien kann es etwas kühler sein, ich löse das Problem der unterschiedlich Temperaturen inklusive untersch. Luftfeuchtigkeit im Nest mittels einer das Nest schräg von oben anstrahlenden Rotlichtlampe, 25 Watt. Bei solchen Bedingungen haben die Ameisen diverse Möglichkeiten, zu verschiedenen Tageszeiten mit untersch. Aussentemp. sich und ihre Nachkommen in den jeweils günstigsten Nestbereichen zu positionieren. Überhaupt würd ich immer anstreben, im Nest eine etwas höhere Temperatur als im Aussenbereich anzubieten, das wird im Hochsommer nicht immer möglich sein, dies ist aber nur eine kurze Periode.
Bis dann, Frank.
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Hi Frank.......

Beitragvon Nazghoul » 10. Mai 2004 12:12

Ich nehme an die Umschreibung "erdolcht" hat dich wohl zu deiner Annahme gebracht. Damit spielte ich allerdings auf die sehr kräftigen Kieferzangen an, die diese Ameisen als sehr wirksame Waffen einsetzen. Das Wort war vielleicht etwas unglücklich gewählt. In der Tat weiß ich sehr wohl das Cataglyphis keinen Stachel haben ( was ich ja auch nie behauptet habe :-)).
Selbst wenn ich es nicht wüsste, so sieht man es bei den Kämpfen doch deutlich ob eine Ameise mit einem Stachel oder mit Säure und Mandibeln kämpft. Spätestens als ich eine Arbeiterin in der Hand hatte wäre es mir klar geworden.
Aber als Belehrung habe ich deinen Beitrag nicht empfunden. Im Gegenteil, ich bin froh das jemand seine Erfahrungen mit mir austauscht.

Was das Jungtier angeht so bleibt uns nur die Spekulation. Ich meine allerdings das die Temperatur nicht ausschlaggebend war. Wäre dem so, so müssten noch mehr Jungtiere außerhalb des Nestes zu finden sein. Zumindest müsste soetwas öfter vorkommen. Aber weder voher noch hinterher konnte ich etwas ähnliches beobachten. Und das Fluchtverhalten passt meines Erachtens auch nicht zu dieser Theorie. Denn einmal in das Nest zurück getragen wäre ein Jungtier dort sicher auch geblieben. Zumindest geraume Zeit.
Die Regulierung der Temperatur funktioniert bei mir ebenso wie bei dir ( das hast du sicher in meinem ersten Bericht gelesen ). Nur das ich eine 100 Watt Wärmelampe benutze. Mein Formicarium ist sehr groß. Um die Temperatur zwischen 28 und 30 Grad zu halten ist da schon einige Leistung gefragt. Dort wo der Strahler das Nest anstrahlt herrschen 35 - 40 Grad. Der angestrahlte Stein ( in dem sich ja auch der Nesteingang befindet ) heizt sich dabei sehr gut auf und wird, wie ich ja schon beschrieben habe, gerne als Kinderstube für die Puppen verwendet.
Durch einen Schlauch bewässere ich den Grund des Formicariums. So gewährleiste ich das das Nest im oberen Teil warm und trocken ist und im unteren Teil feucht und kühl. So können die Tiere das Nest entsprechend ihrer klimatischen Bedürfnisse selbst gestalten. Diese Methode hat sich schon bei meinen Pheidologeton diversus und Pheidole pallidula sehr bewährt.
Verkrüppelte Arbeiterinnen habe ich bis jetzt Gott sei Dank nicht wieder gesehen.

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Beitragvon Frank » 10. Mai 2004 18:25

Naja, Du hast oben geschrieben, "C. verfügt über einen Stachel, kann aber....". Hast Dich wahrscheinlich verschrieben. Kommt vor. Auch bei mir. Dein Bericht ist jedoch Klasse, Deinen Ameisen geht es sicher sehr gut. Die Temperaturregelung ist sicher optimal, da muss jeder seine Erfahrungen machen. Wichtig für die Catas ist ja auch vor allem ausreichende Wärme, die sollte, so oder so, bereitgestellt werden. Gruss, Frank.
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Oje....das stimmt!!

Beitragvon Nazghoul » 10. Mai 2004 22:52

Hast recht Frank, das habe ich geschrieben. Ich weiß zwar nicht warum.......??!!

Aber dank dir ist der Unsinn den ich da verzapft habe korrigiert. Danke nochmal.

