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Nazghoul: Danke für die Blumen Leute. Und schon geht es Weiter........ (18. Mai 2004 13:32)

In den letzten Tagen ist der Nahrungsverbrauch der Kolonie rasant angestiegen. Nun suchen 1 - 4 Arbeiterinnen über den gesamten Tag hinweg nach Beutetieren.
Ganz am Anfang nahm die Kolonie nur ein junges Heimchen am Tag. Ein zweites wurde zumeist ignoriert. Es kam vor das ein Zweites eingetragen wurde, am nächsten Morgen lag dann aber immer ein Beutetier nur halb verwertet wieder im Formicarium.
Dann folgte eine Periode in der die Kolonie zwei Heimchen am Tag nahm. Mehr jedoch nicht.
Jetzt jedoch tragen die Arbeiterinnen alles in die Kolonie was nicht niet- und nagelfest ist. Gestern habe ich innerhalb von einer Stunde sechs bewegungsunfähige Heimchen in das Formicarium gelegt. Keines lag länger als 5 Minuten dort. Einmal entdeckt wurde die Beute augenblicklich gepackt und lebend in das Nest gezerrt. Die Beute wird mittlerweile kaum mehr untersucht.
Nachdem nun all die Heimchen eingetragen wurden, setzte ich vier weitere Heimchen ein. Diesmal jedoch lauffähig, nur mit gestutzten Sprungbeinen. Im Folgenden konnte ich einige Begegnungen zwischen Beute und Jäger beobachten. Die Heimchen konnten jedoch stehts entkommen. Die Arbeiterinnen schienen etwas überrascht das die Beute auf einmal weglaufen konnte. Mussten sie doch bis dahin nur zubeißen und in das Nest tragen. Am Ende musste nicht mal mehr die Ameisensäure eingesetzt werden. Und nun das!!!
Aber dieser Überraschungseffekt hielt wohl nicht sehr lange an, denn als ich am nächsten Morgen vorsichtig nach Überlebenden suchte war kein Heimchen mehr zu finden. Das ein oder andere mag sich vielleicht auch einfach nur gut versteckt haben. Auf lange Sicht wird wohl auch das nichts helfen denn mittlerweile gehen die Arbeiterinnen bei der Beutesuche sehr gründlich vor und schauen in alle Ritzen und Spalten.

Ansonsten bleibt von den Heimchen nicht sehr viel übrig.
Ein Graus ist mir der Gedanken an eine unterirdische "Müllkippe" (Milben). Aber da die Arbeiterinnen noch immer Panzerfrakmente, Fühler, Beine, Teile von Köpfen und kleine verdorbene Essensreste in die weite Umgebung entsorgen ( wie ja schon am Amfang ) kann man diese Möglichkeit wohl ausschließen.
Eine Lagerung der Beutetiere in "Speisekammern" würde ich ebenfalls für unwahrscheinlich halten. Angesichts der Tatsache wie penibel Cataglyphis in Bezug auf die Frische ihrer Nahrung ist und das die Lagerungsbedingungen in ihren Nestern wohl eher weniger optimal sind, erscheint es nicht sinnvoll.
Wobei gesagt werden muss, das es sehr wohl Ameisen gibt, die durch belecken ihrer Nahrung ein Sekret auftragen welches den Verfall stark verlangsamt und so die Haltbarkeit erheblich erhöht. Wissenschaftler haben in Experimenten leicht verderbliche Stoffe mit diesem Sekret behandelt und festgestellt das es tatsächlich Schimmelpilzen und Bakterien entgegenwirkt. Da es mir allerdings völlig neu wäre das Cataglyphis über diese Fähigkeit verfügt, verwerfe ich den Gedanken.
Bleibt nur die Möglichkeit das die Kolonie all diese Futtertiere tatsächlich verwertet,
Wenn ich nun berücksichtige das Erwachsene Arbeiterinnen nur einen vergleichsweise geringen Teil der tierischen Nahrung für sich verbrauchen, vermute ich das der Umfang der Brut sehr stark zugenommen hat. Entweder sind bereits sehr viele Larven und Jungarbeiterinnen zu versorgen oder es ist sehr bald damit zu rechnen. Die Arbeiterinnen beziehen ihre Energie ja mehr aus zuckerhaltiger Nahrung. Dabei gestehe ich Cataglyphis schon zu das ihre Arbeiterinnen mehr tierische Nahrung selber verwerten als es vielleicht bei anderen Ameisen der Fall ist. In ihren wüsten- und steppenartigen Verbreitungsgebieten dürfte Cataglyphis mehr tierische als zuckerhaltige Kost finden, denn zumeist ist es der Transportzucker der Pflanzen der entweder direkt oder über Blattläuse, Wanzen oder andere, Pflanzensäfte saugende Insekten gewonnen wird. Manche Ameisen sind auch in der Lage bestimmte Stoffe durch chemische Reaktionen in ihrem Sozialmagen in Zucker zu wandeln. Die Strategien zur Nahrungsgewinnung sind unter Ameisen so zahlreich und weitreichend wie sonst innerhalb keiner anderen Tierspezies.
Jedenfalls werde ich für die Cataglyphis nun auf junge Wanderheuschrecken umsteigen und die Heimchen nur noch für meine Pheidole palidulla und Camponotus herculeanus verwenden. Sonst komme ich mit dem Nachschub nicht mehr hinterher. Ich bin schon sehr gespannt auf die erste Begegnung der Cataglyphis mit dieser erheblich größeren Beute. Ebenso gespannt bin ich wie hoch der Verbrauch an Heuschrecken sein wird. Natürlich werde ich hier davon berichten.

