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Anonymous: Interessiert euch die Beschaffung (Legalität) eurer Exoten? (13. Nov 2011 21:53)

Ein Hallo ans Forum,
anlässlich des Wirbels um den "Ameisenschmuggel" von Herrn K. würde es mich interessieren, wie wichtig es euch ist,
dass die Ameisen legal und in Rücksichtnahme auf die Gefährdung im Herkunftsland gesammelt werden.
Natürlich geht es dabei um Exoten. Spannend wären vor Allem ehrliche Antworten,
also mal darüber nachdenken, ob man auch eine "mitgeschmuggelte" Kolonie annehmen würde.
Ich muss sagen, dass ich persönlich auch etwas hinundhergerissen bin,
weil ich zwar Gesetze für sinnvoll halte, aber wenn mir jemand eine interessante Art anbieten würde..
Tatsächlich sind ja schließlich fast alle Kolonien ohne Papierkram einfach gefangen,
denke ich mal. Bin mal gespannt, was ihr dazu meint.

=>Für die, die davon noch nichts mitbekommen haben: http://www.antstore.net/viewtopic.php?f=20&t=16829

Ants-Fan: Re: Interessiert euch die Beschaffung (Legalität) eurer Exoten? (14. Nov 2011 07:44)

Hallo AntsInSL!
Geschmuggelte Ameisen kaufen....Woher soll man denn wissen das die
Ameisen geschmuggelt sind? Es geschieht ja nicht alle Tage das
so einer wie K. gefunden wird. Exoten wie z.b Solenopsis geminata
würde ich eh nie kaufen/fangen. Es bestehen sehr hohe Gefahren bei dieser Art.
Und wenn man sie z.b nach Europa schmuggelt, dann könnten sich die Exoten
hier einheimisch fühlen, und es bestehe eine gewisse Bedrohung für die einheimischen Arten.
(Nicht bei allen Exoten der Fall)
Es ist also wichtig zu wissen woher die Exoten kommen,

MfG Ants-Fan

baumarkthammer: Re: Interessiert euch die Beschaffung (Legalität) eurer Exoten? (15. Nov 2011 15:08)

Als ich die Artikel gelesen habe und auch die damit verbundene Auseinandersetzung auf dem Ameisenforum, habe ich mich gefragt, wie die ganzen Leute, die teilweise schon Jahre in der Community aktiv sind nicht wissen konnten, dass die Tiere, vorallem aus Australien, zum großen Teil nicht legal hier sind.
Wie derameisige in einem anderen Thread hier geschrieben hat, ist es nur einem einzigen "Shop" bzw ehemaligen Shop gestattet Ameisen aus Australien für kommerzielle Zwecke auszuführen. Wie hingegen Alexander Wild geschrieben hat auf seinem Blog, ist es extrem schwer und zeitaufwändig die nötigen Genehmigungen zu bekommen.
Ich nahm deswegen an, dass die illegale Beschaffungsweise den meisten aus der Community klar sein sollte.

Der Schmuggel von Tieren, ist ein Vergehen, dass das geahndet wird ist natürlich klar.
Ich muss allerdings zugeben, dass die Gesetzeslage mir relativ egal ist. Wäre die Ausfuhr der Tiere eine Gefahr für die Population der Tiere, so würde ich dies ebenfalls verurteilen, allerdings hat das Entfernen einiger oder auch einiger hunderter Kolonien oder Königinnen keine große Auswirkung auf die Population oder das Ökosystem. Um eine tatsächlich bedeutende Anzahl an Tieren abzusammeln wäre mehr als eine einzelne Person nötig, welche die Tiere sammelt um sie anschließend zu verkaufen.

Außerdem zu beachten ist auch, dass Tiere, die hier teuer verkauft werden, im Herkunftsland nicht selten sein müssen.
So werden z.B. gegen Atta spp. Pestizide gesprüht in Südamerika und Myrmecia werden in Australien auch als Schädlinge bzw als potentiell gefährliche Tiere getötet.
Nur dass Tiere teuer sind bedeutet nicht, dass sie geschützt sind.

Die strengen ein und Ausfuhrauflagen haben hauptsächlich andere Gründe.

Es ist durchaus sinnvoll, dass man sich informiert, woher die Tiere kommen und welchem Schutzstatus sie unterliegen und wie es um ihre Population im Herkunftsland steht, dagegen kann man nichts sagen.

Natürlich ist diese Diskussion dicht mit der generellen Diskussion über die Haltung von Exoten gekoppelt.