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14.05.2004

Beitragvon Nazghoul » 14. Mai 2004 13:04

Die Entwicklung der Kolonie scheint sich sehr gut zu machen. An den zahlreichen Puppenhüllen in der Umgebung sieht man das sicherlich schon alle Tiere geschlüpft sind die bei Lieferung schon verpuppt waren.
Dennoch lagern die Arbeiterinnen wieder eine große Zahl von "frischen Puppen" in den Höhlungen des Steines. Wenn ich von oben in den recht großen Eingang schaue kann ich die Aktivitäten unterhalb der Öffnung gut beobachten. Zumal der Wärmestrahler den Bereich mit seinem rötlichen Licht gut ausleuchtet.
Inzwischen haben die Arbeiterinnen eine große Kammer direkt unter dem Stein angelegt. Hier herrscht besonders Morgens wenn der Strahler angeht großer Betrieb. Es besteht schon eine Art Stundenplan.
Als erstes wird das Nest geöffnet. Da sich die senkrecht nach unten führende, kleinere Öffnung im Stein die jetzt als Eingang dient, nicht wirksam verschließen lässt, sind die Tiere dazu übergegangen die Gänge zu verschließen die von der großen Kammer unter dem Stein abgehen.
Das Sandmaterial wird immer im Nest behalten und in der Nähe der Gänge verteilt.
Als nächstes werden die Puppen in die neue Kammer geschafft und hier in den verschiedenen Höhlen und Gängen des großen Steines verstaut die den Ameisen unterirdisch zugänglich sind. Ich konnte in den letzten Tagen beobachten das auch die Larven der Kolonie hier "gebacken" werden. Als ich die Arbeiterinnen mühsam durch die etwa 2,5 cm große Eingangsöffnung beobachtet habe konnte ich sehen das die meisten Larven sehr groß sind. Sie haben bereits die Hälfte der Größe der Arbeiterinnen die sie betreuen. Ich konnte sehen das Puppen immer rechts gelagert werden ( in der Hälfte des Steines die direkt vom Strahler geheitzt wird ) und die Larven immer links ( außerhalb des direkten Strahlungsbereiches. Ob das nun eine Sache der Ordnung oder der klimatischen Bedingungen darstellt vermag ich nicht zu sagen.
Wärend der Phase der Umbettung der Brut stehen bereits zwei oder drei Arbeiterinnen am Eingang, putzen sich und genießen die Wärme der "eben aufgegangenen Sonne". Bald laufen diese Arbeiterinnen los und inspizieren die Umgebung, tanken Zuckerlösung und des öffteren auch etwas von der Honiglösung. Wenn die Kolonie auch tierische Kost braucht schwärmen allerdings immer fünf bis sechs Arbeiterinnen aus. Bei so einer Gelegenheit kam einmal eine Arbeiterin aus dem Nest gekrabbelt bei deren Anblick mir die Kinnlade herunterfiel. Sie war mit Abstand die größte Ameise der Kolonie. Sicher locker über 2 cm groß. Obwohl ich weiß das Cataglyphis leicht Arbeiterinnen von 18 mm hervorbringt hatte ich nicht mit einem so großen Tier gerechnet.
Wenn die Tiere in größerer Zahl ausschwärmen ist das für mich das Zeichen "Wir wollen Fleisch!!!" und ich lege ein Heimchen im Formicarium ab. Erstaunlich schnell haben die Tiere die Beute entdeckt. Hier scheinen die Augen eine größere Rolle zu spielen denn die Arbeiterinnen scheinen die Beute schon aus mehreren cm Entfernung zu entdecken. Sie drehen sich in Richtung der Beute und laufen sehr direkt darauf zu. Angekommen wird die Beute mit den Fühlern genau untersucht.
Wäre das Tier schon länger tot, würde der Kadaver Stoffe freisetzen die bei Zersetzung entstehen. Nimmt eine Cataglyphis diese Stoffe war, weiß sie das dieses Beutestück schon verdorben ist. Es wird als Futter ignoriert.
Da meine Heimchen zwar bewegungsunfähig aber noch am Leben sind werden sie natürlich gerne genommen. Sollte sich die Beute noch wehren, fällt die Ameise blitzschnell über das Tier her, bespritzt es mit Ameisensäure und erdolcht es mit den Mandibeln. Bald schon versammeln sich alle "Außendienstlerinnen" um die Beute und untersuchen sie sehr gründlich. Meist war es dann die größte anwesende Arbeiterin die die Beute packte und direkt in das Nest brachte.

Kehren die Arbeiterinnen mit der Zucker- oder Honiglösung in das Nest zurück beginnen etwa 10 - 15 Minuten später wieder Grabungsarbeiten im Nest. Erkennbar daran das nun am laufenden Band Arbeiterinnen mit Sandklumpen aus dem Nest laufen, diese in Nestnähe ablegen und wieder verschwinden. Es haben sich mitlerweile große Wälle aus Sand um den Stein gebildet.

Bei den Puppen und Larven hält jeweils eine Arbeiterin wache, putzt, bettet um und sortiert. Andere wiederum sind damit beschäftigt einige der Puppen und Larven ins Nest zu holen und andere wieder in die Kammer zu bringen. Es ist ein kommen und gehen. Die Bauarbeiterinnen tragen ab und an kleine Steinchen aus den Tiefen des Nestes die bei den Grabungsarbeiten gefunden wurden. Die kleinsten dieser Steine werden auf dem Boden der großen Kammer verteilt, viele im direkten Licht des Strahlers. Die größeren Steinchen werden auf dem Außenhängen der Nestkuppel die sich nach vielen Tagen nun gebildet hat verteilt. Innerhalb wie außerhalb des Nestes dienen diese Steinchen als Wärmespeicher am Tage und als Heizung in der Nacht.

