Hallo zusammen!
Ich bin Lehrer an einer Förderschule und würde gerne das Thema "Ameisen" als Beispiel Staatenbildender Insekten erarbeiten.
Nach sehr viel Recherche nun meine Frage: Welche Ameisenart würde sich besonders hierfür eignen. Wichtig ist mir u.a., dass man die Ameisen auch gut betrachten/beobachten/untersuchen kann (also eher eine größere Ameisenart); beispielsweise Erkennender Dreigliedrigkeit des Körperbaus, Anzahl der Beine, Kauwerkzeuge, Facettenaugen usw. Sie sollten auch so pflegeleicht sein, dass sie von meinen Schülern gepflegt werden können und einem evtl. auch kleine Fehler verzeihen. Gut wäre sicher auch ein gutes Fortpflanzungsverhalten, so dass sich dies im Laufe des Schuljahres beobachten ließe.
Lasius n iger erscheint mir eher kleiner. Gibt es Vorschläge?
Danke im Voraus,
Christian
Ich persönlich würde dir eine wie du schon gesagt hast größere Art empfehlen.
Allerdings dürfte es bei dem Erkennen der Facettenaugen schwer fallen bei vielen hiesigen Ameisen Arten.
Auch die Winterruhe wäre sehr hinderlich meiner Meinung nach.
Ich würde persönlich eine exotische Art empfehlen, viele sind so einfach oder teils einfacher zu pflegen als hiesige Arten.
Vermehren sich oftmals auch schneller. Das Problem ist, dass je größer eine Ameisen Art ist, deste länger braucht sie oftmals in der Vermehrung.
Eine große exotische und pflegeleichte Art wäre Diacamma, die Vermehrung ist da nicht ganz so schleppend wie bei anderen Arten. Der Nachteil ist aber, dass sie keine Königin haben sondern eine begattete Arbeiterin die Eier legt (stark vereinfacht formuliert).
Willst du unbedingt eine Heimische Art würde ich eine Formica fusca Kolonie mit mehreren Gynen empfehlen.
Willst du eine einhemische oder exotische Art haben?
Danke für die schnelle Antwort.
Einheimische Arten sind für Schüler nat. "greifbarer". Wenn ich denen von Ameisen erzähle, die aus Brasilien kommen werden sie sich fragen, was das mit ihnen zu tu hat ;-). Dies wäre eher der Notfallplan.
Eine Königin ist natürlich Pflicht, da ich ja auch die Größenunterschiede und verschiedenen Aufgaben darstellen möchte.
Das Thema Winterruhe bei der Haltung von Ameisen ist mir leider sowieso etwas unklar, da ich sehr unterschiedliche Meinungen lese. Die einen sagen, man sollte ihnen dies zwischen November-März definitiv bieten, die anderen sagen, Winterruhe sei bei einigen Arten nicht nötig (wobei ich da nicht weiß, WO sie nötig ist).
Grüße,
Christian
Also für eine Schulklasse würd ich dir auf keinen Fall eine exotische Art empfehlen, da diese meist ein bestimmtest Klima, oft mit hoher Luftfeuchtigkeit und hohen Temperaturen, brauchen.
Für diesen Fall rate ich dir wirklich eine robuste Art wie die Lasius n iger, oder Messor b arbarus, welche sogar Körner für ihre Nahrung verwenden und somit leichter zu pflegen sind, wie zum Beispiel die Diacamma, welche Lebendfutter benötigt, da diese eine räuberische Ameisenart ist.
Edit: Winterruhe erkennst du, wenn die Eier und Larvenproduktion stark zurückgeht, oder sogar bis gar nicht. Dann sind sie bereit "gekühlt zu werden". :)
Aus eigener Erfahrung mit solchen Projekten kann ich sagen, dass man dafür nicht nur leichte Anfängerarten benötigt, sondern auch ein großes Maß an Vorbereitung, über ein Jahr...
Es muss viel Arbeit investiert werden und zwar größtenteils von den Betreuern.
Als die widerstandsfähigste Anfängerart hat sich Lasius niger erwiesen, Lasius flavus und Myrmica sp. waren dem ganz offensichtlich ungünstigen Klima öffentlicher Räume einfach nicht gewachsen, zu trocken und bei jedem Ausbruch konnte man Leichentepiche draußen sehen...
