von Sahal » 11. Apr 2011 12:28
sawasdee krub
Polyethismus ist wohl noch nicht ausreichend erforscht, und nur bei wenigen Arten beschrieben worden.
Leider gibt es zu diesem umfangreichen Thema also eher Vermutungen und Theorien als definitive Aussagen.
Grundlegend kann man sagen, das bei jedem eusozialen Insekt jedes artspezifische Verhalten und jede Morphe genetisch in Sequenzen/Abschnitten verankert ist. Nun geht es mehr oder weniger "nur" darum, ein bestimmtes Aussehen und Verhalten auszulösen, dh die bestimmten Gensequenzen/Instinkte zu aktivieren oder zu hemmen.
Zum einen gibt es den Di-/ und Polymorphismus, bei denen die bevorzugten Aufgaben an die Morphe/den Körperbau gekoppelt sind.
Bei den dimorphen Oecophylla zB kümmern sich die Minors um Brut und Läuse, Majors um den eigentlichen Außendienst. Wird Alarm ausgelöst, verkrümmeln sich die Minor schnell ins Nest bzw vom Alarm weg, die Majors jedoch rennen zum Alarm hin und greifen umgehend an. Das zeigt sich dann aber immer Artspezifisch, denn bei den einen flüchten die Minors, bei den anderen die Majors/Soldaten.
Bei zB Termiten ist bekannt, dass eine Kaste/Unterkaste/Gruppe sich selbst hemmt... dh wenn der Anteil an zB Soldatengeruch (Pheromonen) im Volk ein bestimmtes Level erreicht hat, wird die Produktion/Entwicklung weiterer Soldaten gehemmt bzw deren Gensequenzen nicht aktiviert.
Ebenso wird wohl bei Ameisen die Produktion/Entwicklung einer Unterkaste gehemmt, sobald ein bestimmtes Verhältnis erreicht wurde (oder bei Mangel die Entwicklung gefördert). Das dieses Verhältnis allerdings flexibel ist, zeigt zB Pheidole: in Anwesenheit eines anderen Pheidole-Volkes erhöht das Volk den (teuren) Soldaten-Anteil.
Bei Formica polyctena zeigte Otto, dass die Abwesenheit von Außendiensttieren (oder Anwesenheit zu vieler Innendiensttiere) und mangelhafte Proteinversorgung die Entwicklung der Ovariolen frisch geschlüpfter Arbeiterinnen hemmte und diese sofort in den Außendienst gingen.
Alterspolyethismus, dh je nach Alter ändern sich die bevorzugten Aufgaben, wie es ganz deutlich bei der Honigbiene auftritt. Bei Formica konnte gezeigt werden, dass mit zunehmendem Alter und abnehmender Ausbildung/Funktion der Ovariolen die Tiere über Wachdienste in den Außendienst wandern bzw die bevorzugte Tätigkeit Außendienst (oder besser das Verlassen des Innendienstes) die Ovariolen verkümmern lässt.
Es ist aber immer schwer zu sagen, was nun Ursache und was Wirkung ist!
Hemmt eine ausreichende Proteinversorgung die Entwicklung von Außendienst:Jäger, oder fördert der Mangel die Entwicklung?
Oder ist es der weitergegebene Reiz der bettelnden Larven und Gynen, der die Entwicklung von Außendienst:Jäger fördert?
Zumindest sind Ameisen und Termiten relativ flexibel und arbeiten wohl nach Reizschwellen. Dh verschiedene Gruppen haben unterschiedliche Reizschwellen auf Proteinhunger, Kohlenhydrathunger, Dreck, Putztrieb, Wächterdienste usw usf
Sobald die verdauenden/larvenversorgenden Arbeiterinnen Bedarf an Protein melden, spurten die Außendienst:Jäger los und tragen Proteine ein, andere Gruppen zeigen sich jedoch wenig beeindruckt. Erst wenn der Mangel an Protein intensiver gemeldet wird, zeigen sich auch Mitglieder andere Gruppen sensibel und steigen temporär in die Gruppe Außendienst:Jäger ein.
Kurz: alle Aufgaben im Volk sind genetisch als Instinkte verankert und müssen "nur" ausgelöst oder gehemmt werden.