Etwa eine Stunde nachdem der Strahler angegangen ist werden alle Puppen und Larven in's Nestinnere zurück gebracht. Von nun an nehmen die Aktivitäten in der Kammer schnell ab. Eine Weile lang wird noch Sand entsorgt, doch auch das schwillt in der folgenden Stunde ab. Für den Rest des Tages kommt nur vereinzelt mal eine Ameise zum Eingang, inspiziert die Umgebung oder entsorgt Sand oder Essensreste. Ab und an wird am Zuckerschälchen etwas Lösung getankt, ein kleiner Rundgang durch das Formicarium gemacht, aber das meiste spielt sich nun im inneren der Kolonie ab, wo es sich meiner Beobachtung entzieht. Es ist jedoch zu vermuten das hier Eier, Larven und Puppen geputzt, umgebettet und je nach Temperaturbedürfnis in den verschiedenen Kammern verteilt werden. Die Königin wird gefüttert und gepflegt, neue Gänge und Kammern werden angelegt und Futter wird unter den Arbeiterinnen verteilt. Ameisenalltag.
So vergeht der Tag bis der Strahler um 21.00 Uhr seine Aktivität einstellt. Die Ameisen spüren den Temperaturabfall recht schnell und 15 Minuten später werden in der Kammer wieder Larven und Puppen verteilt. Wenn nach geraumer Zeit auch im inneren der Kammer die Temperatur deutlich abfällt wird die Brut wieder in das Nest zurück getragen und bald darauf die Gänge verschlossen. Ein langer arbeitsamer Tag geht zu ende.

Bis denne :-)
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Beitragvon Nazghoul » 18. Mai 2004 14:32

In den letzten Tagen ist der Nahrungsverbrauch der Kolonie rasant angestiegen. Nun suchen 1 - 4 Arbeiterinnen über den gesamten Tag hinweg nach Beutetieren.
Ganz am Anfang nahm die Kolonie nur ein junges Heimchen am Tag. Ein zweites wurde zumeist ignoriert. Es kam vor das ein Zweites eingetragen wurde, am nächsten Morgen lag dann aber immer ein Beutetier nur halb verwertet wieder im Formicarium.
Dann folgte eine Periode in der die Kolonie zwei Heimchen am Tag nahm. Mehr jedoch nicht.
Jetzt jedoch tragen die Arbeiterinnen alles in die Kolonie was nicht niet- und nagelfest ist. Gestern habe ich innerhalb von einer Stunde sechs bewegungsunfähige Heimchen in das Formicarium gelegt. Keines lag länger als 5 Minuten dort. Einmal entdeckt wurde die Beute augenblicklich gepackt und lebend in das Nest gezerrt. Die Beute wird mittlerweile kaum mehr untersucht.
Nachdem nun all die Heimchen eingetragen wurden, setzte ich vier weitere Heimchen ein. Diesmal jedoch lauffähig, nur mit gestutzten Sprungbeinen. Im Folgenden konnte ich einige Begegnungen zwischen Beute und Jäger beobachten. Die Heimchen konnten jedoch stehts entkommen. Die Arbeiterinnen schienen etwas überrascht das die Beute auf einmal weglaufen konnte. Mussten sie doch bis dahin nur zubeißen und in das Nest tragen. Am Ende musste nicht mal mehr die Ameisensäure eingesetzt werden. Und nun das!!!
Aber dieser Überraschungseffekt hielt wohl nicht sehr lange an, denn als ich am nächsten Morgen vorsichtig nach Überlebenden suchte war kein Heimchen mehr zu finden. Das ein oder andere mag sich vielleicht auch einfach nur gut versteckt haben. Auf lange Sicht wird wohl auch das nichts helfen denn mittlerweile gehen die Arbeiterinnen bei der Beutesuche sehr gründlich vor und schauen in alle Ritzen und Spalten.

Ansonsten bleibt von den Heimchen nicht sehr viel übrig.
Ein Graus ist mir der Gedanken an eine unterirdische "Müllkippe" (Milben). Aber da die Arbeiterinnen noch immer Panzerfrakmente, Fühler, Beine, Teile von Köpfen und kleine verdorbene Essensreste in die weite Umgebung entsorgen ( wie ja schon am Amfang ) kann man diese Möglichkeit wohl ausschließen.
Eine Lagerung der Beutetiere in "Speisekammern" würde ich ebenfalls für unwahrscheinlich halten. Angesichts der Tatsache wie penibel Cataglyphis in Bezug auf die Frische ihrer Nahrung ist und das die Lagerungsbedingungen in ihren Nestern wohl eher weniger optimal sind, erscheint es nicht sinnvoll.
Wobei gesagt werden muss, das es sehr wohl Ameisen gibt, die durch belecken ihrer Nahrung ein Sekret auftragen welches den Verfall stark verlangsamt und so die Haltbarkeit erheblich erhöht. Wissenschaftler haben in Experimenten leicht verderbliche Stoffe mit diesem Sekret behandelt und festgestellt das es tatsächlich Schimmelpilzen und Bakterien entgegenwirkt. Da es mir allerdings völlig neu wäre das Cataglyphis über diese Fähigkeit verfügt, verwerfe ich den Gedanken.
Bleibt nur die Möglichkeit das die Kolonie all diese Futtertiere tatsächlich verwertet,
Wenn ich nun berücksichtige das Erwachsene Arbeiterinnen nur einen vergleichsweise geringen Teil der tierischen Nahrung für sich verbrauchen, vermute ich das der Umfang der Brut sehr stark zugenommen hat. Entweder sind bereits sehr viele Larven und Jungarbeiterinnen zu versorgen oder es ist sehr bald damit zu rechnen. Die Arbeiterinnen beziehen ihre Energie ja mehr aus zuckerhaltiger Nahrung. Dabei gestehe ich Cataglyphis schon zu das ihre Arbeiterinnen mehr tierische Nahrung selber verwerten als es vielleicht bei anderen Ameisen der Fall ist. In ihren wüsten- und steppenartigen Verbreitungsgebieten dürfte Cataglyphis mehr tierische als zuckerhaltige Kost finden, denn zumeist ist es der Transportzucker der Pflanzen der entweder direkt oder über Blattläuse, Wanzen oder andere, Pflanzensäfte saugende Insekten gewonnen wird. Manche Ameisen sind auch in der Lage bestimmte Stoffe durch chemische Reaktionen in ihrem Sozialmagen in Zucker zu wandeln. Die Strategien zur Nahrungsgewinnung sind unter Ameisen so zahlreich und weitreichend wie sonst innerhalb keiner anderen Tierspezies.
Jedenfalls werde ich für die Cataglyphis nun auf junge Wanderheuschrecken umsteigen und die Heimchen nur noch für meine Pheidole palidulla und Camponotus herculeanus verwenden. Sonst komme ich mit dem Nachschub nicht mehr hinterher. Ich bin schon sehr gespannt auf die erste Begegnung der Cataglyphis mit dieser erheblich größeren Beute. Ebenso gespannt bin ich wie hoch der Verbrauch an Heuschrecken sein wird. Natürlich werde ich hier davon berichten.

