Pflanzen im Formicarium

Tipps und Ideen zum Formicarienbau

Pflanzen im Formicarium

Beitragvon Markus » 17. Aug 2010 20:41

Immer wieder kommt im Forum die Frage nach Pflanzen im Formicarium auf, meist will man dies aus optischen Gründen haben oder man möchte Läuse oder Ameisenpflanzen halten, von den Weberameisen und ähnlichen Lebensweisen ganz zu schweigen.
Auf Inseln gehe ich hier nicht näher ein, da sie mir mittlerweile nicht annähernd sicher genug erscheinen!
Ebensowenig auf Blattlauszuchten auf Erbsenkeimlingen, da es sich dabei nicht um dauerhafte Methoden handelt, sondern um eine ständig erneuerungsbedürftes System.
Will man Pflanzen im Formicarium, muss man sich besonders eines vor Augen führen: Pflanzen brauchen Licht, Licht kann das Formicarium durchaus aufheizen... das beste Licht ist immer noch das natürliche Licht von der Sonne, also sollte das Becken mit den Pflanzen am Fenster stehen, so kann man viel Geld sparen und den Pflanzen was gutes tun.
Um die Ameisen nicht zu gefährden sollte man also ein separates Becken wählen, eine zusätzliche Arena, die die Ameisen über Schläuche und/oder Röhren betreten können.

Auf dem Bild könnt ihr einige Möglichkeiten für Pflanzen im Formicarium sehen:
von eins bis sechs sind die Möglichkeiten aufgezeigt, den Ameisen Zugang zu den Pflanzen zu verschaffen, Abd. eins bis zwei zeigt die Abdeckmöglichkeiten für die Formicarien.

Abdeckung eins ist ein Ytongblock (können auch mehrere sein), welcher auf das Terrarium aufgelegt wird, und in welchen Löcher gebohrt werden, welche entweder einer Röhre als Zugang Platz bieten oder mit einem Ameisengitter abgedeckt als Belüftung dienen,
zwischen Ytong und Scheibenrand und Ytong kann man Watte (Filterwatte z.B.) anbringen, um auch kleineren Arten keinen Durchschlupf zu bieten.
Eine sehr luftige Methode, bei der der Deckel natürlich etwas Schatten macht, aber durch sein Eigengewicht gut aufliegt.
Abdeckung zwei ist ein Becken, welches verkehrt herum wie eine Glocke auf einen oder mehrere Ytongblöcke aufgelegt wird, der Zugang ist hier über Löcher von unten gesichert.
Diese Methode ist weniger luftig, dafür mehr lichtorientierter als Abd. eins.

Welche Abdeckung man am Besten benutzt, hängt mitunter von dem Beckentyp ab, welchen man verwendet:

-fangen wir mit der einfachsten Methode an (in der Abbildung das Becken 1), man setzt einfach einen Blumentopf in das Terrarium, einfache Methode, blöd ist nur, dass man bei den meisten Arten die Ameisen im Topf wiederfinden wird, wo man sie praktisch nicht beobachten kann...

-eine weiterentwicklung wäre Becken zwei, wo die Pflanze samt Erde zwar noch im Becken wäre, aber die Erde von Ytong umringt und mit einem für die Ameisen undurchdringlichen Stoff abgedeckt ist (wie bestimmtes Fließ oder Gitter), das ist jedoch nicht immer so einfach, wie es sich anhört, man kann nur begrenzt Bodengrund anbieten und so leicht verändern lässt sich auch nichts, stirbt die Pflanze oder treibt neu aus, muss man alles wieder außeinanderreißen,

--bei beiden Methoden kann man nur mit einem Deckel wie dem Ytongdeckel arbeiten, da man sonst im Nachhinein nichts mehr verändern könnte, weil man kaum mehr an die Pflanzen kommt...

