Hallo,
ich hab ma ne frage an alle (insbesondere an Pheidole Pallidula Halter) ich habe in der Artbeschreibung des Antstore Ameisenshops gelesen, dass man Pheidole auch durch den Winter durchpflegen kann, in einem Haltungsbericht hab ich aber gelesen, das Pp unbedingt Winterruhe braucht, da sie sonst sterben. Was stimmt jetzt???
Ich freue mich über jede Antwort!
Mfg
Jonas
Am besten, du benutzt mal die Suchfunktion ;)
Die Meinungen dazu sind sehr sehr geteilt...
MfG Jan
desshalb frag ich ja :wink:
Da kann dir auch niemand eine andere Antwort geben, fast jeder hat eine andere Meinung und die hat er auch schon geäußert, und das findest du mit der Suchfunktion.
Es sind nunmal immernoch die gleichen User, die aktiev sind, wie vor einigen Monaten und ich kann mich erinnern, dass darüber schoneinmal diskutiert wurde.
Es würden sich bloß alle wiederholen...
Du kannst dir dazu eine eigene Meinung bilden oder auch nicht.
Die Personen die gegen eine Winterruhe bei pallidula sind, werden sagen, dass sie auch in warmen Regionen vorkommen, wo es keinen ausgeprägten Winter wie bei uns gibt.
Die Halter, die dafür sind, werden sagen, dass sie auch eine innere Uhr haben und "schlafen" wollen.
Ich bin der Meinung, dass es sehr darauf ankommt, aus welcher Region die Königin bzw. die Kolonie ursprünglich kommt.
Wenn sie aus einer andauernd warmen Gegend kommt, kann man es ohne Winterruhe probieren, ansonsten halt nicht.
Was ich jetzt geschrieben habe wollte ich aber eigendlich vermeiden, denn es ist deine Sache, wie du darüber denkst.
Soweit ich mich erinnern kann hat sich dazu noch niemand geäußert, der wissenschaftliche Texte vorweisen konnte...
MfG Jan
Da kann dir auch niemand eine andere Antwort geben, fast jeder hat eine andere Meinung
Stimmt nicht ganz:
Im „Ameisenwiki“ ist unter „Pheidole pallidula“ Folgendes zu finden:
Da hin- und wieder auch etwas zur Überwinterung von P. pallidula gefragt wird, will ich mal eine Information weitergeben, auf die ich im französischen Forum stieß:
"P. pallidula hat keinen Jahreszyklus mit obligatorischer Diapause; es ist eine Ameise, die sich an eine ganzjährig ziemlich hohe Temperatur anpassen kann ("Küchenameise"). Sie sind sehr robust. Ihr könnt sie herausnehmen (aus der Überwinterung), wann Ihr wollt."
Das stammt von Prof. Dr. Henri Cagniant, einem bekannten Ameisenforscher, ehemals Universität Toulouse (jetzt im Ruhestand).
Die gute Nachricht: P. pallidula braucht also keine Winterruhe bei abgesenkter Temperatur.
Die bedenkliche Nachricht ist die Begründung: In Frankreich und Spanien ist sie eine lästige Hausameise! Auch bei uns wurde sie schon als Hausameise nachgewiesen.
Bei uns (in Deutschland) kann sie wohl nur im Sommer im Freien überleben. Das würde aber bedeuten, dass freigekommene Völker sich zum Herbst hin auch in Nachbarhäuser zurückziehen können. Von Wohnblocks etc. mal ganz zu schweigen, wo sie sich ganz genau so wie die Pharaoameise (Monomorium pharaonis) verhält.
ICH jedenfalls würde mir eine solche pest-ant nicht ins Haus nehmen.
Gar nicht zu reden von anderen Pheidole-Arten, von denen man nicht mal den Namen kennt.
Zweifellos hat Gaster Recht:
Ich bin der Meinung, dass es sehr darauf ankommt, aus welcher Region die Königin bzw. die Kolonie ursprünglich kommt.
Ich kenne P. pallidula-Vorkommen mitten in den Alpen, z.B. im Vinschgau, wo sie garantiert einen kalten Winter haben, sogar mit Schneedecke (wenn auch milder als bei uns in Deutschland). Es mag im Süden Spaniens anders aussehen. Aber leider tragen die Tiere kein Etikett, auf dem die Herkunft verzeichnet wäre. Man sollte, wenn man schon glaubt diese Art halten zu müssen, den Anbieter peinlich nach der genauen Herkunft der Kolonien befragen! (Was sich im Übrigen auch bei allen anderen Arten empfiehlt).
Auf alle Fälle erscheinen Geschlechtstiere eben nicht zu jeder Jahreszeit. Einen gewissen Jahreszyklus haben sie überall, eine Winterpause bei niedrigeren Temperaturen ist somit bestimmt nicht falsch!
MfG Earlant
Hallo zusammen,
zum Punkt ob Pheidole pallidula überwintert werden sollte oder nicht, kann ich natürlich auch nichts mehr beitragen, aber die Aussage über die Herkunft einer Kolonie haben mich ein bisschen erstaunt.
