von earlant » 11. Jul 2007 09:39
Da es immer wieder Verständnisprobleme gibt:
In den USA ist es gestattet, Königinnen und komplette Kolonien innerhalb eines Bundesstaates zu verkaufen oder sonst wie zu verteilen (also innerhalb von Texas, oder Maine, oder California usw.).
Es ist gestattet, Arbeiterinnen ohne Königin(nen) auch über die Staatsgrenzen hinweg zu verkaufen. Das wird in sehr großem Umfang gemacht für die Bestockung der diversen Ant Farms, die es in jedem Kaufhaus gibt (Uncle Milton’s, Gelfarmen usw.). Meist kauft man zu der Farm einen Gutschein, den man an eine Firma schickt, die dann die Ameisen liefert. Die Ameisen sterben dann halt vor sich hin, ohne Nachkommen in die Freiheit entlassen zu können.
Es ist nicht gestattet, lebende Ameisenköniginnen über die Grenzen der Bundesstaaten hinweg zu transportieren, zu verkaufen usw., also weder rein noch raus, auch nicht von/nach Übersee..
Sondergenehmigungen können erteilt werden, allerdings in aller Regel nur für Forschungszwecke, oder für Zoos, nicht für private Haltung. Das Procedere ist relativ umständlich, der Antragsteller muss vertrauenswürdig sein, in der Regel mit einer US-amerikanischen Forschungseinrichtung kooperieren..
Vergleichbar wäre es, wenn bei uns in der BRD der Ameisenhandel im Bundesland Berlin, oder im Freistaat Bayern usw., uneingeschränkt erlaubt wäre, aber nicht z. B. Versand von Berlin nach Bayern oder von Bayern nach Niedersachsen usw.
Das US-Gesetz verhindert die schlimmsten Auswüchse des internationalen Handels mit lebenden Ameisen. Leider verhindert es nicht die Ausbreitung dort bereits invasiv gewordener Ameisenarten wie
Solenopsis invicta (Fire ants)
Tetramorium tsushimae
Linepithema humile (Argentine ant)
Monomorium pharaonis (Pharaoameise)
Und andere.
Auch die in den NO der USA eingeschleppte europäische Myrmica rubra breitet sich “von alleine” weiter aus (wird in USA als “European fire ant” bezeichnet).
Es ist das grundsätzliche Problem mit eingeschleppten Ameisen und anderen Organismen: Wenn sie erst mal Fuß gefasst haben, ist ihr „Siegeszug“ durch nichts mehr aufzuhalten!
Schlimmstes Beispiel in den USA ist Hawaii (die Inselgruppe ist ja ein amerikanischer Bundesstaat): Dort gab es ursprünglich keinerlei soziale Insekten, weder Ameisen, noch Honigbienen oder Wespen, nicht eine einzige Art!
Inzwischen gibt es (letzte mir bekannt gewordene Zahl) bereits 48 Ameisenarten! und natürlich die Honigbiene (absichtlich angesiedelt) sowie einige Wespenarten.
Die konnten keine einheimischen Ameisen ausrotten, aber sie haben von der einzigartigen Fauna mit Hunderten von endemischen (NUR dort vorkommenden!) Arten anderer Insekten bzw. Arthropoden nicht viel übrig gelassen.
Merke: Jede einmal ausgerottete Art ist nicht ersetzbar, ist ein Verlust an Diversität, an ökologischer Stabilität, an möglicherweise nutzbaren „Inhaltsstoffen“ (Medikamente, Bekämpfungsmittel usw.), und an Evolutionspotenzial (aus einer ausgestorbenen Art können keine weiteren, anders angepassten Arten entstehen).
Das sollte man sich bei allen Diskussionen über Importe nicht-einheimischer Arten bzw. Exporte einheimischer Arten in andere Länder vor Augen halten. Und das betrifft nicht nur die Händler, sondern ebenso die „Urlauber“ und sonstigen Privathändler und –importeure, die sich klammheimlich freuen, wenn sie wieder mal den Behörden ein Schnippchen geschlagen haben: Den möglichen Schaden tragen wir alle!
Es ist durchaus verständlich, dass die US-Amerikaner den lockeren Umgang unserer Behörden mit Exoten-Importen mit Neid betrachten. Ich begrüße die Haltung der im Antfarm's Message Board Verantwortlichen, die jeden aufkeimenden Versuch zur Missachtung des Gesetzes gleich massiv unterbinden (mir ist die amerikanische Ameisenfauna ebenso wertvoll wie die deutsche und wie jede andere irgendwo heimische Fauna!).
Es ist sehr zu begrüßen, dass Uta im englischen Antstore-Forum gleich klar gemacht hat, dass dieses Forum keine Ausweich-Plattform sein darf, über die nun illegaler Ameisenhandel mit USA angebahnt werden sollte.
MfG
Earlant