Faunenverfälschung/Intraspezifische Homogenisierung?

Hier kann alles zum Thema Ameisen diskutiert und gefragt werden.

Moderator: baumarkthammer

Beitragvon Erne am Di Aug 30, 2011 10:26 am

Faunenverfälschung/Intraspezifische Homogenisierung ist immer wieder zu lesen, ist das wirklich so?
Gibt es darüber Forschungen, gesicherte Erkenntnisse?

Arten wie Lasius niger schwärmen zu Millionen und das gerne zu Zeiten mit Gewittern.
Gewitter sind bekannt für kräftige Aufwinde, für mich vorstellbar das schwärmende Königinnen in diese Aufwinde kommen und weit getragen werden
und das schon seit Millionen Jahren.

Was ist wirklich daran an Faunenverfälschung/Intraspezifische Homogenisierung?

Weiter wird von Verbreitung von Parasiten/Mikroorganismen gesprochen.
Was aus meiner Sicht nur Berechtigung hat, wenn Ameisen nicht nur mit vor der Haustür gefangenen Insekten/Würmern, gefüttert werden.

Grüße Wolfgang
Benutzeravatar
Erne
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
 
Beiträge: 4439
Registriert: Di Jan 03, 2006 7:02 pm
PLZ/Ort: Niedersachsen
Land: Germany (de)
Alter: 61

Beitragvon Markus am Di Aug 30, 2011 11:26 am

Ich nehme an, du beziehst dich auf diesen Thread:
viewtopic.php?f=139&t=16546&p=139272#p139272

Wenn wir von einer ortsfremden Art sprechen, dass bezieht sich das auf eine gewisse Räumliche Trennung, wenn diese beispielsweise aus einem anderen Bundesland kommen, so ist diese sicherlich gegeben, auch wenn man es nicht genau weiß,
sollte die einfache Devise lauten: Klappe zu, Affe tot.
Auch wenn eine Ansiedlung einer Königin in einem besiedelten Gebiet sehr, sehr unwahrscheinlich ist,
wieso nicht einfach seiner Kolonie das Proteinfutter gönnen?

Natürlich hat jeder Ameisenhalter mehr oder minder auch den Wunsch, seinen Tieren ihren natürlichen Vermehrungszyklus zu gönnen,
aber beispielsweise bei Exoten wird ja wohl jeder verantwortungsvolle Halter davon absehen oder abraten,
da kann man sich doch auch diesen weniger schlimmen anthropogenen Eingriff sparen.
Benutzeravatar
Markus
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
 
Beiträge: 4304
Registriert: Mo Dez 23, 2002 9:16 am
PLZ/Ort: Bad Münstereifel
Land: Germany (de)
Alter: 26

Beitragvon Nycroft am Di Aug 30, 2011 12:39 pm

so markus um dir von anderen thread erstmal zu antworten:)

woher bist du dir so sicher das hier ein mensch sitzt der mit dir schreibt?=)

ich kann dir gleich mehrfach antworten auf einige deiner einwände und äusserungen wenn ich sage das durch die vermischung mehr entwickelt wird als durch ortsspezifische mutation oder selektion.
dadurch kann diese art nämlich sehr unflexibel werden, verstehst du?
es muss sich bloss eine wenigkeit ändern und schon is die art am arsch. wärend eine mischung aus anderen verhältnissen sich auf ihre ureigenen methoden zurückberufen kann.

ja ich weiss was waschbären anrichten.ich wohn aufm dorf und ich kenne jäger. aber ich wusste halt nich warum man die ausgesetzt hat. dachte die kommen wie jede invasive art zufällig mit transportprodukten her.

