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earlant: Ernste Warnung vor Myrmecia (15. Dez 2006 18:15)

Die Haltung von Ameisen birgt für die Halter im allgemeinen keine besonderen gesundheitlichen Risiken. Stiche durch in Deutschland einheimische Arten sind gewöhnlich harmlos, abgesehen von Personen mit Allergien, oder wenn die Ameisen z.B. im Schlundbereich zum Stich kommen.

Die Haltung exotischer Arten allerdings kann mit erheblichen Risiken behaftet sein. Eine der riskantesten Gruppen ist offenbar die australische Gattung Myrmecia:

Prof. Dr. R.W. Taylor aus Canberra, Australien, hoch angesehener Forscher und Myrmekologe, schrieb mir gerade (15.12.06) zum Thema „Heimtierhaltung von Myrmecia“ das Folgende:

Diese Ameisen sind hochgiftig, und gelegentlich verursachen die Stiche einen anaphylaktischen Schock, der den Tod zur Folge haben kann.
In Australien sterben schätzungsweise 6 Personen pro Jahr an Myrmecia-Stichen – eine grobe Schätzung, weil man keine Spur der Todesursache feststellen kann, wenn solche Todesopfer allein im Busch oder auf einem Farmgelände gefunden werden. Es gibt eine ziemliche Anzahl solcher Berichte über unerklärliche Todesfälle, und die Allergologen, mit denen ich in Kontakt stehe, sind sicher, dass bei den meisten davon Myrmecia-Stiche im Spiel sind. Zumeist werden solche Fälle als Herzattacken abgetan.

Ich bin zurzeit an einem großen Projekt beteiligt, in dem ein Team von medizinischen Allergologen versucht, relevante Aspekte der Chemie der Myrmecia-Gifte und ihrer Toxizität zu erforschen. Ihre Videos von sensitiven Personen, die sich im Labor freiwillig einer induzierten Anaphylaxe unterziehen, sind einfach schrecklich. Bei der Feldarbeit tragen diese Burschen ("guys", die Allergologen) immer einen Notfall-Kit mit sich, um irgendwelche Reaktionen von Teilnehmern auf Stiche behandeln zu können. Sie können nicht verstehen, wie leichtsinnig wir Myrmekologen bei solchen Gelegenheiten sind, die sie als hoch riskant einstufen.

Er wird mir Literaturzitate schicken, und er hält es für möglich, dass die Gesundheitsbehörden in Deutschland, wenn sie auf die Gefährlichkeit von Myrmecia aufmerksam werden, den weiteren Import und Verkauf dieser Ameisen verbieten und sogar die Vernichtung vorhandener Kolonien verlangen könnten!

Diese Warnung durch einen absolut ernst zu nehmenden Forscher, der von der Sachlage wirklich etwas versteht, kann und will ich den Ameisenhaltern und –händlern nicht verschweigen! Denn im Falle eines Falles würde ich mich durch Schweigen oder Verharmlosung mit schuldig machen .
Versteht also bitte, dass ich gar nicht anders kann, als diese Nachricht zu verbreiten.

Earlant

delirium: (15. Dez 2006 18:29)

Ich denke, dass es jedoch auch auf die Zahl der Stiche und damit der Menge des injizierten Gifts ankommt. Wenn jemand im Outback in die Nähe eines großen Mymecia-Nestes kommt und dann von zig Arbeiterinnen angegriffen und gestochen wird, so halte ich es für denkbar, dass man daran sterben kann. So ist es mit unseren Bienen und Wespen ja auch.

Aber ein einziger Stich? Kann der auch tödlich sein? Oder sind gewisse Schwächen im Immunsystem nötig? Bevor solche Fragen nicht geklärt worden sind, sollte das Thema nicht allzu dramatisiert werden.

earlant: (15. Dez 2006 20:25)

Hallo delirium,

Ich habe hier absolut NICHTS dramatisiert ! Es ist allbekannt, dass für einen Allergiker ein einziger Stich einer Biene oder Wespe tödlich sein kann. Wie ein Allergiker auf einen einzigen Myrmecia-Stich reagiert, können wir beide nicht sagen und auch keiner der Halter und Verkäufer!

