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Markus: Ytongnest Bauanleitung(en) (23. Mai 2010 13:24)

Bauanleitung eines Ytongnestes:
Wie zumindest ich es mache!

Da gerade im Thread
http://www.antstore.net/viewtopic.php?f=135&t=13950
einige Fragen zum Bau von Ytongnestern aufkommen, habe ich mich entschlossen, hier eine kurze Anleitung zu geben!
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich nicht schon eine gegeben habe, aber selbst wenn, könnte ich da nichts neues mehr reineditieren...

Also dann, los gehts!
Zunächst einmal muss man natürlich einen Stein haben, den bekommt man im Baumarkt,
desweiteren brauchen wir noch eine Scheibe zum draufmachen,
sowie einen Schraubenzieher, am besten einen Alten, der nicht mehr gebraucht wird!
Eine Kreissäge brauchen wir nicht, die Steine können auch einfach mit einer ganz normalen Handsäge zurechtgeschnitten werden!

Haben wir dann ein passendes Stück zurechtgeschnitten, es sollte weder zu groß, noch zu klein sein, zur Not kann man es später noch über Schlauchverbindungen erweitern, stellen wir es erst einmal vor uns und sichten es.
Im ersten Bild sieht man ein altes Nest, das ich einfach umbauen werde, interessant ist hier, dass die Ameisen auf der nebenliegenden ScheibeSand so ablegalert haben, dass keine Larven zwischen Scheibe und Ytong herunterrutschen können!
Und noch etwas kann man hier sehen: ein einmal behauenes Nest kann man nicht einfach wieder auf null zurückstellen, man kann nur noch mehr heraußmeißeln...
So ist dieses ein älteres Nest, in dem ich viel zu hohe Kammern gebaut habe, die für Ameisenbrut nutzbare Fläche dieses Nestes entspricht ungefähr der des Vertikalnestes aus dem Link!
Bevor ihr anfangt, solltet ihr die Arbeitsfläche mit Zeitungen auslegen, da es ziemlich stauben kann!

Als nächstes solltet ihr eure Hausaufgaben machen!
Es gilt jetzt nämlich, sich einen Plan auf dem Nest aufzuzeichnen, wie man es später einmal haben will, sonst wird es krumm und schief...
Dabei ist zu beachten, dass man eine gewisse Wanddicke einhalten muss, denn wenn man anfängt muss man noch sehr ruppig mit dem Material umgehen und zu dünne Wände brechen gerne mal!
Da dieses Nest schon recht alt ist und mehrere Jahre auf dem Buckel hat, haben sich zudem Mineralien (besonders im oberen Teil) angesammelt, was es noch schwerer bearbeitbar macht, an der Oberfläche versteht sich!
In diesen Plan sind schon einige Ideen aus dem Link eingeflossen!

Danach folgt, wie im Bild zu sehen, eine der wichtigsten Phasen: ihr müsst die Umrisse der Kammern einritzen, da habe ich momentan einfach eine andere Möglichkeit, als das Ritzen mit dem Schraubenzieher.
Hierbei ist zu beachten, dass ihr besser mehrmals über das Material ritzt und so die Ritze peu a peu vertieft, als einmal feste drüberzugehen, da sonst gerne Risse auftreten, sie später schnell brechen können.
Diese Ritze ist deswegen so wichtig, weil sie im nächsten Arbeitsschritt die Form der Kammer oder des Ganges vorgibt, sie muss tief sein, oder man bricht über sie hinaus Material ab (ein Milimeter oder eineinhalb müssten reichen)!

Jetzt geht es ans Eingemachte!
Leider ist das Bild nun etwas unscharf, aber es zeigt Schritt eins beim Herausbrechen einer Kammer, denn wir wollen ja nicht jedes einzelne Stäubchen abkratzen!
Man drückt innerhalb des Bereiches vorsichtig den Schraubenzieher in den Ytong, dabei sollte die Spitze leicht in die Richtung zeigen, in die man das Stück herausbrechen möchte und hebelt dieses Stück so, wie es im darauf folgenden Bild gezeigt ist, heraus!