Der Verbrauch an Zucker- und Honiglösung hat ebenfalls sehr stark zugenommen. Wärend jedoch bis jetzt bevorzugt der Zucker genommen wurde, konzentrieren sich die Arbeiterinnen im Moment eher auf den Honig. Beide Lösungen sind mit Vitaminen, Ager etc. angereichert. Somit kann ich nicht sagen woran sich die jeweiligen Vorlieben orientieren. Aber alle 15 Minuten kommt eine Arbeiterin und "tankt" an den Futterschälchen bis der Hinterleib prall gefüllt ist und man durch die Dehnung die "Futterringe" sieht. Und schon geht es zurück zur Kolonie wo das Futter verteilt wird.
Dort wurden die Bauarbeiten am Nest inzwischen auch verstärkt. Jetzt wird über den gesamten Tag mit unverminderter Härte gegraben und Sand aus dem Nest getragen. Daher, und wegen der Versorgung der ständig wachsenden Brut ist der Energieverbrauch der Arbeiterinnen stark gestiegen. Und somit auch der Nahrungsbedarf. Das ständige graben ist ein weiterer Umstand der auf eine schnell wachsende Kolonie hindeuten kann. Obgleich ich weiß das Cataglyphis sich sehr schnell entwickelt bin ich doch etwas überrascht.

Nun möchte ich mir noch die Zeit nehmen über eine ganz spezielle kleine Ameise der Kolonie zu berichten. Diese Ameise heißt Lefty und hat mich vielleicht etwas interessantes herausfinden lassen.
Zunächst mal fragt ihr euch sicher wie man aus einer Kolonie von vielen Tieren eine einzige so gut herauserkennt das man ihr sogar einen Namen geben kann. Nun, ihr Name erklärt dies teilweise. Ich habe sie Lefty genannt weil sie nur ihren linken Fühler wirklich einsetzen kann. Ihr rechter Fühler ist nach etwa einem Millimeter abgetrennt. Ich weiß nicht ob sie schon so gebohren wurde oder ob es ein Unfall war, jedenfalls ist sie weder in Reaktion noch Fleiß eingeschränkt und steht ihren Schwestern in nichts nach. Aber sie lässt sich so natürlich bestens von den anderen Ameisen unterscheiden.

