Uraltes Leben in Australien

Ameisenerlebnisse von Reisen oder Exkursionen

Uraltes Leben in Australien

Beitragvon earlant » 19. Nov 2006 21:02

Uraltes Leben in Australien

Bekanntlich ist Australien die Heimat der „ältesten“, urtümlichsten noch lebenden Ameisenart der Erde, der Nothomyrmecia macrops Clark, 1934, treffend als „Dinosaurier-Ameise“ bezeichnet. Bilder z.B. hier:
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Der Name bedeutet „Großäugige Schein-Myrmecia“. Sie ist nachtaktiv, deswegen die großen Augen, und sie sieht den eigentlichen Myrmecia recht ähnlich, so dass man sie Schein-Myrmecia genannt hat. Lebend gibt es nur (noch) diese einzige Art der Gattung. Zeitweilig bildete die Art die einzige Vertreterin einer Unterfamilie Nothomyrmeciinae (Bolton, B. 1995: A New General Catalogue of the Ants of the World), also gleichrangig etwa mit den großen Unterfamilien Myrmicinae oder Formicinae usw..

Später wurde die große Ähnlichkeit von Nothomyrmecia mit der nur fossil bekannten Gattung Prionomyrmex entdeckt, was dazu führte, dass Nothomyrmecia nun mit Prionomyrmex in einer Tribus Prionomyrmecini zusammengefasst wurde. Die Tribus Prionomyrmecini steht jetzt neben der Tribus Myrmeciini (mit den Myrmecia-Arten) in der Unterfamilie Myrmeciinae. Die eigene Unterfamilie Nothomyrmeciinae ist damit verschwunden.: Nothomyrmecia gehört in die Unterfamilie Myrmeciinae. (Nach Bolton, B. 2003: Synopsis and classification of Formicidae, Mem. Amer. Entomol. Inst. 71, 370 p.). Dies ist wichtig, weil man gelegentlich auch eine Synonymisierung der Gattung Nothomyrmecia mit Prionomyrmex antrifft (z.B.: Passera & Aron 2005: Les fourmis, p. 247: „Prionomyrmex (= Nothomyrmecia)“ (vgl. Ameisenwiki).

Wir waren ganz in der Nähe des Ortes, wo um 1931 die ersten beiden Exemplare gefunden worden waren, im heutigen Cape Arid National Park nahe Esperance an der Südküste Australiens. Natürlich haben wir sie nicht gefunden, ebenso wie einige Expeditionen in der Zwischenzeit in dieser Hinsicht erfolglos waren (ich habe auch nicht danach gesucht!). Erst 1978 wurde sie wieder gefunden, allerdings einige tausend Kilometer weiter östlich, „fast“ schon bei Adelaide. Dort hat man sie inzwischen an mehreren Orten entdeckt, so dass intensive Forschung darüber betrieben werden konnte.

Aber die Dinosaurier-Ameise ist nicht die einzige uralte Lebensform auf diesem Kontinent, der nach seinem Abdriften vom „Urkontinent“ Gondwanaland vor ca. 100 Millionen Jahren ein biologisch weitgehend isoliertes Dasein fristete. Es entstand geradezu eine „Parallelwelt“ zum ganzen Rest der Kontinente. So konnten dort die Beuteltiere eine einzigartige „Radiation“ durchmachen, eine Aufspaltung in Formen, die zum Teil verblüffend an entsprechende „höhere“ Säugetiere erinnern (Beutelwolf, Beutelmäuse, Wombat mit Nagezähnen wie ein Hase usw.). Selbst Reste einer noch ursprünglicheren Säuger-„Schicht“ blieben erhalten mit den Eier legenden Ameisenigeln und dem Schnabeltier – Im „Rest der Welt“ haben sich die „moderneren“ Eutheria, die Säuger mit Entwicklung der Embryonen im mütterlichen Körper, durchgesetzt und die älteren Beuteltiere verdrängt.

Aber es gibt noch wesentlich archaischere Lebewesen in diesem uns so fremden Land, oder auch Spuren inzwischen ausgestorbener Lebewesen.

Werfen wir einen kurzen Blick auf Fossilien: Vor 400 Millionen Jahren sind die ersten Tiere an Land gegangen, Verwandte der Spinnentiere und der marinen Schwertschwänze.

(Bild 1): Oberhalb einer Schlucht im Kalbarri NP sind die fossilen Kriechspuren eines solchen Tieres, eines Eurypteriden zu sehen .

(Bild 2): Eine Tafel daneben zeigt das Aussehen und gibt Informationen dazu.