-eine einfachere, aber bessere Methode ist die von Becken drei, hier handelt es sich einfach nur um einen Bodengrund, welcher unter Wasser liegt und so unerreichbar für die Ameisen ist, das Wasser wird bedeckt von Schwimmpflanzen wie Wasserlinsen, Algenfarn, Wasserfarn, Wassersalat, Wasserhiazynten etc., die kleineren Schwimmpflanzen bedecken das Wasser und verhindern ein Ertrinken, die größeren Pflanzen sind die eigentlichen Pflanzen, welche blühen oder Läuse tragen könnten, hier sollte man unbedingt eine luftige Abdeckung wie Abd. 1 verwenden, wegen der Luftfeuchte,

-die Becken vier bis sechs sind dagegen völlig losgelöst von der Erde ;-)
bei Becken vier lässt man über ein Loch, welches mit Watte gesichert wird, eine Pflanze in das Becken wachsen, wie Efeu oder die für Ameisen nützlichen Zaunwicken,
bei Becken fünf ist es dagegen nur der Blütenstiel z.B. bei Orchideen viewtopic.php?f=7&t=14596
bei Becken sechs lässt man einen Ableger in das Becken wachsen, mögliche Pflanzen wären z.B. Erdbeeren,
bei allen drei Möglichkeiten ist der Boden außerhalb des Beckens, hier kann am Boden gearbeitet werden, ohne dass die Ameisen beeinträchtigt würden oder stören könnten,
als Abdeckung bietet sich hier die Glockenmethode an, hier kann man die Pflanzen durch Löcher im Boden eindrigen lassen, so dass es etwas natürlicher wirkt, eine zu hohe Luftfeuchte bildet sich wahrscheinlich nicht so schnell, wie bei der halbaquatischen Methode.

Etwas sporadisch der Text, aber vielleicht hilft er ja dem einen oder anderen User...
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Re: Pflanzen im Formicarium

Beitragvon Markus » 4. Sep 2010 23:00

Hier möchte ich eine von mir verwendete Methode für die Schwimmwasserpflanzenhaltung vorstellen:
das Problem mit Schwimmpflanzen ist, dass man keinen normalen Boden verwenden kann, weil Aquariensubstrat äußerst teuer und meist zu nährstoffarm ist, man könnte zwar Torf verwenden, aber wir wollen ja nicht allzusehr bei der Zerstörung der Moore helfen!
Um Nährstoffe anzubieten, belege ich den Boden des Beckens mit verschiedenen Pflanzenteilen, welche dann verrotten und Nährstoffe abgeben, am Boden gehalten werden sie mit Sand,
auf den Bildern habe ich zunächst Binsenstücke (ausreichend Struktur und Luft für den Anfang),
dann Unkrautstücke und Kleeteile (wegen des Stickstoffs),
und darauf dann groben Sand,
das ganze sollte nur wenige cm hoch sein, genau so wie der Wasserstand nicht zu hoch sein sollte, damit auch kleinere Pflanzen wie Wasserlinsen, Wasserfarn und Algenfarn bis zum Boden reichen können.
Die Pflanzenteile sind natürlich ohne Insektizide, um nix zu riskieren!

Ich betone hier ganz klar, dass das nicht viel mit der eigentlichen Aquaristik zu tun hat, da sich hier ein starkes Algenwachstum einstellen kann und wird, es geht uns dabei nur um die Schwimmpflanzen!
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Re: Pflanzen im Formicarium