Bob Taylor ist aber an der vordersten Front der Forschung. Klar, dass er als Ameisen-Experte in diesem Projekt beteiligt ist, denn seine medizinischen Partner können die Myrmecia-Arten nicht unterscheiden. Recht sicher gibt es auch noch Unterschiede zwischen den fast 90 Arten.

Man sollte einem ernsthaften Wissenschaftler nicht einfach so aus dem Ärmel und ohne jegliche eigene Kenntnisse unterstellen, dass er etwas "dramatisiere" und damit seine Warnung wieder zerreden. Klar, dass das bei den Ant-Freaks eher auf Zustimmung stößt als seine Warnung.

Ich hatte Bob Taylor nicht um eine Einschätzung der Gefahren durch Myrmecia gebeten. Hatte ihm nur beiläufig geschrieben, dass hier in D australische Ameisen, darunter Myrmecia, als pet-ants gehalten werden. Bis heute hatte ich die Gefahren, die von Myrmecia ausgehen, auch geringer eingeschätzt. Auch ich habe zwei kräftige Stiche mit heftigen Schmerzen, aber sonst unbeschadet überstanden.

Das ist wie mit Heuschnupfen: Wenn man selbst nicht davon betroffen ist, sagt sich's leicht: "Ach hab' Dich nicht so!" und "Wird schon nicht so schlimm sein". Nur dass ein lebensbedrohlicher anaphylaktischer Schock wohl doch noch mal eine andere Größenordnung ist.

Also bitte keine Verharmlosungen , für die wahrlich kein anderer Grund vorzubringen ist als das sattsam bekannte "ICH meine aber ...."!
Wie leicht Unbeteiligte, Familienmitglieder, Freunde, Besucher in den Genuss von Ameisenstichen geraten können, das zeigt doch gerade heute der thread von Matze, bei dem die kleine Schwester einfach in das Polyrhachis-Formi gegriffen und zielsicher die Königinnen herausgefischt hat. Man stelle sich vor, sie hätte in ein Formikar mit einer Kolonie Myrmecia gegriffen und läge jetzt auf der Intensivstation......

Tut mir Leid, aber mich haben diese Angaben von Bob Taylor wirklich aufgerüttelt!

mfG,
Earlant

skateduffy: (15. Dez 2006 21:03)

Danke Herr Buschinger für den Beitrag. Die Gefahr muss jeder Halter letztendlich selber für sich abwägen. Dass es jedoch zu einem Verbot der Haltung bzw. einer Vernichtung vorhandener Kolonien in Deutschland kommt ist auszuschließen und auch ein bisschen lächerlich dargestellt. Gegen den Importverbot kann ich Nichts einwenden. Jedoch muss die Sachlage erst eindeutig geklärt werden und wie lange so Etwas dauert, können Sie sich ja vorstellen. Ich finde es gut, dass Sie alle Halter so brav informieren, aber dass Sie im allgemeinen gegen die Ameisenhaltung sind, wird wohl aus jedem Ihrer Beiträge ersichtlich und gibt diesen Bericht wieder einmal eine gewisse Schärfe.

Trotzdem Hochachtungsvoll
Kevin

delirium: (15. Dez 2006 21:09)

Ich unterstelle Ihrem Partner auch keine Dramatisierung, jedoch halte ich es nun mal für normal. Wenn jemand gegen Myrmica rubra Säure allergisch ist, kann das auch böse enden. Sp wird es auch mit Myrmecia sein. Sie geben mir ja Recht, dass Allergiker bei einem Bienenstich sterben könnten...dennoch verbietet man nicht die Imkerei.

Sicherlich ist es wohl unmöglich, dass sich jemand auf eine mögliche allergische Reaktion mit dem Gift der Myrmecia prüfen lässt, bevor er eine Kolonie kauft. Schon gar nicht, wenn die Wirkung des Giftes nicht mal annähernd beschrieben ist.