Mehr dazu findet man hier:
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Die Erde ist etwa elfmal so alt, 4500 Millionen Jahre, sie entstand vor etwa 4,5 Milliarden Jahren.
Bereits eine Milliarde Jahre danach, also vor 3.5 Milliarden Jahren, gab es bereits Leben!
In der fast sauerstofffreien Atmosphäre und im Meer hätten keine höheren Pflanzen oder Tiere leben können. Aber bestimmte Bakterien, Cyanobakterien (früher: Blaualgen), hatten die Photosynthese „erfunden“. Mittels Sonnenlicht konnten sie Energie gewinnen und, wie die heutigen grünen Pflanzen, Sauerstoff in das Meerwasser entlassen.
Gegen 2 Milliarden Jahre haben sie gearbeitet, sind gewachsen, haben Kalkriffe aufgebaut, die man weltweit finden kann, haben Sauerstoff produziert, bis der O2-Gehalt der Atmosphäre die heutigen 20 % erreicht hat. Erst dann konnte sich höheres, Sauerstoff atmendes Leben entwickeln.
Das schier Unglaubliche: Aus dieser Zeit vor Milliarden Jahren leben heute noch praktisch unveränderte Nachkommen! Wie seit eh und je wachsen sie im flachen Meerwasser, synthetisieren unter Lichteinfluss Biomasse, geben Sauerstoff ab. Sie sind allerdings heute auf hypersaline Gewässer beschränkt, auf Buchten, in denen ein hoher Salzgehalt konkurrierende höhere Algen und Pflanzen ausschließt.

Insgesamt an drei Orten haben wir in WA solche Lebensformen, im doppelten Wortsinn „live“, beobachten können.

(Bild 3/4): Hier sind wir an einer der berühmtesten Stellen, am Hamelin Pool der Shark Bay.
Ein breiter Steg führt hinaus in die flirrende Hitze über dem Wasser, es ist Ebbe, und da sind sie! Tausende von schwarzen, oft unten verjüngten steinernen Köpfen ragen aus dem Wasser, bilden ganze Pflaster in Ufernähe. Wie sollte man auf die Idee kommen, dass das Lebewesen sind?

(Bild 5): Auf nett gestalteten Informationstafeln lässt man die Pilzköpfe ihre Geschichte erzählen. „Lebende Steine“ sind wir, und so weiter. „Unsere Ahnen erschienen vor 3.5 Milliarden (engl.: „billion“!) Jahren auf der Erde.“ Und: „Seht gut hin bei Flut: Da könnt Ihr unsere Luftblasen sehen!“
Nun, es war Ebbe, und so war es natürlich nichts mit den bubbles....

(Bild 6): Auch an einer zweiten Stelle, nun schon näher bei Perth, bei Pinjarra, war das Bubbeln nicht sichtbar: Zwar war Flut, aber der heftige Wind trieb so viel Schaum über das gekräuselte Wasser, dass man jedenfalls keine Luftblasen aus den dortigen „Pilzköpfen“ aufsteigen sah.

(Bild 7): Fossile Stromatolithen kannte ich ja bereits vorher. Dass es aber noch eine zweite Form gibt, so genannte Thrombolithen, war mir auch neu. Im Prinzip ähneln sich die beiden, aber eine Informationstafel klärt über die Unterschiede im Bau dieser Organismen auf.

(Bild 8 ): Als willkommene Dreingabe trabten dann noch zwei Emus über einen ausgetrockneten Teil der Lagune

Ich hoffe nur, dass Euch diese Erlebnisse auch so viel Spaß machen, wie uns!

MfG, Earlant [
Dateianhänge
01-64 Eurypterid track web.jpg
Bild 1: Kriechspur eines Eurypteriden auf einer Felsplatte (die zwei diagonal parallel verlaufenden Spuren).
02-65 Eurypterid Info web.jpg
Bild 2: Erläuterungen zum Verursacher der Kriechspur, einem Eurypteriden.
03-04 Stromatolites merge web.jpg
Bild 3/4: Stromatolithen in der Hamelin Bay bei Ebbe.
05-130 Stromatolites Info web.jpg
Bild 5: Erläuterungen zum Leben der Stromatolithen.
06-158 Thrombolites web.jpg
Bild 6: Lebende Thrombolithen bei Flut.
07-162 Thrombolites Info web.jpg
Bild 7: Vergleich von Thrombolithen (links) und Stromatolithen (rechts). Die Stromatolithen sind geschichtet.
08-154 Emu web.jpg
Bild 8: Emu
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