Der Verbrauch an Zucker- und Honiglösung hat ebenfalls sehr stark zugenommen. Wärend jedoch bis jetzt bevorzugt der Zucker genommen wurde, konzentrieren sich die Arbeiterinnen im Moment eher auf den Honig. Beide Lösungen sind mit Vitaminen, Ager etc. angereichert. Somit kann ich nicht sagen woran sich die jeweiligen Vorlieben orientieren. Aber alle 15 Minuten kommt eine Arbeiterin und "tankt" an den Futterschälchen bis der Hinterleib prall gefüllt ist und man durch die Dehnung die "Futterringe" sieht. Und schon geht es zurück zur Kolonie wo das Futter verteilt wird.
Dort wurden die Bauarbeiten am Nest inzwischen auch verstärkt. Jetzt wird über den gesamten Tag mit unverminderter Härte gegraben und Sand aus dem Nest getragen. Daher, und wegen der Versorgung der ständig wachsenden Brut ist der Energieverbrauch der Arbeiterinnen stark gestiegen. Und somit auch der Nahrungsbedarf. Das ständige graben ist ein weiterer Umstand der auf eine schnell wachsende Kolonie hindeuten kann. Obgleich ich weiß das Cataglyphis sich sehr schnell entwickelt bin ich doch etwas überrascht.

Nun möchte ich mir noch die Zeit nehmen über eine ganz spezielle kleine Ameise der Kolonie zu berichten. Diese Ameise heißt Lefty und hat mich vielleicht etwas interessantes herausfinden lassen.
Zunächst mal fragt ihr euch sicher wie man aus einer Kolonie von vielen Tieren eine einzige so gut herauserkennt das man ihr sogar einen Namen geben kann. Nun, ihr Name erklärt dies teilweise. Ich habe sie Lefty genannt weil sie nur ihren linken Fühler wirklich einsetzen kann. Ihr rechter Fühler ist nach etwa einem Millimeter abgetrennt. Ich weiß nicht ob sie schon so gebohren wurde oder ob es ein Unfall war, jedenfalls ist sie weder in Reaktion noch Fleiß eingeschränkt und steht ihren Schwestern in nichts nach. Aber sie lässt sich so natürlich bestens von den anderen Ameisen unterscheiden.