Nachdem Lefty mir das erste mal aufgefallen war hatte ich ihr noch nicht sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt. Im Gegenteil. Als etwas unvollkommenes störte sich mich eher. Aber in den folgenden Tagen tauchte sie immer und immer wieder auf. Sie schien für den "Außendienst" zuständig zu sein. Sie war niemals beim Graben oder Schutt abtransportieren zu beobachten. Sie suchte immer nur das gesamte Formicarium nach Beute ab und trug diese in die Kolonie oder trank Lösung und verteilte diese unter ihren Schwestern. Die Tatsache das ich definitiv ein und die selbe Ameise bei ein und der selben Arbeit sah ließ mich aufmerksam werden. Ich began auch die anderen Ameisen die nach Beute suchten genau zu beobachten. Mir viel auf das zum Beispiel an der Jagd immer jeweils zwei große und zwei kleine Arbeiterinnen beteiligt waren. Seltener sind alle vier draußen aber es kam einige male vor. Dann gab es da zwei sehr kleine Ameisen die bei den Grabungen halfen und den Sand immer durch einen extra geöffneten kleinen Nebeneingang entsorgten. Eine der beiden hat einen sehr roten Kopf- und Brustabschnitt und die andere war wirklich winzig und hatte immer einen prall gefüllten Hinterleib. Ich setzte meine Beobachtungen über mehrer Tage fort und kam schlußendlich für mich zu dem Ergebnis das wohl ganz bestimmte Ameisen größtenteils immer die selben ganz bestimmten Arbeiten ausführen. Ich weiß das diese Art der Arbeitsteilung bei einigen Gattungen üblich ist, wie zum Beispiel bei Blattschneiderameisen. Dort werden für jede Aufgabe Arbeiterinnen bestimmter Größen entwickelt. Vom gewaltigen, dornenbesetzten Soldaten der die Kolonie und die Ameisenstraßen bewacht und schützt, bis zur kaum einen Millimeter großen Arbeiterin die als einzige in der Lage ist in den winzigen Gängen zwischen den Fäden der Pilzgärten die Pflege- und Reinigungsarbeiten auszuführen. Das erfolgreiche gründen einer Blattschneiderkolonie hängt in erster Linie davon ob die Jungkönigin die Arbeiterinnen der verschiedenen größen im richtigen Verhältnis produziert. Soldaten werden erst sehr viel später produziert, da diese im Unterhalt zu "teuer" sind.
Bei Cataglyphis ist mir eine ( wenn auch vereinfachte ) Spezialisierung jedefalls völlig neu. Die Vermutung das jede Arbeiterin die ich so sehe ihren eigenen Job macht hat mir jedefalls diese Tiere noch näher gebracht als es bisher ohnehin schon der Fall war. Auch Lefty ist mir schon richtig an's Herz gewachsen.
Sie ist heute Morgen auf einem Beutegang auch zum Honignapf gelaufen. Nachdem sie sich dick und prall aufgetankt hatte wollte sie zurück zur Kolonie. Dabei rutschte sie etwas unglücklich vom Rand des Napfes ab und fiel natürlich rücklings in den Honigtropfen. Sie hatte nur wenig Mühe sich wieder zu befreien und auf die Beine zu kommen. Wieder aus dem Napf, putzte sie sich als erstes die völlig verklebten Fühler. Sie strich immer wieder mit den Vorderbeinen darüber und leckte sich den abgestreiften Honig von den Beinen. Dann legte sie sich ganz flach auf den Sand und rutschte kurz mit dem Kopf vorran über den Boden. So wie man es bei Hunden auf der Wiese beobachten kann. Das machte sie einige male. Immer von kleinen Putzeinlagen unterbrochen. Das sah schon sehr niedlich aus. Sorgen habe ich mir aber keine gemacht. Ich hatte erst vor kurzem am Nesteingang gesehen wie zwei Arbeiterinnen eine dritte sehr gründlich und eingehend geputzt haben. Ihre Schwestern würden sich auch um Lefty kümmern. Erstaunlich fand ich etwas anderes. Als Lefty irgendwann mit der getankten Nahrung im Nest verschwunden war dauerte es nur etwa 5 Minuten und sie kam wieder heraus. Rank und schlank. Sie hatte in so kurzer Zeit ihre gesamte Ladung in der Kolonie abgegeben. Schon war sie wieder am Napf und trank sich wieder voll. Sie lief wieder zur Kolonie und kam wiederum ca. 5 Minuten später heraus. Diesmal hatte sie allerdings noch einen Teil der Nahrung in ihrem Sozialmagen. Jetzt schien sie aber wieder auf der Suche nach Beutetieren zu sein.

Alles in allem bin ich, soweit ich es beurteilen kann, sehr zufrieden mit der Entwicklung der Dinge. Mal sehen was die Zukunft bringt.

Bis denne :-)

Nazghoul: 19.05.2004 (19. Mai 2004 14:21)