worauf ich ja eigentlich aus war war das viele ja immer meinen, wenn die gehaltene kolonie schwärmt ,das man die geschlechtstiere abkochen soll oder derartiges obwohl ich es schöner fände wenn meine Camponotus lingiperdus oder meine Formica fusca schwärmt und ich die geschlechtstiere rausbringe zum schwärmen und verbreiten. ihr wisst ja das geschützte arten wie die rote waldameise die sklavenameise braucht. ausserdem gibt es hier bei mir viele nischen für grosse ameisen die sonst nur verloren gingen.und fressbare schädlinge gibt es hier auch genug. mir wär letzens fast ein Eichenprozessionsspinner-gespinst fast in nacken geklatscht.=)

diese information hab ich vom imker meines vertrauens=)
sieh mal die normale mittlerweile "haus"biene ist überhaupt nicht mehr lebensfähig ohne einen imker. sie ist der arsch der insekten und wird von allen seiten belagert ob ihrer harmlosigkeit(gibts das wort?=))

Übrigens:habt ihr gewusst das wenn spitzmäuse in bienenstöcke einbrechen um larven zu mopsen und die bienen schnell und aktiv genug sind um sie zu überwältigen,sie sie ja trotzdem nicht mehr aus dem stock schaffen können wegen fehlender mundwerkzeuge zum zerkleinern und weil die maus zu gross ist für den schlitz. die bienen nehmen dann wachsen und kitten die maus zu. sie bekommt ihren sarkophag (auch wegen der hygiene)und verdunstet dann grade zu darunter. die bienen müssen dann später nur noch die knochen rausschaffen
Benutzeravatar
Nycroft
member
member
 
Beiträge: 150
Registriert: Mo Okt 12, 2009 6:17 pm
PLZ/Ort: 39638 Engersen
Land: Germany (de)
Alter: 23

Beitragvon Pi.Ag3 am Di Aug 30, 2011 4:17 pm

Hallo,

invasive Arten, Faunenverfälschung: Das Thema hatten wir doch schon oft genug hier. Dazu möchte ich mich nicht äußern, aber zu der "Intraspezifischen Homogenisierung", ich hab da oft das Gefühl, dass mit dem Begriff rumgeworfen wird ohne dass wirklich verstanden ist, was das eigentlich bedeutet.
"Intraspezifisch" bedeutet "innerhalb einer Art", es geht also nicht um das Ausetzungen von standortfremden Arten.

Das Prinzip bei Ameisen ist folgendes. Eine Art, nehmen wir der Einfachheit halber Lasius niger, hat ein sehr weites Verbreitungsgebiet, welches das komplette Mitteleuropa umfasst. Es verständlich, dass "Lasius niger" nicht gleich Lasius niger ist - durch erschiedene Standortfaktoren/Umweltbedingungen und einfache Zufälle sind die Genpoole der Lasius niger Populationen in den jeweiligen Regionen unterschiedlich, da kein direkter Austausch zwischen den Populationen von z.B. den Lasius niger in Österreich und den Lasius niger in England besteht. In einigen Jahrtausenden/Jahrmillionen wäre es sogar möglich, dass durch die Isolation dieser Populationen verschiedene Arten entstehen. Aber darauf will ich jetzt nicht näher eingehen. Wir behalten jedenfalls im Hinterkopf, dass Standortbedingt verschiedene Anpassungen an die Umwelt bei den Populationen bestehen.

Um die "Homogenisierung" zu erklären, nehme ich jetzt besser ein anderes Beispiel. Warum, das kläre ich später. Eine weitere Art die weit in Süd- und Mitteleuropa, dafür aber meist nur lokal verbreitet ist, ist Polyergus rufescens. Ich habe hier in meiner Nähe eine sehr kleine Population, nur wenige Kolonien, die von den nächsten Vorkommen vermutlich weit abgeschottet bzw. isoliert ist. Ich nehme an, dass sie dort schon recht lange vorkommen, und durch evolutionäre Prozesse ist sie besonders gut an die häufigste Sklavenart hier, Formica rufibarbis, angepasst, sowie an das Klima. Ich erfinde jetzt einfach mal was: Das Klima hier ist verglichen mit Südeuropa recht kühl, weshalb die Polyergus auch an etwas kühleren Tagen erfolgreich Raubzüge ausführen.
Die andere Population die wir betrachten, stammt aus Südwestfrankreich mit mediterranen Klima. Nehmen wir an, im Lebensraum dieser Population ist die bevorzugte Sklavenart Formica cunicularia. Die Kolonie ist gut an diese Sklavenart angepasst. Das Wetter ist ziemlich warm, und die Polyergus gehen nur an besonders heißen Tagen im Jahr auf Jagd, wegen der Hitze bevorzugt am späten Abend. Sie ist also gut an das Klima angepasst.

