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Anonymous: Camponotus ligniperdus Projekt - Was meint ihr? (14. Apr 2011 20:46)

Hallo,
ich habe vor mir meinen Traum zu verwirklichen und eine große Camponotus lig n iperdus-Anlage zu bauen.
An ein Ytong-Nest (zunächst 30x 60cm, soll dann beim Wachsen der Kolonie erweitert werden) möchte ich ein Schlauchsystem mit ca. 5m Länge anschließen.
Als Arena stelle ich mir erstmal ein Glasbecken mit den Maßen 35x 40x 80cm vor. Zur Verfügung steht mir eine Kolonie mit ca. 150 Arbeiter innen .
Was sagt ihr dazu? Meint ihr, ein so langes Schlauchsystem und die Maße der Becken sind in Ordnung?
ich freue mich auf Antworten und Anregungen,
AIS :D

Markus: Re: C. ligniperdus Projekt - Was meint ihr? (14. Apr 2011 22:04)

Du solltest zumindest nahe am Nest eine kleinere Arena anbieten, denn nicht jede Arbeiterin läuft so lange Strecken und in der Nahnestarena könntest du so leicht Futter bieten.

Sahal: Re: C. ligniperdus Projekt - Was meint ihr? (15. Apr 2011 02:25)

AntsInSl krub

5m Fußmarsch sind für die Kleinen kein Akt und werden Notfalls auch übermütig Radschlagend bewältigt... was immerhin unterhaltsam aussieht :D
Ameisen, besser Arbeiterinnen, sind von Natur aus dazu ausgelegt, lange Strecken zurück zu legen. Wenn Du Dir die Dimensionen in der Natur anschaust, sind 5m (einschl. Suchmuster, Hindernisse, Aufstieg zur Lauskolonie etc pp) tatsächlich ein Klacks.

Jedoch wirst Du ein anderes Problem bekommen: die Standard-Schläuche bis 10 oder gar 15mm sind nicht ausreichend, um einem Volk auf dieser Länge Passage zu bieten. Den Damen mag es durchaus gefallen, der Kollektiven Intelligenz die Tarse zu zeigen und mit ein paar Puppen den Schlauch zu verstopfen, Ende Gelände und nichts geht mehr.
Vor allem wenn der Schlauch an einer Wärmequelle vorbei geführt wird, wirst Du sehr schnell Probleme bekommen, da die Arbeiterinnen bereits geringste Schwankungen der Temperatur erkennen und ausnutzen werden, um die Puppen schnell zur Schlupfreife zu bringen. Das lässt sich übrigens ganz nett ausnutzen, wenn man den Schlauch zB an einem Fuß Deiner Halogen-Schreibtischlampe oder am warmen Monitor vorbeiführt. Bei meinen Völkern Camponotus ligniperdus / C. herculeanus , die das Glech oder Plück hatten, auf meinem Schreibtisch zu hausen, reichte bereits eine Hand, die auf den Schlauch bzw an die Sichtscheibe des Beckens gelegt wurde, um eiligst Puppen heranzuschaffen.
Es ist eindrucksvoll, wenn die rauhen Mengen verschoben werden...


Als Schlauch empfehle ich Dir 45mm glasklaren Garten-/Wasserschlauch. Den Schlauch etwas erwärmen und dann gerade unter Bücher klemmen, damit der Querschnitt flacher und die Lauffläche breiter wird. 5m ist viel Schlauch und eine lange Strecke, auf der nichts los ist.
Der Antstore hat(te?) ein Kugelset im Angebot: 4 klarsichtige Kugel als Nestkonstrukt. Die Anschlussstutzen passen perfekt zu dem 45mm Schlauch und bieten tolle, dekorative Abzweigungen zu anderen Becken, oder nur als Lüftungsdingsbumms wenn der obere Stutzen frei bleibt.
[url=Tu ma hia guggn]http://www.youtube.com/watch?v=2je0HtI1XyQ[/url]
Mit diesen Kupplungen oder Verbindern lassen sich ~1m lange Teilstücke dekorativ realisieren, die auch notfalls zu reinigen sind, und Du kannst jeden Meter noch 3 weitere Arenen anschließen.
Für C. ligniperda / C. herculeanus reichen die mitgelieferten Kunststoffgitter an den Kugeln, aber bereits Acromyrmex sollte zusätzliche feinere Gitterstäbchen bekommen.