Nachdem Lefty mir das erste mal aufgefallen war hatte ich ihr noch nicht sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt. Im Gegenteil. Als etwas unvollkommenes störte sich mich eher. Aber in den folgenden Tagen tauchte sie immer und immer wieder auf. Sie schien für den "Außendienst" zuständig zu sein. Sie war niemals beim Graben oder Schutt abtransportieren zu beobachten. Sie suchte immer nur das gesamte Formicarium nach Beute ab und trug diese in die Kolonie oder trank Lösung und verteilte diese unter ihren Schwestern. Die Tatsache das ich definitiv ein und die selbe Ameise bei ein und der selben Arbeit sah ließ mich aufmerksam werden. Ich began auch die anderen Ameisen die nach Beute suchten genau zu beobachten. Mir viel auf das zum Beispiel an der Jagd immer jeweils zwei große und zwei kleine Arbeiterinnen beteiligt waren. Seltener sind alle vier draußen aber es kam einige male vor. Dann gab es da zwei sehr kleine Ameisen die bei den Grabungen halfen und den Sand immer durch einen extra geöffneten kleinen Nebeneingang entsorgten. Eine der beiden hat einen sehr roten Kopf- und Brustabschnitt und die andere war wirklich winzig und hatte immer einen prall gefüllten Hinterleib. Ich setzte meine Beobachtungen über mehrer Tage fort und kam schlußendlich für mich zu dem Ergebnis das wohl ganz bestimmte Ameisen größtenteils immer die selben ganz bestimmten Arbeiten ausführen. Ich weiß das diese Art der Arbeitsteilung bei einigen Gattungen üblich ist, wie zum Beispiel bei Blattschneiderameisen. Dort werden für jede Aufgabe Arbeiterinnen bestimmter Größen entwickelt. Vom gewaltigen, dornenbesetzten Soldaten der die Kolonie und die Ameisenstraßen bewacht und schützt, bis zur kaum einen Millimeter großen Arbeiterin die als einzige in der Lage ist in den winzigen Gängen zwischen den Fäden der Pilzgärten die Pflege- und Reinigungsarbeiten auszuführen. Das erfolgreiche gründen einer Blattschneiderkolonie hängt in erster Linie davon ob die Jungkönigin die Arbeiterinnen der verschiedenen größen im richtigen Verhältnis produziert. Soldaten werden erst sehr viel später produziert, da diese im Unterhalt zu "teuer" sind.
Bei Cataglyphis ist mir eine ( wenn auch vereinfachte ) Spezialisierung jedefalls völlig neu. Die Vermutung das jede Arbeiterin die ich so sehe ihren eigenen Job macht hat mir jedefalls diese Tiere noch näher gebracht als es bisher ohnehin schon der Fall war. Auch Lefty ist mir schon richtig an's Herz gewachsen.
Sie ist heute Morgen auf einem Beutegang auch zum Honignapf gelaufen. Nachdem sie sich dick und prall aufgetankt hatte wollte sie zurück zur Kolonie. Dabei rutschte sie etwas unglücklich vom Rand des Napfes ab und fiel natürlich rücklings in den Honigtropfen. Sie hatte nur wenig Mühe sich wieder zu befreien und auf die Beine zu kommen. Wieder aus dem Napf, putzte sie sich als erstes die völlig verklebten Fühler. Sie strich immer wieder mit den Vorderbeinen darüber und leckte sich den abgestreiften Honig von den Beinen. Dann legte sie sich ganz flach auf den Sand und rutschte kurz mit dem Kopf vorran über den Boden. So wie man es bei Hunden auf der Wiese beobachten kann. Das machte sie einige male. Immer von kleinen Putzeinlagen unterbrochen. Das sah schon sehr niedlich aus. Sorgen habe ich mir aber keine gemacht. Ich hatte erst vor kurzem am Nesteingang gesehen wie zwei Arbeiterinnen eine dritte sehr gründlich und eingehend geputzt haben. Ihre Schwestern würden sich auch um Lefty kümmern. Erstaunlich fand ich etwas anderes. Als Lefty irgendwann mit der getankten Nahrung im Nest verschwunden war dauerte es nur etwa 5 Minuten und sie kam wieder heraus. Rank und schlank. Sie hatte in so kurzer Zeit ihre gesamte Ladung in der Kolonie abgegeben. Schon war sie wieder am Napf und trank sich wieder voll. Sie lief wieder zur Kolonie und kam wiederum ca. 5 Minuten später heraus. Diesmal hatte sie allerdings noch einen Teil der Nahrung in ihrem Sozialmagen. Jetzt schien sie aber wieder auf der Suche nach Beutetieren zu sein.

Alles in allem bin ich, soweit ich es beurteilen kann, sehr zufrieden mit der Entwicklung der Dinge. Mal sehen was die Zukunft bringt.

Bis denne :-)
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19.05.2004

Beitragvon Nazghoul » 19. Mai 2004 15:21

Gestern Abend habe ich mir nun junge Wanderheuschrecken gekauft. Als ich nach Hause kam hatten die Cataglyphis bereits die gesamte Zuckerlösung aufgefressen und von dem Honig war auch nicht mehr viel übrig. Fünf Arbeiterinnen waren gerade im ganzen Formicarium unterwegs und suchten nach Beute.
Als erstes gab ich mit einer Einwegspritze wieder 2 Tropfen Zuckerlösung in den leeren Napf.
Dann fing ich ein kleineres Exemplar der Heuschrecken aus der Box und stutzte die Sprungbeine. Dann untersuchte ich das Insekt auf eventuell sichtbaren Parasitenbefall. Das Tier schien sauber zu sein. Die beiden Beine warf ich als erstes in das Formicarium. Die wurden auch sehr rasch gefunden und sofort in die Kolonie gebracht. Dann setzte ich die Heuschrecke ein. Da die Heuschrecke erst mal benommen auf der Stelle sitzen blieb ging es sehr schnell das eine der herumsuchenden Arbeiterinnen auf die große Beute traf. Sofort stürzte sich die Arbeiterin auf den Rücken der Heuschrecke und biß sich hinter dem Kopf fest. Natürlich war die Heuschrecke viel stärker und massiver als eine einzelne Arbeiterin. Und so flüchtete sie mit der Ameise auf dem Rücken durch das Formicarium. Obwohl sich all dies in einiger Entfernung zum Nest abspielte stürzten plötzlich sechs oder sieben weitere Arbeiterinnen aus dem Bau und stürmten in Richtung des Kampfes.

