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Ratinger: Temnothorax sp. (5. Jun 2006 14:32)

Hallo
in meinem Garten versammeln sich auf einem halben meter Geweg
hunderte Themnos.
Sie sehen aus wie die die hier als Kolo angeboten werden (http://www.antstore.net/auction_offer_view.php?ao=99) und deshalb schätze ich es sind sp.<was heist sp.?

also wie gesagt, sie kommen zu hunderten aus ihren Nestern
und wuseln so durcheinander, es sind 3Stellen an denen sie besonders dicht zusammen sind (ich schätze Nesteingänge)
Geschlechtstiere sind keine da.

meine Frage: was machen die da?
ist das eine riesen Kolo oder sind das 3?

mfg Marco

P.S.:sorry ich hatte es eilig, Fotos folgen (hoffentlich)

Frey: (5. Jun 2006 14:45)

Hi,

sp. heisst Spezies. ( Unbestimmt ).

Es könnte sein das du eine Art vor deiner Tür hast, welche demnächst schwärmt. Es gibt zumindest Temnothorax Arten wie affinis die jetzt schwärmen.

HeldGoP: (5. Jun 2006 14:55)

hi,

sp. ist kurz für species, also ist die art nicht genau bestimmt.

bist du dir denn sicher das es Temnothorax sind? nicht eher Tetramorium?

mfg

earlant: (5. Jun 2006 20:05)

Autsch, und nochmals autsch!

Themnothorax heißen nicht so, sondern Te mnothorax.

Sie treten nie zu Hunderten auf und nie auf einem Garten-Gehweg, weil sie nicht im Boden leben.
Ratingers „Temnothorax“ dürften Tetramorium sp. sein („sp.“, weil allenfalls ein Hellseher die Art benennen könnte), aber es könnten nach der Beschreibung auch Lasius sein.

Die in der „auction“ angebotenen „Temnothorax“ sind Leptothorax. Wenn sie auf den Antennenschäften und den Tibien abstehende Haare haben, sind es L. acervorum, andernfalls L. muscorum. (Gute Lupe erforderlich!).

Laut Bild und Beschreibung haben sie bereits Geflügelte. Das ist viel zu früh im Jahreszyklus, die müssten dann bereits etwa Mitte Juli (!) in ihre nächste Überwinterung gebracht werden. Richtig überwintert, also bei etwa täglichem Wechsel von tagsüber +10 Grad C und nachts um die null bis minus 2 Grad, könnten sie dann Ende Oktober wieder Frühjahrsbedingungen bekommen, um Weihnachten hätten sie den nächste Jahrgang Geschlechtstiere. In jedem Fall sind sie bereits jetzt gründlich aus ihrem natürlichen Jahreszyklus gebracht. - Ihr dürft mir glauben, ich habe gerade L. acervorum über sehr viele Jahre hindurch gehalten!

Temnothorax affinis schwärmt im Freiland noch lange nicht, vor allem nicht in diesem kalten Frühsommer.

Es ist mit Ameisen und ihren Klimaansprüchen halt nie so ganz einfach wie mit Meerschweinchen oder Goldhamster!

MfG Earlant

Krümel: (6. Jun 2006 09:14)

Guten Tag.
Ich möchte mich dazu äußern da ich diese Kolonie anbiete. Für die frühen Geschlechtstiere kann ich nichts, ich fand diese Kolonie Mitte März zwischen Stamm und Rinde einer alten abgestorbenen Fichte, und da war diese Brut schon vorhanden. Da ich die Kolonie jetzt aber nicht einfach so sterbenlassen will: was könnte man tun? Würde es nützen wenn ich die Kolonie einfach wieder aussetzte? Oder müsste ich sie bei mir überwintern?

earlant: (6. Jun 2006 13:56)

@ Krümel

Du bist schon „schuld“ daran, dass die Kolonie jetzt bereits Geflügelte hat! Im Freiland, zumal in diesem kalten Frühjahr, hätte die Entwicklung der überwinterten Larven frühestens im April begonnen (Ende März hatten wir noch Schnee!), und dank überwiegend kühler Tage und kalter Nächte wäre sie wesentlich langsamer vorangeschritten als im warmen Zimmer. – Von den Haltern weiß das nur kaum einer! Es betrifft aber alle einheimischen Arten, die oftmals zu früh ausgewintert werden und denen man dann ein andauernd „schönes“ Wetter vorgaukelt.