Im Fall von "mathe94" halte ich es jedoch für grob fahrlässig, wenn man kleine Kinder (sonst würde sicherlich keiner gezielt in ein Ameisennest fassen) nicht hinreichend gewarnt werden. Deswegen sollten solche Leute keine Bullants halten. Dennoch ist das nicht die Regel. Matze ist ja selbst "erst" 12 Jahre alt und weiß Bescheid, nur seine Schwester hat das wohl nicht richtig vermittelt bekommen. Das ist wie gesagt eine andere Sache, traurig, aber nicht die Schuld vom Verkäufer oder Händler.

Ich will um Himmelswillen auch nichts verharmlosen, nur halte ich es für überzogen. Wie gesagt, Wespen und Bienen können einem Allergiker töten...ja, genauso wie die Bullants. Ob ein unbefleckter Mensch davon Schaden trägt (Sie sind ja auch gut davon gekommen) ist nicht hinreichend erforscht. Deswegen sollte eine Art Mittelstellung eingenommen werden, solange nichts wirklich geklärt ist.

Erst recht sollte dem Antstore keine Schuld gegeben werden, da jeder Käufer von Exoten über die möglichen Gefahren aufgeklärt wird. Von daher ist es auch eine gewisse Eigenverantwortung, ob man in ein Polyrhachis, Myrmecia oder ein Lasius Nest greift.

earlant: Es ist eine infame Lüge! (15. Dez 2006 21:54)

Zitat von Skateduffy
Ich finde es gut, dass Sie alle Halter so brav informieren, aber dass Sie im allgemeinen gegen die Ameisenhaltung sind , wird wohl aus jedem Ihrer Beiträge ersichtlich und gibt diesen Bericht wieder einmal eine gewisse Schärfe. - Das ist eine infame Lüge , die auch durch häufige Wiederholung nicht Wahrheit wird.
Ich weiß nicht, wer das in die Welt gesetzt hat, aber jeder, der mir etwas anhängen und mich möglichst bei allen Ameisenhaltern diffamieren will, plappert diese schwachsinnige und unverschämte Unterstellung nach! Vielen Dank!
Vielleicht können Sie mal im AF, im DasAF, im Forum der DASW und hier im Antstore-Forum gründlich suchen . Vielleicht können Sie uns mal Zitate und Beweise für Ihre lügenhafte Darstellung servieren!

Wo bitte kann ich das so auffällig im Forum unterbringen, dass keiner mehr eine solche Unterstellung und Verleumdung hervorzerren kann?

Schließlich gibt es genügend posts von mir, in denen ich Haltern v.a. einheimischer Arten SEHR GUTE Ratschläge gebe. Dass ich gegen den unbeschränkten Import exotischer Ameisen bin, ist eine ganz andere Sache, und die Gründe werden von intelligenten Ameisen- und Naturfreunden auch verstanden.

@ Delirium: Ich gebe auch dem Antstore KEINE Schuld. Das kann ich nicht, weil ich selbst bis heute nicht über den von R.W. Taylor dargelegten Grad der Gefährlichkeit der Myrmecia-Gifte informiert war!

6 Todesopfer jedes Jahr dank Myrmecia, bei einer Gesamtbevölkerung von 19 Millionen in Australien.
Wir haben 80 Millionen Einwohner in D, mehr als viermal so viele! Sollen wir glauben, dass jährlich gegen 25 Todesopfer aufgrund von Bienen-und Wespenstichen anfallen?

Über das Ausmaß der Gefährlichkeit konnte auch der Antstore bisher nicht informieren. Jetzt kann er.

Und "Verantwortung" für das Leben von Mitmenschen übernehmen? Wissen Sie, wovon Sie reden?

Zwischen tot und lebendig gibt es keine Mittelstellung. Wer nach dieser Information durch Experten noch immer die "Verantwortung" übernehmen möchte, handelt zumindest grob fahrlässig. Bei einem "Unfall" wird er ebenso zur Rechenschaft gezogen, wie ein Giftschlangenhalter, durch dessen Hobby ein anderer Mensch zu Schaden kommt. Und Giftschlangenhalter müssen meines Wissens ihre Befähigung zur sicheren Haltung und Unterbringung der Tiere nachweisen und eine besondere Genehmigung dafür haben.

