29. Tag (9.7.2007)
Dieses Hobby entpuppt sich als zeitraubender, als Packman und Tetris zusammen in den 90gern! Wenn ich einmal vor meiner Wüstenlandschaft sitze, dann komm ich Ewigkeiten nicht mehr davon los den Kleinen beim arbeiten zuzuschauen.
Ich würde auch gern Eier legen, aus denen dann kleine Heinzelmännchen schlüpfen, die die ganze Arbeit für mich machen! :D
Heute hab ich einen kleinen Zweig mit fetten schwarzen Blattläusen in das Formicarium gepflanzt. Die Viecher sitzen dicht an dicht, wie im kino, sodass die Pflanze ihre ursprüngliche Farbe nahezu flächendeckend verliert.
Seb (fragt mich nicht, woran ich ihn erkenne, aber ich tu es einfach!) hatte kein fünf Minuten später den verdächtigen Zweig erklommen und begonnen die Blattläuse zu melken.
Das ist zwar ein Erfolg, aber mir wärs wirklich lieber, wenn er die kleinen Biester frisst! Seb ist ein verfluchtes Weichei!
Warum nur melken? Da der Pflanzensaft die Läuse nicht mehr durchströmt, da der Stil gekappt ist geben sie auch kaum Zuckersekret ab und ausserdem wollen wir geile Proteine für die Larven und kein blödes Zuckersekret!
Nebenbei: Wenn er sie nicht bald verspeist wandern sie vom Zweig ab, wandern durch die Wüste, sterben nach ein paar Zentimetern und verunstalten mit ihren schwarzen Kadavern die schöne Reine meiner heiss geliebten Wüste, die ich regelmäßig FÖNE - ja ich föne sie
tatsächlich - um sie schön glatt zu halten!
Also, mein Aufruf an Seb und die andern zwei Kandidaten die regelmäßig in der Wüste unterwegs sind, sie heissen Cartman und ...... Crösa Maya:
"Nehmt sie auseinander! Melken ist was für Anfänger!" "Oder macht wenigstens nen Kompromiss: Erst melken, dann aufessen,ha!"
Übrigens muss ich meine Temperaturangaben korrigieren: Im Formicarium herrschen 27 Grad Celsius vor, aber das RG liegt zur Hälfte auf der Heizmatte selbst, mit einer Sandschicht als Isolation dazwischen. Trotzdem ist der Sand an dieser Stelle bedeutend wärmer.
Ich hab das Rg so lange weiter von der Heizmatte weggeschoben, bis die Arbeiter die Brut von der Wand wieder auf den Boden verlegt haben - das war für mich der Indikator für die richtige Temperatur.
30. Tag (10.7.2007)
Jubiläum! 30 Tage Camponotus herculeanus und ich bereue nichts! Von den drei Kolonien, die ich besitze ist sie die interessanteste und die sich am schnellsten entwickelnste!
Nachdem gestern Weichei-Seb die Blattläuse liebkost und gestreichelt hat wurde er heute von Cartman abgelöst und der hat seiner Natur gemäß ganz andere Seiten aufgezogen!
Die Blattläuse haben begonnen abzuwandern und laufen irre langsam in Richtung der Lampe, die von aussen ins Formicarium strahlt. Sie sind so langsam, dass man meinen könnte sie laufen in die Vergangenheit zurück!
Witzigerweise bleiben sie alle in einem kleinen Sandtal stecken, aus dem es bisher keine wieder herausgeschafft hat.
Zu diesem Tal läuft Cartman hin und wieder, sucht sich eins der beleibteren Exemplare aus (er scheint tatsächlich wählerisch zu sein, das ist kein Scherz) und trägt das träge zappelnde Klöpschen ins Nest. Dort hat er inzwischen ein richtiges Vorratslager angehäuft.
Leider ist er in der Regel zu blöd die Läuse zu töten, sodass sie dann durchs RG wandern.
Doch konnte ich auch schon beobachten, wie Blattläuse gekaut werden.... das dauert einige Minuten und die übrig bleibende Masse wird genutzt, um den Nesteingang zu verstopfen.
Zur Feier des Tages hab ich einen Grashüpfer in einem Nahe-dem-Tod-Stadium in die Wüste gelegt. Und hier kommt nun der große Nachteil meiner Wüstenlandschaft ins Spiel:
Die Ameisen finden keinen Halt auf dem Boden, sodass sie schwere Dinge wie Grashüpfer nicht abtransportieren können.
Ich muss mir etwas einfallen lasssen, um dieses Problem zu beseitigen.
32. Tag (12.7.2007)
Gestern hab ich, um varierende Lebensbedingungen zu schaffen und damit Resistenz und Vitalkapazität der Kolonie zu steigern, die Temperatur auf die des Zimmers abgesenkt.
Dementsprechend war gestern Ruhetag bei den Kleinen.
Heute lass ich die Temperatur auch noch unten, um sie dann morgen in der Frühe wieder zu erhöhen. Da das Wochenende sehr schön werden soll, plane ich die Kolonie Samstag und Sonntag im Freien zu halten.
Ich bin nahezu verzweifelt, weil ich keinen Blick auf die Larven und Eier bekomme, mich aber danach sehne ihre Anzahl wenigstens einschätzen zu können, aber da gibts keine Chance, sie sind IMMER verdeckt! Einfach immer! Ich schlafe nie.....
Eine Arbeiterin hat das Korknest erkundet und ist für ein Stündchen dort eingezogen. Leider ohne die Kolonie nachzuholen. Inzwischen lebt auch sie wieder bei den andern.
Vielleicht hat ihr das Nest nicht gefallen, weil ich es noch nicht feucht halte?
Ich muss mir endlich mal ne Spritze besorgen, um das zu ändern.
Der letztens ins Rg gegebene Grashüpfer ist in Einzelteile zerlegt. Sein Kopf wurde ins Rg getragen und dient dort als "Kolonie-Kaugummi". Manchmal bildet sich ein Kreis um ihn und alle knabbern ein wenig an dem ehemaligen Superhirn des Hüpfers.