Jetzt nehmen entnehmen wir eine Kolonie der französischen Polyergus rufescens, und setzen sie hier bei mir in Rheinhessen bei dem anderen Polyergus Vorkommen aus. Die Kolonie etabliert sich, allerdings hat sie es wegen den anderen Klima und der anderen Sklavenart (und natürlich wegen etlichen weiteren denkbaren Faktoren) etwas schwerer als die heimischen Polyergus. Die Kolonie zieht Geschlechtstiere auf, und beim Schwarmflug paaren sich Männchen und Königinnen mit den lokalen Männchen und Königinnen. Der Genpool vermischt sich dadruch, es besteht die Möglichkeit dass nachfolgende Kolonien nun die "schlechten" Merkmale der französischen Polyergus besitzen. Zum Beispiel geht die Kälteresistenz flöten, die Polyergus kommen nur noch an sehr wenigen Tagne im Jahr überhaupt zu einem Raubzug, außerdem haben sie Probleme mit den anderen Sklavenameisen und der Winter ist härter. Die Vermischung findet weiterhin statt, und da die lokale Population derart klein ist, findet keine effektive natürliche Auslese der Hybriden statt - die Population ist geschwächt, möglicherweise wird ein Großteil der Völker in den nächsten hartne Wintern eingehen.

-> Schlecht!

Das Prinzip funktioniert aber nur dann, wenn die Populationen relativ klein sind. Ansonsten würden die "Unangepassten" ganz im Sinne der Evolution einfach ausselektiert werden.
Bei den meisten heimischen Ameisenarten gibt es meiner Meinung nach also so gut wie keine Gefährdung, wenn man standortfremde Arten freilässt. Auch sind die Unterschiede oft nicht drastisch zwischen den Kolonien, ich habe mit den Polyergus ein Extrembeispiel gewählt. Aber es besteht bei einer von aussterbenden bedrohten Art, die nur noch kleine Vorkommen in einem bestimmten Gebiet hat, diese oben beschriebene Gefahr. Das Risiko ist sehr gering, und bei den üblich gehaltenen Arten wie Myrmica rubra, Lasius niger, Camponotus ligniperdus etc. kann es vernachlässigt werden.
Es gibt meines Wissens auch bisher keinen solchen nachgewiesenen Fall einer intraspezifischen Homogenisierung bei Ameisen.

Grüße, Phil
Pi.Ag3
member
member
 
Beiträge: 407
Registriert: Do Okt 09, 2008 3:34 pm
Land: Germany (de)
Alter: 22

Beitragvon Markus am Di Aug 30, 2011 4:37 pm

>woher bist du dir so sicher das hier ein mensch sitzt der mit dir schreibt?=)<

Muss ich diese Aussage verstehen?

>ich kann dir gleich mehrfach antworten auf einige deiner einwände und äusserungen wenn ich sage das durch die vermischung mehr entwickelt wird als durch ortsspezifische mutation oder selektion.<

Das ist schlichtweg falsch, durch Durchmischung wird Erbgut nur vermischt, die Unterschiede darin entstehen schlicht und ergreifend durch Mutation und die genetische Zusammensetzung einer Population wird langfristig weitgehend durch Selektion bestimmt.