Beitragvon Markus » 2. Okt 2010 22:15

Hier noch eine Möglichkeit, die ich am Anfang ganz vergessen habe: Aufsitzerpflanzen!
Aufsitzerpflanzen wie beispielsweise Tillandsien brauchen nicht zwingend Bodengrund (ja, größere Pflanzen anderer Arten wie Orchideen oder manche Bromelie schon, aber reden wir doch lieber von Tillandsien ^^), sie sitzen auf einem Untergrund auf, müssen dort lediglich festgemacht werden und regelmäßig besprüht.
Ich habe schon gute Erfahrungen mit einigen Tillandsien gemacht, bei mir persönlich wachsen die nicht grauen sehr gut, damit meine Ameisen Zugang haben, habe ich ihnen aus einem alten, zerkratzten Plastikbehälter was gebastelt:
Zunächst habe ich drei große Löcher gebohrt, ein kleineres im Deckel, zum leichteren Besprühen, eines oben in der Wand, damit dort Luft reinkommt und eines im Boden, damit überschüssiges Wasser abfließen kann.
Letztere zwei Löcher wurden mit feinem Edelstahlgitter abgedeckt, als Verdunstungsoberfläche noch ein paar kleine Kieselsteine rein und ein Untersetzer, um keine zu große Sauerei zu veranstalten, das Loch im Deckel wurde mit einem großen Acrylglasrohr versehen, welches leicht zu öffnen, da nur mit Watte verstopft, ist und weniger Ausbrüche riskiert (man muss nicht mehr den ganzen Deckel abnehmen, um zu sprühen.
Weitere Löcher als Zugänge sind mit Acrylglasröhren versehen, an welche leicht ein Schlauch angesteckt werden kann, nach innen sind die Röhren angeschrägt gesägt worden, damit nicht zu viel Wasser in die Röhren läuft.
Das Holzstück muss ich noch etwas kleiner machen, damit es gut reinpasst und dann setze ich die Tillandsie einfach rein, durch die Wände dürfte das Exemplar, welches mir vorschwebt, genügend Halt haben.
Viel Spaß mit den Bildern!
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Re: Pflanzen im Formicarium

Beitragvon Markus » 10. Feb 2011 18:45

Zunächst ein kleines Update zum Beitrag hier drüber, in dem Gefäß ist jetzt eine Tillandsie.

Die drei Bilder darunter zeigen eine andere Idee:
eine Sphagnumfarm Hyperlinks sind nur für registrierte Nutzer sichtbar
Sphagnum ist ganz normales Torfmoos, das habe ich aus meinem Moorbeet (nicht aus dem Moor, also der Natur, das ist verboten!) genommen,
indem ich dort die "Köpfe" abgeschnitten habe und hier eingestreut, im Beet wächst das nach und hier wächst es "an", es ist nicht, wie im Link zu sehen gehächselt worden, dafür hatte ich nicht genug Material,
außerdem habe ich eine hauchdünne Schicht alten Schwarztorfs an den Boden gestreut, als sanften Dünger.
Das ist zwar auch nicht unbedingt nötig, aber die Anlage soll ja sehr lange ohne Eingriffe halten, da sonst die Ameisen abhauen könnten...
Den Deckel werde ich noch anders gestalten und ameisensicher, sowie luftdurchlässig machen (download/file.php?id=19358&mode=view) und noch ein paar andere kleine Umbauten vornehmen, aber das Prinzip sollte klar sein: Ameisen können nicht graben, weil kaum Boden vorhanden ist und der ist auch noch unter Wasser, dafür gibt das Moos viel Oberfläche und die Tiere haben Zugang zu Pflanzen!

Edit: oh ach ja, manchmal findet man Sphagnum (vorwiegend aus Südafrika) im Baumarkt bei den Orchideen, wichtig ist lebendes Sphagnum (Torfmoos), totes und vertrocknetes Zeug kann man kaum wieder zum Leben erwecken!
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Tillandsie
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Sphagnumfarm gerade eingerichtet
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Vogelperspektive
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Fensterplatz
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Re: Pflanzen im Formicarium

Beitragvon Markus » 26. Sep 2011 11:28

Habt ihr euch schon gefragt, wie sich das Sumpfaquarium entwickelt hat,
das ich im zweiten Beitrag hier vorbereitet hatte?
Nun, eine ganze Zeit hat es vor sich hinvegetiert, einige Monate später gelang es mir, Wasserlinsen zu etablieren,
da gab es im Becken schon ein kleines Ökosystem mit Algen und Wasserflöhen,
es dauerte jedoch eine ganze Zeit, bis sie wirklich wuchsen.
Nach und nach gab es mehr Vegetation, ein Wassersalat gesellte sich hinzu,
ich setzte Spitzschlammschnecken ein (um die Algen klein zu halten) und das System wuchs.
Schließlich war das Becken von Wasserlinsen bedeckt, diese haben allerdings den Nachteil, dass sie die Wasseroberfläche nicht schön bedecken, es gibt viele Lücken, Wasser, das durchdringt und die langen "Wurzeln" (echte Wurzeln sind es nicht, wenn ich mich recht entsinne) verhaken sich gerne, was wiederum zu Problemen bei Eingriffen des Halters führt.
Um dieses Problem zu beheben, habe ich Algenfarm eingesetzt, welcher das Wasser dichter bedecken kann und wasserabweisend ist, sodass damit nicht zu viele Trittlöcher für die Ameisen bleiben.
Mit der Zeit breitete er sich aus und verdrängte nach und nach die Linsen,
ich vermute, dass sich erst die organischen Materialien in der Bodenschicht auflösen mussten, um genügend Nährstoffe für die Pflanzen bereitzustellen.
Zweifellos sollte man mit so etwas bei sehr kleinen Ameisen immer noch vorsichtig sein, aber für größere Ameisen wie Camponotus sp. dürfte es gut funktionieren (was ich allerdings erst im nächsten Jahr probieren kann), legen die Tiere auch noch ihren Müll in dieses Becken, so wird dieser überwachsen und verschwindet und man hat eine kleine Düngung, außerdem können sie hier Wasser bekommen, sodass man sich für größere Kolonien zumindest die Tränke sparen kann!

