Hi,
ich möchte hier einfach mal eine Beobachtung schildern, die ich gerade gemacht habe:
Ich habe vor einigen Tagen eine Königin Camponotus ligniperda ausgegraben. Ich habe sie in einem sehr morschen Baumstumpf gefunden.
Sie hatte noch keine Arbeiterin aber schon fast verpuppungsreife Larven.
Ich habe die Königin in ein Reagenzglas getan und die Larven vorsichtig hinterherfallen lassen.
So weit war alles normal (für mich, die Königin hätte sich die Sache wohl anders vorgestellt wenn sie über soetwas nachdenken könnte).
Nun kommt aber meine Beobachtung:
Eine der Larven hat begonnen, sich zu verpuppen. Sie produzierte immer mehr Seide.
Normalerweise hören die Larven schnell auf Seide zu produzieren, wenn sie dafür keinen Halt finden. Hier war es aber anders, die Königin hat die Seide entgegen genommen und zu einem Bündel "geknüllt".
Nach einem Tag hörte die Larve dann auf,
Seide zu produzieren - Warum? - Keine Ahnung.
Sie hat sich also schließlich dochnoch entschlossen, sich nicht in ein Kokon zu hüllen.
Man konnte nun nachundnach Beine und Fühler erkennen.
Nach einer Weile fiel mir aber auf, dass der Larve der Kopf - das Caput - fehlt. Es sind Ansätze vorhanden, doch sie sind verkrüppelt, viel zu klein und haben sich gelb verfärbt.
Die Beine kommen mir irgendwie zu lang vor... ich werde wohl abwarten müssen, bis sich das Imago entwickelt hat, damit ich das eindeutig erkennen kann - wenn die Puppe so lange überlebt.
Es hat mich etwas überrascht, als ich bemerkte, dass sich die Larve schon verpuppen will, da sie doch noch ein wenig zu klein war, auch für eine Pygmaee.
Ich könnte mir vorstellen, dass ich bei der Entnahme der Larven etwas in ihrer Entwicklung gestört habe, sodass sie sich
1. Zu früh anfangen zu verpuppen
und sich
2. Keine richtigen Köpfe gebildet haben.
Es kommt mir irgendwie so vor, als hätte die Königin versucht, der Larve die Seide zu entziehen. Unter Umständen wollte sie nochnicht, dass sie sich verpuppt...
Weshalb die Larve immerweiter Seide produziert hat kann ich mir nicht erklären.
Und die Ursache für das ganze wird wohl sein, dass ich die Larve beim aufnehmen verletzt habe.
Was mich jedoch wundert, dass sich die Larve weiter entwickelt hat, auch wenn nicht vollständig und in dem richtigen Tempo.
Ich bin gespannt, wie das Imago aussehen wird und ob es überlebensfähig ist.
Kann mir jemand erklären, weshalb sich die Larve weiterentwickelt hat? (Vielleicht ja der Herr Professor Dr. Buschinger, der in letzter Zeit erfreulicherweise sehr aktiv gewesen ist?
MfG Jan
Hallo Gaster,
Auch wenn es schwierig ist, hier sichere Aussagen zu treffen, will ich versuchen, wenigstens einige Anmerkungen zu machen.
Nach einem Tag hörte die Larve dann auf, Seide zu produzieren - Warum?
- In der Zeit des Kokon-Spinnens produzieren die Speicheldrüsen vorübergehend Seidensekret, üblicherweise gerade so viel, wie für den Kokon notwendig ist. Wenn das aufgebraucht ist, kommt nichts mehr nach.
Nach einer Weile fiel mir aber auf, dass der Larve der Kopf - das Caput - fehlt. Es sind Ansätze vorhanden, doch sie sind verkrüppelt, viel zu klein und haben sich gelb verfärbt.
- Sind die Fühler S-förmig verkrümmt (Lupe!)? Der Kopf dürfte nur zu klein und unter den Antennen verborgen sein. Oder er ist mit samt den Antennen im Larvenkopf stecken geblieben.
Es kommt mir irgendwie so vor, als hätte die Königin versucht, der Larve die Seide zu entziehen. Unter Umständen wollte sie nochnicht, dass sie sich verpuppt..