Wie die Alarmierung der im Bau befindlichen Ameisen so schnell und wirkungsvoll funktionierte ist mir nicht völlig klar. Natürlich könnten mit oder durch Einsatz von Ameisensäure auch die bekannten Alarmstoffe von der kämpfenden Arbeiterin abgegeben worden sein. Ob diese jedoch in den wenigen Sekunden so weit und tief in den Bau hätten kommen können entzieht sich meiner Kenntnis. Bei der schnellen Reaktion kommt es mir wahrscheinlicher vor das sich hier durch Stridulation verständigt wurde.
Die Stridulation stellt eine der Komunikationsmöglichkeiten dar, derer sich die Mehrzahl der Ameisenarten bedienen. Dabei handelt es sich um die Erzeugung von Lauten. Die Ameisen produzieren hochfrequente, schrille Geräusche, indem sie einen dünnen, quer verlaufenden Schaber an ihrer Taille gegen eine fein gerillte, waschbrettartige Oberfläche des Hinterleibes reiben. Diese Geräusche haben je nach Art und Heftigkeit unterschiedliche Bedeutungen. Dieses "rufen" der Ameisen ist für den Menschen kaum oder garnicht wahrnehmbar. Der durch die Luft übertragene Anteil des Schalls hat dabei keine Wirkung auf die Helferinnen. Sie nehmen nur die Vibrationen auf, die in der Erde weitergeleitet und von hochempfindlichen Sensoren in ihren Beinen wahrgenommen werden können.
Es ist nicht ganz unwahrscheinlich das sich auch Cataglyphis auf diese Weise verständigen kann.

Jedenfalls fielen die alarmierten Arbeiterinnen sofort über die Beute her. Die Heuschrecke wehrte sich nach Leibeskräften, unterlag aber sehr bald den ständigen Beiß- und Säureangriffen. Bald waren 4 Arbeiterinnen damit beschäftigt die große Beute in das Nest zu tragen. Zwar musste dazu ein Nebeneingang geöffnet werden doch die größte Arbeit war getan.

Heute Nachmittag setzte ich wieder eine Heuschrecke ein. Diese war jedoch etwas größer ( und irgendwie auch frischer ). Nach der Entdeckung konnte sie erst nach längerer Verfolgung von 3 Arbeiterinnen festgehalten werden. Doch so sehr sich die Arbeiterinnen auch anstrengten, an einen Transport war nicht zu denken. Zu gut klammerte sich die Heuschrecke überall fest. Da änderten die Arbeiterinnen die Strategie. Während 3 Arbeiterinnen die Heuschrecke fixierten, bissen 3 weitere Ameisen der Heuschrecke ganz einfach die verbliebenen Beine ab. Alle vier. Nun konnte die Heuschrecke keinen anderen Widerstand mehr leisten als sich zu krümmen. Aber das konnte die Arbeiterinnen natürlich in keinster Weise mehr aufhalten. Bald verschwand auch diese Heuschrecke für immer in der Kolonie.

Ich denke die Umstellung der Ameisen von Heimchen auf Wanderheuschrecken kann problemlos als gelungen bezeichnet werden.

Bis denne :-)
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23.05.2004.......alles im Lot

Beitragvon Nazghoul » 23. Mai 2004 21:27

Seit ich die Heuschrecken verfüttere ist der Jagdtrieb etwas weniger heftig. Nach etwa 2 Tieren pro Tag scheint die Kolonie gesättigt. Eine 3. Heuschrecke wird meistens schon etwas lustlos eingetragen und einige Stunden später nur halbverwertet wieder aus der Kolonie geschafft. Ich lege schon mal einen "Diättag" ein. Oder es gibt nur ein kleines Heimchen. Ich möchte die Kolonie nicht übersättigen. Allerdings bin ich sicher das der Nahrungsbedarf der Kolonie in absehbarer Zeit wieder deutlich ansteigen wird. Dann werden 2 Heuschrecken am Tag längst nicht mehr reichen.

Die Bauarbeiten am Nest sind derzeit weitgehend eingestellt. Aber ein Blick in den Nesteingang zeigt deutlich wofür die Kolonie so eifrig ausgebaut wurde. Die "Vorhofkammer" unter dem Stein wurde erweitert und ist am Tag über und über mit riesigen Puppen angefüllt. Mit sehr vielen Puppen. Es ist zwar schwer zu schätzen aber ich denke das es mindestens um die 25 Puppen sind. In dieser Kammer werden die Puppen etwas vom Wärmestrahler angestrahlt. Die Ammen halten die klimatischen Bedingungnen in dieser Kammer wohl für sehr geeignet zur Puppenlagerung. Wenn die alle schlüpfen wird der neu geschaffene Platz in der Kolonie auch dringend gebraucht. Ständig sind einige Arbeiterinnen damit beschäftigt die Puppen zu sortieren, zu putzen und umzubetten. Welch Glück das ich das alles sehen kann obwohl ich die Kolonie nicht in einem Beobachtungsnest halte. Die Puppen werden in der Nacht wenn die Temperatur zurück geht wieder tiefer in den Bau getragen. Morgens, nachdem der Strahler angeschaltet wurde, werden die Puppen wieder alle in der Kammer gestapelt.

Dadurch das die Bauarbeiten am Nest zur Zeit auf Reinigung und Instandsetzung beschränkt sind, ist auch der Verbrauch an Zuckerlösung etwas gesunken. Aber spätestens nach 2 Tagen ist der Napf leer. Die Honiglösung hält sich deutlich länger, wird aber auch mehrmals täglich genommen.