Hier im Beispiel ist ein Wassersalat zwischen den kleineren Schwimmpflanzen zu sehen (zwischen dessen Blättern sind noch eineige Reste der verdrängten Wasserlinsen zu sehen, bald werden auch sie vom Algenfarn überdeckt - immerhin sind diese Pflanzen an unsere Winter angepasst, werden also noch in Wasserbehältern draußen überstehen ;-) ), auch möglich wären andere Schwimmpflanzen, Wasserhyazinten und kleine Seerosen wären möglich, natürlich eher in einem größeren Becken, deren Blüten dürften dann den Speiseplan der Tiere erweitern, auch der Wassersalat hat schon Blüten... wobei ich nicht weiß, ob hier auch für Ameisen erreichbare Nektarien enthalten sind...

Nun, es liegt im Bereich des Möglichen, solch eine Arena anzubieten und damit Pflanzen für die Ameisen, ohne Boden, in welchem die Tiere sich verstecken, das wollte ich damit zeigen!
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Ein Blick von Außen.
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Der Wassersalat mit Wasserlinsen und Blüten.
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Schließlich der Algenfarn, die begehrte Pflanze - schön dicht ist der Teppich ja jetzt bereits!
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Re: Pflanzen im Formicarium

Beitragvon Markus » 29. Sep 2011 15:38

Tja, habe ich gesagt, dass ich noch keine Beispiele zeigen könnte?
War nicht ganz richtig: ich kann zwar nicht zeigen, wie die Ameisen auf so eine Arena in Benutzung reagieren,
was ich jedoch kann, ist euch zu zeigen,
wie Ameisen in unserem kleinen Teich (bzw. dem Teich, der zu dem Haus gehört, in das wir nun einziehen) auf dem Algenfarn wandeln können!
Ich habe schon einige Gattungen darauf herumlaufen gesehen, Lasius sp., Myrmica sp. und Formica sp. gehören dazu, dabei ist der Teich nur zu einem Teil bedeckt,
wodurch der Algenfarn noch nicht so dick ist und einige Löcher, sowie wässrige Enden bleiben, aber gerade die schnellen Formica umgehen solche Hindernisse routiniert und bleiben blitzschnell direkt am Wasser stehen.
Auch, wenn diese Wasserfläche kaum Futter bietet, so ist sie doch ein kleiner Lebensraum, der zusätzlich erschlossen werden kann,
und auch wenn der Algenfarn nur noch wenige Wochen hat, bis es wohl zu kalt werden wird, so hat er bis dahin doch einigen Tieren das Leben gerettet, welche sich von Grashalmen sonst ins Wasser fallen gelassen hätten - oder machen sie das absichtlich, weil sie mittlerweise wissen, dass dort kein gefährliches Wasser mehr ist!?
(Angefangen hat er übrigens vor einigen Monaten mit nichtmal einer Hand voll Pflänzchen, Algenfarn wächst exponentiell zunehmend, da der Teppich mit jeder zusätzlichen Pflanze etwas schneller wächst...).
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Kleiner Teich - oder Sumpf...
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Formica-Arbeiterin -
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- welche schnell über den Algenfarn rannte!
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Re: Pflanzen im Formicarium

