"Brauchen einheimische Arten eine Winterruhe oder kann man sie verkürzen?"
Gestern ist bereits ein Großteil meiner einheimischen Kolonien wieder ins Warme gekommen - sehr früh dieses Jahr,
aber da es seit Wochen unverhältnismäßig warm ist und ich nebenbei mal wieder mehr zu sehen haben will, müssen sie sich damit abfinden.
Das hat mir auch die Möglichkeit zu ein paar Beobachtungen gegeben. Der Thread dreht sich jetzt nicht ausschließlich um Lasius,
aber hauptsächlich. Und zwar habe ich dieses Jahr bei 6 Lasius cf. niger / flavus und 2 Serviformica Gründerkolonien die Winterruhe komplett weggelassen.
4 weitere Lasius niger Kleinkolonien und eine Serviformica haben eine stark verkürzte Winterruhe bekommen (von Mitte Oktober bis Mitte Dezember).
Die restlichen Kolonien durften sich bis eben gestern eine Auszeit gönnen - also auch bloß 3 Monate.
Wie haben die Kolonien auf die unterschiedlichen Bedingungen reagiert?
Ich finde es interessant, der Frage nachzugehen, weil immer wieder gefragt wird, ob man die Winterruhe auch weglassen oder verkürzen kann.
Drinnen haben die Ameisen immer um die 19°C, draußen im Schuppen relativ ungeschützt die Außentemperatur.
Zunächst zu den Kolonien, die keine Winterruhe hatten: Die Königinnen haben problemlos große Mengen Brut aufgezogen und es sind schon eine ganze Menge
Arbeiterinnen vorhanden. Ich konnte kein ungewöhnliches Verhalten beobachten.
Die Kolonien, die nur 1 1/2 Monate im Kalten verbracht haben, sehen hingegen deutlich angeschlagen aus.
Die Brut ist größtenteils gestorben, die Königinnen bewegen sich kaum und wirken schwach; es wurden bisher auch keine neuen Eier gelegt.
Bei zwei Kolonien sind Pygmäen gestorben. Die unerwartete Unterbrechung des Rhythmus wirkt sich definitiv negativ auf die Kolonien aus.
Der meiste Rest, der gestern das Winterquartier verlassen hat, wirkt allerdings wiederrum gesund.
Viele Kolonien sind schnell aktiv geworden und haben die RGs ausgiebig erkundet. Die Lasius Königinnen haben allesamt schon Eier gelegt,
eine sogar eine ungewöhnliche Menge :) Auch meine kleine Camponotus ligniperdus Kolonie ist innerhalb der ersten Stunden schon ans Zuckerwasser gegangen.
Bisher sieht also alles so gut aus, wie es sollte. Ein paar Wochen und doch ein großer Unterschied. Zeit für ein erstes Statement:
Die Winterruhe wegzulassen, scheint den Kolonien in ihrer Entwicklung nicht zu schaden, im Gegenteil; sie haben sogar einen großen Vorsprung gegenüber den "schlafenden" Kolonien.
Eine sehr kurze Winterruhe ist schlecht, die Tiere werden stark geschwächt und das sollte vermieden werden. Also entweder die Winterruhe ganz weglassen oder sie möglichst lang gestalten.
Wie sich die Versuche auf lange Zeit auswirken bleibt abzuwarten.
Edit Uta - Verschoben ins Forum "Diskussion und Fragen Allgemein"
Zwei Einwände:
1. es fehlt die Nullprobe, also Kolonien mit normaler Winterruhe.
2 geht es bei der Frage, ob man seinen Kolonien eine Winterruhe gönnt, nicht darum, ob das kurzfristig vernachlässigbar ist, sondern um Langzeitwirkung (die Arbeiterinnen sind hier eigentlich egal, solange sie lange genug leben, um neue Schwestern aufzuziehen, wenn die Vitalität und Fertilität der Königin jedoch angeschlagen ist, dann wird die Kolonie darunter leiden) und die kann man nur über Jahre nachweisen!
da hat Markus recht... hätte jetzt etwas Ähnliches geschrieben... hast ja keinen Vergleich (5 Kolonien pro Seite solltens mindestens sein (sonst könnte ein Aussterben bzw Schaden einer Kolonie auch Zufall sein)
(also normale Winterruhe ohne Winterruhe halbe Winterruhe) noch dazu müsstest du das mindestens 4-5 Jahre machen und dan n auswerten ;-) auf kurze Zeiten werden sich keine bis kaum Veränderungen feststellen lassen :-) wie z.b den Tod einer Kolonie :(
Lg
Chris
Es gibt schon Unterschiede ob Gründerköniginnen mit ihren ersten Arbeiterinnen durchgehalten werden oder eine verkürzte Winterruhe bekommen oder mehrjährige Völker.
Gründervölker neigen dazu die erste Winterruhe durch zu machen.
Ältere Völker stellen eher von alleine im Spätsommer die Nachwuchsaufzucht ein.
Beobachtet bei Lasius niger und flavus.
Lasius flavus http://www.antstore.net/viewtopic.php?f=137&t=10752
Lasius niger http://ameiseninfos.de/html/lasius_o__winterruhe.html
Eine weitere wichtige Fragestellung, angenommen sie werden ohne Winterruhe durchgehalten oder mit einer verkürzten, wie sie es später im Sommer aus?
Legen sie schon im Juli eine Pause (Winterruhe) ein?
Grüße Wolfgang
Ich habe das ja auch nicht gemacht, um eine pseudowissenschaftliche Erklärung im Forum abzugeben,
mir ist es einfach nur aufgefallen (Falls das jetzt jemand so verstanden hat).
Ich hätte nicht erwartet, dass drei - vier Wochen länger einen so deutlich zu merkenden Unterschied machen.
Einen derart großen Versuch mit großen Kolonien über Jahre hinweg durchzuführen, kann und will ich nicht bewerkstelligen;
man müsste schließlich exakt die gleichen Bedingungen haben und viele Kolonien versorgen.
Auch wenn ich jetzt zu den Langzeitfolgen nichts sagen kann, finde ich trotzdem, dass ein deutlicher Unterschied zu merken ist.
Und wenn die kurzfristige Folge ist, dass die Kolonie schlichtweg wie die Fliegen umfällt, finde ich das nicht unwichtig.
Mir ging es also weniger darum, das Weglassen der Winterruhe zu befürworten, als darauf aufmerksam zu machen, wie schlecht es den Kolonien ging.
@Erne: Das stimmt, die Koloniegröße ist natürlich sehr wichtig. Die Kolonien stammen teils teils von 2010 und 2011,
die Serviformica von 2011.
Lieber AntsInSL,
ich finde deinen Beitrag sehr gut und auch jede Beobachtung sinnvoll zu veröffentlichen. Gerade Anfänger stellen immer die Frage der Winterruhe (ich auch) und mehr Informationen hierzu runden das eigene Handeln ab.
Für mich war alles verständlich und ich freue mich schon über weitere Beobachtungen deiner Kolonien.
LG Snidaho