Zwischendurch immer mal wieder den Staub abklopfen!

Da wir aber immer noch eine gewisse Tiefe in den Kammern haben wollen, müssen wir jetzt noch ein bisschen bohren, wie es nun gezeigt wird (einige Kammern sind schon schön herausgebrochen!), danach wieder den Staub ausklopfen!

Das nächste Bild zeigt nun, wie man dieses Loch so erweitert, dass es die Kammer ausfüllt:
man drückt den Schraubenzieher knapp daneben (ein bis eineinhalb mm) in den Ytong und drückt dabei leicht in Richtung des Loches, so erweitert man das Loch Stück für Stück, bis es die gewünschte Größe hat, dabei feilt man auf ähnliche Art und Weise die Wände der Kammern glatt.

Richtig glatt bekommt man die Wände aber erst wie auf dem letzten Bild gezeigt, je nach rauheit raspelt man entweder mit der dünnen oder breiten Seite des Schraubenziehers an den Wänden entlang, bis sie schön glatt sind, so kann man sie auch noch ein bisschen breiter machen, wenn man später die Nachbarkammern fertig hat, da dies recht schonend und sanft ist, aber auch hier gilt: nichts übertreiben!

Im nächsten Beitrag gehe ich dann näher auf die Gänge ein und stelle noch ein paar andere Werkzeuge vor!

Markus: Re: Bauanleitung eines Ytongnestes: (23. Mai 2010 13:24)

OK, auf zum zweiten Teil!

In diesem Teil soll es vornehmlich ums Fertigen von Gängen, sowie den Gebrauch anderer Werkzeuge gehen.

Einen Gang zu fertigen ist etwas anderes, als eine Kammer auszuhöhlen, fertigt man einen Gang, wie man es bei einer Kammer machen würde, wäre er zu breit und die Ameisen würden darin siedeln (sieht man oft bei zu großen Nestern, die Ameisen siedeln in den Gängen, statt in den viel zu großen Kammern!) daher darf der Gang nur 2-5mm breit sein, wenn wir von kleineren Arten wie Lasius niger oder Myrmica rubra ausgehen!

Doch welche Möglichkeiten gibt es, einen solchen Gang herzustellen?

Zunächst einmal kann man ihn ausritzen, dabei ritzt man mit dem Schraubenzieher wie gehabt, nur dass man tiefer ritzt und später die Breite anpasst, wie im ersten Bild zu sehen,
man kann natürlich auch zwei Ritzen sehr nah nebeneinander erzeugen, je tiefer man sie treibt, desto eher bricht das unerwünschte Stück dazwischen von selbst heraus.

Dann kann man auch einen Gang ziehen, das ist das gleiche, wie das Ritzen, nur dass man den Schraubenzieher dazu breit hält wie im zweiten Bild zu sehen, diesen Vorgang wiederholt man so lange, bis der Gang tief genug ist...

Man kann allerdings auch Gänge rausmeißeln, man fängt an einer Stelle an zu bohren, wie in Bild drei und meißelt von da ausgehend immer weiter in die gewünschte Richtung (Bild vier und fünf).

Man kann auch einen Bohrkopf nehmen, zuvor sollte man jedoch schon die richtige Richtung durch eine Ritze angegeben haben, um nicht zu viel nachkorrigieren zu müssen! (Bild sechs)

In Bild sieben kann man dann das fertige Nest sehen, an einer Stelle war eine Decke zu dünn und ist gebrochen, findet ihr die Stelle? ^^

Bild acht zeigt noch ein paar wichtige Zusätze, links von oben nach unten:
zunächst eine Belüftung, hier wird ein Schlauch reingesteckt, welcher dann leicht nach unten zeigt, dadurch kann man dort zusätzlich Sand hineingeben, sollte der im Nest mal knapp werden,
dann der Eingang, welcher noch mit einem Schlauch versehen wird und darunter schließlich die untere Belüftung, damit die Luft zirkulieren kann!