Beitragvon Insekten Züchter » 9. Okt 2011 17:55

Hallo, ich habe da mal eine Frage:
Pflanzen produzieren ja, soweit ich weiß, Sauerstoff und verwerten dabei Kohlendioxid.
Ist, wenn man Pflanzen im Formicarium hat, überhaupt noch eine Lüftung notwendig oder muss weiterhin eine vorhanden sein(eventuelle Schimmelgefahr)?
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Re: Pflanzen im Formicarium

Beitragvon uta » 9. Okt 2011 21:05

Hallo Insekten Züchter,

um eine Biosphäre zu schaffen, spielen mehrere Faktoren zum Verbrauch von Sauerstoff im Verhältnis zum Kohlendioxid eine Rolle. Das wird man in so einem kleinen Formicarium nicht bewerkstelligen können. Wenn nicht genügend gelüftet wird, fangen abgestorbene Pflanzenteile an zu schimmeln. Von daher benötigt man noch eine zusätzliche Belüftung.

Viele Grüße
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Re: Pflanzen im Formicarium

Beitragvon Markus » 14. Okt 2011 18:32

Bei der Lüftung geht es auch um Luftbewegung und darum, die Luftfeuchte zu senken, für Pflanzen würde ich da immer eine großzügige Belüftung bevorzugen, einfach weil die Pflanzen sonst, wie gesagt, gerne schimmeln, faulen und sich das Becken auch gerne zu stark erhitzt.
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Re: Pflanzen im Formicarium

Beitragvon Markus » 26. Aug 2012 10:07

Den Teich kennt ihr ja,
habe ich auch hier ab und zu gezeigt:
viewtopic.php?f=71&t=17643
Mittlerweile ist ein dichter Algenfarnteppich drauf gewachsen,
allerdings ist auch der Wasserpegel während der letzten Hitzeperiode stark gesenkt.
Sieht ein wenig aus, wie ein von Felsklippen umgebenes, grünes Tal! ^^