Gestern Abend habe ich mir nun junge Wanderheuschrecken gekauft. Als ich nach Hause kam hatten die Cataglyphis bereits die gesamte Zuckerlösung aufgefressen und von dem Honig war auch nicht mehr viel übrig. Fünf Arbeiterinnen waren gerade im ganzen Formicarium unterwegs und suchten nach Beute.
Als erstes gab ich mit einer Einwegspritze wieder 2 Tropfen Zuckerlösung in den leeren Napf.
Dann fing ich ein kleineres Exemplar der Heuschrecken aus der Box und stutzte die Sprungbeine. Dann untersuchte ich das Insekt auf eventuell sichtbaren Parasitenbefall. Das Tier schien sauber zu sein. Die beiden Beine warf ich als erstes in das Formicarium. Die wurden auch sehr rasch gefunden und sofort in die Kolonie gebracht. Dann setzte ich die Heuschrecke ein. Da die Heuschrecke erst mal benommen auf der Stelle sitzen blieb ging es sehr schnell das eine der herumsuchenden Arbeiterinnen auf die große Beute traf. Sofort stürzte sich die Arbeiterin auf den Rücken der Heuschrecke und biß sich hinter dem Kopf fest. Natürlich war die Heuschrecke viel stärker und massiver als eine einzelne Arbeiterin. Und so flüchtete sie mit der Ameise auf dem Rücken durch das Formicarium. Obwohl sich all dies in einiger Entfernung zum Nest abspielte stürzten plötzlich sechs oder sieben weitere Arbeiterinnen aus dem Bau und stürmten in Richtung des Kampfes.

Wie die Alarmierung der im Bau befindlichen Ameisen so schnell und wirkungsvoll funktionierte ist mir nicht völlig klar. Natürlich könnten mit oder durch Einsatz von Ameisensäure auch die bekannten Alarmstoffe von der kämpfenden Arbeiterin abgegeben worden sein. Ob diese jedoch in den wenigen Sekunden so weit und tief in den Bau hätten kommen können entzieht sich meiner Kenntnis. Bei der schnellen Reaktion kommt es mir wahrscheinlicher vor das sich hier durch Stridulation verständigt wurde.
Die Stridulation stellt eine der Komunikationsmöglichkeiten dar, derer sich die Mehrzahl der Ameisenarten bedienen. Dabei handelt es sich um die Erzeugung von Lauten. Die Ameisen produzieren hochfrequente, schrille Geräusche, indem sie einen dünnen, quer verlaufenden Schaber an ihrer Taille gegen eine fein gerillte, waschbrettartige Oberfläche des Hinterleibes reiben. Diese Geräusche haben je nach Art und Heftigkeit unterschiedliche Bedeutungen. Dieses "rufen" der Ameisen ist für den Menschen kaum oder garnicht wahrnehmbar. Der durch die Luft übertragene Anteil des Schalls hat dabei keine Wirkung auf die Helferinnen. Sie nehmen nur die Vibrationen auf, die in der Erde weitergeleitet und von hochempfindlichen Sensoren in ihren Beinen wahrgenommen werden können.
Es ist nicht ganz unwahrscheinlich das sich auch Cataglyphis auf diese Weise verständigen kann.

Jedenfalls fielen die alarmierten Arbeiterinnen sofort über die Beute her. Die Heuschrecke wehrte sich nach Leibeskräften, unterlag aber sehr bald den ständigen Beiß- und Säureangriffen. Bald waren 4 Arbeiterinnen damit beschäftigt die große Beute in das Nest zu tragen. Zwar musste dazu ein Nebeneingang geöffnet werden doch die größte Arbeit war getan.

Heute Nachmittag setzte ich wieder eine Heuschrecke ein. Diese war jedoch etwas größer ( und irgendwie auch frischer ). Nach der Entdeckung konnte sie erst nach längerer Verfolgung von 3 Arbeiterinnen festgehalten werden. Doch so sehr sich die Arbeiterinnen auch anstrengten, an einen Transport war nicht zu denken. Zu gut klammerte sich die Heuschrecke überall fest. Da änderten die Arbeiterinnen die Strategie. Während 3 Arbeiterinnen die Heuschrecke fixierten, bissen 3 weitere Ameisen der Heuschrecke ganz einfach die verbliebenen Beine ab. Alle vier. Nun konnte die Heuschrecke keinen anderen Widerstand mehr leisten als sich zu krümmen. Aber das konnte die Arbeiterinnen natürlich in keinster Weise mehr aufhalten. Bald verschwand auch diese Heuschrecke für immer in der Kolonie.

Ich denke die Umstellung der Ameisen von Heimchen auf Wanderheuschrecken kann problemlos als gelungen bezeichnet werden.

