Hallo,
nachdem ich schon seit einem Jahr leere Versprechungen mache, komme ich jetzt endlich mal dazu, Infos über meine Anlage, welche ich bereits Anfang LETZTEN Jahres gebaut und sehr erfolgreich eingesetzt habe, zu posten.
Bitte versteht meinen Beitrag nicht als stinkendes Selbstlob, ich bin über die Lösung "Talkum-Insel" (besserer Name ist mir nicht eingefallen, Vorschläge erwünscht) einfach nur so froh, und so begeistert, dass es so hervorragend funktioniert!
Also von vorne: Habe 2009 eine gesunde Kolonie Lasius niger bekommen.
Die Haltung im Antstore Starterset war mir bald zu umständlich.
Das Nest war klein und ich hatte Probleme mit Schimmel und nicht grabfähigem Untergrund. Das Problem hat sich mit dem Kauf des größeren Antstore Acryl Formicarium gelöst, seitdem baut und wächst die Kolonie im Nest mit Bodengrund Michverhältnis Sand:Lehm=2:1 (1:1 war definitiv nicht grabfähig) wie verrückt.
Blieb noch das Problem mit der kleinen Glasbecken-Arena.
Schon immer musste ich mich mit diesem Ding plagen.
Es war irrsinnig klein. Die verhältnismäßig hohen Seitenscheiben erlaubten weder eine gute Einsicht (waren auch gern verdreckt) noch eine praktische Wartung der Arena. Dieses kleine, enge, tiefe Becken bot mir wenig Möglichkeiten, die Arena zu dekorieren. Außerdem stieß ich beim Öffnen des Deckels und herumhantieren immer wieder an die Talkum-Schicht, Lücken entstanden, das Talkum bröselte ab, die Scheiben waren noch mehr verdreckt und der Ausbruchschutz nicht mehr wirklich sicher. Ich musste also öfters nachbessern, putzen usw.
Schon immer liebäugelte ich mit einer Insel als Arena.
Die Vorteile lagen klar auf der Hand:
1. Unendlich tolle Möglichkeiten der Dekoration und Gestaltung, weil man beim Platz nicht so eingeschränkt ist.
2. Freier und bequemer Zugriff von außen - einfach mögliche Wartung, Reinigung, Fütterung usw.
3. Ungetrübte Sicht auf die gesamte Arena, kein spiegelndes oder dreckiges Glas, durch welches man durchschauen müsste, und das man immer wieder reinigen muss
Ich informierte mich;
eine klassische Insel hat ein paar für mich entscheidende Nachteile , was den Ausbruchschutz (Wasser um die Insel) angeht:
1. Wasser verdunstet: Muss ständig nachgefüllt werden
2. Wasser verdreckt: Muss in ständiger Bewegung sein, ausgewechselt und/oder gereinigt werden
3. Wasser ist für Ameisen immer gefährlich: Ertrunkene Ameisen sind, wie jeder Halter weiß, keine Seltenheit
4. Wasser ist nicht so sicher wie Talkum: Eine gute Schicht Talkum hält kleine Ameisen viel besser vom Ausbruch ab als Wasser - Ameisen können durch die Oberflächenspannung des Wassers und/oder Verschmutzung über die Oberfläche krabbeln!
Ich überlegte: Es müsste doch eine Möglichkeit geben, die generellen Vorteile einer Insel und den sicheren Schutz vor dem Ausbrechen mit Talkum zu kombinieren !
Im Winter kam mir die zündende Idee, die ich für die nächste Ameisensaison erfolgreich ausführte:
Die " Talkum-Insel ".
Im Prinzip handelt es sich dabei um eine Arena mit möglichst niedrigen Seitenwänden, welche durch eine Talkum-Schicht vor dem Ausbruch geschützt ist - hat keinen Deckel und keine hohen Seitenwände, sieht fast so aus wie eine klassische Insel, ist aber noch praktischer und sicherer.
Bis jetzt habe ich noch keinen Haltungsbericht o.ä. über etwas ähnliches gefunden, was mich sehr erstaunte.
Deshalb folgt hier meine Baubeschreibung mit ein paar Bildern...
CU
Ich bin gespannt auf die Fortsetzung und (vor allem) Bilder! :wink:
Auch gespannt auf die Bilder :D
Doch eigentlicht ist deine Talkum Insel doch nichts anderes als ein Becken mit viel Talkum, oder? Trotzdem: =D>
Die Idee hat etwas für sich.
Sollte auch mit allen anderen gängigen Ausbruchschutzmethoden funktionieren :)
Bin auch auf ein Bild gespannt.
Man stellt sich ja scho etwas besonderes vor unter der Beschreibung. :D
So neu ist die Idee gar nicht. Hab mir auch schon sowas gemacht, allerdings eher mit Paraffinöl als mit Talkum. Problem ist, dass es ständig Möglichkeiten für die Ameisen gibt auszubrechen; ein Ast oder Grashalm neigt sich einmal zu nah an den Rand und schwupps sind die Ameisen draußen. Oder wenn man den Ameisen genügend Substrat zur Verfügung stelen haben sie schnell an einer Seite einen kleinen Hügel aufgetürmt der zum Entkommen reicht.
