Gib’ einer Ameise auf Besuch einen schönen Platz ...

Hier können wissenschaftliche Informationen zu Ameisen eingetragen werden.

Gib’ einer Ameise auf Besuch einen schönen Platz ...

Beitragvon Stefan_K » 24. Nov 2005 11:19

Quelle (Originaltext): Hyperlinks sind nur für registrierte Nutzer sichtbar

Aufgrund eines Postings auf der Ameisenwiki habe ich mir die Mühe gemacht, den dort zitierten und angeführten Text einmal komplett in's Deutsche zu übersetzen - dabei ging es mir um eine neutrale und interessenlose Übersetzung. Lässt man einiges weg, und legt den Schwerpunkt auf wenige Punkte des Originaltextes, dann kann der Text auch anders verstanden werden. Deshalb hier eine Übersetzung, bei der ich mich bemüht habe, die Hauptaussage des Textes nicht zu verfälschen, bzw. zu interpretieren. Das überlasse ich den Lesern. Der Originaltext ist über die oben genannte Adresse einsehbar.

Wichtig:

Zwei wichtige Passagen habe ich mir erlaubt kursiv zu stellen - diese habe ich entsprechend als von mir Hervorgehoben markiert. Leider wurde diese Passage nur unvollständig übersetzt auf der Ameisenwiki wiedergegeben, wodurch der Sinn der Passage verändert wurde. Die Betonung der entsprechenden Passage liegt nämlich auf "Conventional thinking says [...] but new findings [...] suggest that opportunity alone is no guarantee of a successful invasion." Auf der Ameisenwiki wurde daraus: "Klar steigt die Anzahl der Ansiedlungs-„Erfolge“ mit der Häufigkeit der Einschleppung einer Art." Das ist schlicht und ergreifend völlig falsch übersetzt und steht so nirgendwo im Originaltext!

Ich hoffe, dass nicht immer so schlampig und sinnentstellend übersetzt und dies dann einer Öffentlichkeit präsentiert wird, die eventuell auf Übersetzungen angewiesen ist. Wenn schon, dann doch bitte vernünftig, vollständig und, soweit es die deutsche Sprache im Vergleich zum englischen Original zulässt, exakt.

Diskussionen zum Thema bitte in einem separaten Thread unter 'Diskussion und Fragen allgemein' - nicht hier in diesem Thread!

Gib’ einer Ameise auf Besuch einen schönen Platz zum bleiben, und es kann sein, dass sie für immer bleibt. Give a visiting ant a nice place to stay and it might stick around.

Von Jim Barlow (News Bureau, University of Illinois at Urbana-Champaign) - übersetzt von Stefan_K - ANTSTORE FORUM

Viele Insekten werden aus Versehen in die USA 'per Anhalter' mit verschiedenen kommerziellen Pflanzenimporten eingeschleppt, doch wie viele bleiben für immer?

Die üblichen Annahmen sagen [Hervorhebung von mir, Stefan_K], die Antwort auf diese Frage lässt sich aus der Anzahl und der Häufigkeit der ‘Eindringenden’ Insekten finden, aber neuere noch zu veröffentlichende Erkenntnisse kommen zu dem Ergebnis, dass die Gelegenheit selbst keine Garantie für eine erfolgreiche Invasion ist [Hervorhebung von mir, Stefan_K].

Von den 232 Ameisenarten die über die US amerikanischen Häfen zwischen 1927 und 1985 eingeschleppt wurden, haben sich 28 Arten als nicht natürliche Arten etabliert (12 Prozent); dies wird von Wissenschaftlern dreier Universitäten berichtet. Ihre Arbeit wird diese Woche online in der ‘PNAS Early Edition’ erscheinen. Ein wichtiger Faktor für den Erfolg invasiver Arten waren deren Nestpreferenzen.

