Hallo an alle,
hat jemand genauere Informationen darüber, warum der Großteil der Ameisenarten sich im letzten Larvenstadium in einen Kokon einspinnen, und andere nicht? Bitte keine Spekulationen, sondern, wenn's geht, gezielte Infos und Antworten. ;)
Was genau hat das Spinnen eines Kokons für Vorteile? Ist das 'Nichteinspinnen' bei einigen Arten ein Überbleibsel der Evolution, oder sind die sich einspinnenden Arten in der Evolution noch nicht so weit angelangt den Kokon abzuschaffen? Oder fehlt den sich nichteinspinnenden Arten einfach die Fähigkeit einen Kokon zu spinnen?
Es muss ja irgendwelche Gründe für das Einspinnen bzw. Nichteinspinnen geben - darüber würde ich gerne etwas erfahren. Vielleicht hat man sich darüber ja mal Gedanken gemacht ...
Danke für eure Hilfe ...
Grüsse!
P.S.: werde auch demnächst mal Herrn Dietemann, der mit Hölldobler zusammenarbeitet, fragen - hab' ja einen guten Draht zu ihm ... ;) Aber vielleicht hat ja jemand von euch ein paar Infos ...
Ich schätze das müsste helfen weiter unten stehts !!!
http://www.antstore.net/viewtopic.php?t=2089&highlight=verpuppung
Nach besagter Zeit (Geduld ist das A und O in der Ameisenhaltung) haben sich die Larven also verpuppt (wenn sie keinen Halt an etwas bekommen, werden sie zu Nacktpuppen, deshalb beißen viele Königinnen Teile der Watte ab, um sie den Larven zu geben, ein gutes Zeichen für eine bevorstehende Verpuppung) und nach wieder einiger Zeit kommen Jungarbeiter hervor, welche zunächst weißlich grau sind und dann aushärten. Sind sie ausgehärtet, kann man eigentlich schon füttern, denn ab diesem Moment ist es eine kleine Kolonie und die Königin braucht Futter wegen der Hungerszeit.
Quelle: Siehe oben!
Nach besagter Zeit (Geduld ist das A und O in der Ameisenhaltung) haben sich die Larven also verpuppt (wenn sie keinen Halt an etwas bekommen, werden sie zu Nacktpuppen...
Hmmm, dass das Fehlen von 'Befestigungspunkten' für die ersten Spinnfäden der Grund ist, warum einige Arten sich einen Kokon spinnen, andere jedoch nicht, bezweifel ich.
Im Prinzip würde das ja auch bedeuten, dass der Kokon an sich sinnlos ist - wenn's auch ohne geht ... ;) Warum sollten die Larven dann soviel Energie in das Erstellen eines Kokons verschwenden?
Gruss.
Der Kokon bietet natürlich einen gewissen Schutz vor äußeren Umwelteinflüssen, was mit obigem Beispiel gemeint ist, ist jedoch lediglich das Auftreten von kokonlosen Puppen bei kokonbildenden Arten!
.....ich kann mir das nur so erklären, dass im Zuge der Entwicklungsgeschichte und der damit sich verändernden ökologischen Nischenbildung und -Nutzung durch die Ameisen, sich bei manchen Arten die Labialdrüsen der Larven zur Gespinstbildung rückgebildet haben. Das heisst, eine schützende Puppenhülle ist im letzen Stadium der Verwandlung zur Imago nicht mehr notwendig, aufgrund der genetischen Entwicklung oder einer thermorezeptorischen Anpassung an bestimmte Lebensräume.
Ein weiterer Aspekt wären aber auch noch die verbesserten mikroklimatischen Verhältnisse innerhalb des Kokons (Gewächshausprinzip), die zur letzten Umwandlungsphase notwendig sind, um weiterhin an diesem Konzept festzuhalten.
Anregung: Interessant wäre hier sicher auch die Frage, ob stark thermophile Ameisenspezies ihre vollkommene Verwandlung stets in einem Puppenkokon an exponierter Nestposition vollziehen?
Jedoch ist auch ein sogenannter Sozialdruck unter den Arbeiterinnen bei gespinstbildenden Larven letztlich nicht so hoch, da die Puppen im Kokon nicht ständig durch diese geputzt, bespeichelt, beleckt und intensiv bewacht werden müssen. Brutaufziehende Arbeiterinnen leisten am Ende der Verwandlung nur noch Hebammendienste, um die Jungtiere aus der Puppenhülle zu befreien.
