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Hannibal: Raptiformica sanguinea (22. Apr 2004 17:00)

Hallo an alle!!
Da mein Volk nun auch aus der Winterruhe erwacht ist, möchte ich hier nun ein paar Erfahrungen austauschen. Und da auch schon meine erste Bitte an alle, mir eure Erfahrungen mit den Raubameisen mitzuteilen.
Nach der Winterruhe hab ich gleich mal festgestellt, das ohne die nötige Umgebungs-Temperatur im Volk nicht viel los ist. Deshalb wird nun die Arena mit einem Heizstein ergänzt und schon wurden sie munterer. Auch die Queen hat den Kühlschrank gut überstanden und ist schon fest am Eier legen. Dazu gleich die erste Frage: Muß die Königin irgendwann nochmal "befruchtet" werden oder paart sie sich nur einmal in ihrem Leben??
Da die Kolonie auch fleißig am Beute machen ist (lecker Grillen) und dabei recht aggressiv vorgeht, habe ich nun vor, ihnen die Möglichkeit zu geben, sich Sklaven-Ameisen in den Bau zu holen. Dazu die nächsten Fragen: Welche Ameisenarten sind außer Serviformica fusca noch dafür geeignet? Und wo kann ich diese finden?
Demnächst werde ich den Ameisen auch anbieten, in ein Ytong-Nest umzuziehen. Momentan leben sie noch in einer Farm und machen auch einen ganz zufriedenen Eindruck. Frage: Sie ziehen doch selbständig um, falls ihnen der Ytong besser gefällt, oder?

So, das sollte für´s erste reichen.
Vielen Dank für jeden Tip

@Antastisch: Natürlich begatten, wie konnte ich nur...Und was würde passieren, wenn ich ihnen Puppen von nicht-Serviformicaarten anbiete? Könnten sie das sofort unterscheiden? (Danke)

Antastisch: (22. Apr 2004 18:23)

Königinnen werden nicht befruchtet sondern begattet. Befruchtet werden Eier! Sie hat nur einmal in ihrem Leben einen Hochzeitsflug. Dort kann es sein, dass sie mehrere Männchen begatten, danach allerdings nie wieder!

Alle Serviformicaarten dürften als Sklaven angenommen werden!Klar ziehen sie selbstständig um wenn ihnen der Ytong besser gefällt. Dazu einfach schön abdunkeln und feucht halten.

Hannibal: (23. Apr 2004 12:46)

Demnach ist Formica cunicularia als Sklavenameise ein potentieller Übernahme-Kandidat, oder?
Scooby, ich habe gelesen das du ein Volk dieser Art hast. :-)
Kannst du mir einen Tip geben, wo ich diese Art finden kann? Bei Antstore ist sie ja nicht erhältlich.
Ich habe gelesen, das sie recht schwer zu finden ist, da sie Erdnester mit nur wenigen Ein-Ausgängen baut.

Frank: (8. Mai 2004 18:26)

Wenn Du vorhast, Deinen sanguinea Serviformica anzubieten, musst Du ich schon noch ein Weilchen gedulden. Erwachsene Serviformica werden natürlich nur getötet. Solche inszenierten "Schlachten" im Terrarium sind ohnehin abzulehnen, ich denke, dass muss ich nicht erläutern. Erfolgreiche Sklavenaufzucht wird nur mit angebotenen Puppen einer Serviformica gelingen, also frühestens im Juni.

Scooby: Antwort (8. Mai 2004 19:40)

Original von Hannibal
Demnach ist Formica cunicularia als Sklavenameise ein potentieller Übernahme-Kandidat, oder?
Scooby, ich habe gelesen das du ein Volk dieser Art hast. :-)
Kannst du mir einen Tip geben, wo ich diese Art finden kann? Bei Antstore ist sie ja nicht erhältlich.
Ich habe gelesen, das sie recht schwer zu finden ist, da sie Erdnester mit nur wenigen Ein-Ausgängen baut.


Hallo Hannibal

Entschuldige meine verspätete Antwort!! *schäm*
Nun, meine Kolonie habe ich von einem Freund bekommen und ja, sie ist/wäre ein potentieller Übernahme-Kanditat.

Hier ein Paar Infos zu dieser Art:
Innerhalb bewaldeter Gebiete wirst Du sie nicht finden, nur an trockenen, sonnigen Stellen. (Bei mir in der Eifel fand ich schon sehr oft Formica sp., die ihr sehr ähnelten.
Richtig, die Eingänge zu ihren Nestern sind sehr gut versteckt. Die Kolonie, die ich halte, lebt in einem Erdnest - der Eingang ist stets verschüttet (!!vorsätzlich!!) u. kaum auszumachen.
Schwärmen tut F. cunicularia von Juni bis August.