>dadurch kann diese art nämlich sehr unflexibel werden, verstehst du?<

Dadurch ist erst die Besiedelung andersartiger Ökosysteme möglich geworden, Mutation und Selektion erschaffen langfristig genetische Vielfalt, während Durchmischung diese langfristig sogar beeinträchtigen kann,
dadurch entsteht Stillstand, der seinerseits in einer bewegten, sich entwickelnden Natur unflexibilität und Aussterben bedeutet.
Selbstverständlich kann extreme Anpassung an ein sehr seltenes Ökosystem die Gefahr mit sich bringen, dass die jeweilige Art beim Verschwinden ebendieser Umgebung mitverschwindet,
das nennt man umgangssprachlich evolutionäre Sackgasse,
nur gäbe es eben ohne Evolution auch nicht die vielseitigen und anpassungsfähigen Arten!

>es muss sich bloss eine wenigkeit ändern und schon is die art am arsch. wärend eine mischung aus anderen verhältnissen sich auf ihre ureigenen methoden zurückberufen kann.<

Was meinst du?
Welche ureigenen Methoden?
Noch einmal: der Heterosiseffekt (du redest doch vom Hybrideffekt) tritt nur bei der F1-Generation aus zwei Inzuchtlinien auf, er schwächt sich nach mehreren Generationen aus dieser F1-Linie massiv ab,
ist keineswegs dauerhaft und damit evolutiv weitestgehend bedeutungslos (Ausnahmen mögen die Regel bestätigen).

>ja ich weiss was waschbären anrichten.ich wohn aufm dorf und ich kenne jäger. aber ich wusste halt nich warum man die ausgesetzt hat. dachte die kommen wie jede invasive art zufällig mit transportprodukten her.<

Zumindest habe ich das so in Erinnerung...

>worauf ich ja eigentlich aus war war das viele ja immer meinen, wenn die gehaltene kolonie schwärmt ,das man die geschlechtstiere abkochen soll oder derartiges obwohl ich es schöner fände wenn meine Camponotus lingiperdus oder meine Formica fusca schwärmt und ich die geschlechtstiere rausbringe zum schwärmen und verbreiten. ihr wisst ja das geschützte arten wie die rote waldameise die sklavenameise braucht. ausserdem gibt es hier bei mir viele nischen für grosse ameisen die sonst nur verloren gingen.und fressbare schädlinge gibt es hier auch genug. mir wär letzens fast ein Eichenprozessionsspinner-gespinst fast in nacken geklatscht.=) <

Das Dumme ist nur, dass du das aus der Sicht eines Privathalters betrachtest, dir liegen bestimmte Tiere am Herzen und deswegen möchtest du sie subjektiv geleitet ortsansässig machen,
aber ob das sinnvoll ist, wird durch mehr Aspekte bestimmt, als nur Schädlingsdichten und persönliche Präferenzen,
standortangepasstheit und ökologische Verträglichkeit gehören dazu und die sind nicht so einfach zu bestimmen!

>diese information hab ich vom imker meines vertrauens=)
sieh mal die normale mittlerweile "haus"biene ist überhaupt nicht mehr lebensfähig ohne einen imker. sie ist der arsch der insekten und wird von allen seiten belagert ob ihrer harmlosigkeit(gibts das wort?=))<

Das halte ich für übertrieben, doch gehen wir mal von dem Fall aus, dass es so ist:
Ähnliches gillt auch für Ackerpflanzen, aber Honigbienen sind in unseren Breiten nuneinmal Nutztiere, mit der Zeit passen diese sich an die Bedrüfnisse ihres Halters an und haben mitunter Schwierigkeiten, außerhalb dieser Symbiose (ja, das ist es) zu überleben.
Die Einkreuzung afrikanischer Bienen kommt ja aus ähnlichen Aspekten zustande, Bockmist wars, da hatte man nicht weit genug gedacht und jetzt haben die Amis ein echtes Problem an der Backe.
Das ist nur ein Argument gegen solche Kreuzungsversuche!