Zum Schluss noch ein Bild eines Bohreraufsatzes, mit welchem man schöne runde Kammern für horizontale Nester bauen kann!

Markus: Re: Bauanleitung eines Ytongnestes: (28. Mai 2010 17:13)

OK, jetzt noch zum Abschluss ein paar Worte:
man sollte beim Ytongnest bedenken, dass der Block selbst nicht von den Arbeiterinnen bearbeitet werden kann
und so durch uns, die Halter, beim Wachstum der Kolonie erweitert werden muss,
wählt man zu Anfang ein zu großes Nest für eine zu kleine Kolonie, wird man
a Schwierigkeiten haben, sie da reinzubekommen und
b werden sie die ungenutzten Nestteile mit ziemlicher Sicherheit verdrecken!
Normalerweise wählt man so zu Anfang kleine Nestblöcke und schließt einfach größere an,
das hat nur den Nachteil, dass man damit mehr Platz verschwendet,
nicht die vielen Klimazonen eines großen Blockes ausnutzen kann und
wenn man dennoch einen größeren Block nimmt, einfach viel davon verschwendet, das muss nicht sein
(man kann nicht einfach meißeln, wenn die Ameisen schon drin sind, dabei riskiert man viel Stress und Beschädigungen!)!
Selbst wenn man den Block bearbeitet, wenn die Ameisen wieder ausgezogen sind,
wird man Probleme mit Mineralieneinlagerungen in der "Außenhaut" des Ytongs bekommen, die hart wie Beton werden können...
Dafür kann man einen größeren Block in "Segmente" unterteilen, wie auf den ersten Bild, die rot eingekreiste Fläche bekommt die erste 'Scheibe,
in die die kleine Kolonie einzieht, diese hat einen eigenen Ausgang und ist vom Rest des Nestes durch Watte abgetrennt,
ist die Kolonie groß genug, wird der dunkelrot umkreiste Bereich mit einer Scheibe versehen und die Watte von dort weggenommen,
danach folgt das "Obergeschoss" (nächstes Bild) usw..
So spart man eine Menge Platz und die Ameisen könen praktisch die ganze Zeit im selben Nest bleiben,
bis sie auch dafür zu groß werden...
Die letzten Beiden Bilder zeigen den Block in seiner Gesammtheit (derselbe Block von den vorherigen zwei Beiträgen).

Ich hoffe, es hat euch geholfen!


Fragen und Anregungen gerne erwünscht!

Markus: Re: Bauanleitung eines Ytongnestes: (4. Okt 2010 15:35)

Wenn ihr wissen wollt, welche Kolonie (übrigens innerhalb einer Woche) in das neue Nest gezogen ist, dann schaut mal hier rein
http://www.antstore.net/viewtopic.php?f=135&t=14882&p=128780#p128780

Markus: Re: Bauanleitung eines Ytongnestes: (30. Dez 2010 15:55)

OK, mir war gerade langweilig, also habe ich das alte Ytongnest genommen, welches ich eigentlich verkaufen wollte, und einfach die Unterseite etwas herumgebastelt...
Das Ergebnis nach 1,5h seht ihr auf den Bildern, die Anschlusslöcher sind, wie man sehen kann, passend für die Acrylglasröhren vom Antstore mit 1cm Durchmesser.
Bei den Zugängen habe ich mich etwas vom Bunkerbau inspirieren lassen, statteines direkten Zugangs gibt es Splitterschutzwände und Aufenthaltsräume in den Ecken, in der Mitte ist dann der "Besprechungsraum" - soll eine scherzhafte Bezeichnung für das Bunkergefühl sein, welche ich ab und zu in Zusammenhang mit dem Nestbau erwähne. :grin:
Was wollen wir wetten, die späteren Geschlechtstiere werden sich sicher lieber ganz wo anders aufhalten, als in dem "sichersten" Raum des Nestes in der Mitte!?