Erne: Re: C. ligniperdus Projekt - Was meint ihr? (15. Apr 2011 07:04)

Irgendwie bekomme ich es nicht auf die Reihe woran es liegt, das in der Haltung Ameisen nicht die Lauffreude wie in der Natur entwickeln.
Als kleines Volk kaum bis gar nicht längere Wege laufen wollen, eher verhungern als einen Meter durch einen Schlauch oder Rohr zu laufen.
Gleiches verhalten Ansatzweise auch in größeren Arenen beobachtet.
Futter in Nestnähe angeboten wird genommen, wird es dagegen in Entfernung angeboten, bleibt es liegen.
Was passt da nicht?
Sind sie möglicherweise irritiert, verschreckt durch eine andere nicht passende Umwelt?
Eine andere Struktur, Beschaffenheit des Bodens den sie in der Haltung belaufen müssen?
Fremde Gerüche oder unbekannte leichte Erschütterungen?
Andere Feuchtigkeit der Luft des Bodens?
Andere oder fehlende Lichtverhältnisse?

Ein Aspekt der für mich dafür spricht, Futter für kleinere Völker, in direkter Nestnähe anzubieten,
es wird gefunden solange es noch frisch ist.
Brauchen sie länger um das Futter zu finden und trocknet es in der Zeit an, verliert es deutlich an Attraktivität.

Die angesprochenen Nestkugeln findet Ihr hier.
http://antstore.net/shop/product_info.php/info/p53_ameisen-kugelset-10198b.html/XTCsid/a59e7d1101cd2e73106024911309feb1

Grüße Wolfgang

Dieb: Re: C. ligniperdus Projekt - Was meint ihr? (15. Apr 2011 11:32)

Irgendwie bekomme ich es nicht auf die Reihe woran es liegt, das in der Haltung Ameisen nicht die Lauffreude wie in der Natur entwickeln.

Vielleicht ist ja wirklich etwas dran und die Tiere haben gelernt, dass das Futter sowieso immer vor dem Hauseingang liegt?
Eventuell kann man sie ja entwöhnen, indem das Futter Woche für Woche weiter vom Eingang weg angeboten wird.

Sahal: Re: Camponotus ligniperdus Projekt - Was meint ihr? (15. Apr 2011 17:10)

Dieb krub
fast ins Schwarze getroffen :)
Wenn Imagines frisch in den Außendienst gehen, beherrschen sie m.o.w. nur die angeborenen positive Phototaxis, dh die Orientierung zum Licht hin (Sonne, Lampe). Nebenbei kennen Gynen im Gegensatz zu Imagines nach Schwarmflug nur die negative Phototaxis.
In der ersten Zeit, den ersten Tagen, hält sich die Imago nur in Nestnähe auf und prägt sich die Umgebung ein, lernt die Menotaxis (jeden beliebigen Winkel zum Licht) und die Wanderung der Sonne zu kompensieren sowie polarisierte Muster zu deuten. Wenn die Grundlagen sitzen kann die Ameise sich weiter und weiter vom Nest entfernen, ohne Gefahr zu laufen, den Rückweg nicht mehr zu finden.
Wenn sich die Arbeiterinnen also zu Anfang nur in Nestnähe herumdrücken, sind sie keine "schüchternen Feiglinge", sondern mitten in einem sehr wichtigen Lernprozess. Bietet ihr nun aufgrund falscher Deutung das Futter direkt in Nestnähe an, unterdrückt ihr diesen Lernprozess und es ist fraglich, in wie weit Ameisen dann überhaupt noch in der Lage sind, das Nest weit zu verlassen.

Und Ameisen scheinen zu lernen, wo sich reichhaltige Jagdgebiete befinden oder die Lauskolonien sitzen, wie sollten sie sonst nach einem heftigen Regenfall ihre Lauskolonien wiederfinden oder reichhaltige Vorkommen erneut ausbeuten. Wenn also Gründervölker bereits an Nahrungsvorkommen direkt am Nest gewöhnt werden, wieso sollten sie dann noch weit laufen?

"Aber meine armen Ameisen haben doch soooon Hunger"!
Nein haben sie nicht! Die Gynen claustraler Arten haben derart viel Depot, dass gar die Pygmäen und das zweite Gelege noch komplett versorgt werden kann. Es wird gar das dritte Gelege bereits gelegt, bevor das 2. Gelege schlüpft. Will sagen: die Kleinen verhungern nicht!

Brauchen sie länger um das Futter zu finden und trocknet es in der Zeit an, verliert es deutlich an Attraktivität. Gut, Du kannst natürlich die Ameisen an Deine Gewohnheiten der Dauerfütterung anpassen. Oder aber, Du lässt die Ameisen solange hungern, bis sie ausreichend furagieren. Dann bietest Du das Futter an, in möglichst weiter Entfernung zum Nest, und wirst sehen dass es binnen Minuten ausgebeutet wird.

