Hallo,
in ziemlich vielen Diskussionen wird darauf hingewiesen, dass Lebenfutter die Gefahr von Milben mit sich bringt. Leider habe ich jedoch nirgendwo gefunden, wie die Ameisen in freier Wildbahn mit diesen Problem umgehen. Ameisen in der freien Natur essen nur dieses Futter und wenn man jetzt der Argumentation folgt, müsste über kurz oder lang die Ameisengattung durch Milbenbefall aussterben. Offensichtlich ist dem nicht so. Wo also liegt der Unterschied?
Gruß Scoon
Wenn du deinen Ameisen in Gefangenschaft ein geeignetes Nest und die Möglichkeit, umzuziehen, bietest, werden sie mit Milben auch keine Probleme haben.
Ich brühe Futter vorm Füttern nie ab und habe mit Milben bisher noch keine ernsthaften Probleme bekommen.
Solange die Ameisen die Möglichkeit haben, sich ihr Nest auszusuchen, werden sie gegen die Milben auch ankommen - wie in der Natur.
Wie hängen die Auswahl des Nestes und Milben denn genau zusammen?
Ich schätze mal, dass die Ameisen in der freien Natur das "verseuchte" Gebiet verlassen. Die Milben können den Ameisen vmtl nur schwer folgen.
In einer Farm ist das logischer Weise nur begrenzt möglich.
Ich würde mal auf die Klimabedingungen tippen. Hatte auch Milben und habe diese durch Klimaveränderungen beseitigt. Den Ameisen hat das ganze nichts ausgemacht, da die natürlich robuster als so kleine Milben sind.
Auch habe ich bei meinen gesehen, dass Tiere mit Milben in gewisser Weise Außenseiter waren. Diese Tiere waren im Gegensatz zu anderen viel öfters draußen und sind nur noch sporadisch ins Nest gegangen. Bei dieser Art ist eher das Gegenteil der Normalzustand.
In der Natur ist die Entfernung dann zum Nest vermutlich auch größer und die Gefahr dass die Ameise irgendwie zu tode kommt ist auch höher wenn sie nur noch alleine im Wald herumläuft.
Daran sieht man dass die Ameisen gar nicht so doof sind und auch hier wieder das Wohle der Kolonie über dem des Einzelnen steht.
Was auch noch in der Natur dazu kommt sind z.B. Asseln die wiederrum die Milben fressen. Fressen und gefressen werden, das Ökosystem ist da schon ganz gut ausbalanciert ;)
Danke, aber das wirft neue Fragen auf:
@Mind
Die Milben sitzen ja meist auf den Ameisen und sind von da auch nur schwer runter zu bekommen. Daher bin ich mir nicht sicher, ob dieses Argument zutrifft.
@G4
Aber wie sieht das bei neu gegründeten Kolonien aus? Die Ernähren sich ja auch durchgehend von Insekten mit potentiellen Milben. Dort ist ein Ausfall einer Arbeiterin nicht so schnell zu verkraften (zum Argument Tod außerhalb).
Die klimatischen Bedingngen. Wie soll das im Sommer funktionieren? Die Temperaturschwankungen werden wohl kaum ausreichen.
Die Asseln. Warum integriert man sie nicht mit in das Formicarium? Oder sind sie so groß dass sie von den Ameisen gefressen würden. Dann würden sie jedoch auch in der Natur nicht den Milbenvernichtungszweck erfüllen.
@Scoon: Wenn du dir das Ökosystem Wald mal ansiehst wirst du feststellen das es ein rießiges Ökosystem ist das du nie und nimmer in deiner Wohnung nachstellen kannst. Es gibt zig Millionen Faktoren die das Gleichgewicht dieses Systems bewahren. Was wir hier betreiben ist ein kleiner Faktor "Ameise" entnehmen und zu Hause so steril wie möglich halten. Je mehr Faktoren in dein Formicarium eindringen umso ungleichmäßiger wird dein System. Jeder Faktor hat seine Vor- und Nachteile. Die Natur hat für einige Schwachpunkte gesorgt das es der Milbe nicht möglich ist die Ameise zu verdrängen und zum aussterben zu bringen(Fressfeinde, .... Körpergröße).
Also würde ich es dabei belassen die Milben durch Klimaveränderung zu beseitigen und nicht weiter mit der Einfuhr von Umweltfaktoren dein System zu gefährden
Wie du schon sagtest, man weiß nie was die Asseln sonst noch so anstellen werden wenn die in deinem Formicarium keinen natürlichen Feinden ausgesetzt sind.