Bis denne :-)

Nazghoul: 23.05.2004.......alles im Lot (23. Mai 2004 20:27)

Seit ich die Heuschrecken verfüttere ist der Jagdtrieb etwas weniger heftig. Nach etwa 2 Tieren pro Tag scheint die Kolonie gesättigt. Eine 3. Heuschrecke wird meistens schon etwas lustlos eingetragen und einige Stunden später nur halbverwertet wieder aus der Kolonie geschafft. Ich lege schon mal einen "Diättag" ein. Oder es gibt nur ein kleines Heimchen. Ich möchte die Kolonie nicht übersättigen. Allerdings bin ich sicher das der Nahrungsbedarf der Kolonie in absehbarer Zeit wieder deutlich ansteigen wird. Dann werden 2 Heuschrecken am Tag längst nicht mehr reichen.

Die Bauarbeiten am Nest sind derzeit weitgehend eingestellt. Aber ein Blick in den Nesteingang zeigt deutlich wofür die Kolonie so eifrig ausgebaut wurde. Die "Vorhofkammer" unter dem Stein wurde erweitert und ist am Tag über und über mit riesigen Puppen angefüllt. Mit sehr vielen Puppen. Es ist zwar schwer zu schätzen aber ich denke das es mindestens um die 25 Puppen sind. In dieser Kammer werden die Puppen etwas vom Wärmestrahler angestrahlt. Die Ammen halten die klimatischen Bedingungnen in dieser Kammer wohl für sehr geeignet zur Puppenlagerung. Wenn die alle schlüpfen wird der neu geschaffene Platz in der Kolonie auch dringend gebraucht. Ständig sind einige Arbeiterinnen damit beschäftigt die Puppen zu sortieren, zu putzen und umzubetten. Welch Glück das ich das alles sehen kann obwohl ich die Kolonie nicht in einem Beobachtungsnest halte. Die Puppen werden in der Nacht wenn die Temperatur zurück geht wieder tiefer in den Bau getragen. Morgens, nachdem der Strahler angeschaltet wurde, werden die Puppen wieder alle in der Kammer gestapelt.

Dadurch das die Bauarbeiten am Nest zur Zeit auf Reinigung und Instandsetzung beschränkt sind, ist auch der Verbrauch an Zuckerlösung etwas gesunken. Aber spätestens nach 2 Tagen ist der Napf leer. Die Honiglösung hält sich deutlich länger, wird aber auch mehrmals täglich genommen.

Was die Verkrüppelungen angeht, so waren die von mir entdeckten betroffenen Tiere anscheinend wirklich auf die bei Lieferung bereits vorhandene Brut beschränkt. Die Tiere mussten neben der Lieferzeit auch noch ein ganzes Wochenende im Packetlager der Post verbringen. Als der Postbote an jenem Samstag kam war niemand zu Hause. Und anstatt das Päckchen bei Nachbarn abzugeben ( die definitiv zu Hause waren ) nahm der Idiot die Ameisen wieder mit. Ich konnte sie erst am Montag um 9.00 Uhr abhohlen. Für so wärmebedürftige Ameisen dürfte das schon ein harter Schlag gewesen sein. Kein Wunder also das das ganze zu Fehlbildungen führte. Bis jetzt habe ich jedefalls keine Verktüppelten Arbeiterinnen mehr gesehen. Das werte ich einfach mal als positives Zeichen.
Wo ich gerade dabei bin, Lefty geht es sehr gut. Jeden Tag ist sie mehrfach unterwegs und besorgt Zucker und Honig für die Kolonie oder kämpft gegen Heuschrecken. Sie ist schon ein kleiner Veteran.

Bis denne :-)

Nazghoul: 01.06.2004 (1. Jun 2004 06:11)

Es zeichnet sich langsam ein gewisser Rythmus ab. Die Bauarbeiten werden etwa alle zwei bis drei Tage intensiver. Nach einem bis anderthalb Tagen ebben die Arbeiten dann wieder ab. Entsprechend wird in den Bauphasen viel Zucker und Honig genommen und in den ruhigeren Phasen etwas weniger Lösung verbraucht. Wobei ein gewisser Level an Nahrungsfluss nie unterschritten wird. Dieser Level nimmt von Woche zu Woche spürbar zu.
Die 2 Heuschrecken am Tag sind jedenfalls im Moment genug. Wobei etwa alle 3 Tage eine Art Überschuß zu entstehen scheint. Dann wird eine Heuschrecke schon mal halb verwertet wieder aus dem Bau getragen. Daher lege ich den "Diättag" entsprechend an jedem dritten Tag ein. Dann gibt es entweder garnichts oder nur ein junges Heimchen.
Ich hatte mir beim letzten Einkauf mal zwei ausgewachsene Wanderheuschrecken geben lassen um auszubrobieren ob die Cataglyphis eventuell damit zurecht kommen. Allerdings schienen die Arbeiterinnen etwas überfordert. Sie schienen irgendwie nicht durch den Panzer zu kommen. Es machte den Eindruck als wolle man einen Sherman Panzer mit einer Kombizange knacken. Nach fünf Stunden lag die Heuschrecke einsam und verlassen und unbeachtet da. Ich habe sie dann zu meinen Pheidole pallidula gelegt. Die hatten innerhalb der nächsten Nacht ein Loch in den Kopf der Heuschrecke gebohrt und das Tier von innen ausgehöhlt. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen das Cataglyphis nicht mit dieser Beute hätte fertig werden können. Mit so kräftigen Beißwerkzeugen hätten sie den Panzer bei wahrem Interesse doch wohl knacken können. Aber vielleicht war irgendetwas nicht nach ihrem Geschmack. Wer weiß.
Jedenfalls werde ich nun erst mal bei jungen Heuschrecken und Heimchen bleiben.