Sicherlich ist dabei auch die genetisch verankerte Sozialstruktur (Predationsdruck?) innerhalb einer Art verantwortlich, ob Nacktpuppen gebildet werden oder nicht.
Mitunter ist die Mobilität eines Volkes durch Nacktpuppen erheblich mehr eingeschränkt, als bei solchen, die stets Puppen in einer Gespinsthülle hervorbringen. Etwas an seiner "Umverpackung" (Kokon) schnell zu greifen und abzutransportieren ist sicherlich einfacher, als noch in Notsituationen auf die fragile, nackte Puppe besonders aufpassen zu müssen!
Gruss,
passalidius
Super - vielen Dank, Thomas. Deine Ideen helfen schon sehr weiter.
Hab' Herrn Dietemann auch mal gefragt und ihn um ein paar Infos gebeten - sollten bald hier eintreffen. Werd's dann hier reinstellen.
Gruss.
>.....ich kann mir das nur so erklären, dass im Zuge der Entwicklungsgeschichte und der damit sich verändernden ökologischen Nischenbildung und -Nutzung durch die Ameisen, sich bei manchen Arten die Labialdrüsen der Larven zur Gespinstbildung rückgebildet haben.<
Weiß Gott, ich bin kein Fachmann, aber meines Wissens nach tritt das Fehlen der Kokons bei uns (D) größtenteils bei weniger "weit entwickelten" Gattungen, wie Myrmica, Manica u.a. auf, bei "höheren" Gattungen, wie Lasius, Camponotus dagegen treten Kokons viel häufiger auf (Ausnahmen bestätigen die Regel, ich weiß).
Ich weiß, wiederlegen tut diese Aussage noch nichts, da die Gattungen sich mehr "getrennt", als von der Einen zur Anderen entwickelt haben, aber wäre die Wahrscheinlichkeit nicht größer, dass eine Rückentwicklung aufgrund fehlenden Bedarfs bei den höher entwickelten Gattungen auftritt!?
Nunja, ich bin wohl etwas zu müde, bis denne. ;)
Also ich kann dazu sagen, dass sich (in der Regel) Knotenameisen nicht verpuppen.
Schuppenameisen hingegen verpuppen sich fast immer, wobei ich beobachtet habe, dass, wenn sie sich nicht verpuppen, dies fast immer in der Anfangsphase ist. Daraus könnte man schließen, dass die Königin den Larven einen Stoff nicht zur Verfügung stellen kann. Dies könnte (OK, das ist jetzt eine Spekulation) Eiweiß sein oder worauß der Faden sonst ist.
Falls es so ist, ist es wahrscheinlich ein anderer Stoff. Ich denke nähmlich, dass die Knotenameisen diesen Stoff überhaupt nicht aufnehmen können und deshalb keine Kokons bilden können. :lol:
@Markus: ....schon witzig! Ich habe nichts grundlegend anderes gesagt, als du hier mit deinen Worten wiedergibst!!
Gruss,
passalidius
@Passalidius:
Herr Dietemann hat mir geantwortet. Er hat mir im Prinzip dasselbe gesagt, wie Du. Das heißt, dass ich Dich in Zukuft auch direkt fragen kann... ;)
Er weiß von keiner Studie, die sich mit dieser Frage bisher beschäftigt hat, und denkt, dass die Frage selbst bisher unbeantwortet ist. Durchaus denkt er aber auch, dass einige Arten die Fähigkeit Kokons zu spinnen im Laufe der Zeit verloren haben. Aufjedenfall sind die Arten, die Kokons spinnen, besser dran, da bei ihnen die Arbeiter keine Naktpuppen ständig umsorgen und sauberhalten müssen.
Wer weiß - vielleicht sind Arten, die keine Kokons spinnen, einfach nur ein Schlenker der Evolution ... nach dem Motto: mal was neues ausprobieren.
:)
Gruss.
P.S.: Dietemann arbeitet an der Fertigestellung zweier Studien zu Myrmecia Arten. Sind noch nicht ganz fertig, aber wenn, dann bekomm ich sie direkt - hat er mir versprochen. :) Geht, soviel ich weiß, um Arbeiterinnenfestsetzung und Bestrafung.