Grüße, Phil
Hallo, bin zurück.
Wow, schon 4 Posts, jetzt bin ich fast unter Druck... ;-)
Leider habe ich kaum Fotos vom Aufbau, da müsst ihr euch mit einem begnügen.
Und ich werd kurzfristig auch noch mindestens ein aktuelles Foto anhängen, um zu demonstrieren, dass alles gut läuft, und dass die Ameisen bis jetzt noch keinen Weg gefunden haben, auszubrechen - und das jetzt seit über einem Jahr (einenhalb Lasius-niger-Saisonen sozusagen).
Ich dachte mir schon, dass ich nicht der erste sein kann, der diese simple Idee hat, aber ich scheine der erste zu sein, der sie ausgeführt hat und hier beschreibt.
Meine Talkum-Insel ist ein besonders niedriges Becken mit einer Erhöhung ("Insel") in der Mitte - diese dient hauptsächlich zur Schönheit und um eine praktische Handhabung (Fütterung etc.) und gute Sicht auf die Ameisen zu ermöglichen.
Der Beckenrand ist mit dem üblichen Streifen Talkum versehen, das reicht vollkommen, um die Arena völlig ausbruchsicher zu machen.
Dekorationen, die den Beckenrand berühren, darf es nicht geben. Sehr wohl habe ich aber Gegenstände und Dekorationen eingefügt, die den Beckenrand um ein weites überragen und den Ameisen selbst sogar ermöglichen, darüber zu schauen - was sie witzigerweise sogar sehr gerne neugierig auf 4 Beinen machen!
Nun folgend die Aufbaubeschreibung/Bauanleitung...
Kurze zwischenfrage: Hat von euch schonmal jmd eine Insel statt mit wasser mit Paraffinöl gefüllt?
Aufbaubeschreibung "Talkum-Insel": Das Becken
Zuallererst brauchte ich ein geeignetes Becken mit einem niedrigen Rand.
Ich suchte zuerst nach etwas transparentem (z.B. eine Kasserole aus Glas o.ä.?), aber es war nichts geeignetes zu finden.
Fündig wurde ich dann endlich beim Einrichtungshaus - ein Serviertablett aus einem harten, spiegelglatten Kunststoff, Maße ca. 40x30x5 cm.
Nicht transparent sondern weiß, dafür sind die 4 Ecken stark abgerundet - ein Riesen-Vorteil beim Auftragen des Talkum-Streifens!
Es war perfekt!
Die Haltegriffe (Löcher auf der Seite) musste ich noch mit einer Klarsichtfolie, mit Silikon außen aufgeklebt und abgedichtet, zudecken.
Außerdem habe ich gleich auf der Seite ein Loch zum Anschluss des Nestes gebohrt.
Damit war das Becken fertig.
P.S.: Ein Freund versucht das selbe gerade mit einem Serviertablett aus Holz - bin gespannt, wie gut das funktioniert!
Die Landschaft
Das Becken hat innen also fast 5 cm hohe Wände - Die Landschaft sollte also so sein, dass man ohne weiteres die Ameisen beobachten könnte, ohne sie immer mit Sicht von oben suchen zu müssen.
Hier bieten sich bereits alle Möglichkeiten, und der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Ich entschied mich, die Landschaft einfach wie einen Hügel zu gestalten, der aus größeren, glatten Steinen und oben einer flachen Fläche zum Füttern usw. besteht.
Dazu suchte ich mir glatte Steine aus einem Bachbett aus, außerdem entschied ich mich für ein Stück Styroporverpackung als Hauptelement des Hügels.
Zuerst ordnete ich alles so an, wie ich es mir vorstellte (siehe Bild).
(Dieses Jahr ist noch eine Art hohe "Steinsäule" als Dekoration und zum Rumklettern für die Ameisen dazugekommen, siehe spätere Bilder).
Dann habe ich die Steine und das Styropor mit Silikon (Pistole) auf/in das Becken und zusammengeklebt, und damit auch sämtliche Lücken dazwischen völlig ausgefüllt.
Silikon ist nicht umbedingt ideal; Gips, Zement o.ä. würde sich wahrscheinlich besser eignen...
Der Hügel steigt von vorne, links und rechts gleichmäßig an, hinten hat er eine kleine, abfallende Kante und kommt bis an die hintere Beckenwand, ungefähr auf ihrer halben Höhe.
Damit ist ein guter Überblick von vorne (Arena steht in einem Wandregal) gewährleistet; die Landschaft übersteigt aber nicht den Rand, sondern lässt auch immer noch genug für den Talkumstreifen frei!
Der Bodengrund:
Beim Bodengrund habe ich nicht experimentiert:
Einfach die farbige 1:1-Sand:Lehm-Mischung von Antstore mit Wasser vermischen und mit einem kleinen Löffel und einer kleinen Spachtel deckend auftragen.
Für den Bodengrund um den Hügel habe ich die weiße, für den Hügel die gelbe Mischung genommen.
Besonders das zwischen den Steinen und dem Styropor herausschauende Silikon habe ich komplett mit dem Bodengrund abgedeckt; so fühlen sich die Wegameisen in ihrem Element.