Von Abkochen habe ich auch nicht geredet, dafür müsste man sie ja auch kontrolliert freilassen und wieder einfangen,
wieso sollte man auch: Parasiten, die die Geschlechtstiere hätten, hätte auch die Kolonie selbst, da können sie die auch getrost unverarbeitet verzehren!
Benutzeravatar
Markus
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
 
Beiträge: 4304
Registriert: Mo Dez 23, 2002 9:16 am
PLZ/Ort: Bad Münstereifel
Land: Germany (de)
Alter: 26

Beitragvon Nycroft am Di Aug 30, 2011 7:13 pm

hab dich nich so albern!=) ich seh ja auch drüber weg das du copy und paste einsetzt.(psst...das kann ich garnich ab;-))

ayayay jetzt wirds kompliziert. da würd ich gern meinen ehem. biolehrer zu rate ziehn der auch gleichzeitig der imker meines vertrauens ist=)

hm...wie antwort ich jetz auf sowas?
warum wird natürlicher weise darauf geachtet möglichst KEINE inzucht zu begehen? weil das genpool duch das vermischen verschiedener "eigenschaften" und gene komplexer wird.je komplexer das genpool um so mehr gene können bei bestimmten begebenheiten eingesetzt werden.
phil meinte ja auch :zitat:"Der Genpool vermischt sich dadruch, es besteht die MÖGLICHKEIT dass nachfolgende Kolonien nun die "schlechten" Merkmale der französischen Polyergus besitzen"
es muss also nicht zum stillstand kommen wie du sagst. es können auch positive und hilfreiche eigenschaften vereerbt werden.
selektion bedeutet doch das fähigkeiten vererbt werden die das überleben verbessern und sichern. und sowas kann nur passieren wenn sich die erbsubstanz mischt.

erklär mir bitte noch mal langsam und für troglodyten was es mit deinen heterosiseffekt auf sich hat.=)

und das mit den bienen und der sauberkeitssteigerung im vergleich zur erweiterten aggressivität hat nicht mal mit der afrikanischen biene zutun . das passiert auch wenn sich unsre hausbienen mit heimischen wilden bienen kreuzen. ganz besonders wenig empfänglich für die varroamilben sind wohl die russischen bienen.
Benutzeravatar
Nycroft
member
member
 
Beiträge: 150
Registriert: Mo Okt 12, 2009 6:17 pm
PLZ/Ort: 39638 Engersen
Land: Germany (de)
Alter: 23

Beitragvon Gast - ehem. User am Di Aug 30, 2011 7:16 pm

Das ganze ist doch nur eine weitere Spinnerei gewisser Leute, damit man ein Argument generell gegen den Ameisenhandel hat.

Nein es genügt nicht, dass man alle Exoten als potentiell invasiv betrachtet (ganz gleich ob die jetzt aus den Tropen oder sonst wo herkommen), nein jetzt kann man auch noch die ominöse intraspezifische Homogenisierung gegen das Versenden einheimischer Arten aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands ins Feld führen.

Und wie es natürlich immer so ist: Es wird sich nur bei Ameisen daran aufgegeilt, bei Pflanzen beispielsweise juckt es keinen, wenn Hansi seiner Oma im Norden paar Pflanzen aus dem Süden Bayerns ausgräbt und zum 70. Geburtstag schenkt, damit sie was für ihren Balkon hat.