Da wir ja hier von einer ganz bestimmten Ameisenart P. pallidula reden, hätte ich angenommen, dass die Anpassungsfähigkeit an wärmere und kältere Regionen bei dieser Art generell vorhanden ist?
Es sind natürlich zwei Schlußfolgerung aus meiner Aussage möglich, entweder es gibt Unterarten die sich an das jeweilige Klima angepasst haben oder die Art kann sich generell an das jeweilige Klima anpassen!
Vielleicht gibt es ja hierzu wissenschaftliche Erkenntnisse, die mir bisher verborgen geblieben sind?
Gruß
Ulrich
@ Ulrich_W Da wir ja hier von einer ganz bestimmten Ameisenart P. pallidula reden, hätte ich angenommen, dass die Anpassungsfähigkeit an wärmere und kältere Regionen bei dieser Art generell vorhanden ist? …. Vielleicht gibt es ja hierzu wissenschaftliche Erkenntnisse, die mir bisher verborgen geblieben sind?
- Es ist es wissenschaftlich bewiesen, dass JEDE weiter verbreitete Art (Ausnahmen: Endemiten, die z.B. nur auf einer kleinen Insel vorkommen) in Populationen unterteilt ist, die oft auch Unterarten darstellen, so weit sie äußerlich unterscheidbar sind. Diese Populationen sind jede für sich an ihre lokalen Umweltbedingungen angepasst. Die Anpassungen sind genetisch verankert, lassen sich also nicht mal so eben durch Gewöhnung verändern.
Ein auffälliges, gerade auch für den Artenschutz bedeutsames Beispiel ist die Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis). Sie kommt auch in Nordafrika vor. An das dortige Mittelmeerklima angepasste Tiere wurden massenhaft in Deutschland verkauft und z.T. ausgesetzt, auch in Gewässer, in denen noch kleine Rest-Populationen der ursprünglich heimischen Tiere vorhanden waren. Die Marokkaner starben im nächsten harten Winter. Vorher hatten sie sich aber noch mit Einheimischen verpaart, deren Jungtiere dann teilweise ebenfalls eingingen, weil die Mischlinge unser Klima nicht vertragen haben. Damit war aber der Nachwuchs der einheimischen Tiere vernichtet oder reduziert, und sie kamen dem endgültigen Aussterben noch ein Stück näher.
Das ist wissenschaftlich bewiesen. Im „Reinheimer Teich“ hier bei Darmstadt wurden die Tiere genetisch untersucht (viel Aufwand und sehr teuer!). Die „reinerbigen“ hessischen Tiere kamen zurück in den Teich, die Mischlinge wurden an Zoos gegeben um die einheimische Population wieder sauber zu bekommen! – Für Ameisen gilt dasselbe, nur dass es unmöglich wäre, alle Völker einer Population zu analysieren und auszusortieren. – Aber hier geht es ja um die Frage, ob
Unterarten die sich an das jeweilige Klima angepasst haben oder die Art kann sich generell an das jeweilige Klima anpassen
- Die klare Antwort der Forschung: Es gibt Unterarten und Populationen, die an das jeweilige Klima angepasst sind! Natürlich hat sich die Art „generell“ an verschiedene Klimate angepasst, über Zehn- oder Hunderttausende von Jahren während ihrer ganz allmähliche Ausbreitung in die unterschiedlichen Klimabereiche. Dabei sind die verschiedenen unterschiedlich angepassten Populationen und Unterarten entstanden.
Mein Lieblings-Vergleich: Wir alle sind Homo sapiens, also Angehörige EINER Art. Trotzdem würde sich ein Farbiger aus dem Kongo bei den Eskimos höchst unwohl fühlen, sogar sterben, weil seine dunkle Haut nicht genug UV-Strahlung für die Vitamin D-Synthese durchlässt, und ein Eskimo würde in Zentralafrika die Platze kriegen. „Anpassen“ können sich Menschen natürlich besser als Ameisen: Mit Heizung bzw. Air Condition, und die europäischen Kolonialherren in Afrika haben sich in früheren Zeiten eben Sklaven gehalten, die ihnen bei Bedarf Kühlung zufächeln mussten.....
MfG
Earlant
@ Earlant
Hallo,
so etwas hab ich mir fast schon gedacht, allerdings war mir nicht bekannt, dass bei der gleichen Insektenart solche Unterschiede auftreten können.
Vielen Dank für Ihre Informationen
mfg
Ulrich
Für die, die wirklich interessiert an diesem Thema sind, empfehle ich mal nach den Arbeiten von Kipyatkov zu Googeln. Viele seiner Abhandlungen sind frei im Internet zu erhalten und beschäftigen sich hauptsächlich mit Jahreszyklen verschiedener Populationen diverser Ameisenarten (besonders Myrmica rubra und M. ruginodis aber auch andere).
Das Thema "Jahreszyklen" wird, nachdem man die Arbeiten gelesen hat, viel verständlicher, obwohl zugleich auch komplizierter:)