Edti: eine Königin ist unerlässlich, da sie das fortpflanzungstechnische Zentrum der Kolonie ist!
Naja, ein Jahr werde ich mir wohl kaum Zeit lassen können, vor allem da ich nicht wüsste, was ich ein Jahr lang vorbereiten soll ;-)!? Ich möchte ja möglichst viel mit den Schülern gemeinsam erarbeiten und aufbauen und kein fertiges "Paket" anbieten. Außerdem hab ich schon ein wenig Vorerfahrung, da ich vor einigen Jahren auch mal Ameisen gehalten habe, aber nicht ernsthaft.
Messor b arbarus hört sich interessant an, da die Einlagerung der Körner und Erstellung des Ameisenbrotes beobachtet werden kann. Und Ausbruch wäre schlecht; dann bekomme ich Ärger vom Hausmeister ;-)
Edti: eine Königin ist unerlässlich, da sie das fortpflanzungstechnische Zentrum der Kolonie ist!
Ich denke das war auf Diacamma bezogen.
...wie zum Beispiel die Diacamma, welche Lebendfutter benötigt, da diese eine räuberische Ameisenart ist.
Das wüsste ich. Füttere meine Diacamma nur mit toten Heimchen oder überbrühten Tieren. Diacamma sind extrem pflegeleicht, mir ist nicht bekannt, dass sie jemals totgepflegt wurden, sie sind einfach oft unbegattet.
Messor barbarus habe ich tatsächlich komplett vergessen, da ich sie nicht besonders mag. Messor Arten wären tatsächlich geeignet, du kannst aber auch Messor Arten ohne Winterruhe nehmen, diese vermehren sich auch wegen der fehlenden Winterruhe ununterbrochen.
Das Problem ist, dass Ameisen sich nicht wie Ungeziefer vermehren, eine kleine Kolonie bleibt eine ganze Zeit klein, bis sie dann quasi durchstartet und rasch größer wird - es braucht mindestens ein Jahr, bis eine Gründerin mehr als nur eine Hand voll Pygmäen hervorgebracht hat!
Du hast geschrieben, du hättest schon etwas Erfahrung mit Ameisen, welche?
Es ist nämlich ein gewaltiger Unterschied, ob man eine Königin oder eine Kolonie gründen lässt und diese erfolgreich zum Wachstum bringt,
oder ob man einfach nur ein paar Arbeiterinnen von draußen nimmt, sie in einen Behälter sperrt und dann bis zum letztlichen Sterben dahinvegetieren lässt!
Ich möchte auch gar nicht erreichen, dass sie sich wie Ungeziefer vermehren; das wäre auch nicht im Sinne einer realistischen Unterrichtsreihe. Es geht mir um Langzeitbetreuunug, Verantwortungsübernahme, Langzeitbeobachtung, Respekt vor Natur und Tier und um Berührung mit außergewöhnlichen und doch alltäglichen Tieren. Und das soll auch das ganze Schuljahr durch zum Langzeitprojekt werden!
Ich hatte mal Ameisen mit Königin; aber nur in so einer Kinderameisenfarm, die ich auch heute noch habe. Zuerst wollte ich diese auch nutzen; doch nach eingehender Sachanalyse habe ich mich bewusst dagegen entschieden. Leider fehlt es mir daher an wirkliches Praxis. Nur Lesen macht mich zu keinem guten Ameisenhalter ;-). Aber ich denke, dass sich das lohnen kann. Und ich denke, ich werde auf Messor b arbarus zurückgreifen. Ich glaube, diese Art ist recht interessant!
Nunja, sieh mal nach draußen: die dominanten, wirklich gut funktionierenden Ameisenkolonien haben tausende Tiere und starke Vermehrungsraten, immerhin erlangen sie ja auch erst durch ihre starke Präsenz einen solchen Ökologischen Wert!
Interessant können zwar alle Ameisenarten sein, aber ich glaube du überschätzt die Aktivität einer kleinen Kolonie von zwanzig bis fünfzig Tieren gewaltig!
Wenn die nicht gerade am Verhungern sind, wird kaum fouragiert, eher ein introvertiertes Verhalten an den Tag gelegt...
Aber immerhin sind Messor barbarus ja recht kostengünstig im Shop zu bekommen, da musst du dann aber auch mit Heizanlagen arbeiten!