Übrigens ignoriere auch die ganze Sache mit der "Infektionsgefahr" bewusst, da ich durch den Exotenverkauf keinerlei Infektionsgefahr sehe.
In unserer globalisierten Welt, in der täglich viele tausende Container aus Allerwelt in Allewelt verschickt werden, ist für mich nicht ersichtlich, wie in einem Reagenzglas mit Ameisen ein Parasit oder etwas ähnliches sitzen kann, was in diesen Containern nicht enthalten war.
Wer mir überzeugend erklären kann, wie genau der Versand von exotischen Tieren eine Gefahr werden sollte, soll das bitte tun.

Gruß
Kaj

Anonymous: Re: Interessiert euch die Beschaffung (Legalität) eurer Exoten? (15. Nov 2011 20:32)

Man mag es naiv nennen, aber ich habe mir ehrlich gesagt nie groß Gedanken gemacht,
auf welche Art und Weise die Ameisen nach Deutschland kommen, ob nun legal oder nicht.
Ich bin einfach davon ausgegangen, dass Genehmigungen vorliegen. Habe ich das richtig verstanden,
dass sich der deutsche Zoll überhaupt nicht für "mitgeschmuggelte" Ameisen interessiert, sondern nur die Herkunftsländer?

derameisige: Re: Interessiert euch die Beschaffung (Legalität) eurer Exoten? (15. Nov 2011 20:58)

@ baumarkthammer:

„Übrigens ignoriere auch die ganze Sache mit der "Infektionsgefahr" bewusst, da ich durch den Exotenverkauf keinerlei Infektionsgefahr sehe.
In unserer globalisierten Welt, in der täglich viele tausende Container aus Allerwelt in Allewelt verschickt werden, ist für mich nicht ersichtlich, wie in einem Reagenzglas mit Ameisen ein Parasit oder etwas ähnliches sitzen kann, was in diesen Containern nicht enthalten war.“
„Was man sich nicht vorstellen kann, das gibt es auch nicht“ – Wie schön wäre das!
Bis heute sind es ein paar Dutzend „tramp species“ unter den Ameisen, die immer wieder mal in die Container gelangen und verbreitet werden.

Die große Mehrzahl der > 12.500 Ameisenarten verblieben bisher an Ort und Stelle; vielleicht deshalb, weil sie beim normalen Handelsverkehr überhaupt keine Gelegenheit haben, in die Warensendungen zu gelangen?

Bis heute ist - Gott sei Dank! - keine der auf die Tropen und Subtropen der Neuen Welt beschränkten Blattschneiderameisen irgendwo in die Tropen/Subtropen Afrikas oder Südostasiens oder Australiens gelangt, TROTZ des Warenverkehrs. Die eine Kolonie, deren Ausbruch in Köln für so viel Aufsehen sorgte, kam durch den Ameisenhandel dorthin.

Ich weiß von genau einer Kolonie Blattschneider, die in Indonesien von einem Halter importiert und betreut worden war. Gott sei Dank war rechtzeitig die Königin verstorben.

Nordamerika hat aus Europa u.a. Tetramorium caespitum bekommen (wahrscheinlich mit getopften Bäumchen, schon im 18. Jh. oder früher). Ihr hier sehr seltener Parasit Anergates atratulus ist ihr mit Erfolg nachgezogen (worden). Der in Europa ca. 10mal häufigere Parasit Strongylognathus testaceus hat es, trotz aller Warentransporte , nicht geschafft; bei den zahlreichen amerikanischen Myrmekologen wäre er entdeckt worden.

Oecophylla smaragdina wurde durch den Warenverkehr nicht nach Afrika gebracht, noch nicht einmal nach Westaustralien, wo sie beste Lebensbedingungen hätte, O. longinoda nicht nach SE-Asien und nicht in die Neue Welt.

Keine der Myrmecia-Arten wurde bisher zufällig durch den Warenverkehr zufällig in ein anderes Land mit passendem Klima gebracht.

Die Liste wäre endlos zu verlängern. Was ich sagen möchte: Der Ameisenhandel bringt zahllose (oft unbestimmte) Arten in überseeische Länder, die auf dem Weg über normalen Warenverkehr NIEMALS dorthin gelangen könnten. Kalytta hatte laut den Berichten allein in seinem Material über 50 australische Arten!