Was die Verkrüppelungen angeht, so waren die von mir entdeckten betroffenen Tiere anscheinend wirklich auf die bei Lieferung bereits vorhandene Brut beschränkt. Die Tiere mussten neben der Lieferzeit auch noch ein ganzes Wochenende im Packetlager der Post verbringen. Als der Postbote an jenem Samstag kam war niemand zu Hause. Und anstatt das Päckchen bei Nachbarn abzugeben ( die definitiv zu Hause waren ) nahm der Idiot die Ameisen wieder mit. Ich konnte sie erst am Montag um 9.00 Uhr abhohlen. Für so wärmebedürftige Ameisen dürfte das schon ein harter Schlag gewesen sein. Kein Wunder also das das ganze zu Fehlbildungen führte. Bis jetzt habe ich jedefalls keine Verktüppelten Arbeiterinnen mehr gesehen. Das werte ich einfach mal als positives Zeichen.
Wo ich gerade dabei bin, Lefty geht es sehr gut. Jeden Tag ist sie mehrfach unterwegs und besorgt Zucker und Honig für die Kolonie oder kämpft gegen Heuschrecken. Sie ist schon ein kleiner Veteran.

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01.06.2004

Beitragvon Nazghoul » 1. Jun 2004 07:11

Es zeichnet sich langsam ein gewisser Rythmus ab. Die Bauarbeiten werden etwa alle zwei bis drei Tage intensiver. Nach einem bis anderthalb Tagen ebben die Arbeiten dann wieder ab. Entsprechend wird in den Bauphasen viel Zucker und Honig genommen und in den ruhigeren Phasen etwas weniger Lösung verbraucht. Wobei ein gewisser Level an Nahrungsfluss nie unterschritten wird. Dieser Level nimmt von Woche zu Woche spürbar zu.
Die 2 Heuschrecken am Tag sind jedenfalls im Moment genug. Wobei etwa alle 3 Tage eine Art Überschuß zu entstehen scheint. Dann wird eine Heuschrecke schon mal halb verwertet wieder aus dem Bau getragen. Daher lege ich den "Diättag" entsprechend an jedem dritten Tag ein. Dann gibt es entweder garnichts oder nur ein junges Heimchen.
Ich hatte mir beim letzten Einkauf mal zwei ausgewachsene Wanderheuschrecken geben lassen um auszubrobieren ob die Cataglyphis eventuell damit zurecht kommen. Allerdings schienen die Arbeiterinnen etwas überfordert. Sie schienen irgendwie nicht durch den Panzer zu kommen. Es machte den Eindruck als wolle man einen Sherman Panzer mit einer Kombizange knacken. Nach fünf Stunden lag die Heuschrecke einsam und verlassen und unbeachtet da. Ich habe sie dann zu meinen Pheidole pallidula gelegt. Die hatten innerhalb der nächsten Nacht ein Loch in den Kopf der Heuschrecke gebohrt und das Tier von innen ausgehöhlt. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen das Cataglyphis nicht mit dieser Beute hätte fertig werden können. Mit so kräftigen Beißwerkzeugen hätten sie den Panzer bei wahrem Interesse doch wohl knacken können. Aber vielleicht war irgendetwas nicht nach ihrem Geschmack. Wer weiß.
Jedenfalls werde ich nun erst mal bei jungen Heuschrecken und Heimchen bleiben.

Die Reihen der Puppen in der Puppenkammer lichten sich derweil ein wenig. Dafür nimmt die Zahl der Puppenhüllen auf der "Müllkippe", die die Arbeiterinnen inzwischen in der Nähe der Kolonie angelegt haben, fast täglich zu. Ich kann nun nicht mal mehr mutmaßen aus wie vielen Tieren die Kolonie zur Zeit besteht. Alleine aus der wachsenen Zahl an Arbeiterinnen die gleichzeitig im "Außendienst" herumlaufen bemerkt man die steigende Gesamtzahl. Das fällt beispielsweise bei der Jagd auf, bei der mittlerweile bis zu 10 Tiere gleichzeitig unterwegs sind. Oder in "Alarmsituationen", wenn ich zum Beispiel die Lauffläche des Formicariums mit Wasser besprühe und der Kolonieeingang oder Arbeiterinnen etwas abbekommen. Dann stürmt ein "Abfangkommando" aus dem Bau das sich wirklich sehen lassen kann. Und während dessen tragen dann immer viele aufgeregte Ammen die Puppen tiefer in den Bau um diese vor dem vermeindlichen Angriff zu schützen.

Augenscheinlich läuft alles reibunglos. Es scheint keine Probleme zu geben. Es läuft so einfach und problemlos das ich fast etwas Angst bekommen. Ich warte fast täglich auf ein ernüchterndes Ereignis wenn etwas zu gut funktioniert. Obwohl ich hoffe das die Kleinen von größeren Katastrophen verschont bleiben und mir noch lange, lange Zeit Freude machen.
Wen ich grade bei "lange" bin......ich versuche schon seit Monaten herauszufinden wie hoch die Lebenserwartung einer Cataglyphiskönigin ( im günstigsten Fall ) ist. Habe es auch vor Monaten bei den sogenannten "Fachberatern" von Antstore versucht. Habe nie eine Antwort erhalten ( und vielen Dank dafür an Antstor!!!!!!). Alles in allem kann ich diese Info einfach nicht bekommen. Aber ich gebe nicht auf!!!

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09.06.2004

Beitragvon Nazghoul » 9. Jun 2004 09:49

In den letzten Tagen hat sich viel getan. Die Arbeiterinnen bauen wie wahnsinnig. Mittlerweile sind rund um die Uhr Aktivitäten. Sogar Nachts. Der Sandwall um den Nesteingang ist so angeschwollen das ich die Futternäpfe weiter vom Nest weg aufstellen musste. Unzählige Tiere schaffen Tag und Nacht Sand aus dem Bau. Graben scheint im Moment so wichtig zu sein, das selbst das Jagen zurück stehen muss. Es werden im Moment praktisch nur im Vorbeigehen ein oder zwei Heimchen gefangen. Oft sind diese Erbeutungen nur durch zufällige Begegnungen eingeleitet. Regelrechte Beutesuche findet weniger statt.