Abschließend sei noch gesagt, daß diese Art recht angriffslustig ist u. schon fast als diebische Ameisenart angesehen werden kann, da sie auch anderen Arten oftmals das Futter stielt. Sie folgt den Transporteuren der Beute u. schlägt dann im richtigen Moment blitzschnell zu.
Bei mir daheim kann ich die Tiere sogar aus der Hand füttern. Ich hauche behutsam ins Nest, bis eine oder zwei Arbeiterinnen herauskommen, dann halte ich einfach das Futter (kleine Fliege) hinein. Sofort gehen sie auf meine Finger los, kurz davor lasse ich die Beute los, die dann ergriffen wird. :o)
Übertrieben ausgedrückt kann man sie aus der Hand füttern!! *lol*

Viele Grüße

Scooby

Hannibal: (10. Mai 2004 13:26)

Ich kann euch beruhigen, ich will keine Schlachten inszenieren, ich will nur ein paar Sklaven in die Kolonie einbringen. Das die Sevif.-Arbeiterinnen getöten werden, ist mir bewust. Meines Wissens wird meist sogar die Königin der Servif.-Art getötet, so das die überfallene Kolonie eingeht. (Bitte verbessert mich, falls ich hier Unsinn erzähle!)
In meiner Kolonie befinden sich schon einige Sklavenameisen, allerdings keine Formica cunicularia sondern Serviformica fusca. Die werden aber halt immer weniger und deshalb möchte ich "frische" Arbeiter ins Volk bringen. Zudem möchte ich überhaupt sehen, ob die Larven aufgezogen oder schlicht gefressen werden!
Jetzt nochmal zu meinen kleinen Räubern:
Ich habe jetzt die bestehende Farm mit Arena um ein ausgedientes Aquarium vergrößert und darin ein Ytongnest aufgestellt. Das fand aber bis jetzt noch wenig Beachtung, so das ich annehme, das es ihnen in der Farm besser gefällt. Naja mal schauen, vielleicht überlegen sie sich´s noch. Aber die darin liegende Holzwurzel scheint ihnen zu gefallen. Heute werd ich noch zwei kleine Pflanzen reinstellen, bin gespannt wie sie darauf reagieren. Auch hab ich wieder einen Wärmestrahler auf die Farm gerichtet, da sie es scheinbar lieber etwas wärmer mögen. (Darf man eigentlich hier Bilder reinstellen?) Die Königin ist schon wieder dabei, Eier zu legen, so das die Kolonie weiter wachsen wird. Hoffentlich!!! Bei der letzten Fütterung hab ich so ca. 50 Ameisen gezählt, plus x für die, die im Nest geblieben sind. Fehlen mir nur noch ein paar Sklaven....falls also mir jemand ein paar Larven zur Verfügung stellen möchte....:-)

Frank: (10. Mai 2004 17:53)

Warte doch noch die paar Wochen ab, Hannibal, bis die Servis im Freiland soweit sind. Larven werden Deine sanguinea eh auffressen, nur Puppen haben bei ihnen eine echte Chance. Stimmt auch, dass die sanguinea bei ihren Überfällen sehr viel mehr Servis töten wie zB. der die selbe Gattung parasitierende Polyergus. Sanguinea ist eine weniger gut angepasste Sklavenhalterameise. Ihr Sklavenhalterinstinkt hat sich wahrscheinlich im Ergebnis der Kämpfe mit konkurrierenden Arten herausgebildet, Kolonien anderer Arten wurden überfallen, niedergemacht, Brut und Inventar nach Hause verschleppt und infolge des plötzlichen Nahrungsüberschusses kamen immer mehr der Ameisen anderer Arten im sanguinea-Nest zum Schlüpfen. Irgendwann begann sanguinea diese artfremden Tiere zu tolerieren. Immer noch sind ihre Raubzüge jedoch vor allem Nahrungserwerb und Ausschalten von Konkurrenten. Daher die regelmässigen Massaker.
Polyergus hat sich sicher in sehr viel längeren Zeiträumen dieser Lebensweise angepasst und diese Entwicklung in viel früheren Zeiten bereits absolviert.
Man spricht hier wohl von fakultativen Duloten (zB. sanguinea, die nur zeitweise Sklavenraub betreiben und eigentlich darauf nicht angewiesen sind, Ausnahme hier die abh. Koloniegründung bei Serviformica) und obligatorischen Duloten (Polyergus, Harpagoxenus und andere, die sind auf die Hilfe ihrer jeweiligen Hilfsameisen dringend angewiesen). Diese obl. Duloten sind als gut angepasste Parasiten daher darauf bedacht, die Hilfsameisen nicht zu vernichten, ihre Raubzüge sind viel "unblutiger" und "ritterlicher". Denn würden sie alle überfallenen Kolonien bis auf die letzte Ameise ausrotten, würden sie sich ihrer Grundlage berauben. Sie lassen daher regelmässig einen Grossteil der überfallenen Kolonie ungeschoren und setzen nicht so hartnäckig nach wie sanguinea, denn diese haben w.o. beschrieben noch eine andere Motivation. Grüsse, Frank.