Die Reihen der Puppen in der Puppenkammer lichten sich derweil ein wenig. Dafür nimmt die Zahl der Puppenhüllen auf der "Müllkippe", die die Arbeiterinnen inzwischen in der Nähe der Kolonie angelegt haben, fast täglich zu. Ich kann nun nicht mal mehr mutmaßen aus wie vielen Tieren die Kolonie zur Zeit besteht. Alleine aus der wachsenen Zahl an Arbeiterinnen die gleichzeitig im "Außendienst" herumlaufen bemerkt man die steigende Gesamtzahl. Das fällt beispielsweise bei der Jagd auf, bei der mittlerweile bis zu 10 Tiere gleichzeitig unterwegs sind. Oder in "Alarmsituationen", wenn ich zum Beispiel die Lauffläche des Formicariums mit Wasser besprühe und der Kolonieeingang oder Arbeiterinnen etwas abbekommen. Dann stürmt ein "Abfangkommando" aus dem Bau das sich wirklich sehen lassen kann. Und während dessen tragen dann immer viele aufgeregte Ammen die Puppen tiefer in den Bau um diese vor dem vermeindlichen Angriff zu schützen.

Augenscheinlich läuft alles reibunglos. Es scheint keine Probleme zu geben. Es läuft so einfach und problemlos das ich fast etwas Angst bekommen. Ich warte fast täglich auf ein ernüchterndes Ereignis wenn etwas zu gut funktioniert. Obwohl ich hoffe das die Kleinen von größeren Katastrophen verschont bleiben und mir noch lange, lange Zeit Freude machen.
Wen ich grade bei "lange" bin......ich versuche schon seit Monaten herauszufinden wie hoch die Lebenserwartung einer Cataglyphiskönigin ( im günstigsten Fall ) ist. Habe es auch vor Monaten bei den sogenannten "Fachberatern" von Antstore versucht. Habe nie eine Antwort erhalten ( und vielen Dank dafür an Antstor!!!!!!). Alles in allem kann ich diese Info einfach nicht bekommen. Aber ich gebe nicht auf!!!

Bis denne :-)

Nazghoul: 09.06.2004 (9. Jun 2004 08:49)

In den letzten Tagen hat sich viel getan. Die Arbeiterinnen bauen wie wahnsinnig. Mittlerweile sind rund um die Uhr Aktivitäten. Sogar Nachts. Der Sandwall um den Nesteingang ist so angeschwollen das ich die Futternäpfe weiter vom Nest weg aufstellen musste. Unzählige Tiere schaffen Tag und Nacht Sand aus dem Bau. Graben scheint im Moment so wichtig zu sein, das selbst das Jagen zurück stehen muss. Es werden im Moment praktisch nur im Vorbeigehen ein oder zwei Heimchen gefangen. Oft sind diese Erbeutungen nur durch zufällige Begegnungen eingeleitet. Regelrechte Beutesuche findet weniger statt.

Der Nebeneingang der nach vorne zeigt, wurde jetzt gewaltig erweitert und zum Haupteingang umfunktioniert. Der alte Eingang der bis jetzt immer benutzt wurde, wird nur noch selten verwendet. Der neue Eingang wurde mit großen Steinen etwas gesichert.
Die Kammer direkt unter dem Stein wurde erheblich tiefergelegt und erweitert. Das ist durch den neuen Eingang sehr deutlich zu sehen. Nach der ersten "Schlüpfwelle" waren zwei Tage keine Puppen in der Kammer zu sehen. Ich machte mir schon Sorgen ob die Königin tot ist. Aber nach den Bauarbeiten an der Kammer waren hier wieder viele Puppen und Larven gelagert. Allerdings werden noch heute umfangreiche Arbeiten an, und um die Kammer herum fortgesetzt. Neben den Grabungen in den Tiefen der Kolonie.

