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Fabian: (3. Dez 2006 22:19)

Ich halte diese "Artgerechte Haltung" Diskussion auch für etwas überzogen, natürlich ist eine möglichst Artgerechte Haltung wichtig, ich halte zB. nichts von Gel Formicarien und sowas, auch sollte das ganze groß genug sein, ausreichend Futter etc. aber mal ernsthaft, welcher Ameisenhalter, hält denn seine Ants artgerecht bitte schön, Lasius niger in einer Antfarm mit 20*15 Arena zu halten ist genauso wenig Artgerecht wie Camponotus gigas in einem 40*100 Becken zu halten.
Man sollte das nicht überbewerten, wer für absolut artgerechte, naturgetreue Haltung ernsthaft einsteht, sollte keine Haustiere halten, weder Ameisen noch Hunde, ist ein Schäferhund der am Tag 2h draussen verbringt und den Rest im Haus artgerecht gehalten? Oder ne Hauskatze? Verwilderte Katzen haben auch ein großes Territorium, oder was ist mit euren Futtertieren, sind 150 Heimchen in einer 15*15 Dose artgerecht gehalten? Eher weniger..
Ich bin wiegesagt auch für eine möglichst artgerechte Haltung, sehe hier aber nicht den Unterschied den es macht eine riesen Atta Kolonie oder andere Camponotus Arten in Terrarien zu halten, diese aber nicht.

Joda: (4. Dez 2006 19:08)

Ich meinte mit artgerechter Haltung, dass sie sich gut entwickeln können, sich vermehren und auch längerfristig überleben können.
Ich denke mir, dass der Trieb zur Zweignest Bildung ähnlich stark ist, wie z.B. bei den Weberameisen der Trieb resp. ihre Neststruktur aus lebenden Blättern zu weben resp dies zu ihrem Nest zusammen zu weben.

Wenn sich aber herausstellt, dass man diese Art wirklich erfolgreich halten kann, wäre das echt super toll.
LG Joda

Fabian: (4. Dez 2006 19:18)

Ich bin kein Fachmann, wie einige andere hier, aber soweit ich weiß legen auch heimische Arten, sowie Arten die sehr wohl in Formicarien gehalten werden Zweignester an und werden z.B. Polygyn, ich denke nicht das das ein Hinderniss an sich ist, ich denke es kommt vorallem darauf an wie groß deine Anlage werden soll, ein 30*60 becken ist auf die dauer sicher zu klein, verbindet man 3 oder 4 becken, ist sicher auch ein zweig nest möglich!

Ulrich_W: (4. Dez 2006 19:49)

Hallo zusammen,

@Fabian
scheinbar scheinst du doch noch gefallen an solchen Diskussionen gefunden zu haben? :grin:

Bitte bedenke, das Camponotus gigas Arbeiterinnen 3 bis 4cm Körperlänge erreichen, ist ja nicht umsonst die größte Ameisenart der Welt!
Ich denke wir müssen hier schon über eine größere Anlage reden und nicht nur über 3 oder 4 Becken, auch ohne Zweignest!
Mal ohne den natürlichen Auslauf überhaupt zu betrachten, und zu bewerten ob dies artgerecht ist, meinst du wirklich ein 40x100cm Becken ist dafür ausreichend?

Gruß

Ulrich

Fabian: (4. Dez 2006 20:32)

Naja, solange ich meinen Post nicht mit Zitaten anderer fülle um denjenigen damit nen Strick zu drehen ist das noch in Ordnung :P

Klar, du hast natürlich völlig recht, für 500 gigas Arbeiter ist so ein Becken sicher ungeeignet! Wenn sich jemand aber eine neue Kolonie bestellt, dieser Art, vermute ich das er eine Queen und vllt, 5 Worker bekommt und ich denke (wiegesagt, ich halte keine Exoten und kenn mich da auch nicht aus, daher nur meine MEINUNG, kein Wissen :P) für eine Anfangskolonie würde das allemal reichen.
Das Problem das eine Kolonie irgendwann wächst hat man ja nicht nur mit Camponotus gigas, sondern in besonderem Maße eben mit Atta, aber nach gewisser Zeit eben auch bei allen anderen Arten, und die Frage ist, was macht man dann? Das sollte aber jedem Ameisenhalter bewusst sein. Das ein Staat oft mehrere 1000 - 100000 und mehr Tiere zählt, ist wohl jedem bekannt (HOFFE ICH!).
Also die Frage "was wenn die Kolonie wächst?" stellt sich bei jeder Art früher oder später und man sollte sich natürlich überlegen, wie man Erweitern kann etc.
Was C.gigas angeht, es gibt durch aus Leute die sich Fische in einem 100*250 Becken halten (mein Zahnarzt z.B., sehr beeindruckend nebenbei^^), die Frage ist halt immer "Hab ich den Platz??", im 12m² Jugendzimmer ist das natürlich nicht unterzubringen, aber ich würde nicht sagen das Camponotus gigas nicht zu halten wären, genau wie andere Ants die extrem schnell expandieren oder eben auch eine gewisse Größe erreichen nicht zu halten wären.
Ich wollte auch mit meinem obrigen Post nicht sagen das man so mir nichts dir nichts jede Ameise in ein 15*20 Becken stopfen soll :P
Jeder Halter sollte sich vorher informieren ob und wie er seine Ameisen möglichst artgerecht halten kann, und nicht nur zu Beginn sondern in den Folgejahren auch, allerdings stellt sich die Frage bei jeder Art und ich bin der Meinung das man eine Doppelmoral hat, wenn man auf der einen Seite die wenig artgerechte Haltung anderer exotischen Arten toleriert, bei dieser aber sagt "du, du, das macht man aber nicht".