So viele Anfänger und Semiprofis beklage sich, dass die Völker kaum Aktivität zeigen. Fragt man nach, heißt es gewöhnlich, dass das Futter quasi im Rg angeboten wird und immer genug Nahrung bereit steht... Ja Himmel, warum sollten die Ameisen jetzt noch Aktivität zeigen!
In der Regel biete ich Gründervölkern 1x die Woche für 12-24h Protein-Nahrung weit entfernt vom Nest an, dann wird sie wieder entfernt.
Und Nahrung gibt es auch bei größeren Völkern nur möglichst weit entfernt vom Nest.


Aus Erfahrung kann ich nur sagen: wer sein Volk nahe am Nest füttert, beraubt sich einer Menge an Beobachtungen und "Gewusel" :D
Schreibtisch/Bett: links nen Porenbeton, rechts die Arena und nen dicken Verbindungsschlauch... Grinsen ist vorprogrammiert, wenn sich die ach so gut organisierten Weiber wieder mal nicht einige sind, wer beim Heimchenschleppen vorne läuft, und sie nen Ringeltanz hinlegen.

Dieb: Re: Camponotus ligniperdus Projekt - Was meint ihr? (15. Apr 2011 18:19)

Ergo, kann man seine ameisen mit der Zeit auch wieder entwöhnen.
Dürfte nur etwas dauern.

Markus: Re: Camponotus ligniperdus Projekt - Was meint ihr? (15. Apr 2011 19:09)

>Und Ameisen scheinen zu lernen, wo sich reichhaltige Jagdgebiete befinden oder die Lauskolonien sitzen, wie sollten sie sonst nach einem heftigen Regenfall ihre Lauskolonien wiederfinden oder reichhaltige Vorkommen erneut ausbeuten. Wenn also Gründervölker bereits an Nahrungsvorkommen direkt am Nest gewöhnt werden, wieso sollten sie dann noch weit laufen?<

Irgendetwas scheint dann mit meiner großen Lasius cf. niger Kolonie nicht zu stimmen, sie haben von Anfang an geringe Wegstrecken zur Fütterung bekommen und nehmen nun Honig auch noch 5-7m vom Nest entfernt an, zugegebenermaßen laufen da weniger Tiere hin, es drehen einige auch schon nach drei oder vier Metern ab, dennoch nutzen sie es regelmäßig - und wenn es die gleichen Arbeiterinnen sind, die da ständig hin und herlaufen.
Und auch in der Natur gibt es Futterquellen nahe am Nest, ob es eine benachbarte Lauskolonie oder hin und wieder auftauchende, verendete Insekten sind, sollen die Tiere da jedes mal einen (im übertriebenen Sinn) psychischen Knacks bekommen?
Zumal es in der Natur hauptsächlich unterirdisch solche langen Gänge gibt und nicht oberirdisch - jedenfalls nicht so häufig und so gut beleuchtet wie bei uns werden die Röhren auch nicht sein...
Nun mag man anführen, dass die Äste, auf denen die Tiere draußen bisweilen umherlaufen, wie nach außen gekehrte Schläuche wirken könnten, bei keinen Kolonien beobachte ich aber oft, dass die meißten Tiere kopfüber darin laufen, so als ob sie oben auf den Ast wollten oder der Kammer!?
Später gibt sich das, vielleicht sind das dann auch ältere Tiere, mit mehr Erfahrung, jedenfalls ist das kopfüberlaufen geradezu behindert im Vergleich zum "normalen" Laufen, sinnvoll geht anders.

Nunja, auch wird vergessen, dass nicht nur Arbeiterinnen nach einer kurzen "Einführung" routinierter sind, sondern auch unterschiedlich alte, sprich: eine dreijährige Arbeiterin ist wagemutiger, als eine einjährige, die hat ja auch nicht mehr viel Zeit vor sich...
Ach und ja, du redest über eine kleine Kolonie, aber auch in einer großen Kolonie gibt es unterschiedliche Altersklassen und es sollten für gewöhnlich regelmäßig neue Imagos schlüpfen.

>"Aber meine armen Ameisen haben doch soooon Hunger"!
Nein haben sie nicht! Die Gynen claustraler Arten haben derart viel Depot, dass gar die Pygmäen und das zweite Gelege noch komplett versorgt werden kann. Es wird gar das dritte Gelege bereits gelegt, bevor das 2. Gelege schlüpft. Will sagen: die Kleinen verhungern nicht!<

Klar, davon, dass man übervorsichtig mit seinen Ameisen ist, halte ich auch nicht viel, ein zweites Gelege claustral aufzuziehen kann manchmal sogar möglich sein - aber reden wir hier mit über hundert Arbeiterinnen noch von einer Gründerkolonie!?