„Eine riesige Anzahl von Arten werde hin- und herbewegt ohne dass sie sich irgendwo etablieren können, also kann allein die Gelegenheit nicht ausreichend sein“, sagt Andrew V. Suarez, ein Professor am Institut für Entomologie und Tier Biologie an der Universität Illinois in Urbana-Champaign. „Das macht Sinn, denn viele dieser Arten haben spezifische biologische Charakteristiken die ein Etablieren in einer neuen Umgebung verhindern.“
Ameisen die sich erfolgreich in einer neuen Umgebung etabliert haben waren entweder Arten die im Boden, oder Arten die in Bäumen nisten, wober solche Arten nicht auf bestimmte Baumarten angewiesen waren, wie sie in ihrer natürlichen Umgebung vorkommen. Suarez sagt: “Dieser Punkt ist wichtig, denn er hilft uns Charakteristiken aufzuspüren, die den Erfolg einer invasiven Art unterstützen. Weiterhin können solche Informationen von uns genutzt werden um neue Wellen von Eindringlingen davon abzuhalten sich zu etablieren.”
Suarez untersuchte hauptsächlich die Argentinische Ameise, eine aggressive Art die Probleme in Südkalifornien verursacht hat, seitdem sie 1905 eingeschleppt wurde und sich durch große Kolonien erfolgreich festgesetzt hat, die die natürlichen Nahrungsketten stören und überschwemmen.

Seine Arbeit führte ihn zum ‚Smithsonian Institution’s National Museum of Natural History’, wo er einen Schatz unberührter Ameisengeschichte vorfand. In einer Vielzahl von Proben fand er bisher unbestimmte Ameisen welche das ‘U.S. Department of Agriculture’ über das Land verteilt gesammelt und in Quarantäne aufbewahrte. Jede Probe war mit dem Ursprungshafen und mit dem Ankunftshafen markiert. Die Ameisen waren, bevor sie sich etablieren konnten von Pflanzen und pflanzlichen Materialen gesammelt worden, die meisten davon tropischer Herkunft.

Suarez und sein Kollege Phillip S. Ward, ein Professor an der University of California in Davis, haben Jahre damit verbracht 232 verschiedene Arten aus 58 Familien und 12 Unterfamilien aus den 394 Proben die in dem Museum aufbewahrt waren, zu identifizieren. Suarez und Ward haben dann zusammen mit David A. Holway, einem Professor für Biologie an der University of California in San Diego ihre Ergebnisse analysiert.

Von den 232 identifizierten Arten konnten die Wissenschaftler gesicherte Erkenntnisse zu den Nestgewohnheiten zu 156 Arten feststellen. Mithilfe einer logischen Rückverfolgung haben die Wissenschaftler den Einfluß der Anzahl der Importe spezifischer Arten, deren Nestgewohnheiten und deren Zusammenspiel für den Erfolg oder Mißerfolg für ein erfolgreiches Festsetzen einer Art untersucht.

Etwas mehr als die Hälfte der 156 Arten wurden als in Bäumen nistend identifiziert, und nur 14% dieser Arten (vier Arten) haben sich in den USA etabliert; wahrscheinlich deshalb, weil sie nicht von spezifischen Bäumen ihrer ursprünglichen Heimat abhängig waren, stellte Suarez fest.

“Als Gruppe eingeführter Arten sind invasive Ameisen ganz klar sehr wichtig,” sagt Holway. “Beispielsweise sind fünf Arten in der Liste der Top 100 der Höchst-Invasiven Organismen der IUCN (The World Conservation Union) geführt.”

Diese, durch die ‚National Science Foundation’ unterstützte Studie, bietet einen raren Einblick in Erkenntnisse über “fehlgeschlagene Etablierungen einer wichtigen Gruppe von unabsichtlich eingeschleppter Insekten,” führt er weiter aus. “Bis zum heutigen Tag liegen nur wenige Studien zum erfolgreichen Etablieren eingeschleppten Insekten vor, anders als bei Insekten, die absichtlich zur biologischen Kontrolle eingeführt wurden.”

Die drei Wissenschaftler bemerkten auch die die wichtige Rolle der Museen im Hinblick auf die Weiterentwicklung wissenschaftlicher Untersuchungen, und sie drängen auf ein neues Quarantäne Programm um neu eingeschlepptes Material zu sichern.
Zuletzt geändert von Stefan_K am 27. Nov 2005 12:18, insgesamt 6-mal geändert.
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Beitragvon Stefan_K » 24. Nov 2005 23:34

Update 24.11.05 - spätabends:

Leider wird der fehlerhaft übersetzte Text der Ameisenwiki und der DASW nun auf diversen Foren weiterverbreitet. Gerade für andere Webmaster und 'in Auftrag Poster' wäre es angebracht, sich Originaltexte einmal anzuschauen bevor man unüberprüft alles mögliche kopiert und übernimmt.

Das ist wieder einmal typisch, kann ich da nur sagen! Sagt man den verantwortlichen Personen "Springt!": sie werden springen! Auch wenn's verdammt tief ist ...

Gruss.
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