Oder trifft hier der schöne Satz zu: "Alle Ameisen sind gleich, aber einige sind gleicher"? ^^ Sprich verdienen einige Arten mehr artgerechte Haltung als andere? Ich weiß es nicht!

earlant: Neue Veröffentlichung zu C. gigas (11. Jan 2007 18:12)

Hier habe ich ein paar Informationen aus einem Beitrag referiert, der sich mit dem Sammeln einer großen Kolonie C. gigas befasst.

Camponotus gigas gehört zu den größten Ameisen der Welt. Sie lebt in den tropischen Regenwäldern von Südostasien. In der Ausgabe Dezember 2006 der online-Zeitschrift „Notes from Underground“ erschien ein Bericht über „Erste Bemühungen eine lebende Kolonie der riesigen Wald-Ameise Camponotus gigas (Hym.: Formicidae) zu sammeln und in der Penang-Schmetterlingsfarm zu halten“.

Randy C. Morgan, David Goh, B.T. Chin, Kuennie Lee and Tan Poai Ean (2006): INITIAL EFFORTS TO COLLECT AND MAINTAIN A LIVE COLONY OF GIANT FOREST ANT, CAMPONOTUS GIGAS (HYMENOPTERA: FORMICIDAE) AT THE PENANG BUTTERFLY FARM. Notes from Underground 11/2, November 2006

http://www.notesfromunderground.org/indexfiles/contentspage11-2.htm

Aus dem Inhalt:

Auf 0.5 Hektar (= 5.000 qm) Sekundärwald wurden 12 Satellitennester gefunden, die alle derselben Kolonie angehörten. In einer mehrtägigen Aktion wurden alle Nester ausgegraben. Major-Arbeiterinnen haben kräftige, scharfe Mandibeln, beißen schmerzhaft und durchschneiden oft die Haut des Sammlers. Etwa 800 Arbeiterinnen wurden gesammelt und in Plastikbehälter gefüllt.

Weder eine Königin noch Brut wurden gefunden. Sie befanden sich wahrscheinlich in Nestern, die nicht entdeckt wurden. Die Ameisen wurden zusammen mit bewohnten Holzstücken in vier durch Schläuche verbundene große Aquarien gebracht. Sie nahmen Zucker- und Honigwasser auf, jedoch im allgemeinen keine kleinen Insekten.

Die Arbeitersterblichkeit war anfangs extrem hoch, was anscheinend auf große Mengen von Ameisensäure zurück zu führen war, die beim Sammeln abgegeben und auf andere Ameisen übertragen wurde. Die beträchtliche Mortalität hielt für sechs Wochen an, bis sich die Zahl der Arbeiterinnen bei annähernd 50 stabilisierte.

Der Plan, eine Ausstellungs-Kolonie für die Schmetterlingsfarm von Penang aufzubauen ging also daneben. Die Arbeit in „Notes from Underground“ enthält Zitate mehrerer Veröffentlichungen zur Biologie und Ökologie dieser Ameisen. So sollen die größten Arbeiterinnen 3 cm Länge erreichen und bis 400 mg wiegen. Die noch etwas größeren Königinnen seien die größten bekannten Ameisen (A.B.: das kann nicht stimmen; Dorylus-Königinnen können viel größer werden!). Das Furagieren erfolgt überwiegend nachts. Kolonien werden offenbar claustral gegründet. Die Kolonien scheinen („appear“) monogyn zu sein.

