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ElLatinoRusso: Re: Meine 1. Farm- Camponotus ligniperdus und typische Fehler (25. Jul 2013 14:34)

Nachdem ich nun meine Erfahrung gesammelt habe und die erste Kolonie leider eingegangen war, hab ich ein 3/4 Jahr gewartet und habe mittlerweile einen 2. Versuch gestartet- ebenfalls mit der Camponotus l igniperdus :)

Die Farm habe ich zuvor mit warmen Wasser gereinigt und neu befüllt. Anschließend eine Kolonie von einer Königin + 8 Arbeiterinnen gekauft. Die Farm hat aktuell 26-29° und eine Luftfeuchtigkeit von 50-60%.
Nach dem ich leider wieder den Umzug aus dem Reagenzglas in das Verbindungsrohr verpasst habe (immer wenn ich nicht da bin, sind die Ameisen in Umzugslaune) haben sich die Ameisen wieder (s. 1. Kolonie) im Verbindungsrohr eingenistet. Diesmal hab ich jedoch nicht eingegriffen und weiß nicht, wie man es schafft, dass die in die Farm einziehen. Diese ist relativ trocken und mit einer Sand-Lehmmischung befüllt.
Das erfreuliche: Nach 8 Wochen habe ich mittlerweile 20 Arbeiter und eine Majorameise.
Zum Essen gibt es neben dem Honigwasser hin und wieder einen Mehlwurm. Dieser wird dann in das Verbindungsrohr reingetragen, der letzte landetet leider dann im Formicarium, wo er anfing zu schimmeln. Konnte den rausnehmen, was jedoch aufgrund der Enge (Formicarium m) nicht so einfach war.
Anfang der Woche haben die einen Wurm verspeist, seit 2 Tagen liegt jedoch der neue Mehlwurm unbeachtet in der Futterschale. Interessant finde ich, dass Honigtropfen im Rohr angebracht wurden.
Deshalb meine Frage: gibt es eine Faustregel was Mehlwürmer angeht? 1 pro Woche oder so? Mir ist klar, dass man es auch abhängig von der Koloniegröße machen muss aber generell, kann man da sich festlegen bzw. soll man den Wurm zerkleinern?

Weitere Fragen: wie schafft man es, dass diese Art anfängt zu graben/ aus dem Rohr auszieht. Fände es schade, wenn sie nur im Rohr bleiben- dass das Graben möglich ist, hab ich an der letzten Kolonie gesehen.
Bin für Feedback Tipps offen!

Was ich auf jeden Fall gelernt hab: Geduld zahlt sich aus :)

LG ElLatinorusso

Sojave: Re: Meine 1. Farm- Camponotus ligniperdus und typische Fehler (25. Jul 2013 17:23)

Hi, versuche mal etwas zusammenzufassen.

1. Honig selber schimmelt schwer, vertrockent eher. Doch sobald Wasser oder Futterreste mit reingelegt worden, kann es schön schimmeln.

2. Müssten Eier sein. Diese Art legt Eipakete übrigends in Schüben.

3. Wünsche dir viel Erfolg mit dieser Kolonie. Diese Art ist sehr toll und auch für Einsteiger geeignet, doch selbst dieses Jahr gibt es gefühlt viele Probleme und gescheiterte Haltungen. Meist ist Ungeduld mitverantwortlich.

4. Camponotus lignperdus und einige andere Arten nutzen den Schlauch sehr oft als längere Zwischenlösung. Ein Nachhelfen bei Umzügen ist immer fragwürdig, je nach der Methode extrem schädlich. Dazu kommt der Stress, den Königinnen nicht verkraften. Wenn sie selber nicht umziehen, scheint etwas mit den Alternativen nicht zu passen. Sie dann noch in eine Farm zu scheuchen, die sie eigentlich nicht annehmen, ist kontraproduktiv.

5. Selber nutze ich immer die Farmen als Nestvariante. Gefüllt mit Sandlehm. Vorbereitet werden sie, indem ich so hoch Wasser reinschütte, wie der Sand später hoch sein soll (Höhe der Anschlüsse -1cm). Dann den Sand vorsichtig rein, damit er richtig dicht wird, da das Wasser alles schön zusammen drückt. Danach Restwasser abschütten und paar Tage in der Sonne ohne Deckel trocknen lassen. Drainagen ect benutze ich nicht. Einfach mit einer Spritze alle paar Wochen nach Gefühl (das haste schnell raus) durch den 2ten Schlauchanschluss oder den Deckel leicht anheben. Das Thema der Bewässerung scheint immer sehr ernst genommen zu werden und meistens ist total überzogen oder dann Teil des Problems. Meine graben selbst an den sehr harten und trockenen Stellen.

6. Versuche verschiedene Sorten Honig in flüssiger Form oder mit Wasser verlängert. Neulich nahmen meine die Mischung nicht an und hab dann nachner Woche mal eine andere daneben gestellt und alles hat sich darauf gestürzt, obwohl beides frisch war. Mehlwürmer mögen meine gar nicht, egal wie. Wenn ein frisch gefangenes Futtertier nach einem Tag nicht angenommen wurde, dann direkt entfernen. Die Brut braucht enorm viel Proteine, besonders um Majore hervorzubringen. Meine satt zu bekommen, ist nur mit ner Madenpackung vom Angelfachgeschäft zu schaffen. Faustregeln sind unmöglich. Immer man rin, solange sie annehmen und es nicht im Nest rumliegt.

7. Um den umzug herbeizuführen: Einfach das Nest attraktiver machen. Komplett abdunkeln, eventuel Heizmatte ne Stunde anmachen( Wärme ist sehr beliebt), Feuchtigkeit ggf. reduzieren. Sie gräbt auch sehr gern, wäldliche Gegebenheiten sind nicht nötig.

8. Geduld ist bei Camponotus wohl generell wichtig. Eine Gründungskolonie von Camponotus ligniperdus braucht ewig und geht erst im dritten Jahr gut ab. Die Entwicklung vom Ei zur fertigen Arbeiterin dauert zudem mit am längsten.

edit: 9. Sie hat einen eigenen Jahresrytmus und fängt von selber an in die Winterruhe zu gehen, auch wenn der Halter versucht mit gleicher Temperatur gegenzuwirken. Arten, die in der Natur eine Winterruhe machen, sollten in der Haltung unbedingt auch eine haben. Kühlschranktemperaturen von höchstens 7°C, besser ca. 0-3°C. Schäden und Gründe für ein Sterben der Kolonien sind meistens schwer zu klären, jedoch kann ein ausbleiben der Winterruhe auch erst später Folgen haben.

Viel Erfolg und Spass!


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