Für kurze Zeit wurden sogar an anderer Stelle im Formicarium Grabungen durchgeführt. Unter einer Zierwurzel unweit des Nestes wurden gestern 3 Eingänge und eine kleine Kammer gegraben. Im Laufe des Tages wurden diese Arbeiten jedoch abgebrochen. Was der Zweck dieser Grabung war und ob sie fortgesetzt wird weiß ich nicht zu sagen. Benutzt wird diese neue Kammer jedoch nicht.

Durch die intensiven Aktivitäten ist der Verbrauch an Honig- und Zuckerlösung gewaltig angestiegen. Innerhalb eines Tages sind beide Näpfe leer. Ständig sind Arbeiterinnen damit beschäftigt an den Näpfen zu tanken und die Lösungen in die Kolonie zu bringen. Dabei wird mittlerweile kein Unterschied mehr zwischen Honig und Zucker gemacht. Im Moment wird auch viel an der Wasserstelle getankt. Ich besprühe die Sandoberfläche auch alle 2 bis 4 Tage mit einem Wasserzerstäuber.

Der Grund für die verstärkten Bauarbeiten liegt wohl auf der Hand. Die Kolonie ist zu dieser Zeit des Jahres ( und als Jungkolonie sowieso ) in der Expansionsphase. Mehr Arbeiterinnen bedeuten das mehr Brut versorgt werden kann. Beides, mehr Arbeiterinnen und mehr Brut, brauchen natürlich mehr Platz. Zudem müssen ausreichend Kammern für alle klimatischen Bedürfnisse geschaffen werden, die die entsprechend benötigte Ausgewogenheit zwischen Feuchtigkeit und Wärme bieten.
Und ich darf ohne Bedenken sagen das die Kolonie rapide wächst.
Ich habe mir mal die Mühe gemacht die Puppenhüllen, die auf der "Müllkippe" und im ganzen Formicarium liegen einzusammeln. Dann habe ich alle Puppenhüllen mit dem "schwarzen Köpfchen", das allen Ameisenliebhabern wohlvertraut ist, aussortiert und gezählt. Da Cataglyphispuppen recht groß sind war das keine sehr anstrengende Arbeit.
Dem zu folge sind mindestens 58 Arbeiterinnen geschlüpft. Die Zahl der Tiere müsste also, wenn man die angelieferten Arbeiterinnen mitrechnet und eine kleine "Dunkelziffer" an geschlüpften Tieren addiert, irgendwo zwischen 70 und 80 liegen.

Es fällt auf, das die Kolonie anfangs recht viele große Arbeiterinnen produzierte ( was an den Puppen und Larven in der bekannten Kammer unschwer abzulesen war ). Im Moment hingegen werden recht kleine Arbeiterinnen in großer Zahl produziert. Ihre Größe variiert etwa zwischen ca. 6 mm und 1 cm. Es ist zu beobachten das der Großteil der Tiere die Arbeiten wie Brutpflege und Graben übernehmen, aus eben solchen Arbeiterinnen besteht. Jagd und Lösung tanken hingegen wird größtenteils von Arbeiterinnen übernommen die Größen von ca. 1,2 cm bis 1,8 cm erreichen. Das will mir logisch erscheinen. Kann eine große Arbeiterin doch wesentlich mehr Lösung speichern und größere Beute erjagen und transportieren als eine kleine. Würden kleine Arbeiterinnen solche Aufgaben übernehmen, würden für eine einzelne Aufgabe mehr Tiere gebraucht. Das wäre eine Verschwendung wertvoller Arbeitskraft. Beim graben oder der Brutpflege in den engen Gängen und Kammern der Kolonie mögen sich kleinere und flinkere Tiere auszahlen. Zudem ist eine Jungkolonie am Anfang verwundbar und braucht einen sicheren Nahrungsnachschub. Da macht es Sinn, vor den kleineren erst mal größere Arbeiterinnen zu produzieren die leichter verteidigen und jagen können. Soweit meine Theorie.

Da es im Moment nur so wuselt im Formicarium, gibt es viel zu sehen. Ich werde weiter beobachten und alsbald hier wieder berichten.

