Hallo Jvic,
Leider schreibt Mme Dussutour nicht ausdrücklich „deux ouvrières“ oder „deux reines“. Betriebsblind, wie man manchmal wird, habe ich automatisch 2 Königinnen vor mir gesehen, auch weil die Haltung einzelner Arbeiterinnen irgendwie sinnlos erscheint. Einzelne Arbeiterinnen, die ein Jahr bereits überlebt haben, wäre auch ungewöhnlich, obwohl für Camponotus-Arbeiterinnen schon mal 5-7 Jahre Lebenserwartung angegeben werden. Das aber innerhalb eines Volkes.
Die Arbeiten von Frau Dussutour kenne ich zumindest oberflächlich (ist nicht ganz mein Gebiet) und habe nichts dagegen einzuwenden.
Ganz allgemein gesprochen muss man heute allerdings vorsichtig sein, Veröffentlichungen danach zu beurteilen, ob sie in einer renommierten Zeitschrift wie Nature, Science, Proc. Natl. Acad. Sci., Naturwissenschaften u.a. erschienen sind!
Ich bin für einige hochrangige Zeitschriften als Referee tätig und ich weiß, was da gelegentlich für Schwachsinn zum Druck eingereicht wird. Sind die üblicherweise zwei Referees nachlässig, erscheint solcher Mist auch tatsächlich in den Zeitschriften.
Das Problem ist heute, dass für die wiss. Zeitschriften ein „Impact Factor“ berechnet wird, der umso höher liegt, je öfter Arbeiten daraus in anderen Zeitschriften zitiert werden. Eine Anzahl von eigenen Publikationen in Zeitschriften mit hohem IF wird heute von jedem jungen Wissenschaftler verlangt, der sich z.B. auf eine Professur bewirbt. Natürlich kommen auf diese Weise auch wieder hauptsächlich Personen zu akademischen Ehren, die ihren Schülern (Doktoranden, Habilitanten) diese Strategie mit auf den Weg geben
Die Folgen sind katastrophal:
Erstens forscht und veröffentlicht man fast nur noch über Themen von scheinbar oder tatsächlich hoher Relevanz (für viele Kollegen interessant, führt zu vielen Zitierungen in deren Arbeiten). Viele wahnsinnig spannende Themen bleiben links liegen, weil nur für eine kleinere Gruppe von Wissenschaftlern interessant. Zum Beispiel findet man heute nur noch ganz wenig Grundlagenforschung über Ameisen in „besseren“ Zeitschriften. Wer nach wirklich spannenden Erkenntnissen sucht, wird oft eher in Provinzblättchen fündig!
Zum zweiten bemüht man sich intensiv um „sexy“ Themen, denen man einen attraktiven, möglichst aufregenden Titel geben kann, und wo man Beziehungen zu menschlichen Phänomenen/Problemen herstellen kann. Dazu bedarf es oft recht komplizierter gedanklicher Verrenkungen, und leider oft auch erheblicher Übertreibung. – Die einzelnen Wissenschaftssparten werden getrennt bewertet, z.B. Medizin: Da werden laufend Erfolge in der Krebsbekämpfung veröffentlicht. Man fragt sich, weshalb eigentlich Krebs trotzdem noch immer ein Thema ist!
Die Sekundärpresse tut das Ihre dazu, gerade über solche Veröffentlichungen zu berichten, die derartige manchmal tatsächlich, oft aber nur scheinbar „wichtigen“ Befunde enthalten. Es führt zu weit, hier ins Detail zu gehen.
@ Dark_Nemesis:
Das Thema Königinnen, Kolonien oder nur Arbeiterinnen ist oben beantwortet (bzw. auch nicht).
Selbstverständlich muss man zu wissenschaftlichen Zwecken immer mehrere, oft sogar sehr viele Kolonien derselben Art halten. Und dazu gehört nun mal, dass man sie komplett, mit Königin(nen) einsammelt.
„Da höre ich doch bei einigen Ameisenhaltern die Alarmglocken klingeln?“ – Das bezieht sich darauf, dass in den Foren (zurzeit besonders heftig im „Ameisenforum“) oft massive Angriffe auf Ameisenhalter erfolgen, die von Ausgrabungsversuchen berichten bzw. ihre Königinnen aus Freilandnestern holen wollen. Vielleicht ist es besser, die Königinnen von anderen ausgraben zu lassen und sie dann im Handel zu kaufen?
M.f. G.
Earlant