Lg, derameisige

Markus: Re: Interessiert euch die Beschaffung (Legalität) eurer Exoten? (15. Nov 2011 21:30)

Fängt jetzt wieder der Jüngste Kreuzzug an?
Die Metapher beißt sich doch selbst in den Schwanz, wenn der Ameisenhandel zahllose Arten in Länder bringt, wor sie überleben könnten,
aber kein einziger Fall bekannt ist, in dem eine Kolonie durch den Ameisenhandel sich auch in einem fremden Gebiet etablieren konnte,
dagegen allerdings etliche Arten mit dem Warenverkehr umgesiedelt wurden, so ist der Warenverkehr immer noch wesentlich schwerwiegender...
Denn wenn es jetzt einen solchen Fall gäbe, dann wäre dieser doch in die rethorische Gatlinggun gepackt worden und wie die Heilige Lanze vorrangetragen.

derameisige: Re: Interessiert euch die Beschaffung (Legalität) eurer Exoten? (16. Nov 2011 16:25)

@ Markus: Leider nützt es wenig, die erforderlichen Informationen nur einmal zu posten, wenn immer wieder neue User sich ein Urteil auf der Basis ihres naturgemäß (!) beschränkten Wissens erlauben, und wenn die "Altgedienten" immer wieder vergessen, was es dazu an Informationen gibt.

Es ist wissenschaftlich erwiesen und veröffentlicht, dass die Ansiedlung einer neu eingeschleppten Ameisenart mehrere Jahrzehnte benötigen kann, bis die Art auffällig wird, und das gilt für Arten, die für den Menschen direkt schädlich werden (Gebäude, Landwirtschaft). Ameisenimporte für Haltungszwecke gibt es seit gerade mal 10 Jahren ; die zunächst relativ kleine, dann aber rapide wachsende Zahl importierter Arten wurde z.B. im Forum der DASW dokumentiert: http://www.ameisenschutzwarte.de/forum/viewtopic.php?f=3&t=134

Reicht Deine Fantasie, um Dir vorzustellen, wie lange es dauert, bis etwa eine am Waldrand „entsorgte“ Camponotus sp. aus China oder Japan sich so weit etabliert hat (mehrere Vermehrungs- und Ausbreitungszyklen von je mindestens 3 Jahren sind erforderlich um eine kleine Population aufzubauen), dass sie von einem der ja ganz wenigen Myrmekologen entdeckt und v.a. als exotisch identifiziert wird?

Ein wenig Einblick kannst Du hier gewinnen, v.a. auch zum zeitlichen Verlauf von Ansiedlugen und Invasionen:
http://www.ameisenwiki.de/index.php/Archiv_%C3%A4lterer_Ereignisse/2005#Eingeschleppte_ausl.C3.A4ndische_Ameisenarten:_Wie_viele_siedeln_sich_erfolgreich_an.3F_.2823.11.05.29

Auch wenn hier die „Übersetzung“ angezweifelt wurde (im AWiki ist es, nebenbei, keine Übersetzung, sondern eine Interpretation der Arbeit):
http://www.antstore.net/viewtopic.php?t=3090

Immerhin stehen solche Informationen sogar im Forum des Antstore; man muss nur ein wenig suchen.

lg, derameisige

Gast - ehem. User: Re: Interessiert euch die Beschaffung (Legalität) eurer Exoten? (16. Nov 2011 23:02)

Evtl kannst du ja bei einer einzigen exotische Art nachweisen, dass sie sich problemlos hier über mehrere Jahre etablieren kann, dann wäre nicht so viel Fantasie nötig, um sich deinen Ausführungen anschließen zu können.

Wir können nur froh sein, dass Fantasie kein Beurteilungsmaßstab des NABU und des Umweltministeriums ist, sondern Fakten.

Auch wenn hier die „Übersetzung“ angezweifelt wurde (im AWiki ist es, nebenbei, keine Übersetzung, sondern eine Interpretation der Arbeit):
viewtopic.php?t=3090

Ich dachte auch immer, dass der Sinn eines Wiki ist Informationen sachlich und objektiv darzustellen, aber immerhin bestätigst du ja meine Auffassung, dass dem nicht so ist.

baumarkthammer: Re: Interessiert euch die Beschaffung (Legalität) eurer Exoten? (17. Nov 2011 09:02)

@derameisige, zunächst ein paar bitten; Kannst du vielleicht die Quelle zu den Tetramorium posten? Mir war zwar durchaus bewusst, dass die Art in Nordamerika lebt, aber es war mir nicht bewusst, dass es sich um eine so lange her eingeschleppte Art handelt. Ist nicht schon eine viel frühere Einschleppung möglich, durch vorherige Siedlungen der Menschen in Nordamerika?
Kannst du dann vielleicht auch die Quelle posten zur verzögerten Feststellung invasiver Arten?
Das sollte für Personen wie dich ja kein Problem sein.