- Ich denke eher, dass die Königin versucht hat, die Larve von „Schmutz“ zu befreien. Im Reagenzglas hatte die Larve keine Holzkrümel etc. um ihre Seidenfäden anzuheften, konnte deshalb keinen „ordentlichen“ Kokon spinnen. Die Verpuppung ist durch Hormone gesteuert, das könnte die Königin nicht verhindern, selbst wenn sie das „wollte“.
Die Beschreibung der Puppe erinnert mich am meisten an das, was ich oft gesehen habe, wenn meine Ameisenvölker einem zu raschen Temperaturwechsel von warm nach kalt ausgesetzt waren: Wenn die Larve bereits dabei ist, als Puppe aus der Larvenhaut zu schlüpfen, muss sie sich heftig bewegen (hinten zusammenziehen und Druck nach vorne machen, dann umgekehrt, dabei Seitwärtskrümmungen usw.). Geht das wegen zu niedriger Temperatur nicht, „bleibt sie in der Larvenhaut stecken“. Daher meine Frage nach gekrümmten Antennen, was ich in solchen Fällen fast immer beobachtet habe. Meist sterben diese Puppen dann, aber manchmal schlüpft doch noch eine Imago ( die Imago!), die dann auch verkrümmte Extremitäten hat.
Kann es sein, dass Du die Königin aus einem von der Sonne warm beschienenen Baumstumpf genommen hast, und dass sie dann im Sammelbehälter der zurzeit oft sehr viel niedrigeren Lufttemperatur ausgesetzt war?
Ich hänge mal ein Bild von einem „Schlüpfkrüppel“ von Manica rubida an. Bei der passiert das nicht selten in der Haltung.
MfG Earlant
Hallo, ersteinmal danke für die Antwort.
Ich weiß nicht ob es wichtig ist, oder ob es überhaupt stimmt: Ich habe mir einige Nacktpuppen anderer Arten angesehen und mir ist aufgefallen, dass bei allen die Fühler unter der Puppe verlaufen, also nach unten geknickt sind.
Bei dieser Puppe sind sie nach oben geknickt und zu kurz, aber ich würde nicht sagen, dass sie S-förmig sind.
Mit "Es sind Ansätze vorhanden" meinte ich eigendlich Ansätze des Kopfes, nicht der Mandibeln etc.. Die Fühler sind das einzige am Kopf, was man als solches (mit einer Lupe [ 8-fache Vergrößerung ] )erkennen kann.
Zu dem Temperaturwechsel: Wenn ein Temperaturwechsel da war, dann eher von kalt nach warm. Es war an dem Tag nicht sehr sonnig, genauso an den Tagen davor.
Wären diese Tiere denn theoretisch überlebensfähig? Oder haben sie bei Ihnen schon einmal über einen längeren Zeitraum überlebt? Wobei man das ja nicht so sagen kann, es kommt mir nämlich eher so vor als wäre dies etwas anderes... Die Fühler sind nicht S-förmig verkrüppelt.
Es geht mir nicht darum, dass ich Angst habe, dass die Königin oder die Arbeiterin es nicht überlebt. Es interessiert mich einfach... Nicht das jetzt jemand denkt, dass mir meine Ameisen egal wären oder dass ich denke, dass es minderwertige Tiere sind... mich interessiert (in diesem Fall ) aber viel mehr, ob ich diese "komische" Entwicklung hervorgerufen habe, oder ob dies auch in der Natur passiert wäre.
MfG Jan
Könnten Schwierigkeiten bei der Verpuppung bei Camponotus ligniperda oft auftreten?
Ich frage weil bei meiner kleinen Kolonie vom letzten Jahr (im Oktober waren es 6 Arbeiterinnen von denen zwei im Winter verstorben sind, bisher wieder zwei geschlüpft) das Verpuppen bisher nur 50% klappt (obwohl N hier sehr klein ist). Von 4 verpuppungsreifen Larven haben erst 2 es geschafft Kokons zu spinnen. Die übrigen zwei haben ihren Kot ausgeworfen (ohne Kokons zu spinnen) und sind dann verschwunden, ich nehme mal an dass sie verzehrt wurden.
So, ich möchte kurz bemerken, dass die Königin die Puppe nun gefressen hat.
MfG Jan