Schönes Wochenende!
Earlant

steven3000: Re: Ernste Warnung vor Myrmecia (15. Dez 2006 22:11)

@ earlant Es gibt eine ziemliche Anzahl solcher Berichte über unerklärliche Todesfälle, und die Allergologen, mit denen ich in Kontakt stehe, sind sicher, dass bei den meisten davon Myrmecia-Stiche im Spiel sind. Zumeist werden solche Fälle als Herzattacken abgetan.

also das wäre ja nun nur eine vermutung und müsste erst bewiesen werden, auf dieser basis kann es kein verbot geben!

bei allergiker ist es klar wie bei allen insektenstichen, das es eine besondere gefahr gibt, die auch zum tode führen könnte .


grüsse steven

maze23: (15. Dez 2006 22:12)

Hallo !


Ist es nicht schon länger bekannt das Insektenstiche Allergien bis hin zur Anaphylaxie verursachen können. Und das gerade Personen die dafür prädisponiert sind besonders aufpassen müssen. Oder geht es hier jetzt um die pathogenität der Antigene bei Myrmecia.
Dann müßten doch auch Halter von Vogelspinnen mit ähnlichen Problemen konfrontiert sein. Verbessert mich aber ich glaube von Spinnenhaltern wird es doch ein paar mehr geben als von Ameisenhaltern. Und zum teil werden da richtige Gitftlinge gehalten unter anderen solche die nette Nekrosen nach dem Biss verursachen können.
Und wie ich es aus dem Bericht rauslese weiß man noch gar nicht was die Todesursache ist. Man geht also vom Myrmecia als potenziellen Täter aus.
Man darf aber auch nicht vergessen das Australien ein Kontinent ist in dem es sehr viele giftige Tiere gibt.


Und noch was der Antstore macht darauf aufmerksam


(Es macht sich immer gut ein bissel Suprarenin zu Hause zu haben :wink: )

Mfg


Maze


Klick mich ! (Spinnenbiss)


Klick mich ! (Spinnenbiss)

mac: (16. Dez 2006 00:15)

Verdammt was wenn er die Wahrheit sagt?
er ist nicht gegen die Ameisenhaltung!!!
ja streite's ab wenn ihr auf der Intensivstation liegt.

The_Paranoid: (16. Dez 2006 00:56)

Wenn ich den im ersten Beitrag zitierten Text ganz genau lese, steht darin nichts, dass nur ein einziger Todesfall im Zusammenhang mit Myrmecia bewiesen wurde.
In Australien sterben schätzungsweise 6 Personen pro Jahr an Myrmecia-Stichen – eine grobe Schätzung, weil man keine Spur der Todesursache feststellen kann , wenn solche Todesopfer allein im Busch oder auf einem Farmgelände gefunden werden.
Die Toxizität des Myrmecia-Giftes wird im Moment noch untersucht und in diesem Thread wurden noch keine Ergebnisse aus dieser Forschung veröffentlicht .... also beruhigt euch mal wieder ... das ist das Antstore-Forum und nicht die Bild-Zeitung.
6 Personen bei 19 Millionen Einwohnern ?
In den USA sterben jedes Jahr 1.000 Menschen durch Bienen- oder Wespenstiche. Ich denke nicht, dass angesichts solcher Zahlen irgendein deutscher Bürokrat ein Import- oder Verkaufsverbot, gar eine Zerstörung schon existierender Kolonien, unterschreiben wird.

Ein Myrmecia-Stich wird, verglichen mit anderen Insekten-Stiche, wohl schon etwas gefährlicher sein. Ich bezweifel aber, dass diese für normale Menschen lebensbedrohlich sein können.
Für Allergiker können sie allerdings tödlich sein, genau wie jeder Bienen- oder Wespenstich.
Man sollte also schon aufpassen, was man sich da zulegt, aber das Risiko keinesfalls überbewerten.


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