Ich sehe in deiner Aussage in soweit keinen Wiederspruch zu meiner, dass ich der Meinung bin, dass etwas mehr nötig ist damit sich eine Art erfolgreich etablieren kann als nur in etwa passende klimatische Bedingungen. Die Anpassung an die natürlichen Konkurrenten ist meiner Meinung nach ebenfalls sehr entscheidend. Leider fehlen mir noch die akademischen Qualifikationen hier eine wirklich wertvolle Aussage zu treffen, deswegen wird es ohne Studium wohl leider wie so oft bei Meinungen bleiben.

Allerdings muss ich zugeben, dass eine Etablierung auch einer kleinen Attini Population in Afrika aber vorallem Asien schreckliche ökologische aber auch vorallem agrarwirtschaftliche Folgen haben könnte, die bis ins katastrophale gehen könnten. Das steht ganz außer Frage
Vielleicht ist es das ein positiver Aspekt, dass die Tiere die wir daheim Pflegen oft nur in den kleinen Welten überleben können die wir ihnen erschaffen.
Es ging mir allerdings bei meinem Post vorwiegend um die Parasiten auf den eingeführten Tieren, die sich durch den Warentransport viel einfacher verbreiten können als andere größere Tiere. Ausgenommen natürlich artgebundene Parasiten wie Anergates.
Die stelllen denke ich auch eine viel größere Gefahr da, wie man am horrenden Bienensterben sieht. Wie groß die Gefahr für die Einschleppung eines Parasiten für Ameisen ist kannst vielleicht am ehesten du hier beantworten, aber die Gefahr die von den Parasiten auf den eingeführten Tieren ausgeht wird denke ich minimal sein, wie auch die Menge der eingeführten Tiere nicht astronomisch groß sein wird. Wie es da beispielsweise Bakterien aussieht, welche bewiesener weise in großer Anzahl den Magen von Ameisen bevölkern, ist für mich nicht abzuschätzen. Es ist wahrscheinlich theoretisch möglich, dass solche Bakterien in den Darm anderer Tiere gelangen, aber in wie fern sie sich dort etablieren und in wie fern sie gefährluch werden können ist für mich unmöglich zu sagen, ich halte so ein Szenario nur für generell möglich, wenn auch für unwahrscheinlich.

Vom Smartphone gepostet, eventuelle Tippfehler werden später behoben.

Gruß
Kaj

derameisige: Re: Interessiert euch die Beschaffung (Legalität) eurer Exoten? (19. Nov 2011 09:41)

@ baumarkthammer:
Der Link zur Etablierung von eingeschleppten Ameisen steht im AWiki:
http://www.ameisenwiki.de/index.php/Archiv_%C3%A4lterer_Ereignisse/2005#Eingeschleppte_ausl.C3.A4ndische_Ameisenarten:_Wie_viele_siedeln_sich_erfolgreich_an.3F_.2823.11.05.29

http://news.illinois.edu/news/05/1115ants.html

Der Volltext der Untersuchung ist inzwischen allgemein zugänglich:
http://www.pnas.org/content/102/47/17032.full.pdf+html

Für User, die mit wissenschaftlichem Vorgehen unvertraut sind: Die Originalarbeit enthält Originaldaten. Es ist üblich, solche veröffentlichten Daten auch unter anderen Gesichtspunkten zu interpretieren, sogar in wiss. Publikationen, nicht „nur“ in einem Wiki.

In diesem Fall untersuchten die Autoren ihre Daten um zu belegen, dass längst nicht alle eingeschleppten Arten sich am neuen Ort (USA!) auch ansiedeln; eine Binsenweisheit, nebenbei, aber hier mit Zahlen untermauert.
Aus denselben Daten kann man auch entnehmen, wie viele Arten sich tatsächlich angesiedelt haben – bis 1985. Der Ameisen-Handel (erst ab 2000) sowie Staaten außerhalb der USA sind in der Arbeit nicht berücksichtigt.

Zu Tetramorium in USA kann ich jetzt keine langwierige Suche anstellen. Es steht bereits im Hölldobler/Wilson 1990, S. 438, mit Angabe weiterführender Literatur.

Hier weitere interessante Informationen zum Thema:
http://www.ameisenforum.de/ameisenforum-2001-2005-archiv/22343-spurensuche-tetramorium-tsushimae-eine-neue-invasive-ameise.html

Die Einschleppung von T. caespitum nach USA erfolgte wahrscheinlich nicht in präkolumbianischer Zeit. Noch heute ist sie auf den Osten der USA beschränkt. Wäre sie mit dem "ersten Amerikaner" (C. W. Ceram) angekommen, müsste sie im Westen verbreitet sein, denn die Besiedlung durch den Menschen erfolgte über die Beringstraße. Die Wikinger mit ihren offenen Booten dürften es auch nicht gewesen sein.

lg, derameisige


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