Hallo,
ich habe mich, nachdem ich noch relativ neu in diesem Forum bin, entschlossen, meinen ersten Haltungsbericht zu schreiben.
Um ganz einfach anzufangen über Myrmica rubra. Grundlage dafür ist eine inzwischen ca. 80 Individuen große Kolonie.
Bisher haben sie nur eine Königin, aus der auch die Kolonie hervorgegangen ist. Ich plane jedoch, weitere Gynen adoptieren zu lassen.
Interessant ist das vielleicht auch für Anfänger, die sich eine kleine Kolonie im Internet kaufen wollen; z. B. bei Antstore sind nur Kolonien mit einer Königin zu bekommen.
Lasst euch davon nicht abschrecken, auch wenn Myrmica rubra eigentlich polygyn ist, ist es kein Problem, eine einzelne Königin gründen zu lassen.
Und zumal Myrmica rubra in den meisten Gebiten sehr häufig vertreten ist, sollte es kein Problem sein, weitere Gynen bei den alljährlichen Schwarmflügen zu fangen.
Um keine Langeweile aufkommen zu lassen, wird der Bericht mit einigen Bildern aufgewertet werden.
Und damit der Haltungsbericht übersichtlich bleibt, habe ich auch schon einen Diskussionsthread geschaltet, also bitte nicht in den Haltungsbericht schreiben:
http://www.antstore.net/viewtopic.php?f=141&t=15890
Hier kurz stichwortartige Infos, entnommen von Antstore und bearbeitet und ergänzt:
Name: Myrmica rubra
Heimat: Europa
Kaste: Polygyn
Aussehen der Königin: 5 - 7,5 mm groß, dunkelrot bis manchmal schwärzlich (meist dunkler als die Arbeiter)
Aussehen der Arbeiterin: 4 - 6 mm groß, dunkelrot bis braun
Nestbau: Nistet gerne unter Steinen (Erdnest) oder sehr oft auch in Maulwurfshügeln, die von Pflanzen durchwachsen sind.
Nahrung: Honigwasser, aber lieber Zuckerwasser, auch Insekten werden begeistert angenommen
Temperatur: Zimmertemperatur, hält Winterruhe
Luftfeuchtigkeit: Gemässigtes Klima
Durchgang: ca. 10 mm ausreichend
Bodenbeschaffenheit: Sand, Lehm, Humus, Holz
Bepflanzung: Gräser, Fleißiges Lieschen
Gefahren: Kann in Notsituation stechen (ähnlich unangenehm wie Brennnesseln)
Bisher lebte die kleine Kolonie in einem Reagenzglas direkt in einer kleinen Arena. Da die Kolonie jetzt ziemlich schnell wächst (es sind derzeit ungefähr 40 Larven vorhanden),
mussten sie heute umziehen. Ein großzügiges Ytong-Nest steht über einen Schlauch mit der Arena verbunden bereit.
Beim Umziehen war der böse Halter nicht gerade zimperlich: Reagenzglas direkt ran an die Gummiverbindung zwischen Schlauch und Arena und nach einer kurzen Pause,
wurde das traute Heim durch einen klopfenden Finger gestört. So ging der Umzug sehr schnell, innerhalb kürzester Zeit saß die gesamte Kolonie mit Gyne und Larven im Schlauch.
Interessanterweise waren die Erschütterungen für sie der Beweggrund auszuziehen, Licht hat sie kaum gestört. Genau die gegenteilige Beobachtung als wie zum Beispiel bei Lasius niger.
Seit dem Zwangsumzug sind jetzt ungefähr 5 Stunden vorbei und der oberste Teil des Schlauches scheint jetzt erstmal das neue Nest zu sein.
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Die kleinen sind sehr interessant zu beobachten und verhalten sich wie größere Arten. Bemerkenswert sind ihre sehr starken Mandibeln, mit denen sie problemlos in der Lage sind,
Beutetiere wie z. B. Spinnen zu zerschneiden. Alle essbaren Teile werden ins Nest eingetragen. Spinnenbeine, tote Formica fusca, die sie anscheinend noch im Sand gefunden haben
und uralte vertrocknete Fruchtfliegen- egal, hauptsache rein ins Nest. Angesichts dieser Angewohnheit mache ich mir Sorgen ob das angebotene Ytong-Nest, das ja etwas zu groß für eine so
kleine Kolonie ist, nicht als Depot benutzt wird und dann schimmelt. Aber man will ja keine schlechten Dinge heraufbeschwören, also erstmal abwarten..
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Zu den Aktivitätsphasen kann ich sagen, dass sie stark tagaktiv sind. Morgens kommen sie erst um ungefähr 10:00h aus dem Nest und abends ist schon wieder
um 19:00h zappenduster. Dafür sind sie tagsüber aber auch besonders aktiv. Ich finde Myrmica rubra ist eine der attraktivsten kleinen Einsteigerarten.
Ob man es glauben mag oder nicht, aber schon in einer so kleinen Kolonie herrscht mehr Action als bei manchen Lasius niger,
die ja oft als die interessante Einsteigerart bejubelt wird.