Jedenfalls kann man daran ein paar Beispiele sehen, wie man mit so etwas den Ameisen Wasserpflanzen zur Verfügung stellt:
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1.JPG
Hier der Teich in der Gesamtansicht. Interessant ist, falls ich das noch nicht im Gartenthread erwähnt habe, dass die Spitzschlammschnecken sich zum Luftholen gerne auf die Wasseroberfläche begeben und dort entlangkriechen, bis sie sich an anderer Stelle wieder unter die Wasseroberfläche quetschen,
auch Landschnecken nutzen diese Fläche als Abkürzung und so kann man manchmal interessante Spuren im Algenfarn sehen!
2.JPG
Das nördliche Ende mit dem flacheren Wasser, hier wuchs der Algenfarn als vorletztes drüber, was man auch an der geringen Ausbreitung des Wassersalates sehen kann, weil da die Algen nicht so schnell abgestorben sind und Nährstoffe freisetzen konnten, als Letztes passierte das in der Mitte.
3.JPG
Die südliche Seite, hier wurde die Wasseroberfläche als Erstes von Algenfarn bedeckt, die freigesetzten Nährstoffe, sowie die geringere Konkurrenz unter Wasser erlaubten dem Wassersalat eine starke ausbreitung, allerdings recht kompakt, der Algenfarnteppich drückte die Pflanzen aneinander - wisst ihr noch, mit wie wenigen Pflänzchen das begonnen hatte? ^^
4.JPG
Hier besagter Wassersalat.
5.JPG
Hier ist eine Myrmica sp. zu sehen, die auf den Blättern herumläuft, anderntags -gerade bei trockenerem Wetter- sind es auch mal Lasius sp. die Algenfarnfläche dagegen wird gerade an wärmeren Tagen dagegen eher von Formica sp. dominiert, die geschickt und schnell darauf herumlaufen (wenige Hindernisse).
6.JPG
Hier sind noch einmal die Blüten der Pflanzen zu sehen. Unten im Bild läuft gerade noch eine andere Myrmica sp. über eines der Blätter.
7.JPG
Hier noch mal die Myrmica aus dem letzten Bild; ich weiß nicht genau, was dieses Gebiet für diese so interessant macht, vielleicht nehmen sie Nektar aus den Blüten der Pflanzen auf (falls diese welchen produzieren), oder aber sie trinken hier bloß Wasser. Dafür ist der Wassersalat übrigens gut, er durchbricht die Algenfarndecke mit seinen Blättern teilweise, sodass Wasser freiliegt - hier konnte ich schon einige Wespen bei der Wasseraufnahme beobachten! Eine Tränke braucht man so sicherlich nicht mehr... ;-)
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Noch ein anderer interessanter Aspekt: wilde Erdbeeren wachsen mit ihren Ausläufern auf den Teich...
9.JPG
... wie ihr sehen könnt, wachsen sie quer darüber und teilweise werden die Sprosse, die die Ausläufer verbinden, von Algenfarn überwachsen, sodass es so aussieht, als würden hier wirklich Erdbeeren auf einem recht flachen Boden wachsen! Ein interessanter Punkt für die Haltung, wenn man beispielsweise außerhalb des Formicariums eine Erdbeerpflanze hätte, und nur einen Ausläufer von ihr in die Arena wachsen lässt!
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Hier noch der Wasserfarn...
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... dieses gedrungene Wachstum ist eigentlich recht untypisch für ihn, aber der Algenfarn drückt die Ausläufer nun einmal zusammen, es herrscht starke Flächenkonkurrenz!
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Und hier sind wir auch schon bei den Versuchsbecken! Die stehen momentan zwischen Hecke und Rasen, teilweise von Wildblumen umgeben.
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Beim kleineren Kasten sieht der Algenfarn aus, wie im Teich, etwas Grün, aber auch vie Rot.
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Ganz anders beim größeren Kasten, hier wuchs der Algenfarn auch nicht an einer Wasseroberfläche, sondern auf einem Haufen absterbenden Pflanzenmaterials, der Wasserfarn hatte den Winter nicht so gut überstanden - auch einige Insektenreste der Ameisen waren dabei. Man sieht ein viel satteres grün, und scheinbar auch dichteren Wuchs!
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Hier der Wassersalat im Regen, könnte man im Formicarium so sogar simulieren, Wasser ist ja ohnehin viel da! ;-)
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Hier wieder die Flächenkonkurrenz und damit sind wir auch am Ende des Fotoberichtes angekommen!
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Re: Pflanzen im Formicarium

Beitragvon Markus » 4. Okt 2012 18:06

Heute war mal zwischen den Regenschauern sonniges Wetter - eine gute Gelegenheit also, um mal wieder den Teich mit ein paar anschaulichen Beispielen zu fotografieren (auch mit großen Bildern, weil es wohl kaum noch Fotos dieses Jahr geben sollte...)!
Die ersten zwei Bilder zeigen den Teich als Ganzes, das Dritte zeigt Wassersalat, Wasserfarn, Seerose und Co im Zusammenspiel mit dem Algenfarn, so könnte man das auch in Klein im Formicarium realisieren,
der Algenfarn bildet einen Untergrund, dieser wird zerschnitten und aufgelockert durch größere Pflanzen, so bringt man nicht nur Struktur rein, die Tiere Können auch trinken - und natürlich sicher auch Müll abladen; der dann überwuchert würde. :grin:

Und man stelle sich mal vor, man könnte seine Ameisen auf einer Seerose in einer gesonderten Arena sehen - ob und wie das realisierbar ist, kann ich so genau natürlich nicht sagen, mit Zimmerseerosen kenne ich mich da nicht so aus,
Lüftung und Beleuchtung müssen hier jedenfalls gut realisiert sein!

Viertes und fünftes Bild führen diese Reihe fort, man beachte auch den Zusammenhang mit den Steinen, da kann man einiges basteln,
man sieht jedoch auch die Wilderdbeeren, die über den Teppich wuchern und mittlerweile schon sehr kräftig sind.
Das zeigt eine weitere, hier anfangs auch vorgestellte Möglichkeit, nämlich Pflanzen über Aufläufer oder Blütenstiele in die Arena zu lenken,
bei den Erdbeeren sind das natürlich die Ausläufer,
dafür bräuchte es nicht einmal Bodengrund, solange die Mutterpflanze Nährstoffe und Wasser liefert,
sieht natürlich interessanter aus, wenn noch Algenfarn drum wuchert! :grin:

Sechstes und siebtes Bild zeigen das ganze mal etwas näher, hier auch einige Gräser und Kräuter zu sehen,
die im Algenfarnteppich wachsen, auf tönernen Füßen sozusagen,
im Winter wird das alles im Teich versinken!