Der Nebeneingang der nach vorne zeigt, wurde jetzt gewaltig erweitert und zum Haupteingang umfunktioniert. Der alte Eingang der bis jetzt immer benutzt wurde, wird nur noch selten verwendet. Der neue Eingang wurde mit großen Steinen etwas gesichert.
Die Kammer direkt unter dem Stein wurde erheblich tiefergelegt und erweitert. Das ist durch den neuen Eingang sehr deutlich zu sehen. Nach der ersten "Schlüpfwelle" waren zwei Tage keine Puppen in der Kammer zu sehen. Ich machte mir schon Sorgen ob die Königin tot ist. Aber nach den Bauarbeiten an der Kammer waren hier wieder viele Puppen und Larven gelagert. Allerdings werden noch heute umfangreiche Arbeiten an, und um die Kammer herum fortgesetzt. Neben den Grabungen in den Tiefen der Kolonie.

Für kurze Zeit wurden sogar an anderer Stelle im Formicarium Grabungen durchgeführt. Unter einer Zierwurzel unweit des Nestes wurden gestern 3 Eingänge und eine kleine Kammer gegraben. Im Laufe des Tages wurden diese Arbeiten jedoch abgebrochen. Was der Zweck dieser Grabung war und ob sie fortgesetzt wird weiß ich nicht zu sagen. Benutzt wird diese neue Kammer jedoch nicht.

Durch die intensiven Aktivitäten ist der Verbrauch an Honig- und Zuckerlösung gewaltig angestiegen. Innerhalb eines Tages sind beide Näpfe leer. Ständig sind Arbeiterinnen damit beschäftigt an den Näpfen zu tanken und die Lösungen in die Kolonie zu bringen. Dabei wird mittlerweile kein Unterschied mehr zwischen Honig und Zucker gemacht. Im Moment wird auch viel an der Wasserstelle getankt. Ich besprühe die Sandoberfläche auch alle 2 bis 4 Tage mit einem Wasserzerstäuber.

Der Grund für die verstärkten Bauarbeiten liegt wohl auf der Hand. Die Kolonie ist zu dieser Zeit des Jahres ( und als Jungkolonie sowieso ) in der Expansionsphase. Mehr Arbeiterinnen bedeuten das mehr Brut versorgt werden kann. Beides, mehr Arbeiterinnen und mehr Brut, brauchen natürlich mehr Platz. Zudem müssen ausreichend Kammern für alle klimatischen Bedürfnisse geschaffen werden, die die entsprechend benötigte Ausgewogenheit zwischen Feuchtigkeit und Wärme bieten.
Und ich darf ohne Bedenken sagen das die Kolonie rapide wächst.
Ich habe mir mal die Mühe gemacht die Puppenhüllen, die auf der "Müllkippe" und im ganzen Formicarium liegen einzusammeln. Dann habe ich alle Puppenhüllen mit dem "schwarzen Köpfchen", das allen Ameisenliebhabern wohlvertraut ist, aussortiert und gezählt. Da Cataglyphispuppen recht groß sind war das keine sehr anstrengende Arbeit.
Dem zu folge sind mindestens 58 Arbeiterinnen geschlüpft. Die Zahl der Tiere müsste also, wenn man die angelieferten Arbeiterinnen mitrechnet und eine kleine "Dunkelziffer" an geschlüpften Tieren addiert, irgendwo zwischen 70 und 80 liegen.

Es fällt auf, das die Kolonie anfangs recht viele große Arbeiterinnen produzierte ( was an den Puppen und Larven in der bekannten Kammer unschwer abzulesen war ). Im Moment hingegen werden recht kleine Arbeiterinnen in großer Zahl produziert. Ihre Größe variiert etwa zwischen ca. 6 mm und 1 cm. Es ist zu beobachten das der Großteil der Tiere die Arbeiten wie Brutpflege und Graben übernehmen, aus eben solchen Arbeiterinnen besteht. Jagd und Lösung tanken hingegen wird größtenteils von Arbeiterinnen übernommen die Größen von ca. 1,2 cm bis 1,8 cm erreichen. Das will mir logisch erscheinen. Kann eine große Arbeiterin doch wesentlich mehr Lösung speichern und größere Beute erjagen und transportieren als eine kleine. Würden kleine Arbeiterinnen solche Aufgaben übernehmen, würden für eine einzelne Aufgabe mehr Tiere gebraucht. Das wäre eine Verschwendung wertvoller Arbeitskraft. Beim graben oder der Brutpflege in den engen Gängen und Kammern der Kolonie mögen sich kleinere und flinkere Tiere auszahlen. Zudem ist eine Jungkolonie am Anfang verwundbar und braucht einen sicheren Nahrungsnachschub. Da macht es Sinn, vor den kleineren erst mal größere Arbeiterinnen zu produzieren die leichter verteidigen und jagen können. Soweit meine Theorie.

Da es im Moment nur so wuselt im Formicarium, gibt es viel zu sehen. Ich werde weiter beobachten und alsbald hier wieder berichten.

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