Bis denne :-)

Nazghoul: 16.06.2004....Katastrophe im Ameisenstaat (16. Jun 2004 17:44)

Einen Tag nach meinem letzten Bericht ist es geschehen: Der Stein, der bisher Herzstück der Brutanlage war, ist in der Nacht in die darunter liegende Kammer abgesackt. Die Vergrößerungsarbeiten von denen ich schon des öfteren berichtete, haben nun zu diesem Unfall geführt. Die Arbeiterinnen haben die Kammer so weit über die Grenzen des Steines hinaus ausgeschachtet, das die Sandoberfläche der Belastung nicht mehr standhalten konnte und nachgab. Erst jetzt wurden mir die Dimensionen dieser Kammer wirklich klar. Für Ameisenverhältnisse war sie riesig. Zwei Arbeiterinnen haben diese Nacht nicht überlebt. Allerdings kann ich nicht sagen ob deren Tod eine direkte Folge des Einsturzes war. Allerdings liegt es wohl nahe. Wie ich später feststellen konnte war der Brut wohl nichts geschehen.

Als ich an jenem Morgen einen ersten Blick in das Formicarium warf herrschte große Hektik. Die meisten Arbeiterinnen der Kolonie waren damit beschäftigt den erlittenen Schaden so gut als das den überhaupt möglich war auszugleichen. Alte Gänge mussten repariert werden, neue gegraben werden. Da jetzt kleine Teile des Gangsystems frei lagen mussten Eingänge gesichert werden. Und nicht zuletzt war es nötig neue Kammern für die Brut zu schaffen die den Anforderungen entsprachen.
Im Zuge dieser Bemühungen gruben die Arbeiterinnen eine große Kammer direkt an der hinteren Scheibe des Formicariums, jedoch nahe der Hitze des Strahlers. Ich stellte daher einen alten Badezimmerspiegel hinter das Becken. Nun hatte ich eine tolle Gelegenheit die Tiere in einem gewissen Maße auch "unterirdisch" zu beobachten. Es stellte sich heraus, das hier erst mal alle Puppen gesammelt wurden. Es war eine sehr große Menge an Puppen. Kaum zu schätzen wie viele, denn die neue Kammer führte tief in's Innere des Formicariums. Es war mir aber möglich das zu zählen was ich sehen konnte, denn die Puppen wurden an der Scheibe gestapelt. Ich zählte 34 Puppen. Der Rest verlohr sich im Dunkel.
Wie bisher wurde auch unter dem Stein weiter gearbeitet. In den folgenden Tagen richteten die Arbeiterinnen es so ein, das die Puppen früh am Tag in einer kleineren Kammer unter dem Stein aufgewärmt wurden, und später am Tag in die etwas kühlere neue Kammer verbracht wurden. Die neue Kammer wurde noch um einige Ein- und Zugänge erweitert. Mitlerweile hat sie sogar zwei Etagen.

Ich hatte lange Zeit darüber nachgedacht den Stein zu entfernen. Ich befürchtete er könne eventuell nach weiteren "statischen Meisterleistungen" erneut absacken und vielleicht größeren Schaden anrichten. Schließlich weiß ich ja nicht wo sich die Königin aufhält. Stirbt sie, stirbt die Kolonie. Da der Stein den Ameisen jedoch wichtige Vorteile bietet, entschied ich mich ihn zu lassen wo er war und die Sache erst mal weiter zu beobachten. Meine Befürchtungen wurden allerdings bestätigt. Vor zwei Tagen sackte der hintere Teil des Steines ( der bisher noch etwas vom Sand an der Scheibe hoch gehalten wurde ) etwas hinterher. Nun liegt der Stein wieder faßt wie vorher. Nur eben tiefer. Bei diesem Folgeunfall wurde allerdings kaum nennenswerter Schaden angerichtet. Weder Brut noch Arbeiterinnen kamen zu schaden. Doch ich gedenke noch immer den Stein zu lassen wo er ist. In der Natur müssen die Tiere mit solchen Vorfällen schließlich auch zurecht kommen. Aber ich halte ein Auge auf die Sache.

Die Zuckerlösung muss ich inzwischen zwei mal am Tag nachfüllen. Im Formicarium herrscht soviel Verkehr wie in einer Großstadt. Fünf Heimchen am Tag sind normal. Ich habe noch nie eine Kolonie so rapide wachsen sehen wie diese Cataglyphiskolonie.

Bis denne :-)


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