Hannibal: Danke für die Infos! (10. Mai 2004 19:16)

Ich habe gerade noch ein paar Beobachtungen gemacht:

Mein Ytongnest steht, wie schon oben erwähnt, in einem ausgedienten Aquarium. Den Boden habe ich mit einer ca 5 cm hohen Schicht aus verschiedenen Sandarten ausgefüllt, im Sand liegen Steine herum und seit geraumer Zeit jetzt auch ein paar kleine Wurzeln, die mit Moos bewachsen sind. Heute hab ich noch zwei Mini-Pflanzen (für 1euro bei obi) in den Sand gesetzt. Das mit den Wurzeln scheint den Kleinen zu gefallen, denn sie liegen ständig darauf, daneben oder darunter rum.
Den Eingeng zum Ytongnest habe ich "unterirdisch" gelegt, d.h. sie müssen durch ein kurzes Stück Schlauch im Sand um ins Nest zu gelangen. Dieses Ende des Schlauches habe ich jetzt unter einer Wurzel versteckt und schon sitzen fünf Ameisen im Inneren des Ytongs. (Frage: Kann es vorkommen, das sie nicht wieder zur Farm zurück finden?) Sie liegen da sehr gelangweilt rum, so das ich nicht an einen plötzlichen Umzug der ganzen Kolonie denke. Falls doch, lasse ich es euch wissen!
Ich überlege jetzt noch, ihnen den Umzug ein wenig schmackhaft mache, indem ich die Farm vom Lichtschutz befreie, so das es ihnen zu hell ist und sie dann schneller in den Ytong ziehen. Aberich denke das lass ich lieber...
In einem weiteren Punkt bin ich mir nicht ganz sicher, was ich davon denken soll: Seit der letzten kleinen Grille, die ich ihnen gefüttert habe, hat die Aussenaktivität stark nachgelassen. Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, das sie satt sind und erst wieder auf die Pirsch gehen, wenn sie der Hunger dazu treibt. Oder?? Woran merke ich, ob sie hungrig sind oder nicht?? Honigwasser steht ihnen ständig zur Verfügung und sie nehmen es auch an. Naja, ich werd´s weiter beobachten..

Bis demnächst!!

Hannibal: (12. Mai 2005 22:51)

So, nach längerer Pause mal wieder was von mir:
Das letzte Jahr mal kurz in der Zusammen- und Kurzfassung:
- Oben genannter Ytong wurde ignoriert, bzw als Müllhalde benutzt. Also Ytong wieder raus
- Schimmel in der Farm!!
- Ytong-Nest viel kleiner angelegt und wieder versucht
- kein Umzug, freiwillig...also nachgeholfen.
- Dann noch von mir ein Umzug mit den Ameisen und schon kam der Winter
-> nicht viel Zuwachs des Volkes im letzten Jahr, hab so ca. 50-60 gezählt.

Hannibal: (12. Mai 2005 23:12)

Das aktuelle Jahr:
Nach Überwinterung auf dem Dachboden habe ich Ende März die Kleinen wieder ins Wärmere geholt. Nach der Auftauphase wurden fünf tote Arbeiterinnen aus dem Nest gebracht. Ich bin mir nicht sicher, ob sie am kalten Winter, oder ob sie eines "natürlichen" Alters-Todes, gestorben sind. Naja, schade ist´s in beiden Fällen.
Nach Tagen des Stärkens zeigte das Volk merkwürdiges Verhalten:
Das komplette Volk verliess das Nest und quartierte sich für ein bis zwei Tage in einem Verbindungsschlauch ein! Ob sie auf der Suche nach einem Sommer-Quartier waren? Oder wollten sie nur mal lüften, ich weiß es nicht, leider. Ich glaube, so 100%ig gefällt es ihnen nicht im Ytong, die Arbeiterinnen versuchen an verschiedenen Stellen zu graben. Deswegen muß ich mir was überlegen und hab auch schon eine Idee, nur an den genaueren Plänen scheitert es noch... ich möchte ihnen ein Wurzelnest mit der Möglichkeit zum graben anbieten. Dann sehe ich zwar nicht mehr was im Nest los ist, aber dafür können sie buddeln wie sie wollen!
Ach ja, das Nest: Darin habe ich letzte Woche auch schon die ersten Puppen und Larven entdeckt, hurra! Sie legt wieder, die Queen! Anscheinend haben sie meinen zweiten Umzug innerhalb des letzten Jahres auch gut überstanden. Jetzt bekommen sie erstmal viel Ruhe und Futter, damit da mal was vorwärts geht. Nebenbei plane ich die Erwiterung der Arena mit dem neuen Nest.
So, soviel erstmal für heute, bis denn!


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