Auf jeden Fall kann man es als ein mögliches Beispiel für ein Horizontalnest sehen, hier sind wesentlich mehr Gestaltungsfreiheiten gegeben, da hier kaum Larven in tiefere Ebenen fallen könnten!

Markus: Re: Bauanleitung eines Ytongnestes: (6. Jan 2011 13:11)

Hier habe ich ein neues Beispiel für ein horizontales Ytongnest für euch:
gestern abend innerhalb einer dreiviertelstunde gesägt und gefräßt,
ist es als Durchgangsnest gedacht, ein Gang führt von einem Ende bis zum Anderen und wird nur in der Mitte von der größten Kammer unterbrochen - bei der sich die Fräse zu tief eingefressen hat und welche ich nachträglich mit Gips ausgießen musste, um den Boden wieder zu erhöhen.
Das vordere Ende endet unter dem Ytong, also nicht wundern, das liegt an der Regalverbauung...
Die Besonderheit, die ich euch zeigen wollte, sind aber nicht die Kammern oder Gänge, sondern der Einschnitt, welcher vorne unter dem Nest zu sehen ist.
Wie jedes meiner Ytongnester wird es befeuchtet, indem ich es einfach in einen wassergefüllten Untersetzer stelle, bei einem Vertikalnest entstehen so automatisch unterschiedliche Feuchtigkeitszonen im Nest, da unten leichter und damit mehr Wasser vorhanden ist, als weiter oben.
Bei einem horizontalen Nest hat man so was nicht hat, muss man hier trixen, denn ansonsten ist im ganzen Nest ungefähr gleich viel Wasser vorhanden.
Dieser Steg steht, wie man sich denken kann, nicht im Wasser, er ragt eher über den Untersetzer hinüber und erhält so nur über den Ytong, welcher im Wasser steht, Wasser.
Dadurch enthält der Ytong immer weniger Wasser, je weiter er sich vom "normalen" Ytong entfernt befindet, ganz vorne im Bild ist also die trockenste Stelle im Nest.
Einfaches Prinzip, das aber durchaus eine Erleichterung und mehr Möglichkeiten in der Haltung darstellt!

Das habe ich mir übrigens nicht ganz alleine ausgedacht, ein ähnliches Prinzip verwenden schon seit einiger Zeit Halter aus einem französischen Forum, nur eben nicht als Stege...

Markus: Re: Bauanleitung eines Ytongnestes: (9. Feb 2011 14:52)

OK, wie einige vielleicht mitbekommen haben, baue ich oder habe ich gebaut für Rhodan ein Ytongnest,
dabei handelt es sich um ein liegendes Horizontalnest mit Wassertank, Gipsboden mit den Maßen 25x40x10cm.
Die Baugeschichte habe ich unter die Bilder gesetzt, viel Spaß also beim Gucken:

Markus: Re: Bauanleitung eines Ytongnestes: (9. Feb 2011 15:01)

Der Komödie zweiter Teil:

Creature: Re: Bauanleitung eines Ytongnestes: (9. Feb 2011 15:48)

Ich hab meine Ytong Nester auch immer mit ner Standbohrmaschine "gefräst". Ist echt sehr angenehm und einfach.

Bohrer einspannen , Tiefenanschlag festlegen und einfach durch das Werkstück führen. Bisher habe ich keine derartig
symmetrischen Nester gemacht , wäre aber auch mal interessant. Die optik macht ja schließlich schon was her.

Hellboy: Re: Bauanleitung eines Ytongnestes: (9. Feb 2011 19:36)

Respekt Markus!

Sehr schöner Bericht und eine tolle Arbeit. Gute Ideen und Tipps für Anfänger und Fortgeschrittene.

Vielen Dank, weiter so.

Gruß Alfredo


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