Zuletzt noch zwei Bilder von Moos, das ich von unserem Dach gesammelt habe, für meine kleinen Gründächer:
viewtopic.php?f=71&t=16259&p=147412#p147412
Nur für ein Formicarium wäre das kaum geeignet, zu dick, da würden sie gerne reinziehen
und wahrscheinlich auch abhängig von Stäuben und Witterung fürs Wachstum...

Über ein bisschen Diskussion würde ich mich übrigens freuen, nicht immer nur diese Selbstgespräche... :wink:
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Re: Pflanzen im Formicarium

Beitragvon Ant-ilope » 4. Okt 2012 21:48

Sehr interessante Beiträge, was mich jetzt aber interessiert ist die Geruchsentwickung. Ich denke, wenn da so eine Schicht aus Pflanzen am Boden vor sich hin fault, wird das denke ich auch sehr modrig riechen und da die meisten Formikarien im Haus stehen, ist das doch sehr störend.
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Re: Pflanzen im Formicarium

Beitragvon Markus » 5. Okt 2012 12:21

Nun, eine dünne Schicht, bedeckt durch Wasser ist nicht unbedingt schlimm, solange man nicht dran rüttelt und Faulgase aufsteigen,
je dicker die Schicht ist, je mehr Luft dran kommt, desto schlimmer stinkt es,
für diese Pflanzen ist Licht aber ohnehin sehr wichtig,
weswegen sie im Sommer draußen stünden, also wenn die Ameisen ihre Aktivitätsphase haben.
Wobei ich gestehen muss, dass ich immer noch nicht so ganz sicher bin, wie ich den Algenfarn überwintern soll...

Danke für die Anmerkung, wurde - soweit ich das überblicke - noch nicht bemerkt. ;-)

Wobei das natürlich nicht stinken würde, wenn man bloß Ausläufer von Pflanzen reinleitet und keinen Bodengrund anbietet;
dann stinkt nur noch der Müllhaufen der Tiere! ^^
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Re: Pflanzen im Formicarium

Beitragvon mati » 5. Mär 2013 12:31

Wie einige von euch wissen, interessiere ich mich ebenfalls für die Möglichkeit, lebende Pflanzen im Formicarium anzusiedeln.
Mein aktueller Versuch besteht darin, mit Rainforest Background zu arbeiten. Manche kennen es vielleicht, es ist ein torfiges Substrat, welches mit Latexbindemittel versetzt ist und als dünne Schicht auf Rückwänden oder anderen Bereichen des Beckens aufgetragen wird. Nach dem Austrocknen bildet sich eine harte Schicht, die Wasser gut speichert und (einigen) Pflanzen Halt und Nährstoffe bietet.
Ich hatte es in einem kleinen Bachlauf und es hat sich bewährt. (Photos demnächst in meinem HB.)

Allerdings kann ich nur davor warnen, die Schicht zu dick / tief werden zu lassen. Bei mir wurde das sehr sumpfig und trocknete vor allem nicht komplett durch. Dadurch war das Risiko gegeben, dass die Kolonie sich eingräbt. Deshalb habe ich es wieder entfernt und ein zweites Auftragen ist dann nicht mehr mit gleichem Effekt (Aushärten) möglich.

Als Pflanzen hatte ich Kerbel, Vogelmiere, Walderdbeeren, kleinen Sauerampfer und Brunnenkresse gesät. Denkbar wäre aber auch andere Pflanzen, etwa Bärlauch, von welchem grad Saatgut angeboten wird.
Die Saat ist aufgegangen, aber wie gesagt musste ich nochmal dran werkeln und nun hält das Substrat nicht mehr wie gewünscht.

Grundsätzlich hat sich diese Möglichkeit jedoch erst einmal bewährt und es scheint wert, in diese Richtung weiter zu experimentieren.
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