Ich denke, Du kannst die Kolonie jetzt noch ins Freie setzen. Ich weiß nicht genau, wie weit die L. acervorum im Freiland mit der Brutentwicklung sind (um das zu kontrollieren müsste ich ein oder ein paar Nester öffnen, denen das aber nicht gut tut). Bleibt es weiterhin kühl, werden die L. acervorum gegen Mitte oder Ende Juli schwärmen. Das kann sich dann auch noch bis Ende August hinziehen. Je nach Lage der Nester (sonnig, schattig) und Meereshöhe (sie kommen von der Ostseeküste in Schweden, null Meter) bis auf 3.000 m vor (Gornergrat im Schweizer Wallis). 2-3 Wochen heiße Witterung würden alles sehr beschleunigen. Jedenfalls ist es nicht ausgeschlossen, dass Deine Geschlechtstiere noch den „Anschluss“ bekommen und „warten“ bis sie parallel zu anderen aus dem Freiland schwärmen können.

Sie künstlich zu überwintern ist im normalen Haushalt schwierig. Bevor ich professionelle Kühlbrutschränke fürs Labor kaufen konnte, habe ich behelfsmäßig einen normalen Kühlschrank mit einer Zeitschaltuhr gesteuert: Etwa 18:00 angeschaltet, dann hat er die Nacht durch gekühlt („Herbstphase“ und „Frühjahrsphase“ im Gemüsefach, ca. 8-10 C; „eigentliche Winterphase“ näher am Verdampfer: 0 bis -3 C), morgens gegen 10:00 ausgeschaltet, dann heizt sich der Innenraum bis abends allmählich auf 10-12 C auf. Wenn es zu warm wird, muss man früher wieder einschalten, oder zwischendurch mal für ½ Stunde kühlen.

Hört sich kompliziert an, aber es war letztlich die Möglichkeit, über diese Tiere wissenschaftlich zu arbeiten. Bis ich diese Temperatursteuerung entdeckt hatte, habe ich Leptothorax-Völker auf einem Institutsbalkon in einer wettergeschützten Kiste unter völlig natürlichen Klimabedingungen gehalten.

MfG

Earlant

PS: Ich glaube, der ganze thread sollte aus den "Haltungserfahrungen" in die "Allgemeinen Diskussionen" verschoben werden. :)

Krümel: (6. Jun 2006 14:15)

Ok, ich denke ich werde die Kolonie am Fundort wieder aussetzen.
Vielen Dank für Ihre Hilfe.

Ratinger: (6. Jun 2006 16:39)

hallo und sorry für den Schreibfehler.
@ earlant:Sie treten nie zu Hunderten auf und nie auf einem Garten-Gehweg, weil sie nicht im Boden leben.
auf Ameisenhaltung.de steht unter Temnothorax unifasciatus
das sie knapp unter der Erdoberfläche unter Steinen usw. lebt!

Also ich habe weiter beobachtet das es sich um einen Kampf zweier Kolonien handelt, man sieht viele ameisen im zweikampf un auch einige Leichen auf dem Boden.
Eingige Ameisen laufen zwischen Nesteingang und Schlachtfeld hin und her
andere sind am kämpfen und andere laufen zwischen den kämpfenden Ameisen her oder um sie herum.
Allesdings geht das ganze jetzt den dritten Tag,
ich habe keine Erklärung dafür.
earlant da du ja sehr bewandert zu sein scheinst in sachen Ameisen
frage ich dich nochmal warum die das machen?
mfg

Darkness: (6. Jun 2006 16:58)

@ Ratinger

Also für Gründe einer Auseinandersetzung gibt es verschiedenste Möglichkeiten. Viele solcher Konflikte zwischen anderen oder gleichen Arten basiert auf die von ihnen benötigten Nahrungsquellen oder Nistplätze. Ausserdem sind die Lebensweise der jeweiligen Art und die Anforderungen welche sie benötigt auch nicht zu vernachlässigen. Oft ist ein Kampf gleicher Arten häufiger da sie die gleichen Anforderungen an die Umwelt haben.
Nehmen wir mal als simples Beispiel zwei Menschen die sich um ein Stück Apfelkuchen streiten. Nur solange beide eine gewisse Vorliebe und Verlangen nach diesem Nahrungsmittel hegen, kann es zu Auseinandersetzungen kommen, mag aber einer der beiden gar keinen Apfelkuchen gerne und wird er auf ihn verzichten können.
Sicherlich gibt es noch mehr Gründe, möglicherweise verstärkt durch die kommenden Schwarmflüge oder das verlangen nach grösserem Territorium. Da bin ich mal gespannt was earlant so alles darüber weiss. :D

@ Krümel

Mir ist durchaus bewusst das hinter dem Namen earlant eigentlich Prof. Dr. Alfred Buschinger steht. Er gehört ja nicht zu denen die mit ihren Titeln preisen, deshalb wollte ich mich auf den von ihm hier im Forum genutzten Übernamen earlant beziehen.

Mfg Darkness

Krümel: (6. Jun 2006 17:03)

Ja, das ist richtig, aber Temnothorax und Leptothoraxvölker werden nie sehr groß. Warum glaubst du hätte mein Volk sonst schon mit weniger als 100 Arbeiterinen Geschlechtstiere? UNd earlant ist Herr Prof. Buschinger. Hoffe es ist ok wenn ich das sag.


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