>Gut, Du kannst natürlich die Ameisen an Deine Gewohnheiten der Dauerfütterung anpassen. Oder aber, Du lässt die Ameisen solange hungern, bis sie ausreichend furagieren. Dann bietest Du das Futter an, in möglichst weiter Entfernung zum Nest, und wirst sehen dass es binnen Minuten ausgebeutet wird.<

Wenn man Kolonien möglichst groß halten will, und gleichzeitig noch Zeit für andere Dinge haben will, dann muss man erst einmal Dauerfüttern, außerdem: wollen wir nicht möglichst ökonomisch Futter geben?
Ich halte nichts davon, den Tieren reichlich zu füttern, von dem sie dann doch kaum etwas fressen, nur damit sie etwas über lange wege schleppen, irgendwann mag eine Kolonie groß sein und stagnieren, mit dosierter Fütterung kann man sie dann auch problemlos hungrig halten und gleichzeitig noch genug Nachwuchs aufziehen lassen, dass man eine große Kolonie mit viel Aktivität hat - dieser Punkt indess muss erst einmal erreich werden.

>So viele Anfänger und Semiprofis beklage sich, dass die Völker kaum Aktivität zeigen. Fragt man nach, heißt es gewöhnlich, dass das Futter quasi im Rg angeboten wird und immer genug Nahrung bereit steht... Ja Himmel, warum sollten die Ameisen jetzt noch Aktivität zeigen!
In der Regel biete ich Gründervölkern 1x die Woche für 12-24h Protein-Nahrung weit entfernt vom Nest an, dann wird sie wieder entfernt.
Und Nahrung gibt es auch bei größeren Völkern nur möglichst weit entfernt vom Nest.<

Kleine Kolonien zeigen wenig Aktivität, ob sie nun gut oder minder gut gefüttert werden, soll eine kleine Kolonie effizient wachsen, muss man sie entsprechend füttern.
Und ja, in der Natur müssen sie oft von Anfang an weite Wege laufen, in der Natur kommen aber auch kaum Gründerkolonien durch...

>Aus Erfahrung kann ich nur sagen: wer sein Volk nahe am Nest füttert, beraubt sich einer Menge an Beobachtungen und "Gewusel"
Schreibtisch/Bett: links nen Porenbeton, rechts die Arena und nen dicken Verbindungsschlauch... Grinsen ist vorprogrammiert, wenn sich die ach so gut organisierten Weiber wieder mal nicht einige sind, wer beim Heimchenschleppen vorne läuft, und sie nen Ringeltanz hinlegen.<

Klar kann man so attraktive Hingucker schaffen, auch mit viel Aktivität, dennoch macht man gerade am Anfang mit der Kolonie genug Mist, muss auch einiges lernen und schließlich gibt es auch Perioden unterschiedlicher Aktivität - eine Nestnahe Arena, in der zur Not Futter gegeben wird ist weder unnatürlich, noch sollte man davon abraten,
denn bekommt man es hin, dass sie auch mit den großen Laufstrecken gut klarkommen, können sie eben einfach in der nestnahen Arena das hier beschriebene Verhalten zeigen!



Zum Schluss noch aus Interesse:
>Nebenbei kennen Gynen im Gegensatz zu Imagines nach Schwarmflug nur die negative Phototaxis.<
Sind Gynen keine Imagines?

Anonymous: Re: Camponotus ligniperdus Projekt - Was meint ihr? (15. Apr 2011 19:46)

Danke schon mal für die erfolgten Reaktionen, auf dieser Weise bekommt man finde ich immer gute neue Ideen :wink:
Das Zimmer in dem sie stehen sollen ist auch ziemlich klein, nämlich 4 Meter lang. Ich habe mir also gedacht,
ich stelle das Nest in die dunklere Ecke, dann einen Schlauch bzw. Rohr an der Wand entlang über dem Bett längs und sonnig gelegen dann die große Arena. Ich finde die Idee, eine zweite kleinere Arena näher am Nest (Zwischenstop auf dem Wandregal :D ) ziemlich gut (danke an Markus). Und um die Kolonie auf Trab zu halten, kann ich ja mal hier mal dort Futter anbieten. Ich denke, interessant wäre es doch auch, wenn die kleine Arena kein Durchlauf wäre (also nicht nach dem Motto "Wenn da nichts ist lauf ich halt weiter"),
sondern eine Sackgasse; dann müssen sie sich organisieren beim Futtersuchen.
Man, ich freue mich schon darauf, die Pläne zu verwirklichen. Und nochmal danke für die bisherigen Antworten!

Anonymous: Re: Camponotus ligniperdus Projekt - Was meint ihr? (15. Apr 2011 19:55)

@sahel:
Wie genau meinst du das mit den Kugelnestern? Sorry, hab ich nicht so richtig verstanden...
Stellst du sie dir einfach als Zwischenstop auf der Schlauchlinie vor oder als Nestteil?


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