Glaubhafter wird das ganze jedenfalls nicht, indem man sich nur auf Ameisen beschränkt. (Aber ich kanns ja verstehen, der eigene Garten wimmelt sowie so voller Exoten und Pflanzen, die nicht aus der Region stammen #-o )
mfg

Barristan
Benutzeravatar
Gast - ehem. User
member
member
 
Beiträge: 494
Registriert: Mi Apr 08, 2009 9:58 pm
Land: Germany (de)
Alter: 31

Beitragvon Markus am Di Aug 30, 2011 8:31 pm

Barristan, mit Verlaub: ich habe mich nirgends gegen den Handel mit Ameisen ausgesprochen,
sondern gegen das Auswildern ortsfremder Tiere,
dass du gleich die B.-keule rausholst, wirkt auf mich paranoid!
Ich bin weder fremdgesteuert, noch dem Ameisenhandel feindlich gesinnt, dennoch muss Kritik an manchen Haltungsideen möglich sein!
Und nebenbei: auch das unkontrollierte Auswildern von Pflanzen ist ein unkalkulierbares Risiko, das kann man schon am indischen Pfeilkraut sehen...

Natürlich ist das Risiko einer erfolgreichen Ansiedlung, oder einer starken genetischen Homogenisierung gering, aber wieso dieses Risiko absichtlich eingehen, wenn die Kolonie zumindest eine Chance auf Proteinrecycling hätte?


@Nycroft:

>hab dich nich so albern!=) ich seh ja auch drüber weg das du copy und paste einsetzt.(psst...das kann ich garnich ab;-))<

Meinst du meine Art, zu zitieren?

>warum wird natürlicher weise darauf geachtet möglichst KEINE inzucht zu begehen?<

Inzuchtlinien dienen dazu, bestimmte Merkmale herauszuzüchten, weil sich mit jeder Inzuchtgeneration die Heterozygotie reduziert, bei Selbstung sogar halbiert.
Damit verstärken sich jedoch auch "schlechte" Merkmale, denn es kommen häufiger negative Allele, wie Erbkrankheiten, welche i.d.R. rezessiv vererbt werden (sonst gäbe es diese Gene bald nicht mehr), homozygot vor...
Diese Inzuchtlinien braucht man in der Hybridzüchtung, weil man sonst kaum Heterosis hat,
aber in der Natur finden sich erstens nur selten genetisch so differenzierte Individuen, außerdem kommen dann oft andere Vermehrungshemmnisse hinzu, wie die Artgrenze.

>weil das genpool duch das vermischen verschiedener "eigenschaften" und gene komplexer wird.je komplexer das genpool um so mehr gene können bei bestimmten begebenheiten eingesetzt werden.<

Der Genpool beschreibt die Gesammtheit der genetischen Eigenschaften einer Population, nicht eines Individuums, den kann ein Individuum nicht einfach aus der Westentasche ziehen wie ein Revolverheld... ;-)
Hohe Flexibilität für die Population bedeutet, dass bei extremen Umweltbedingungen die Individuen mit den passenden Genen überleben und sich gut vermehren, Individuen mit schlechten Genen in Extremsituationen einfach aussterben, damit wäre die Selektion wieder da und die genetische Vielfalt ausgelöscht.
Das Hinzufügen von Eigenschaften, falls man es wirklich so nennen kann, findet nicht willkürlich statt, sondern mehr oder minder zufällig und auch nur, wenn die neuen Gene nicht von Nachteil sind,
dummerweise bedeuten viele Gene in einem Pool nicht, dass es viele gute Gene sind!

>phil meinte ja auch :zitat:"Der Genpool vermischt sich dadruch, es besteht die MÖGLICHKEIT dass nachfolgende Kolonien nun die "schlechten" Merkmale der französischen Polyergus besitzen"
es muss also nicht zum stillstand kommen wie du sagst. es können auch positive und hilfreiche eigenschaften vereerbt werden.<

Eine Population ist an ihre Umwelt angepasst, andere Eigenschaften aus anderen Gebieten wären da nur dann von Vorteil, wenn sich die Umweltbedingungen derartig ändern, dass die vorherrschenden Gene von Nachteil sind, und dann müsste die Durchmischung auch irgendwann aufhören, sonst wäre es keine Durchmischung mehr, sondern Austausch - wobei wieder Merkmale verloren gehen.