Im Falle eines Milbenbefalls suchen sich die Ameisen meist ein trockeneres Nest, in dem sie eine Weile bleiben. So können die Milben abgeschüttelt werden oder ihre Zahl zumindest verringert werden.
Junge Kolonien können sich noch nicht so gut gegen Milben wehren. Mit ein Grund, weshalb wir nicht von Ameisen überschwemmt werden, wenn wir die Tür aufmachen. ;)
Asseln werden von Ameisen meist nicht angegriffen. Wenn man Nester öffnet findet man sie oft darin - meist noch sehr klein. Das Problem ist, dass sie auch Brut fressen, was den Halter meist stört.
@ronnie86
Wenn das so einfach möglich wäre, würden hier kaum so viele Diskussionen um dieses Thema gehen. Ich kann mir gut vorstellen, dass es nicht möglich ist, die natürliche Regulation von Milben und Ameisen ins Formicarium zu übertragen, doch ich gebe mich nicht mit einem "Das ist sehr komplex und das ist halt so" zufrieden. Ich möchte wissen, worin die Unterschiede liegen.
Wie hoch ist denn die Wahrscheinlichkeit, dass ein Lebendinsekt Milben in die Kolonie bringt. Wenn sie nur bei 5% liegt, muss sich fast jede Ameisenkolonie im Leben damit auseinandersetzen. Würden sie keinen Mechanismus besitzen dass in den meisten Fällen hanhaben zu können, würden sie über kurz oder lang aussterben.
@Gaster
Wie gehen die Ameisen in freier Natur damit um, dass die Asseln die Brut fressen. Gehen sie unter? Glaube ich kaum, dann wäre das keine Lösung. Beseitigen sie die zu großen Asseln? Dann würden diese Tiere auch den Halter nicht stören.
Du sagst Trockenheit. Werden dadurch die Milben wirklich getötet? Ich hatte aus den bisherigen Diskussionen immer den Eindruck, dass es eigentlich kein wirklich brauchbares Mittel gegen Milben gibt (außer Handarbeit). Ein kurzzeitiger Rückgang dürfte wohl weder im Formicarium (ohne Fressfeinde und andere Gefahren) und schon gar nicht in der freien Natur (mit Fressfeinde und andere Gefahren) reichen.
Denkst du, dass dir hier jetzt das Ökosystem Wald erklärt wird? Dazu ist wohl kaum jemand in der Lage, da es noch gar nicht vollkommen erforscht ist. Du wirst dich mit einem "das ist zu komplex um es zu erklären" zufrieden geben müssen. Wie willst du all die Millionen Tier- und Pflanzenarten, die Pilze, die Einzeller und was weiß ich was in ein so kleines Formikarium bekommen? Willst du etwa Wildschweine, Hirsche, Mäuse und Pilze hineinsetzen, um an dem Versuch, ein Ökosystem zu schaffen, zu scheitern?
Man kann die Bedingungen Haltung-Natur nicht vergleichen. In der Natur wirken sich andere Faktoren auf die Milben und die Ameisen aus, als in der Haltung. In einem feuchten Formikarium haben Milben ein fast perfektes Heim. Die Ameisen können nicht fliehen und so vermehren sich die Milben, bis sie die Ameisen "erdrücken". So weit kommt es in der Natur gar nicht.
In fast jeder Ameisenkolonie in Freiheit sind Milben zu finden. Diese stören die Ameisen jedoch nicht so stark, da sie sich aufgrund widriger Bedingungen nicht zur Plage entwickeln können.
Und doch, Trockenheit hilft in vielen Fällen. Offensichtlich hast du noch nicht gründlich genug gesucht.
Auf die Asseln wirken sich, wie bei den Milben ja auch, noch andere Faktoren als die Ameisen aus. Du kannst das nicht als Beziehung Ameise-Assel und Ameise-Milbe sehen. Schon mit den 3 Arten haben wir eine Dreiherbeziehung. Die Asseln regulieren die Milben, die Milben in gewisser Weise die Ameisen und sind die Milben weg, vergreifen sich die Asseln wiederum an den Ameisen resp. deren Brut.
Hinzu kommen dann noch tausende andere Faktoren, die nicht nur auf eine einzelne andere Art Einfluss haben, sondern auf viele verschiedene.
Auch muss man bedenken, dass sich diese Beziehung in Millionen von Jahren aufeinander eingespielt hat. Die Milben dürfen die Ameisen nicht vernichten, da sie dann keinen Wirt mehr haben und die Ameisen werden durch Milben und andere Feinde daran gehindert, sich zu stark zu vermehren, da sie dann andere Tierarten verdrängen würden.