Zur ätzenden Wirkung der Ameisensäure von C. gigas füge ich einen Abschnitt aus der Originalarbeit ein. Er ist leicht verständlich:

The caustic property of the C. gigas’ formic acid was dramatically demonstrated several days into our field work, when both R. Morgan and a field assistant, who had done most of the collecting by hand, experience serious after-effects. On both, thick layers of skin first blistered and then sloughed off the thumb, index and middle fingers that had been used to grasp ants. The end result was severe second-degree burns and, in a few spots, third-degree chemical burns that blackened the underlying tissue. These injuries were painful, greatly limited the use of the hands, and took several weeks to completely heal.

(A. Buschinger, 11.01.2007)

mfG,
Earlant

Sebastian Bott: (21. Mai 2007 22:38)

Ich würde es begrüßen, wenn unser Staat der Haltung solcher Ameisenarten, wie auch schon vorher bei vielen anderen Dingen den Riegel vorschieben und nur bei Sondergenehmigung erteilen würde. Ich finde es immer wieder erstaunlich welche Grenzen mit Geld so einfach überschritten werden können.

Allgemein bin ich für eine rein heimische Artenhaltung. Allein schon wenn ich solche haarsträubende Themen hier sehe, dass jemand mit Myrmecia oder Atta in die Ameisenhaltung einsteigen wollen...

Ich würde mich über mehr Ameisenanlagen in den deutschen Tierparks freuen. (Habe ja schon meine Fotos von unseren zwei Anlagen im Münchner Zoo ins Forum gestellt.) Ich behaupte, dass ein mittelgroßer bis großer Zoo schon in der Lage ist eine solche Art zu halten und bietet für Interessierte den Vorteil in den Genuss der vielfältigen Ereignissen zu kommen ohne den dabei auftretenden Stress durch die Haltung erleiden zu müssen.

Ulrich_W: (23. Mai 2007 16:49)

@Sebastian Bott
Sorry, aber schon ein bisschen merkwürdig und eigentlich auch konfus was du hier geschrieben hast!? Oder einfach nur Off Topic?

Warum in aller Welt sollte ein Staat es verbieten bestimmte Ameisenarten zu halten und dann einem Zoo, per Sondergenehmigung die Haltung erlauben, obwohl der Grund für die verbotene Haltung ja ganz eindeutig die verfügbare Fläche zu sein scheint!

Du bist für eine rein einheimische Artenhaltung und beklagst dass andere Leute mit schwierigen Ameisenarten beginnen! Ihr habt aber ebenfalls in eurem Zoo mit der Haltung von Atta und Myrmecia angefangen, wo sind denn da die langjährigen Erfahrungsträger und die einheimischen Ameisenarten?

Das Interessante an der Ameisenhaltung ist ja nicht ab und zu mal ein paar Ameisen zuzuschauen und dabei auch noch Eintritt zahlen zu müssen! Das kann man auch leichter haben, man muss nur vor die Tür gehen und nach unten schauen, zumindest für einheimische Arten!
Im Zoo kann man sich z.B. ein paar Affen und Nashörner anschauen, denn die kann man wirklich nicht zu Hause halten!
Sondern der Reiz daran liegt natürlich auch im Zuschauen, Beobachten und Füttern, aber auch am Einrichten, Gestalten und Pflegen des Formikariums!
Schau dir nur mal an mit wieviel Ausdauer, Geduld und Liebe hier manche Leute daran gehen ihren Lieblingen ein neues Zuhause zu schaffen!

Der weg ist das Ziel! (Bruce Lee)

Nichts für Ungut

Ulrich

Sebastian Bott: (23. Mai 2007 17:17)

Nicht nur Zoos erlauben solche zu halten, sondern per Sondergenehmigung wie auch bei vielen Reptilien oder Ähnlichem. Diese werden dann von Zeit zu Zeit auf die Haltungsbedingungen geprüft. Finde es einfach ziemlich schade, wenn man sich mit Geld das Recht erkaufen kann, solche Tiere dahin siechen zu lassen.

Eaglesword: (23. Mai 2007 17:38)

Zu Camponotus gigas habe ich mir folgende Gedanken gemacht:

Einrichtung einer verhaltensgerechten Anlage
1 großes Hauptbecken mit Anschlüssen an jeder Seite
mindestens 1 kleineres Becken pro Seite
Becken müssen Hochformat haben.

Bepflanzung
Sträucher: Coffea arabica, Abuliton, Azalaea japonica, möglichst Hochstamm
Pro Nebenbecken 1 Strauch als Futterquelle für die Ameisen. Insektengabe erfolgt in die Pflanze.

Hauptbecken bestückt mit Kunststoffwurzel (Mangrovenstil) für Nest.
Verbindungen mindestens je 1m.

Ich denke, ein Tiergarten kann eine solche Anlage mit Leichtigkeit installieren und präsentieren.


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