>selektion bedeutet doch das fähigkeiten vereerbt werden die das überleben verbessern und sichern. und sowas kann nur passieren wenn sich die erbsubstanz mischt.<

Selektion reduziert unpassende Gene, weil diese Tiere einen Nachteil haben, natürlich müssen dafür eine gewisse Anzahl an verschiedenen Genen vorhanden sein, diese entstehen jedoch nicht durch Hinzufügen durch den Menschen im Schöpfungswahn, sondern durch Mutation.

>erklär mir bitte noch mal langsam und für troglodyten was es mit deinen heterosiseffekt auf sich hat.=) <

Gern: der Heterosiseffekt beschreibt die Steigerung einer Eigenschaft in der F1-Generation (der ersten Mischungsgeneration) im Vergleich zu der Eigenschaft bei zwei ingezüchteten Elternlienien,
dieser Effekt, auch Hybrideffekt genannt, mindert sich jedoch in den darauffolgenden Generationen.
Falls du ein Problem mit dem Inzuchtbegriff hast, theoretisch geht das auch mit Doppelhaploiden, und ähnlichen genetischen Spielereien, aber das ginge hier zu weit, wichtig ist nur, dass die Eltern von Hybriden möglichst viele Allele homozygot vorliegen haben.
Theorien, wie es dazu kommt, gibt es einige, aber das würde hier ebenfalls viel zu weit führen.

>und das mit den bienen und der sauberkeitssteigerung im vergleich zur erweiterten aggersivität hat nicht mal mit der afrikanischen biene zutun . das passiert auch wenn sich unsre hausbienen mit heimischen wilden bienen kreuzen. ganz besonders wenig empfänglich für die varroamilben sind wohl die russischen bienen.<

An letzeres kann ich mich sogar (glaube ich zumindest) erinnern, das sagte auch der Imker, bei dem ich mal ein Kurzpraktikum hatte, ist aber sehr lange her.

OK, jetzt weichen wir aber langsam vom Thema ab, ähnliche Diskussionen hatten wir schon mal (nur in anderem Zusammenhang):
viewtopic.php?f=7&t=16124&start=0&st=0&sk=t&sd=a&hilit=Pflanzenzucht
Benutzeravatar
Markus
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
 
Beiträge: 4304
Registriert: Mo Dez 23, 2002 9:16 am
PLZ/Ort: Bad Münstereifel
Land: Germany (de)
Alter: 26

Beitragvon Nycroft am Di Aug 30, 2011 8:48 pm

ayayay was soll ich jetzt noch sagen...hm....

naja erstmal soviel zu der komplexen erbgut geschichte.
ich weiss nich ob du das weisst aber es gibt bestimmte gene die nur unter bestimmten einflüssen(temperatur,hormone...) aktiviert werden sodass einige tiere plötzlich ein unerwartetes verhalten an den tag legen um zu überleben.

mehr kommt heut von mir glaub ich nich mehr=)
Benutzeravatar
Nycroft
member
member
 
Beiträge: 150
Registriert: Mo Okt 12, 2009 6:17 pm
PLZ/Ort: 39638 Engersen
Land: Germany (de)
Alter: 23

Beitragvon Krabbeltierfan am Mi Aug 31, 2011 3:00 pm

Ich bin Aufnahmefähig, möchte aber etwas OffTopic schreiben.

Solche Diskussionen sind immer interessant, auch wenn sie seit langem in diversen Ameisenforen diskutiert werden. Leider gibt es bei mir da häufig zwei Zustände, wenn ich die Lese:

1. Fremdschämen, wegen ungenauem Gebrauch von wissenschaftlichen Begriffen etc. und daraus resultierenden Falschaussagen und...
2. Freude über Leute, die das eben nicht tun und richtig gut argumentieren :D

Dabei sind die Begriffe ja bereits alle definiert und bei richtigem Gebrauch und erfassen ihrer Bedeutung kann das ja auch kaum so schwer sein...wollen wir nicht mal ein kleines Definitions-Lexikon machen?

JA, ES STEHT BEREITS ALLES ÜBERALL IM NETZ! Nur hier halt noch nicht :(
Nun bin ich aber noch etwas ratlos über Struktur und Herangehensweise. Zudem ist Hilfe da nie schlecht.

Nur so als Idee!
Nieder mit der Unwissenheit :mrgreen:

Grüße
Krabbel
http://einhuhn.mybrute.com
Krabbeltierfan
member
member
 
Beiträge: 463
Registriert: So Aug 03, 2008 8:00 pm
Alter: 23

Beitragvon Gast - ehem. User am Mi Aug 31, 2011 5:34 pm

@Markus

Mein Post war allgemein und nicht an dich gerichtet, falls das so rüber kam, dann tuts mir leid.

@Krabbeltierfan

Schon alleine "intraspezifische Homogenisierung" scheint nicht allgemein definiert zu sein. Jedenfalls finden sich, wenn man den Begriff in google eingibt, nur Links zu Ameisenforen, oder wenn man etwas in anderen Foren findet, dann verweisen die wiederum auf diese.

Aber, wenn du eine Definition dieses Begriffs hast, dann her damit. Auch wäre ich an Arbeiten (außerhalb der Ameisenwelt) interessiert, die diese Phrase verwenden.
mfg

Barristan
Benutzeravatar
Gast - ehem. User
member
member
 
Beiträge: 494
Registriert: Mi Apr 08, 2009 9:58 pm
Land: Germany (de)
Alter: 31

Beitragvon Pi.Ag3 am Mi Aug 31, 2011 6:31 pm

Natürlich existiert der Begriff "intraspezifische Homogenisierung" - eine innerartliche "genetische Angleichung" (gibt kein gescheites Synonym für Homogenisierung).
Trotzdem würde ich Dir insofern zustimmen, dass er kaum eine Relevanz im Allgemeinen hat (Ausnahme: Bei der Ansiedlung von bedrohten Arten bzw. dem Aufstocken von geschwächten Populationen durch ortsfremde Individuen), und insbesondere in den Ameisenforen (mit ein paar Ausnahmen ;)) viel zu arg "hochgepusht" wurde. Ich sehe keine Probleme beim freilassen von Geschlechtstieren/Völkern heimischer Arten in Gebieten wo die selbe Art auch natürlich vorkommt.
Selbst wenn eine Gefährdung in dem Sinne existieren würden, dann wären die Ameisenhalter wohl die letzten, die derartiges Auslösen - man bedenke allein die Anzahl der Blumentöpfe die den Besitzer wechseln in denen Ameisenvölkern vorhanden sind und viele weitere Möglichkeiten wie ein Geschlechtstier/Volk von Punkt A nach B kommt.
Was noch nicht genannt wurde- die in dem Artikel von Prof. Buschinger erschwerte Biogeographie durch solch verfälschendes Eingreifen ist natürlich auch gegeben, allerdings halte ich es für sehr unwahrscheinlich, dass ausgerechnetdurch Ameisenhalter ausgesetzte Fremdlinge diese erschweren - da spielen die oben genannten Verschleppungsmöglichkeiten eine viel größere Rolle.

Grüße, Phil
Pi.Ag3
member
member
 
Beiträge: 407
Registriert: Do Okt 09, 2008 3:34 pm
Land: Germany (de)
Alter: 22

Beitragvon Markus am Mi Aug 31, 2011 7:23 pm

@barristan: ach so, dann habe ich das falsch verstanden, sorry.
Benutzeravatar
Markus
Ehrenmitglied
Ehrenmitglied
 
Beiträge: 4304
Registriert: Mo Dez 23, 2002 9:16 am
PLZ/Ort: Bad Münstereifel
Land: Germany (de)
Alter: 26


Zurück zu Diskussion und Fragen Allgemein

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste

DHTML Menu by Milonic